Vergiss Jenny from the Block, hier kommt Beyoncé aus dem Bunker

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Wein kann so simpel sein. So klar, so trinkig, so gut. So wie der Spätburgunder 2014 der Shelter Winery aus Baden (D). Shelter steht nicht nur für «Unterkunft», sondern auch für «Schutz» – in Anlehnung an den grasbewachsenen Bunker auf dem ehemaligen kanadischen Luftwaffen-Stützpunkt in Lahr, wo Hans-Bert Espe und Silke Wolf ihre Weine zwischenzeitlich gekeltert und gelagert haben.

Dieser Spätburgunder ist ein fröhliches, unkompliziertes Kerlchen mit klarer, roter Frucht (Sauerkirsche, frische Erdbeeren), einer feinen Würze, die an frisch ausgespuckte Kirschkerne erinnert, und Anklängen von Minze. Der ätherische Unterton hält im Gaumen an und verflüchtigt sich erst mit dem Abgang, eskortiert von sanften, weichen Tanninen. Schmelzig statt pelzig ist hier angesagt. Saft und Trinkfluss. Und ein Auftakt, so rund wie der Babybauch von Beyoncé.

Starallüren sucht man beim Spätburgunder vergebens. Wir befinden uns auf der Qualitätsstufe Gutswein, also an der Basis des Sortiments, in der untersten Schublade. Das sagt zumindest die Weingesetzgebung. Auf diese pfeift Boyoncé jedoch – und schwingt weit obenaus. Bei einem Flaschenpreis von etwas über 13 Franken kann man sich nicht beklagen. Hier lohnt sich das Bunkern.

Die Trauben der Shelter Winery wachsen in Kenzingen und Malterdingen nördlich des Kaiserstuhls, kulturviert in Lyra-Erziehung – das ist diese doppelte Laubwand, die von der Seite betrachtet aussieht wie zwei zur V-Form gespreizte Finger. Victory!

Die Ernte landet von Hand in kleinen Kisten und kommt rasch zur Verarbeitung in den Keller. Dort gibt man dem Wein dann alle Zeit, die er braucht. Die Maischegärung erfolgt in klassischen Holzbottichen, die Reifung im Barrique. Kein Pumpen, keine Filtration. Ein wohlbehüteter Tropfen aus dem Schutzbunker. Ein Ort, an dem ich gerne Zuflucht suche – ich meine den Wein, nicht den Bunker.

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«Unter -2°C ist es aus, basta» Die Crowdfunding-Aktion des Weintage-Winzers Marco Casanova

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Marco Casanova an den Schweizer Weintagen, kurz vor seinem Crowdfunding-Endspurt. 6 Tage vor dem Ende steht seine Aktion bei 84,6 Prozent. Also looos…hier unterstützen!

Update vom 19. Mai 2017: Vier Tage vor der Deadline hat Marco Casanova den angestrebten Betrag von 60’000 Franken beisammen. Herzliche Gratulation!

Mit Crowdfunding aus der Not: Nach 20 Jahren Weinbau hat sich Marco Casanova 2013 selbstständig gemacht. Seither kultiviert er seine Reben in Zizers (GR) und Walenstadt (SG) nach biodynamischer Philosophie. Das schwierige Jahr 2016 war Casanovas bisher «intensivstes Rebenjahr» mit hohen Ertragsausfällen durch Frost, Hagel, Mehltau und Kirschessigfliege. Damit sein junges Unternehmen CasaNova Wein Pur weiterhin bestehen kann, sucht Casanova über die Crowdfunding-Plattform «100 Days» noch bis nach finanzieller Unterstützung – nach dem schlimmen Spätfrost im April 2017 wird diese sogar noch dringender gebraucht. Die

Die Crowdfunding-Aktion, bei deren Angebot man vom Weinpaket bis zur Kellerführung mit Verkostung und Übernachtung geht, steht aktuell (Stand 11. Mai 2017) bei 72,8 Prozent und dauert noch 13 Tage. Bevor ihr Marco Casanova grosszügig unterstützt, könnt ihr seine Weine heute und morgen (11. und 12. Mai) an den Schweizer Weintagen verkosten – und sein Interview lesen zum Struggle im Rebberg, biodynamischem Weinbau und den Schweizer Weintagen.

Marco Casanova, über die Crowdfunding-Plattform «100 Days» suchst Du nach einem wettertechnisch und finanziell schwierigen Jahrgang 2016 nach «Boostern», die Dein junges Unternehmen unterstützen. Wie ist die Resonanz auf dieses ehrliche und (noch) ungewöhnliche Vorgehen?
Sehr gut. Ich erhalte viel Resonanz, auch ausserhalb der Crowdfunding-Aktion mit Hilfe und Angeboten in verschiedenster Form.

Hast Du das Gefühl, dass die Aktion gewissen Weintrinkern ein besseres Verständnis für den Aufwand und die Risiken eines Winzers vermittelt?
Das kann ich so nicht sagen. Aber sicher ist, es sind Leute, die ein Verständnis dafür haben, dass man für den Aufbau eines jungen Unternehmens nicht alle Risiken vorsehen oder gar budgetieren kann. Es sei denn, man ist mehrfacher Millionär. In meinem Fall, habe ich weder Immobilien noch Land als Sicherheiten – das würde eine Bank natürlich gerne sehen bei Investitionen.

Hattest Du in Bezug auf das Crowdfunding spezielle Erlebnisse, die Dich überrascht, berührt oder sonst irgendwie bewegt haben?
Ich stosse auf viel Verständnis und Zuspruch mit meiner vorwärts gerichteten Aktion. All die Kontakte, die guten und motivierenden Gespräche haben mich sehr bewegt und Mut gemacht. Auch in Bezug auf die jetzige Situation nach diesem schwierigen Start ins Jahr.

Wie geht es den Reben in Zizers und Walenstadt?
Es sieht schlecht aus.

Was waren Deine ersten Gedanken nach den Frostnächten im April?
Sch***** nicht schon wieder!

Hast Du die Rebstöcke mit speziellen Massnahmen gegen den Spätfrost geschützt? Mit Erfolg?
Wir konnten die Reben in Zizers beide Nächte einigermassen schützen mit Pellets-Säcken, die wir anzündeten. Walenstadt war organisatorisch ein Spagat. Wir zündeten in der zweiten Nacht Feuer an in den Lagen Fürscht und Fürschtberg. Der Hof – meine höchste Lage mit 1,5 Hektar Riesling-Silvaner und Bauburgunder – wurde bereits in der ersten Nacht schwer getroffen. Das Thermometer fiel in der ersten Nacht noch weniger tief, jedoch vermute ich, dass die enorme Nässe ausschlaggebend war für das erfrieren der Schosse. In der Seemühle (Kaliforni) ging ich auf Risiko, machte nichts, und hoffte auf die mildernde Wirkung des Sees. Die Taktik ging auf: auf 1,7 Hektar gab’s nur etwa 20% Frostschäden. Ein kleiner Trost.

Wie gross ist die Chance, dass sich die Reben jetzt noch erholen?
Im Hof habe ich 100 Prozent Frostschäden, kein einzig grüner Trieb war mehr am Stock. Hier rechne ich mit etwa 10 bis 15 Prozent fruchtbarer Seitenschosse, die noch austreiben werden. Über die Qualität kann noch nicht gesprochen werden, das Rebjahr hat ja erst begonnen…

Kommt es den Pflanzen nun zugute, dass sie biodynamisch kultiviert werden? Etwa indem sie robuster und vitaler sind und bessere Energiereserven haben?
Nein, das ist eine höhere Gewalt der Natur. Wenn eine Rebe früh austreibt und Frost unter -2°C kommt ist, es aus. Basta.

Ich hoffe, das ist nicht Dein Szenario, aber: Was für Arbeiten fallen in der restlichen Vegetationsperiode an, wenn sämtliche Triebe verfroren sind und kein Ertrag mehr in Aussicht ist?
Es geht unverändert weiter – einzig das Erlesen beginnt später. Aber alle Schosse, die jetzt noch Austreiben, muss man genauso mit Pflanzenschutz schützen – auch wenn sie keine Trauben tragen. Es geht um den Stockaufbau im kommenden Jahr. Dafür brauchen wir wieder gesundes Holz zum anbinden. Auch die Bodenbearbeitung, sprich mähen, läuft weiter.

Wie wirkt sich der biodynamische Anbau auf die Reben und den Wein aus?
Bei den Reben ist das Ziel, dass sie sich mehr eigene Abwehrstoffe aufbauen und der Pflanzenschutz mit natürlichen Mitteln zu 100 Prozent hält. Im Wein soll der Boden und die Mineralität voll erlebbar sein.

Du betreibst den einzigen Weinbaubetrieb mit eigener Kellerei in Walenstadt. Was ist das besondere an diesem Ort, seinen Böden, seiner Exposition?
Walenstadts Weinbaugeschichte geht 2000 Jahren zurück. Das Gestein ist tiefgründig, mineralisch, sehr kalkhaltig und in Südlage. Der See spielt natürlich auch eine wichtige Rolle: Tagsüber werden die Trauben durch die Spiegelung des Walensees und der intensiven Sonneneinstrahlung stark erhitzt, abends werden sie vom Fallwind, der über die hohen, steilen Felswände der Churfirsten herunterweht, abgekühlt.

Wer braucht schon das kalifornische Napa Valley – bei Dir gibt’s den Weingarten «Kaliforni». Was hat’s damit auf sich? Woher der Name?
«Kali» kommt von Kalk, «forni» von Four (Ofen), also Kalkofen. Dort wurde vor 150 Jahren Kalk abgebaut. Es war der erste Untertagbau der Schweiz.

Welche Traube gedeiht hier deiner Meinung nach am besten – und wieso?
Chardonnay und Pinot Noir. Beides sind Sorten, die den Kalk lieben.

Vergangenes Jahr kamen mit Frost, Hagel, Mehltau und der Kirschessigfliege fast alle Übel auf einmal zusammen. Wie happig ist es da, im Folgejahr gleich nochmals Frostschäden zu haben, die das Ausmass des Vorjahres sogar noch übersteigen?
Bitter. Aber ich sehe mich ja nicht alleine mit dieser Situation konfrontiert. Dieses Jahr traf es viele Winzer auf beiden Beinen.

Trotz aller Naturgewalten – die Weinqualität muss darunter ja nicht zwingend leiden. Was erwartest Du vom Jahrgang 2016?
Der ist Ausgezeichnet.

Wie präsentieren sich die Weine, die Du heute an den Schweizer Weintagen in der Markthalle ausschenken wirst?
Die Weissweine zeigen sich von einer sehr schönen Fruchtigkeit, Frische und Komplexität und angenehm im Gaumen. Sehr sortentypisch. Meine Favoriten sind der Seemühle Chardonnay 2015 und der Fürscht Pinot 2015.

Wie hast Du die Schweizer Weintage bisher erlebt?
Als sehr angenehme, kleine und übersichtliche Weinmesse an einem wunderbaren Ort in dieser Markhalle.

Was sind Deine wichtigsten Erkenntnisse nach über 20 Jahren Weinbau?
Die Natur! Wir leben mitten in ihr – und sind ihr fremd. Sie spricht unaufhörlich mit uns – und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie – und haben doch keine Gewalt über sie.

Facts & Figures: CasaNova Wein Pur

Im Rebberg
Lagen: Walenstadt; Seemühle (Kaliforni), Fürscht und Hof, Zizers; Bovel
Rebfläche: 5ha
Traubensorten: Riesling-Silvaner, Chardonnay, Sauvignon blanc, Riesling, Pinot Noir, Cabernet Jura, Gamaret
Erziehungssystem der Reben: Einfacher Strecker
Mittlerer Ertrag: 600g/m2
Ernte: Manuell, im Rebberg gesöndert
Zertifizierung: Demeter (in Umstellung)

Im Keller
Filtration: Nur wenn nötig, je nach Jahrgang mit Papierschichtenfilter
Schönung: keine, oder wenn nötig mit Kartoffelstärke (Vegan)
Ausbau: Stahltank, Barriques, und 600-Liter-Pieces
Durchschnittliche SO2-Zugabe: 60-90mg/l
Weine pro Jahrgang: In einem normalen Jahr, ca. 25’000 Flaschen mit 12 verschiedenen Weintypen.

Marco Casanova bei »100 Days» unterstützen
www.casanova-weinpur.ch
CasaNova Wein Pur bei Facebook

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«Nicht schon wieder!» Marco Casanovas Start als selbstständiger Winzer wird durch die Wetterkapriolen der letzten Monate erschwert – das nimmt er nicht tatenlos hin.

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«Lieber junger Weinkenner als alter Rapper»

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Dieses Interview zu den Schweizer Weintagen ist erstmals am 9. Mai 2017 auf 20minuten.ch publiziert worden. Ausser das Teaser-Video am Textende – das ist neu. Und von mir. 

Fetch kennt man als Rapper von Brandhärd. Bürgerlich ist Joël Gernet profilierter Weinkenner und Mitorganisator der Schweizer Weintage, die am Donnerstag in der Markthalle beginnen.

Schweizer Weintage

«Wein Verkosten ist mindestens so aufregend wie das durchhören des neusten Kendrick Lamar-Albums», sagt Traubensaft-Aficionado Joël Gernet. (Foto: Eleni Kougionis)

Joël, die Weintage werden von jungen Winzern und Enthusiasten wie dir organisiert. Ist der vergorene Rebensaft das neue Craft Beer?
Das wäre schön! Schliesslich geht es wie beim Craft Beer um die Leidenschaft zu einem handwerklich gefertigten Genussmittel mit Charakter abseits der Massenproduktion. Winzer sowie Konsumenten interessieren sich zunehmend dafür, wie das Gebräu in ihrem Glas entstanden ist. Ein schöner Trend! Die Bärte einiger Winzer stehen jenen der hippen Craft-Beer-Brauer übrigens in nichts nach.

Weinmessen gelten als elitäre Versammlungen, wo jeder mit seinem Fachwissen prahlt. Darf Wein auch einfach fresh sein?
Unbedingt. Fresh ist gut – und Teil meines Wein-Wortschatzes. Fachwörter sind vor allem für die eigenen Memoiren wichtig. Dank ihnen weiss ich auch in zwanzig Jahren noch, was ich beim Trinken empfunden habe. Und ich sehe, wie sich dieser Wein entwickelt hat. Vom öffentlichen Fresse-Aufreissen halte ich – anders als beim Rap – wenig. Die Weintage sollen eben gerade nicht elitär sein. Oft schmecken Neulinge sowieso schon instinktiv erstaunlich viel aus dem Glas raus. Aber seien wir ehrlich: heimlich finden wir die elitäre Aura des Weins doch auch ein bisschen geil.

Du bist als Rapper bekannt geworden, heute schreibst du professionell über Wein. Wie wichtig ist bei einem Wein ein gute Punchline?
Ein Überraschungs-Punch ist immer gut. Eine Wein-Punchline ist für mich etwa, wenn mir ein Cru beim Abgang, also je nach Vorliebe beim Spucken oder Schlucken, nochmals eine völlig neue Seite offenbart. Etwa ein frisch-ätherisches Finish nachdem der Auftakt rund und fruchtig war. Als Punchline empfinde ich auch, wenn sich ein Wein über Stunden und Tage verändert in Geruch und Geschmack. So wird Verkosten mindestens so aufregend wie das durchhören des neusten Kendrick Lamar-Albums.

Du nimmst als Kritiker kein Weinblatt vor den Mund: Wein-Schönsprech schade der Credibility, hast du unlängst geschrieben. Ist Authentizität und Attitude für Winzer genauso wichtig wie für Rapper?
Ich finde schon. Aber im Gegensatz zu Rappern, die mit Lügen und unflätigem Verhalten zum Millionär werden können, ist der Winzer auf gutes Handwerk angewiesen. Da er mit der Natur arbeitet, muss er sich und seinen Rebberg jedes Jahr neu interpretieren – und entsprechend verkaufen. Da ist es natürlich verständlich, dass einer von seinem 2016er-Jahrgang nicht sagt: ‹Dieser Wein ist voll whack, der krasse Hagelschlag in seiner Hood hat ihn komplett zerschossen und verfaulen lassen und die Kirschessigfliege, diese Bitch, gab ihm dann den Rest.»

Wie bist Du eigentlich auf den Wein gekommen? Rapper lassen sonst ja lieber teuren Champagner sprudeln.
Als preiswerte Alternative zu Champagner empfehle ich Cava. Zum Wein gefunden habe ich, als ich mich als Familienvater anderen Themen widmen musste als dem Rock’n’Roll. Es ist zum ersten Mal seit der Entdeckung der HipHop-Kultur in den 90ern, dass ich mich wieder freiwillig so krass in ein Thema vertiefe. Ausserdem bin ich lieber ein junger Weinkenner als ein alter Rapper.

Was zeichnet für dich einen guten Wein aus?
Charakter, Balance und Komplexität. Das klingt ausgelutscht, ist aber so. Ein guter Wein ist interessant und lebendig, weil er jedem, der sich auf ihn einlässt, etwas zu entdecken gibt. Es geht um das perfekte Zusammenspiel von Komponenten wie Frucht, Säure, Würze und Mineralität. Dafür muss man nicht zwingend tief ins Portemonnaie greifen.

Schweizer Weintage
Die Schweizer Weintage finden am 11. und 12. Mai zum vierten Mal in der Basler Martkhalle statt. 25 Schweizer Winzer stellen dort ihre Weine persönlich vor. Mit von der Partie sind auch Jost&Ziereisen und Valentin Schiess Vinigma aus Basel sowie die jungen Arlesheimer Winzer von Quergut. Junge Winzer stehen speziell im Fokus. Die Gruppe «Junge Schweiz Neue Winzer» hat erstmals einen eigenen Stand.

www.schweizerweintage.ch

Achtung: Schweizer Craft-Wein

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MicheleBono+ThomasJost_AnneClaireSchott

Michele Bono (Wülflinger Trotte ZH), Thomas Jost (Jost & Ziereisen BS) und Anne-Claire Schott aus Twann ZH (v.l.) – alle sind sie mit dabei an den Schweizer Weintagen.

Vergesst für einmal die gehypten Craft-Beer-Brauer – hier geht es um Craft-Winzer! Auch diese stellen ihr Elixier in detailversessener Handwerksarbeit her. Auch hier wird mit Können und Kreativität neuer Schwung in eine traditionelle Zunft gebracht. Im Gegensatz zu Bierbrauern haben Winzer jedoch nur eine Chance pro Jahr. Und sie sind der Natur ausgeliefert: Wenn Frost, Pilzbefall und Hagel zusammenkommen, gibt es im Extremfall gar keine Ernte. Wie in der Bierbranche ist auch im Weinbau ein Trend in Richtung handwerklicher Arbeit und naturnaher Weinbau erkennbar, vor allem bei der jungen Generation. Dieser Trend geht Hand in Hand mit neuen – oder viel eher: wieder entdeckten – Ideen. Individualität und Charakter statt Masse sind angesagt, klingt abgedroschen, ist aber so.

Beispiel gefällig? Der Kvevri Riesling-Sylvaner 2013 des Strickhof-Weinguts Wülflinger Trotte bei Winterthur. Ein Weisswein, der über Monate auf der Maische vergoren wurde, inklusive Traubenhäuten und -stielen. Bei Weisswein führt diese Vinifizierung zu einer Vielschichtigkeit und einem Tanningerüst, wie man es nur von roten Crus kennt, gepaart mit dem frischen Charakter eines Weissweins. Die Weinfarbe ist goldgelb bis orange, deshalb ist oft von Orange Wine die Rede. Michele Bono von der Trotte Wülflingen hat seinen Riesling-Sylvaner in einer georgischen Tonamphore vergären lassen – unter freiem Himmel, in der Erde eingegraben, der Natur ausgeliefert. Danach wurde der Wein ohne jegliche Zusatzstoffe ausgebaut und abgefüllt. Ein purer Craft-Wein.

Auch Anne-Claire Schott aus Twann beschreitet gerne neue Wege. Nach dem Studium in Kunstgeschichte und Soziologie hat sie 2016 das elterliche Weingut am Bielersee übernommen. Ihr Elan und Enthusiasmus manifestiert sich in der Weinserie «Aroma der Landschaft», deren weisse Version, der Blanc 2015, ist eine Cuvée aus den sechs Traubensorten Gutedel, Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay, Sylvaner und Sauvignon Blanc. Alle wachsen sie im milden Mikroklima entlang von Steinmauern. Der Ausbau erfolgt im Beton-Ei, wo der Wein durch dezente Sauerstoffzufuhr und Zirkulation weicher und tiefgründiger werden soll. Anne-Claire Schott ist Teil der Jungwinzervereinigung Junge Schweiz – Neue Winzer. Einige Mitglieder dieses Talentpools haben sich innert kürzester Zeit einen hervorragenden Ruf erarbeitet, andere sind auf dem besten Weg dazu.

Schotts Blanc 2015 ist ebenso ein Statement wie der Le Grand des Weinguts Jost & Ziereisen. Ein purer Pinot Noir, der im Riehener Schlipf auf Basler Boden wächst – mit bestem Panoramablick über die Stadt. Noch spektakulärer ist jedoch, was Thomas Jost innert kürzester Zeit herausgekitzelt hat aus den Reben, die er Anfang 2014 offiziell übernommen hat. Bereits mit seiner ersten Ernte aus dem Übergangsjahr 2013 hat der junge Fricktaler über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt – unter anderem bei den Verkostern des US-Weinkritikers Robert Parker (siehe hier). Jost ist ein gutes Sinnbild einer neuen Winzergeneration mit bester Ausbildung, Auslanderfahrung, akribischer und naturnaher Arbeitsweise sowie einer guten Mischung aus Bescheidenheit und berechtigtem Selbstbewusstsein. Wie Michele Bono und Anne-Claire Schott entkorkt auch Thomas Jost seine Crus an den Schweizer Weintagen, wo über 32 Winzerinnen und Winzer während zwei Tagen ihre Weine persönlich vorstellen.

Und nach dem Verkostungs-Marathon in der Basler Markthalle löscht man als Weinfreund seinen Durst am besten mit einem frisch-aromatischen Craft Beer.

Schweizer Weintage 2017
Der Autor dieses Artikels ist Mitorganisator der Schweizer Weintage. Diese finden am Do, 11., und Fr, 12. Mai, zum 4. Mal in der Markthalle Basel statt. Jeweils 17 Uhr bis 21 Uhr. Eintritt: Fr. 10.–. www.schweizerweintage.ch

Weintipps
– Weingut Jost & Ziereisen, Pinot Noir Le Grand 2014, Basel Stadt, Fr. 69.–, www.ullrich.ch
– Anne-Claire Schott, Blanc 2015, Bielersee, Fr. 45.–, www.aromaderlandschaft.ch
– Wülflinger Trotte, Kvevri Riesling-Sylvaner 2013, Zürich, Fr. 28.–, www.strickhof.ch

PS: Der grässliche Begriff «Craft-Wein» findet hier Verwendung wegen des Vergleichs mit Craft-Beer-Brauern…und nicht, weil ich dieses Wort künftig in mein Vokabular aufnehmen möchte (im Gegenteil).

Diese Kolumne wurde erstmals am 6. Mai 2017 in der «Schweiz am Wochenende» publiziert.

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Enderle & Moll – 2 Pinots, 1 Liaison

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Baden im Haus! Der Pinot Noir Liaison von Enderle & Moll markiert das mittlere Segment des Winzer-Duos. Der 2012er und der 2011er präsentieren sich im Glas ausgesprochen hellfarbig, teilweise bereits mit deutlichen Granat-Reflexen.

Sie sind zunächst etwas scheu und brauchen Luft, durchlaufen dann aber eine wunderbare Metamorphose von ziemlich reifer roter Frucht und laktischen Milchschokolade-Aromen hin zu einer wunderbar frischen Frucht mit balsamischen Akzenten (2011er), beziehungsweise von reduktiven Gemüsenoten hin zu einer schönen rotbeerigen Frucht (2012er). Wobei man fast sagen kann, dass sich der belüftete 12er in der Nase ähnlich präsentiert wie der unbelüftete 11er.

Zwei schöne Pinots mit lebendiger Säure und schön eingebundenen Tanninen von denen mir der Jahrgang 2011 aktuell deutlich besser gefällt. Er ist frischer, eleganter, mit Saft im Gaumen und Kraft im Abgang…gegen eine Liaison mit diesem Pinot habe ich rein gar nichts einzusetzen. Diese Liaison braucht Luft – dann wird Liebe daraus…

Fuck Frost!

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Am 9. April habe ich über das raketenmässige Erwachen der Reben frohlockt. In der Nacht auf den 20. April sind nun viele der kleinen Raketen abgestürzt, verglüht in einer eisigen Frostnacht. Vor allem den Cabernet Jura abseits der Hauswand hat’s arg erwischt.

Verglichen mit den vielen Winzern in ganz Europa, deren Lage zum Teil dramatisch – und noch lange nicht ausgestanden – ist, kann ich mich als Hobby-Winzer natürlich nicht beklagen. Dann gibt’s im Herbst halt weniger Essig.

Die Bilder und Meldungen, die aktuell fast im Minutentakt im Netz landen, zeigen ein dramatisches Bild. Vielerorts drohen massive Einbussen, im schlimmsten Fall sogar ein Totalausfall. Es scheint, als ist die Lage noch dramatischer als Ende April 2016. Und damals war der Spätforst für viele Winzer nur der Vorbote für ein Rebjahr, das verschissener nicht hätte verlaufen können: Auf den Frost folgte ein nasskalter Frühling, der sich bis in den Sommer hinzog, damit verbunden massiver Pilzdruck, und mancherorts gaben vor der Ernte Hagelstürme den Reben noch den Rest. Der goldene Herbst sorgte zwar grösstenteils für eine versöhnliche Ernte – jedoch nur qualitativ. Mengenmässig waren die Einbussen nicht selten happig. Wenn sich nun bereits im April 2017 erneut ein Mini-Ertrag abzeichnet, könnten die Sorgen für gewisse Produzenten durchaus existenziell werden. Mosel-Winzer Matthias Knebel hat recht: «Fuck Frost!»

Bleibt zu hoffen, das der Spätfrost in dieser Nacht nicht nochmals so gnadenlos zuschlägt. Und dass das restliche Rebjahr versöhnlicher verläuft als in der ersten Hälfte 2016. So oder so können die Winzer unsere Hilfe gebrauchen – zum Beispiel indem wir ihre Weine kaufen, trinken und zelebrieren.

 

Von Schönwetterwinzern und Marketingfloskeln

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Floskeln sind die Pestbeulen der Kommunikation. Im Fussball, in der Politik und auch in der Weinwelt. Überschwängliche Jubelgesänge schaden der Glaubwürdigkeit einer ganzen Zunft. Dabei haben viele Winzer viel mehr auf dem Kasten – und zu sagen.

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Ernte gut alles gut? Nicht immer. Insbesondere in schwierigen Jahren gibt es zu oft rosa Wolken statt wahre Worte.

Der inflationäre Gebrauch von Floskeln beim Anpreisen von Weinen – vor allem des neusten Jahrgangs – erweckt oft den Anschein einer heilen Postkartenwelt, in der glückliche Winzer durch ihre Rebberge schlendern und im Einklang mit Natur und Kosmos Zaubertränke keltern, die jedem Wein- freund eine Offenbarung sind. Guter Wein entsteht im Rebberg, dieser ist natürlich bio, aber nicht zertifiziert, im Keller wird der werdende Wein nur noch begleitet, und der aktuelle Jahrgang ist, wie immer, hervorragend. Alles rosa. Doch wenn alles herausragend ist, ist nichts herausragend.

So idyllisch, wie uns das manche Winzer, PR-Agenturen oder Medien weismachen wollen, ist die Lage meist nicht. Die Ökobilanz im Weinbau ist nicht so rosig, wie es die sanft im Wind wiegenden Reben vermuten lassen. Chemikalien werden gespritzt, Kunstdünger wird ausgebracht, als Gärungs-Turbo gibt’s auf Fleischabfällen gezüchtete Reinzuchthefen, geschwefelt wird mit einem Nebenprodukt der Erdölproduktion, und wer seinen Wein schönen will, kann mit Hühnereiweiss oder Fischblase Klarheit schaffen. Das hat wenig mit Weinromantik zu tun, ist aber in vielen Betrieben normal. Das ist nicht unbedingt verwerflich, sondern Alltag.

Wein-Schönsprech schadet der Credibility!

Was aber sauer aufstösst, ist das Marketing-Trugbild, dass selbst der trivialste Supermarktwein wie von alleine entsteht. Natur pur. Ein Elixier aus Sonne, Erde und Wasser, das am Ende nur noch abgefüllt werden muss. Klar, kein Winzer kann es sich leisten, zu sagen: «War ein Scheissjahr, kauft lieber andere Weine.» Aber jedes magere Jahr mit blumigen Wortkonstrukten schönreden – das schadet der Glaubwürdigkeit. Vor allem wenn im Folgejahr (beim Verkauf des allerneusten Jahrgangs) die ungeschminkte Einschätzung ans Licht kommt und der Winzer plötzlich frischfröhlich über die Mäkeleien des (inzwischen verkauften) Vorjahres plaudert.

Nicht jeder Weintrinker hat das Wissen oder die Muse, um zu erkennen, was bleibt, wenn der rosa Vorhang fällt und Fakten statt Floskeln zählen. Dank Internet hat heute zwar jeder mit wenigen Klicks Zugriff auf Zehntausende Weinbewertungen und Verkostungsnotizen. Verloren im endlosen Weinuniversum ist man aber nach kurzer Suche oft gleich schlau wie vorher. Aber es gibt immer mehr Winzer, die via Social Media einen fundierten Einblick in ihre Arbeit bieten. Auch in den weniger glorreichen Alltag abseits goldener Ernteszenen. Da wird auch mal ein Zuckersack in die Kamera gestreckt. Oder ein Winzer zeigt in einem verwackelten Handyvideo seine frisch vom Hagel zerstörten Rebtriebe.

Direkter Draht statt Floskeln

Der Konsument soll ruhig wissen, dass Weinmachen kein Zuckerschlecken ist. Winzer-News, straight aus dem Rebberg. Der direkte Online-Draht zu den Weinproduzenten macht uns nicht nur unabhängiger von Wein- PR und kitschigen Klischees – er emanzipiert die Winzer auch von der Deutungshoheit durch aussen. Authentizität, Einzigartigkeit, Mut und Originalität werden so – neben professionellem Handwerk als Basis – zum Motor einer Branche, deren Macher heute so gut ausgebildet und vernetzt sind wie nie zuvor. Auch deshalb, das darf man nicht vergessen, häufen sich die Jubelmeldungen. Sehr viele Winzer verrichten sehr gute Arbeit. Sie haben es nicht nötig, sich von Phrasendreschern weichwaschen zu lassen. Auch nicht von trittbrettfahrenden Produzenten, die sich die gängigen Floskeln ebenfalls angeeignet haben. Sie strecken ihr Vokabel-Fähnlein in den Fahrtwind der Vorreiter, ohne wirklich nach deren Philosophie zu arbeiten. Damit schaden sie nicht nur jenen, die den Karren effektiv ziehen, sondern der ganzen Zunft.

Umso schöner, dass viele Winzer heute kein Weinblatt vor den Mund nehmen und zeigen, welcher Aufwand hinter einem guten und nachhaltig produzierten Wein steckt. Sie lehren uns, Unterschiede zu schätzen und anzuerkennen. Auch «schwache» Jahrgange verdienen Aufmerksamkeit… aus Trotz, aus Prinzip – und weil sich Prognosen sowieso nicht so einfach verallgemeinern lassen. Dafür ist Mutter Natur, ist Wein, zu launisch. Erfreuen wir uns an ihren Überraschungen und ihrer Magie. Sie sind das Gegenteil der glattgebügelten Floskeln.

Dieser Artikel ist erstmals in der VINUM-Ausgabe 01-02/2017 erschienen.

Wenn Amarone, dann so

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Azienda Vitivinicola Vaona: Amarone della Valpolicella DOCG Paverno 2012

Das Schöne an der Gestaltung einer Weinkarte ist, dass man sich auf Gewächse einlässt, denen man als Gast keine Chance geben würde. Amarone? Was will ich mit so einem fetten Brummer? Umso schöner, dass ich bei der Weinauswahl für’s Restaurant Mamma Mia auf diesen straffen Amarone gestossen bin – ein Wein mit Fleisch am Knochen und dem nötigen Rückgrat, um für eine schöne Balance zu sorgen. Von wegen plump!

Der Amarone della Valpolicella DOCG Paverno 2012 überzeugt mit opulenter dunkler Beerenfrucht und Aromen von Himbeere, Zwetschgenkompott, Sauerkirsche sowie Lakritz, mit der Zeit auch reife Erdbeere, leicht marmeladige Nuancen (aber eben nicht zu aufdringlich), dahinter eine feiner Schuss Muskatnuss und Nelke; sehr rund mit gut eingebundener, straffer Säure und ebenso satten Tanninen. Ein Amarone mit runder Frucht und strammer Struktur, die den Alkohol wunderbar abfedert. So einen Kraftprotz darf zwischendurch gern im Glas landen. Vor allem auch als schöner Essensbegleiter.

Der Paverno wächst im Herzen des norditalienischen Valpolicella-Gebiets. Die rote Cuvée aus den traditionellen Amarone-Sorten Corvina (40%), Corvinone (30%), Rondinella (25%), Molinara (5%) stammt vom Familienbetrieb Azienda Vitivinicola Vaona. Die Trauben wurden handgelesen, drei Monate auf Holzgittern angetrocknet und sorgfältig vinifiziert.

Der allererste Wein am Rhein

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Sie kommen aus Graubünden. Ihr Weingut steht in Katalonien. Doch nun haben sie eine uralte Reblage in ihrer Heimat wiederbelebt – in einem Klima, dass im krassen Kontrast steht zu ihrem Spanien-Projekt. Grund genug für einen Besuch bei Hannes, Martin und Aron Candrian in Sagogn. Das Trio bewirtschaftet seit Kurzem den allerersten Rebberg am Rhein, der bis zu seiner Mündung unzählige weltbekannte Weinregionen wie Elsass, Baden oder das Rheingau durchfliesst.

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Sonne, Schnee und neu auch ein Weinberg – Panoramablick über Sagogn (GR).

Im Herbst 2016 wurde im kleinen Bündner Bergdorf Sagogn der erste Wein am Rhein geerntet. Geografisch betrachtet, versteht sich. Hier, rund 50 Kilometer unterhalb der Rheinquelle(n), nur einen Spaziergang entfernt vom Skigebiet Flims/Laax, wachsen 300 pilzwiderstandsfähige Solaris-Rebstöcke. Sie wurzeln im kargen Kalkboden eines uralten Schuttkegels, in den der Rhein imposante Schluchten hineingefressen hat.

«Wir spielten schon länger mit dem Gedanken, in Sagogn wieder Wein anzubauen», erklärt Aron Candrian. Der Forstwart und Marketingfachmann steht inmitten der Jungreben, die er 2012 in seinem Heimatdorf gepflanzt hat – zusammen mit Vater Hannes und Bruder Martin. «Je mehr ich die Geschichte erforschte, desto spannender wurde es», erklärt Aron Candrian und berichtet von einem Testament von Bischof Tello aus dem Jahr 765. Es ist der erste von mehreren Nachweisen zur Weinbaugeschichte in Sagogn. Jetzt, über 1250 Jahre später und nach langer Durststrecke, wächst hier wieder Wein am Rhein.

Er trägt den rätoromanischen Namen Resvegl – Wiedererweckung. Mitschuld an der Erweckung hat auch das katalonische Weingebiet Priorat. Und Bruder Martin. Dieser betreibt eine Weinhandlung in Chur. Infiziert vom Weinvirus hat Martin 2005 mit Bruder Aron und Vater Hannes im Nordosten Spaniens ein Weingut aus dem Dornröschenschlaf geweckt. «Ein Bauchentscheid», erinnert sich Martin Candrian. So kam das weinverrückte Candrian-Trio zu Mas Cantrio, dessen Razzmatazz sich in der Schweiz grosser Beliebtheit erfreut. Kein Wunder, lagern viele Flaschen der Priorat-Cuvée in Sagogns Dorfkern im Keller des Elternhauses.

Das Candrian-Trio: Hannes, Martin und Aron Candrian im Resvegl-Rebberg im Osten von Sagogn.

Das Candrian-Trio: Hannes, Martin und Aron im Resvegl-Rebberg im Osten von Sagogn.

Im Gegensatz zum Razzmatazz ist der Resvegl-Wein nicht im Handel erhältlich. Mit rund 120 Flaschen ist die Produktion viel zu gering. Vor allem aber sind die 400 Quadratmeter Piwi-Reben nicht im offiziellen Rebbaukataster aufgeführt. Der erste Wein am Rhein darf nur zum Eigengebrauch gekeltert werden. Eines Tages soll aber vielleicht auf der wiedererweckten Lage Bregl da Heida offiziell wieder Weinbau betrieben werden dürfen. «Wir nehmen uns Zeit und wollen nichts erzwingen», sagt Aron Candrian. «Zuerst müssen wir aber dafür sorgen, dass unser Wein gut wird.» Der Resvegl-Solaris schlummert 50 Flusskilometer unterhalb Sagogns in der Kellerei von Roman Hermann (mit ihm vinifiziert Candrian seinen Weisswein) in der Bündner Herrschaft, dem bekanntesten Weinbaugebiet der Deutschschweiz – zu dessen Terroirs ja vielleicht irgendwann wieder Sagogn gehört.

161212_resvegl_sagogn_web-3Dieser Artikel ist erstmals in der VINUM-Ausgabe 01-02/2017 erschienen.