Der Wein-Engel ist endlich gelandet

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«Siebe Dupf»-Kellermeister Thomas Engel besteht seine Feuertaufe beim grössten Baselbieter Weinproduzenten. Nach einem schwierigen 2013 wird bald der neue Jahrgang geerntet.

Gold für den Maispracher Riesling-Sylvaner: Thomas Engel hat beim schwierigen 2013er-­Wein gute Arbeit geleistet.

Gold für den Maispracher Riesling-Sylvaner: Thomas Engel hat beim schwierigen 2013er-­Wein gute Arbeit geleistet.

Als Thomas Engel, Kellermeister beim grössten Baselbieter Weinproduzenten Siebe Dupf, vor einem Jahr das Zepter von Martin Brumec übernahm, hätte die Herausforderung kaum grösser sein können. Das lag nicht nur an den grossen Fussstapfen des fast drei Dekaden amtierenden Vorgängers, sondern vor allem auch an der bevorstehenden Ernte. «Ein schwierigeres Jahr als 2013 war schwer vorstellbar», erinnert sich Engel. Die Trauben seien eher faul als reif geworden.

Inzwischen hat der 39-Jährige einen Grossteil jener Problemernte abgefüllt. Trotz des schwierigen Jahres zeigt sich Engel nun zufrieden mit den frischfruchtigen 2013er-Weinen. «Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.» Dass es sich um mehr handelt, als das Marketinggeschwätz eines Weinproduzenten, zeigt sich etwa bei der Degustation des Maispracher Riesling-Sylvaners: Fruchtig und blumig in der Nase mit Noten von grünem Apfel, Holunder und etwas Muskat; im Gaumen gesellt sich eine herbe Säure dazu.

Grund zur Feier

Der Tropfen wurde an der Internationalen Weinprämierung Zürich (IWPZ) soeben mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Daneben wurden bisher in der frisch angebrochenen Wein-Wettbewerbs-Saison vier weitere 2013er aus dem Hause Siebe Dupf mit Silbermedaillen prämiert.

Da scheint der neue Kellermeister gute Arbeit geleistet zu haben. Feuertaufe bestanden. «Ich habe immer gesagt: Wenn ich mein erstes Jahr alleine absolviert habe, bin ich angekommen bei Siebe Dupf», sagt Engel. Zuvor hat er die Kellerei mit Brumec während eines Übergangsjahrs gemeinsam betrieben. Aus jener Zeit stammt der Siebe Dupf Barrique Pinot Noir 2011, der soeben an der «Mondial des Pinots» in Sierre Gold gewonnen hat. Eine Art verspätetes Abschiedsgeschenk für Brumec.

Auch sonst hat man bei Siebe Dupf allen Grund zu feiern: Das Kleinunternehmen, das nicht nur Weinproduzent, sondern auch Importeur und Händler ist, feiert dieses Jahr sein 140-jähriges Bestehen. «Das ist eine grosse Sache – mit dieser Vergangenheit tragen wir viel Verantwortung», sagt Nicolas Neuhaus, seit Anfang Jahr Geschäftsführer. «Wir versuchen, eine neue Ära einzuläuten.» Vor Kurzem hat Siebe Dupf seine Basler Niederlassung vom Spalenberg in die Enothek an der Grenzacherstrasse gezügelt und die Homepage erneuert.

Neuer Schädling bereitet Sorgen

Im Rebberg bereitet Thomas Engel, der vom Koch zum Winzer wurde, vor allem die neu auftretende Kirschessigfliege Sorgen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fruchtfliegen vergeht sich der aus Asien eingeschleppte Schädling auch an gesunden Früchten. Noch ist ungewiss, in welchem Ausmass die auf Kirschen und Zwetschgen spezialisierte Fliege auch den Winzern zu schaffen machen wird. «Ohne diese Fliege könnte es uns ja fast schon langweilig werden», meint Engel lachend.

Ebenfalls eine grosse Herausforderung für ihn ist die Zusammenarbeit mit den über 100 Winzern, die Siebe Dupf mit rund 250 Tonnen Trauben pro Jahr beliefern (das ergibt etwa eine Viertelmillion Flaschen). Um künftig noch bessere Weine zu keltern, übt Engel bei Bedarf auch einmal sanften Druck aus auf nachlässige Winzer.

Guter Wein entsteht nämlich vor allem im Rebberg, der Kellermeister verleiht ihm dann im besten Fall nur noch den letzten Schliff. Oder er rettet, was zu retten ist – so wie 2013. Dass er diesen Jahrgang bändigen konnte, stimmt Engel zuversichtlich. «Es macht Freude, daran zu denken, was in einem normalen Jahr möglich ist.»

Noch liegt 2014 alles drin

Trotz nasskaltem Sommer – um den Weinjahrgang 2014 steht es nicht so schlecht, wie man meinen könnte. Dank dem heissen Frühling haben die Reben früh ausgetrieben und geblüht. Zeitlich sind sie im Vergleich zum Vorjahr immer noch im Vorsprung. «Wasser haben wir genug – jetzt wäre es super, wenn es bis zur Ernte nicht mehr regnet», findet Engel, wohlwissend, dass ihm die strengsten Wochen des Jahres bevorstehen. Wenn das Wetter mitspielt könnte man in der letzten Septemberwoche mit der Ernte des Muttenzer Riesling-Sylvaners beginnen. Zuletzt eingeholt würden Ende Oktober die Pinot-Noir-Trauben für den neu dazugestossenen Syydebändel-Wein.

Welche Weine sich aus diesen Trauben dann machen lassen, hängt vom Wetter der kommenden Wochen ab. Das Ziel von Engel ist aber klar: «Ich will der restlichen Schweiz zeigen, dass wir im Baselbiet nicht nur gute Chirsi, sondern auch hervorragende Weine hervorbringen können.»

Dieser Artikel erschien erstmals in der Basler Zeitung vom 28. August 2014.

Unrasierte Frauenbeine am «Mémoire & Friends» 2014

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MDVS_2014_27Es begann mit Weinen, weiss wie die Unschuld und endete mit einem fingerdicken Tannin-Teppich auf Zunge und Zahnhälsen: Dazwischen lag eine abenteuerliche Safari durch den Dschungel des Schweizer Weins in fast all seinen Farben, Formen und Lagen. Man muss schon sagen: Was die Winzer hierzulande zu bieten haben, ist schon allerhand! Die Schweiz als autarkes, selbstversorgendes Weinland – mit dem Gedanken könnte ich mich an Anlässen wie dem Schweizer Wein-Stelldichein am Mémoire & Friends im Kongresshaus Zürich fast schon anfreunden.

Erkenntnis des Tages: Chasselas (insbesondere aus dem Dézalay) und Pinot Noir, zwei tendenziell eher filigrane, elegante und zuweilen auch fade Traubensorten, die – ich gebe es zu – (noch) nicht zu meinen Favoriten gehören, diese beiden Königinnen können halt schon verdammt gute Weine hervorbringen. Beide sind sie mengenmässig Schweizer Spitzenreiter in im weissen beziehungsweise roten Segment.

MDVS_2014_6Natürlich kamen uns (eine Sommelière, eine Weinliebhaberin, ein Amerikaner mit Jetlag und der Bonvinvant) auch diesmal hervorragende Merlots, Petite Arvines, Chardonnays und Heidas über die Lippen. Die Stars aber waren die oben genannten Platzhirsche. Mit der Gamay-Assemblage aus Genf konnte hingegen rein gar nichts anfangen – mich schauderts jetzt noch.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass viele der dargebotenen Weine jüngeren Jahrgangs (und das waren die meisten) wie unrasierte Frauenbeine daherkommen: Von weitem betrachtet sehen sie ganz gut aus, sobald man aber auf Tuchfühlung geht, wird es kratzig und ungestüm. Was man aber gerne hinnimmt, weil sich bereits deutlich abzeichnet: Der Zahn der Zeit wird die haarige Seite dieser Tropfen früher oder später wegrasieren und dann, man ahnt es, präsentiert sich dem Weinfreund der Himmel auf Erden.

Das auf der Kongresshaus-Bühne etwa die Mémoire des Vins Suisses-Sonderschau zu den Schatzkammerweinen 2004, eine Auswahl an zehnjährigen Präziosen. Die Köstlichkeiten waren am frühen Abend bereits weggetrunken, die Schatzkammer geplündert – das sagt ja wohl alles.

Hier die Degustations-Notizen unserer Safari durch die Wein-Schweiz

MDVS_2014_1Heida Melodie 2013, St. Jodern Kellerei Visperterminen, AOC Valais.
Eine wunderbare Assemblage mit Restsüsse, exotischen Früchten wie Stachelbeere, aber auch Aprikose. Frisch und spritzig in Nase und Gaumen. Ursprünglch war dieser restsüsse Tropfen ein «Unfall», gekeltert aus jenen Trauben, deren Oechsle-Werte noch höher liegen als die Visperterminen. Ein toller Unfall!

Heida Réserve des Administrateurs 2013, Cave St-Pierre SA, Valais AOC.
Mineralisch, weniger exotisch als die vorangegangene Heida-Assemblage, eher Zitrusfrcht in der Nase, kantig, viel Säure im Gaumen.

Petite Arvine Réserve des Administrateurs 2013, Cave St-Pierre SA, Valais AOC.
Zurückhaltendes Bouquet, Heu, Holunderblüte, sonst eher auf der grünen Seite. Saftig und salzig im Gaumen.

MDVS_2014_9Dézaley Grand Cru Médinette 2004, Domaine Louis Bovard, Lavaux AOC.
Sellerie, grüne Paprika und Geranien in der Nase, dazu mineralische Noten; sehr subtil im Gaumen – filigran, blumig, gut. Eine elegante alte Dame.

Vieilles Vignes Maître de Chais 2004, Provins Valais, AOC Valais.
Eine wunderbar ölige Assemblage aus Marsanne, Amigne, Pinot Blanc und Heida, gekeltert aus Beeren von 67- bis 85-jährigen «vieilles Vignes». In der Nase: Birne, reife Aprikose, Heu, Honig. Sehr eigen im Gaumen: blumig, vollmundig, herb, komplex.

MDVS_2014_12Completer 2012, Sprecher von Bernegg, Graubünden AOC.
Der Tropfen ist erst vor Kurzem in der Flasche gelandet. Extrem hellfarbig, dezent in der Nase, nasser Stein; herb im Gaumen, dazu viel Säure.

Pinot Blanc 2013, Sprecher von Bernegg, Graubünden AOC.
Ebenfalls hell, zurückhaltend, sauer und herb. Nicht so mein Fall.

MDVS_2014_31Cuvée Blanche 2013, Weingut Schloss Salenegg, Graubünden AOC.
Eine Assemblage aus weiss gekeltertem Pinot Noir und Chardonnay, dezentes und buttriges Bouquet, begleitet von floralen Noten wie Bergamotte, auch etwas grüne Birne; butterzart im Gaumen, prickelnder, süsslicher Abgang. Yeah!

Chardonnay Barrique 2011, Weingut Schloss Salenegg, Graubünden AOC.
Eine Bombe in der Nase! Butter, Williamsbirne, vollmundig. Rockt.

Cicero M Sauvignon Blanc 2013, Cicero Weinbau AG, Graubünden AOC.
Frischfruchtig, mineralisch, blumig, natürlich auch Stachelbeere, dazu grüne Peperoni, Gras und Kräuter.

Donatsch Completer Malanserrebe 2012,
Zitusnase mit hoher Säure, Geranien, Gras, grüne Peperoni, prickelnd im Gaumen, viel Säure, herb, granny Smith.

Und jetzt, endlich, die Roten – hurra!

Lenéo 2011, Fratelli Corti SA, Ticino DOC.
Ein Merlot, wie ich ihn Liebe! Schwarze Früchte, Leder, Tabak, dazu würzig; noch etwas kantig im Gaumen, präsente Säure, körnige Tannine.

MDVS_2014_18Salorino 2012, Fratelli Corti SA, Rosso del Ticino DOC.
Cuvée aus Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignen. Erdig, rot- und schwarzfruchtig; ebenfalls noch etwas ruppig im Gaumen. Paprika, Kräuter. Vollmundig. Ungestüm. Braucht Zeit.

Brancaia Chinati Classico Riserva DOCG 2010, La Brancaia SRL.
Ein Chianti, gekeltert von Ausslandschweizern, mit einem Bouquet von Tabak, Kaffee, schwarzen Früchten, wirkt noch ewas jung und wild. Solid, aber nichts Besonderes.

…zur Auffrischung ein weisser Zwischengang…

MDVS_2014_21Dézaley 1er Grand Cru La Gueniettaz 2012, Domaine Christophe Chappuis, Dézalay AOC.
Mineralisch, floral, frisch. Langer Abgang. So gut, dass ich keinen Bock habe, mehr Notizen zu machen. Prost.

…und ein Schaumwein hinterher…

Les Romaines Methode Traditionelle Brut Rosé 2012, Les Frères Dutruy, La Côte AOC.
Assemblage aus Pinot und Chardonnay. Melone, Erdbeere, Himbeere, herrlich frisch, prickelnd. Mehr!

Raissennaz Grand Cru 2004, Domaine Henri Cruchon, Morges La Côte AOC.
Erdbeere, Himbeere, Kirsche, Cassis, Bonbon; wirkt im Gaumen noch jung, vollmundig, intensiv, erstaunlich rotfruchtig und frisch nach 10 Jahren. Fein.

MDVS_2014_28Hohle Gasse Muttenz 2012, Jauslin Weine, Basel-Landschaft AOC.
Intensive Erdbeere, eher noch rote Kirsche, aber auch Tabak, Schokolade. im Gaumen vollmundig und dennoch fruchtig und drinkig mit einer herben Note im Abgang. Toll, dass ein Baselbieter am Mémoire & Friends so eine gute Figur abgibt!

…chinchin, nochmals Schämpis…

Stadt Zürich Schaumwein Brut, Landolt Weine AG, Zürichsee AOC.
Bei diesem weiss gekelterten Pinot Noir handelt es sich um den einzigen Stadtzürcher Schaumwein. Flaschenvergoren, Butter, Hefe, ein Hauch von Pfirsich. Super, trinkig. Hohe Säure, herb.

Salenegg Ambe, Weingut Schloss Salenegg, Graubünden AOC.
Das AOC im Beschriebt täuscht: Da es sich um eine Assemblage dreier unterschiedlicher Pinot Noirs handelt – separat ausgebaut im Stahltank, Fuder und im Barrique, jeweils mit unterschiedlichem Jahrgang – haben wir es hier mit einem Tischwein zu tun. Und er schmeckt speziell. Gut. Rauchig, Speck, Kirsche, Erdbeere, Himbeere. Spannender Wein.

MDVS_2014_30Salenegg Pinot Noir Barrique 2009, Weingut Schloss Salenegg, Graubünden AOC.
Brombeere, Cassis, Lakritz, Heidelbeere, erdig. Vollmundig und rund. Magnifique!

Salenegg Le Soleil d’Ulysse, Weingut Schloss Salenegg, Graubünden AOC.
Wow! Ein Bündner «Portwein» aus Pinot Noir mit einer für diesen Süsswein typischen Nase. Duftet verständlicherweise stark nach Alkohol, aber auch nach Dörrpflaume, reifen Brombeeren und exotischen Gewürzen. Oder wie Onkel Oskar treffend findet: «Wie ein Kuchen im Mund.» Lebkuchen, zum Beispiel.

MDVS_2014_33Lafenetscha La Traditionelle 2013, Gregor Kuonen, Caveau de Salquenen, Valais AOC.
Ganz zum Schluss wirds nochmals weiss. Und richtig gut! Salzig und mineralisch wie eine Petite Arvine, dazu Grapefruit und Stachelbeere wie ein Sauvignon Blanc, begleitet von sehr viel Säure und einem vollmundigen Abgang. Super.

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Langsam reifen die Reben

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Jetzt kommt Farbe ins Spiel: Die Cabernet-Jura-Trauben an der Steinmauer – meiner persönlichen, kleinen Grand-Cru-Lage sozusagen – zeigen sich inzwischen bereits von ihrer schönsten Seite. Das Hundewetter der vergangenen Wochen scheint sie kalt gelassen zu haben. Beste Voraussetzungen für die erste Ernte dieser dreijährigen Bastarde. Ob sie gegessen oder zu Wein gepresst werden, muss ich mir noch überlegen.

140818_Reben_Garten_CJ_Web-Selection_1140818_Reben_Garten_CJ_Web-Selection_5140818_Reben_Garten_CJ_Web-Selection_10Oha, rote Blätter. Scheinbar Magnesiummangel. Gibt Kompost im Frühling…140818_Reben_Garten_CJ_Web-Selection_6140818_Reben_Garten_CJ_Web-Selection_7

Guter Wein trotz schlechtem Wetter

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Die ersten Regio-Weine aus dem Rebjahr 2013 sind trinkreif – zuvor haben sie den Winzern aber viel abverlangt. Bei der Jahrgangspräsentation erklärten sie, warum das Wetter ihrem Wein nicht wesentlich geschadet hat.

Zufriedene Winzer: Peter Nussbaumer, Ambros Thüring, Freddy Löw, Urs Rinklin, Thomas Engel, Ueli Bänninger und Urs Jauslin (von links).

Zufriedene Winzer: Peter Nussbaumer, Ambros Thüring, Freddy Löw, Urs Rinklin, Thomas Engel, Ueli Bänninger und Urs Jauslin (von links).

Beim bisherigen Prachtsommer können wir darüber lachen. Aber vor einem Jahr steckte die Bevölkerung um diese Zeit noch in einer Winterdepres­sion. Insbesondere die Winzer, denen der nasskalte Frühling 2013 zu schaffen machte. Für sie bedeutet schlechtes Wetter vor allem viel Arbeit im Weinberg. Die Reben sind krankheitsanfälliger und benötigen eine besonders sorgfältige Pflege.

Dass ein durchzogenes Rebenjahr nicht zwangsläufig zu schlechtem Wein führt, bewies der Verband der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn am Montag bei der Jahrgangspräsentation im Basler Restaurant Schlüsselzunft. Die frisch abgefüllten 2013er kommen aromatisch und knackig daher – und schlanker als auch schon. Vom Schaumwein aus dem Riehener Schlipf über den Landskrönler Pinot Gris bis hin zum Sauvignon Blanc aus Muttenz, die Weissweine haben stets eine feine Frucht und ein ausgewogenes Säuregerüst.

Klasse statt Masse

Guter Wein trotz schlechtem Wetter  – dafür gibt es drei wesentliche Erklärungsansätze: Viele Winzer verfügen heute über eine wesentlich bessere Ausbildung, bei der Technik zur Verarbeitung der Trauben gab es ebenfalls grosse Fortschritte – vor allem aber setzen die Weinproduzenten immer konsequenter auf Klasse statt Masse. «Bei uns gibt es nie so schlechtes Wetter, dass der Wein nicht mehr zu retten ist», erklärt Andreas Buser vom Landwirtschaftszentrum Ebenrain, «ausser die Reben erfrieren in einem besonders kalten Winter – aber dann gibt es gar keinen Wein.»

Was für Buser immer noch besser ist als schlechter Wein. Als Rebbaukommissär wacht er mit Argusaugen über die Qualität des regionalen Weins. «2013 gibt es keinen schlechten Wein – allenfalls etwas weniger», sagt Buser. Dass dennoch rund ein Viertel mehr als im Vorjahr produziert wurde, liege an den Frostschäden, die die Erträge 2012 schrumpfen liessen. Im Zehnjahresvergleich liegt man mengenmässig fünf Prozent unter dem Schnitt.

Geduld und Handarbeit

Wie man auch in einem schwierigen Jahr zu einem guten Wein kommt, zeigen Winzer Urs Jauslin aus Muttenz und «Siebe Dupf»-Kellermeister Thomas Engel aus Liestal. Die Ausgangslage der beiden Winzer ist dabei ziemlich gegensätzlich. Jauslin bemuttert seine Reben in minutiöser Detailarbeit, reduziert die Erträge konsequent und wartet geduldig auf den richtigen Erntezeitpunkt – anders als andere. «Am Ende haben viele nicht die Nerven, um abzuwarten – schliesslich sind die Trauben der Lohn des ganzen Jahres», sagt Jauslin. Sein Blauburgunder «Hohle Gasse» gehört zu den absoluten Aushängeschildern des Baselbieter Weins.

Während der Muttenzer seine Reben stets im Auge hat, kann Thomas Engel die Qualität der Trauben, die er für «Siebe Dupf» in der grössten Kellerei der Region zu Wein verarbeitet, nur indirekt beeinflussen: Der grösste Teil der Ernte stammt nämlich nicht aus eigenen Lagen, sondern kommt von diversen regionalen Winzern, die alle unterschiedlich arbeiten. «Umso grösser ist die Herausforderung für mich im ­Keller», sagt Engel. Zunächst habe er gedacht, 2013 werde ein schlechtes Jahr – letztlich ist Engel aber positiv überrascht worden von einer deutlich wahrnehmbaren Aromatik. «Dass wir in einem schwierigen Jahr solche Weine hinbekommen, stimmt mich zuversichtlich», sagt Engel, «so zeichnet sich ab, welch grosse Tropfen wir dann in einem wirklich guten Jahr keltern können.»

Das Rebjahr 2014 hat gut begonnen

Ein solches Jahr könnte uns nun bevorstehen. Die Sommerwochen und der milde Frühling haben den Reben einen optimalen Start in die Vegetationsperiode ermöglicht. «Es sieht gut aus – aber es dürfte gerne wieder einmal regnen», erklärt Rebbaukommissär Andreas Buser. Aktuell haben die Reben bis zu vier Wochen Vorsprung im Vergleich zum Vorjahr.

Gut möglich also, dass den Winzern ein entspannterer Herbst mit grösserem Handlungsspielraum bevorsteht als 2013. Damals mussten einige Weinbauern ihre Traubenernte bis in den November hinauszögern. Ein Warten, das sich gelohnt hat, wie die frisch abgefüllten Weine aus der Region zeigen.

Wer die regionalen Weine vor Ort im Weinberg degustieren will, kann das am 29. Juni 2014 im Rahmen des «Räbesunntigs» machen. Offene Weinkeller gibts in Aesch, Riehen, Sissach, Therwil und Wintersingen.
www.baselbieterwein.ch

Ein neuer Verbandsname
Neu organisieren sich die lokalen Winzer im Verband der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn. Damit wurde nun der Vereinsname den Strukturen angepasst. Bisher agierte man als Weinproduzentenverband Baselland – dies, obwohl schon lange auch Winzer aus Basel-Stadt und Solothurn mit im Boot sind. Die Aargauer Winzer sind nicht dabei, da diese bereits im Branchenverband Aargauer Wein gut organisiert sind.

6_Regio-Weine_2013Sechs Weine aus drei Kantonen: Die ausgewählten 2013er-Weinspezialitäten aus den beiden Basel und Solothurn (v.l.).

  • Tschäpperli Federweiss (B. und U. Bänninger, Tschäpperli, Aesch)
  • Landskrönler Pinot Gris (Peter Nussbaumer und Ambros Thüring, Flüh)
  • Schlipfer Schuumwyy (Urs Rinklin, Riehen)
  • Buusner Bacchus (Fredy Löw, Buus)
  • Maispracher Kerner AOC (Kellerei Siebe Dupf, Liestal)
  • Sauvignon Blanc Muttenz (Jauslin Weine Muttenz)

Dieser Beitrag erschien erstmals am 24. Juni in der Basler Zeitung.

Wein wissen statt trinken – das Weinquiz-App

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App: Das Weinquiz. (3.- CHF).

App: Das Weinquiz. (3.- CHF).

Wissen Sie, dass Sizilien die grösste Weinbaufläche in Italien hat? Nicht das Piemont. Und auch nicht die Toskana. Nein? Vielleicht liegts daran, dass auf der süditalienischen Insel viele Trauben mit Alkohol getunt und zu Marsala-Süsswein verarbeitet werden.

Wer sein Weinwissen schärfen will und auf knifflige Fragen steht, kann ­seinen Horizont mit der App «Das Weinquiz» (erhältlich im Apple Store) schärfen. Die über 1300   Fragen rund um den gegorenen Traubensaft hat sich der Österreicher Spitzen-Sommelier Egon Mark ausgedacht. Viele von ihnen sind ziemlich knifflig für den durchschnittlichen Weinliebhaber, wie sich schon beim ersten Durchlauf offenbart.

Bombardiert mit Fragen aus vier von acht möglichen Themenbereichen, steht der Autor schon beim ersten Test am Abgrund: Eine Rebkrankheit mit öligen Flecken auf den Blättern? Das muss die Grünfäule sein!

Weinquiz_BildDaneben. Richtig wäre ironischerweise der «falsche Mehltau». Dieser Fiesling wäre die richtige der vier möglichen Antworten gewesen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Zeit, die Ehre wieder ­herzustellen. Montrachet? Aus dem Burgund! Gusto di Tappo? Korken­geschmack! Jetzt läufts wie am Schnürchen – es wird ein Zwischenhoch bleiben. Das Ergebnis nach 30 Fragen ist niederschmetternd: nur 10 von 30   Fragen richtig. Da wird die Möglichkeit einer Facebook-Vervielfältigung des Resultats lieber dezent ignoriert.

Wäre dieses Quiz ein Trinkspiel, die Folgen wären verheerend! Immerhin werden üble Weinwisser im Fazit-Text getröstet und zum Weitermachen ermuntert, was allerdings gar nicht nötig wäre: Der Jagdinstinkt ist ­geweckt, die Ehre zu gekränkt. Es muss weitergehen! Wer Wein und vor allem das Wissen darüber mag, wird an dieser Quiz-App Freude haben. Die Anzahl der Fragen kann selber bestimmt werden. ­Optionen wie Antworten unter Zeitdruck oder Highscores sucht man leider vergebens. Beim gratis «Wein-Quiz» von Mövenpick gabs das noch. Da hat «Weinquiz»-Entwickler Egon Mark aber Glück gehabt: Diese Konkurrenz-App wurde inzwischen eingestellt.

Handhabung: So simpel wie Weintrinken: Das kann jeder. (4/5)
Design: Von gehobener Schlichtheit – wie eine Etikette guten Weins. (3/5)
Nutzen: Wer wirklich Weinwisser werden will, wird wahrlich bedient. (3/5)
Originalität: Nicht viel mehr als die Umsetzung einer bestehenden Idee. (2/5)
Fun-Faktor: Wegen der anspruchs vollen Fragen hält sich der Spass zunächst in Grenzen – gut so. (3/5)

Dieser Artikel erschien erstmals am 28. Februar in der Basler Zeitung.

Die Knospen spriessen…

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Die Sommerfasnacht Mitte März hat den Winter definitiv zum Teufel gejagt: Vor einigen Tagen sind die Rebstöcklein im Garten jedenfalls aus ihrer Winterstarre erwacht und spriessen in ihrem dritten Jahr um die Wette. Während sich die einen Knospen noch im weissbraunen Wolle-Stadium befinden, treiben es andere schon ziemlich bunt. Vor allem die Jungreben an der Südwestseite (Cabernet Jura) der Hausfassade gehen ab wie wild. Obs an der warmen, windstillen Lage liegt? Leimentaler Muskat und Muscat Bleu – jeweils nicht an der Hauswand – üben sich hingegen noch in Zurückhaltung.

1403_Reben-Austrieb_web4Bleibt zu hoffen, dass es keinen Frost-Frust mehr gibt (Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wären ziemlich scheisse) und dass uns der Frühling nicht eine Schneckenplage beschert wie 2013.

1403_Reben-Austrieb_web7Die Abbildungen hier zeigen jeweils Cabernet-Jura-Knospen, beziehungsweise -Austriebe, eine vom Schweizer Valentin Blattner gezüchtete Sorte (VB 5-02) mit angeblicher Pilz- und Frost-Resistenz. Was mir natürlich nicht unrecht wäre.

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1403_Reben-Austrieb_web1Zwischen obenstehendem Bild vom 25. März und dem folgenden Foto liegen fünf Tage…

1403_Reben-Austrieb_web8Dieses Rebstöckchen hat bereits am vergangenen Frühling einen Blitzstart hingelegt (damals am 21. April, also drei Wochen später als heuer), ist dann aber im Verlauf der Vegetationsperiode ziemlich verkümmert. Und auch im ersten Jahr 2012 kam nur Kümmerliches zu Stande. Also habe ich das kleine Krüppelchen nochmals stark zurückgeschnitten – «versuchen Sies nochmals auf Feld eins» würde es beim Leiterlispiel wohl heissen. Auf dass es nun im zweiten dritten Anlauf klappt!

Weg mit dem Gestrüpp

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Ich weiss nicht, ob ich angesichts des bisher ziemlich milden Schweizer Winters nicht noch länger hätte warten sollen – jedenfalls habe ich heute das Gestrüpp in meinen Garten so zugeschnippelt, dass es wieder nach Reben aussieht. Winterschnitt!

Ich hatte Bock drauf und auch die Sterne standen auch gut, wie der Mondphasen-Kalender gemäss Maria Thun besagt. Ich stehe normalerweise nicht so auf Anthroposophen-Geschwurbel, aber beim Weinbau scheinen mir die Ansätze der Biodynamik durchaus Sinn zu ergeben.

Beim Schnitt beschränkt sich das Ganze ja sowieso nur aufs Timing – also nixx mit Brühe anrühren, Pulver-Horner einbuddeln und so weiter. Zudem würde sich dieser Aufwand vorerst wohl kaum lohnen, weil ich das Ganze mit meinen rudimentären Weinmacher-Skills im Keller ohnehin wieder zunichte machen würde. Anyway. Hier ein paar Impressionen, entstanden während des Rebenschneidens. Mehr Bilder gibts bei Flickr.

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Das «Landhus» hat ein neues Bijou

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Die Allschwiler Dorfbeiz feiert die grosse Renovation im Obergeschoss. Es ist gleichzeitig eine Art Willkommensfeier für den neuen Wirt – ein alter Bekannter aus Basel.

«Wir bringen Leben hierher.» Michele Cuomo (l.) und Giovanni Parrino haben das «Landhus» übernommen.

«Wir bringen Leben hierher.» Michele Cuomo (l.) und Giovanni Parrino haben das «Landhus» übernommen.

Als Michele Cuomo vor einigen Wochen das «Landhus» betrat, hätte er die Baustelle am liebsten wieder fluchtartig verlassen. Jetzt sitzt der neue «Landhus»-Wirt im frisch renovierten Lokal und prostet Giovanni Parrino zu, seiner rechten Hand seit Jahrzehnten. «Ich habe nicht mit so viel Zuspruch gerechnet», sagt Cuomo. «Man sagte mir, das ‹Landhus› sei eine Bruchbude, aber das stimmt nicht.»

Tatsächlich präsentiert sich die Dorfbeiz im besten Licht – und wirkt dennoch, als hätte sich hier seit den 1990er-Jahren nichts verändert. Ausser, dass damals am Stammtisch noch Villiger-Krummstumpen gequalmt wurden. Dazu ein Zweierli, Jasskarten und der Abend war perfekt.

Der schönste Raum im Dorf

Die Stube im 1. OG ist das neue Bijou im «Landhus».

Die Stube im 1. OG ist das neue Bijou im «Landhus».

«Dieser Ort ist schlichtweg geschichtsträchtig», sagt Niggi Wirz, Präsident der 1996 gegründeten Genossenschaft Freunde des Landhus, und erklärt, dass die Bar neben dem Eingang komplett neu gestaltet wurde. Am vergangenen Samstag wurde am Dorfplatz mit der Bevölkerung auf das frisch renovierte «Landhus» angestossen – insbesondere auf den ersten Stock. Dort wurde in den vergangenen rund drei Monaten nämlich die meiste Arbeit verrichtet: Vor Kurzem nichts als eine Abstellkammer, gibt es im Obergeschoss jetzt elegante Toiletten, einen Personalraum und – als Bijou – eine gemütliche Stube mit frisch freigelegten Deckenbalken und Holz­tischen, geeignet für Sitzungen und Seminare.

«Das ist mit Abstand der schönste Raum im Dorf», sagt Peter Jörger. Der Genossenschafts-Vorstand hat die Bauarbeiten als Handwerker miterlebt und kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: «Ein Geniestreich! Ich ­bereue keine Minute, die wir investiert haben. Jetzt ist alles so, wie wir es immer wollten.» 300 000 Franken hat der Umbau gekostet – ohne die Fronarbeit vieler Beteiligter wäre die Summe wesentlich höher ausgefallen.

Überraschung beim Umbau

Niggi Wirz und Peter Jörger freuen sich über den gelungenen Umbau.

Niggi Wirz und Peter Jörger freuen sich über den gelungenen Umbau.

Wie es sich für solch ein geschichts­trächtiges Gebäude gehört, das Fachwerkhaus wurde 1721 erbaut, kamen beim Umbau im ersten Stock einige Überraschungen zutage: Die Decke zerbröselte, eine Wand sackte in sich zusammen und im Verputz fand man neben Nussschalen, Reisig und Stroh auch Zeitungsausschnitte aus dem Jahr 1925. Während das Restaurant im Dezember wieder den Betrieb aufnahm, wird das Obergeschoss am Samstag erstmals der Bevölkerung gezeigt.

«Wir werden nun wieder Feste or­ganisieren und Leben an diesen Ort bringen», sagt Cuomo, der bis Ende 2013 im Restaurant Schmiedenhof am Basler Rümelinsplatz wirtete und während zwanzig Jahren den «Storchen» am Fischmarkt betrieb. Jetzt ist er mit seinem siebenköpfigen Team, das ihn teilweise seit Jahrzehnten begleitet, an den Allschwiler Dorfplatz gezügelt. «In der Stadt siezen sich alle, hier sagt man sofort du. Die Leute sind direkt – das gefällt mir.» Geboten wird gutbürgerliche Küche, natürlich auch nach italienischem Gusto.

«Sobald wir mit dem historischen Holzbackofen zurechtkommen, gibt es Pizza und Pasta», kündigt Cuomo an. Vom kultigen «Landhus»-Zweierli hat er noch nie gehört – dennoch steht die Karaffe einen Augenblick später auf dem Tisch. So schnell geht ein Revival, wenn das Team eingespielt ist.

Dieser Artikel erschien erstmals am 24. Januar 2014 in der Basler Zeitung.

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Die Weinkeller im Waldhaus Flims

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Waldhotel_Flims_Weinkeller_InstagramHeute gewährten mir die Verantwortlichen im wunderbaren Waldhaus Flims einen Einblick in ihre beiden Weinkeller. Während im Bordeaux-Gewölbe – der seit dem Hotelbau nicht verändert wurde – alle grossen Tropfen aus dem Bordelais sowie die Champagner- und Magnumflaschen lagern, schlummern im zweiten, weniger historischen Keller die restlichen Weinperlen – darunter nicht wenige aus der Schweiz, sowie die Spirituosen. Das Kronjuwel hier: Ein Louis XIII-Cognac aus dem Haus Remy Martin. Im Gegensatz zur Qualität der gelagerten Tropfen lässt die der Bilder leider etwas zu wünschen übrig…sorry, hatte bei dem Spontanbesuch nur das iPhone dabei.

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Waldhotel_Flims_Weinkeller2Und nun vom Bordeaux-Keller in Gewölbe Nummer zwei…

Waldhotel_Flims_Weinkeller8 Waldhotel_Flims_Weinkeller5 Waldhotel_Flims_Weinkeller7 Waldhotel_Flims_Weinkeller6