Podcast #6 – Sandra Knecht und Fredy Löw – bringt die kritische Künstlerin den skeptischen Winzer zum Naturwein?

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Bei der Sonnenbrand-Session im Ochsen Oltingen geht’s u.a. um Schnaps, Flugabwehr-Kanonen und die Vorzüge von Dachsfleisch.

Diese Folge ist eine Schnapsidee: Im Ochsen Oltingen, am östlichsten Zipfel des Oberbaselbiets, wird ein sagenumwobener Schnaps ausgeschenkt. Ein Burgermeister mit der Aura eines Absinth. Die grüne Fee dahinter heisst Sandra Knecht. Und weil im Ochsen jetzt Saisonstart ist, habe ich sie in Oltingen zum Gespräch getroffen. Zusammen mit Winzer Fredy Löw, der wie Sandra Knecht im nahegelegenen Dorf Buus wohnt und mit dem sie eine ganz besondere Freundschaft pflegt. Gerade auch wegen ihrer Gegensätze.

Sie ist Künstlerin, Köchin und progressive Provokateurin. Er ist Winzer und betreibt eine Rebschule – wie schon sein Vater. Sandra Knecht mag Wein eher mittelmässig. Und wenn, dann am liebsten Naturwein. Sie findet, dass Fredy Löw seine Reben zu viel spritzt. Fredy hingegen betrachtet den chemischen Pflanzenschutz seiner Reben als Notwenigkeit – und die Naturwein-Welle als Hype.

Die gebürtige Zürcher Oberländerin wurde vor acht Jahren im 1000-Seelen-Dorf Buus sesshaft. Fredy Löw immerhin schon vor 44 Jahren (aus Biel-Benken herkommend). Zusammen haben die «Auswärtigen» schon so manche Dorfposse erlebt.

Das aktuellste Theater dreht sich um Sandras Perlhühner, die manchen ein Dorn im Ohr sind. Deshalb möchte Sandra für das Gefieder ein Stück Land ausserhalb des Dorfes kaufen. Ironischerweise ein Rebberg. Vielleicht wird Knecht also sogar noch zur Winzerin – unter Mithilfe von Fredy Löw. Dieser kommt so quasi durchs Hintertürchen doch noch dazu, einen Naturwein zu keltern. Sache git’s!

Podcast #5 – Stadtbasler Wein mit Silas Weiss vom Weingut Riehen

Schlagwörter

, , , , , , , ,

Wein aus Basel-Stadt? Sicher doch! Mit rund 3,5 Hektar Reben ist das Weingut Riehen der grösste – und in dieser Form auch einzige – Produzent auf Basler Stadtboden.

Seit 2019 leitet Silas Weiss (25) das Weingut im äussersten Nordwesten der Schweiz. Geboren in Hawaii, ausgebildet in Zürich und der Westschweiz hat der junge Winzer über den Handel den Weg nach Riehen gefunden. Wie genau – das gibt’s im Podcast zu hören.

Die Reben im Riehener Schlipf sind umgeben von deutschen Weinbergen, am Fuss des Tüllinger Hügels liegt die weltberühmte Fondation Beyeler. Einzigartig ist auch die jüngere Geschichte des Weinguts Riehen: Nachdem der Gemeinderebberg 2014 neu verpachtet wurde, haben sich die Weine aus dem Schlipf in kurzer Zeit schweizweit einen Namen gemacht. Zuerst dank Winzer Thomas Jost und seinem badischen Partner Hanspeter Ziereisen, seit 2018 unter der Leitung von Ziereisen und dem Weinhändler Paul Ullrich – mit Silas Weiss als Winzer. Ein grenzübergreifendes Projekt sozusagen.

Diese Weine haben wir getrunken:

– Le Petit Pinot Blanc & Chardonnay 2017
– Le Grand Sauvignon Blanc 2017
– Le Petit Rouge 2016

Weitere Bonvinvant-Beiträge zum Weingut Riehen

Neuanfang im Schlipf – Silas Weiss im Weingut Riehen (2019)
Thomas Jost holt 92 Parker-Punkte nach Basel (2017)
Spitzenwein aus dem Riehener Rebberg (2014)

Podcast #4 – Tom Litwan – Reduktion aufs Wesentliche

Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Zu Besuch im Aargauer Freaktal bei Tom Litwan, einem Meister des Schweizer Pinot Noir. Dabei erklärt der Burgund- und Champagner-Aficionado unter anderem:

…warum er zögerte, als er seine Rebfläche verdoppeln konnte
…warum Schwefel nicht des Teufels ist
…und warum er seinen Weinen (zum Glück) ein schlechter Helikopter-Vater ist

Und wir haben Erstaunliches gelernt – zum Beispiel, dass der Aargau früher mehr Rebfläche hatte als das Wallis.

Diese Schaumweine haben wir getrunken:
– Litwan Wein – Petite Meslier 2016
– Litwan Wein – Blanc de Noir Extra brut 2016

Verkostet: Litwan Wein – Thalheim Chalofe 2019

Dieser Pinot ist viel zu jung. Eigentlich… Die Younguns von Tom Litwan sind oft zurückhaltend und reduktiv. Viele blühen erst nach mehreren Jahren so richtig auf. Das findet auch Tom. Nicht aber dieses Ding hier. Der Thalheim Chalofe 2019 brettert straight drauf los, wie es sich für einen Jugendlichen gehört. Aber nicht wild, sondern voller Finesse.

Ein perfekter Pinot Noir. Die Frucht ist dunkel, die Würze ätherisch, die Struktur straff und elegant, das Finish voller Mineralik und die Gerbstoffe schon bestens gebändigt. Ein Wein, der in die Tiefe geht statt in die Breite. Von wegen verschlossen… ganz grrrrosses Kino! Kaum auszumalen, wie dieser Wein ist, wenn er in zwei, drei Jahren so richtig aufblüht.

Alles andere als zurückhaltend haben sich beim Besuch in Tom Litwans Keller übrigens auch die Pinot-Fassproben des Jahrgangs 2020 präsentiert. Vermutlich kommt deren Trotzphase erst noch. Aktuell sind das saubere, elegante Weine, manche etwas würziger und blumiger (fast an Gamay erinnernd), andere von feiner Fruchtigkeit und Mineralik wie der 19er Chalofe. So oder so vielversprechend, was da kommt!

Podcast #3 – Kat Fischer (Schweizer Weintage) und Lukas Vögele (Klus 177)

Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Darf ich vorstellen, mein Tasting-Tag-Team: Kat Fischer, Gründerin der Schweizer Weintage in der Markthalle Basel, und Lukas Vögele vom Baselbieter Weingut Klus 177 in Aesch. Egal ob bei Verkostungen, Winzer-Besuchen oder an Weinmessen…in der Regel sind sie dabei, meine liebsten Wein-Buddies.

Deshalb werden die beiden auch regelmässig in diesem Podcast als Sidekicks mitplaudern. Grund genug, um die Wein-Vita von Kat, Lukas und meiner Wenigkeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Es geht um Biodynamie, (un)trinkbare Naturweine – und um den ganz persönlichen Werdegang von drei Wein-Nerds.

Diese Weine haben wir getrunken:

  • Olivier Pithon – Cuvée Laïs blanc 2014 Côtes Catalanes IGT
  • Anne-Claire Schott – Blanc Orange 2019 Bielersee AOC
  • Domaine de Beudon – Petite Arvine 2017 Valais AOC

Podcast #2 – Badischer Landwein mit Max Geitlinger

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , ,

Pow, pow, Podcast – straight outta Markgräflerland! Zu Besuch bei Max Geitlinger im Hirschen Egerten. Wir reden u.a. über die Landwein-Revolution, Sauvignon Blanc als trojanisches Pferd und Corona-Schnapsideen.

Max führt das Gasthaus zum Hirschen in Egerten – «einem klitzekleinen Ort am Arsch der Welt, zum Glück» – seit einer Dekade und in 9. Generation. Seit 2010 betreibt er sein Landweingut Max Geitlinger. Zunächst wurde der Wein nur für den Eigengebrauch gekeltert. Inzwischen sind seine Weine – zum Glück – auch sonst erhältlich.

Die Weine aus dem Podcast:
– Pinot Noir Sekt 2017
– Sauvignon Blanc 2018
– Maximal Spätburgunder 2017

Weitere Bonvinvant-Beiträge zum Thema Badischer Landwein
Dann halt Landwein! Vom sanften Aufstand der Outlaws
Das dreckige Dutzend – 12 Landweins With Attitude

Podcast #1 – Wein aus der Hood mit Thomas Löliger vom Quergut Arlesheim

Schlagwörter

, , , , ,

Die erste Folge des Bonvinvant-Weinpodcasts ist online! Als ersten Gast gibt’s den Lieblingswinzer aus meiner Hood: Thomas Löliger vom Quergut Arlesheim, Baselland.

Mit dem Steinbruch bearbeitet er einen der steilsten Rebberge weit und breit. Und mit dem Cabernet Jura u.a. auch eine Sorte, die nur wenige Kilometer entfernt gezüchtet würde…der Boy in der Hood.

Wir reden u.a. über rutschende Hänge, ehrliche Kunden, die Launen der Natur – und natürlich über handgemachte, naturbelassene Weine.

Mehr zum Quergut und zu Thomas Löliger gibt’s in diesem Blog-Beitrag:
Der beste Schweizer PiWi-Rotwein kommt aus Arlesheim

Kommt Zeit, kommt Ratte

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Kommt Zeit, kommt Rat. Oder Ratte. Oder Maus. So ein spannendes Rennen habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Der eine Wein hat den Start verkackt, der andere das Finish.

Der Klettgau Pinot Noir von Markus Ruch – einem meiner liebsten Schweizer Winzer – gab sich zunächst widerspenstig und stand unter akutem Korkverdacht, während der Côtes du Jura – ein Trousseau von Etienne Thiebaud – mit Vollgas den Gaumen eroberte. Straffe Frucht, dicht gewoben und stoffige Struktur.

Damit war der Thiebaud sowas wie die Turboversion des Arbois – ein Poulsard von La Pinte – der leichtfüssiger und säurebetonter daherkam und das Rennen mit strammer, gleichmässiger Pace souverän durchzog. Rustikal und funky.

Aber ebä: Kommt Zeit, kommt Rat. Nach einer Strafrunde in der Karaffe rollte der Ruch das Feld von hinten auf. Und präsentierte sich so, wie man Ruchs Pinots kennt: elegant und ätherisch.

Beim Spitzenreiter, dem Poulsard, gings in die andere Richtung: Auf den Spass im Glas folgte auf der Ziellinie das Grauen im Gaumen. Ein unangenehmer, pampiger und modriger Pelz nahm die Zunge in den Würgegriff – Maus! Ein Weinfehler, der vorkommen kann bei solchen Crus. Einmal im Mund, kriegt man das nassgraue Fell kaum mehr aus dem Gaumen. Schade. Hätte der Wein keine Konkurrenz gehabt, wär er in einem Zug leergesoffen worden…bevor dessen ruppige Rückseite in den Vordergrund rückt.

Nun denn. Die Letzten werden die ersten Sein. Aus die Maus.

Ô fâya – eine Farm wird zum Weingut

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Young Ilona has a farm… und die soll jetzt endlich zum richtigen Weingut werden. Denn gute Weine macht sie schon, Ilona Thétaz aus Saxon – bisher aber ohne fixe Bleibe oder eigene Reben. Deshalb sucht die junge Walliser Winzerin via Crowdfunding nach Unterstützung.

Wie die Spindel eines Korkenziehers schraubt sich die steile Strasse dem Himmel entgegen. Der Endspurt auf dem Schotterweg führt vorbei an Weinbergen, Aprikosen-Hainen und einem Piratenschiff. Es könnte auch die Arche Noah sein. Auf der Ô fâya Farm leben nämlich unter anderem auch Schafe, Hühner, Pferde, Esel, Katzen und Hunde. Und Piratin Emma – Ilonas Tochter mit dem coolsten Sandkasten weit und breit.

Aber etwas fehlt noch in diesem Garten Eden: Ein Ort, an dem Ilona ihre Trauben verarbeiten kann. Und Platz für die Lagerung von Fässern und Flaschen, aber auch von Aprikosen, Heu und Getreide. Bisher hat die junge Winzerin ihre Weine auswärts bei Freunden gekeltert. Die Bio-Trauben wurden meistens bei Freunden zugekauft – dieses Jahr etwa bei Winzerin Sandrine Caloz.

Der nächste Jahrgang wächst im eigenen Rebberg

Jetzt soll das Improvisieren ein Ende nehmen: Ilona möchte die alte Scheune neben dem Wohnhaus entern wie ihre Tochter das Piratenschiff im Garten. Der rustikale Holzbau soll gekauft und aufgemöbelt werden. Der Platz zwischen Scheune und Wohnhaus wird dabei zum überdachten Trauben-Umschlagplatz.

Nachdem Ilona in den letzten drei Jahren – neben der Winzer-Ausbildung und dem Betriebsleiterkurs Önologie in Changins – viel Zeit und Geld in den Aufbau ihrer kleinen Farm investiert hat, möchte sie den Ausbau jetzt dank einer Crowdfunding-Aktion auf der Plattform «Yes We Farm» realisieren. Insgesamt sollen 35’000 Franken zusammenkommen – als Gegenleistung gibt’s u.a. Aprikosen, Gemüse, Wein oder ein Wein-Erlebnis auf der Farm.

Ab 2021 kommt dieser Wein endlich auch von Ilonas eigenen Reben. Die Ô fâya Farm wird diesen Winter um einen Hektar Reben erweitert. Höchste Zeit also, dass nun die Infrastruktur entstehen kann, um die erste eigene Ernte straight outta Farm zu keltern.

Trinkfreude ohne «chichi»

Dann kann sich Ilona noch besser um ihre Weine kümmern. Weine, die schon jetzt – wo sie noch ein Vagabundendasein frönen – viel Trinkfreude bereiten. Naturweine «sans chichi dedans», wie Ilona sagt.

Die Crus sind frisch und unkompliziert. Zum Beispiel der «Orage» – ein maischevergorener Wein aus weissen PiWi-Sorten wie Divona, Sauvignac und Souvignier Gris. Je nach Machart kann Orange Wein rustikal und gerbstoffbetont rüberkommen – nicht bei Ilona. Ihre Interpretation kickt mit feiner Frucht – und ist ziemlich schnell weggezischt. Noch mehr Trinkfluss hat der «tinpéta», ein frischfruchtiger Gamay.

Die farbenfrohen Etiketten stammen – ja von wem wohl – von Ilona. Auf den Schaumwein-Labels tummeln sich die Schafe. Etwa auf dem «louise : pas à deux» – einem funky pétillant aus Fendant-Trauben. Kommt gut, die Kombination der typischen feinen Bitternote des Fendant mit den prickelnd-frischen Bulles.

Sprung über den Röstigraben

Mit der eigenen Infrastruktur soll nun das Weinmachen aufs nächste Level gehoben werden. Ursprünglich kommt Ilona aus Altishofen im Kanton Luzern. Seit 12 Jahren ist sie im Wallis zuhause…seit dreien im Combe arrangée über Saxon mit atemberaubendem Panoramablick über das Rhônetal und die Unterwalliser Weinberge.

Was macht man hier oben eigentlich im Winter? Lockdown wegen eingeschneit? «Eigentlich geht das ohne Problem», meint Ilona. «Hat nicht so viel Schnee meistens. Und ich bin ja nicht so hoch oben. Und falls doch, dann rufe ich einen befreundeten Landwirt an und er kommt mit dem Traktor. Und manchmal halt von Hand Schaufeln!»

Action Orange – vom Rebberg in die Markthalle

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , ,

Geerntet in Aesch, vergoren in der Markthalle. Zusammen mit dem Weingut Klus 177 und begleitet von den Schweizer Weintagen entsteht ein ganz besonderer Wein unter der Betonkuppel beim Bahnhof. Was bisher geschah…

In weniger als einer Woche durchgegoren. Das ging zackig! Action Orange, der Name ist Programm. Und das Programm gibt’s der Markthalle Basel zu sehen – im Schaufenster, hinter dem sich bis vor Kurzem die Bajour-Redaktion befunden hat.

Von aussen sieht der Orange-Light-District eher unspektakulär aus. Wie ein weisser Plastik-Sarkophag in einem orange beleuchteten Alu-Zelt. Der Schein trügt. Unter dem Deckel dieses Wein-Schreins läuft es rund. Vor allem in der vergangenen Woche. Da haben die für die alkoholische Gärung verantwortlichen Hefen innerhalb von nur sechs Tagen die 92° Oechsle Fruchtzucker der Trauben weggeputzt und zu etwa 13 Vol.-% Alkohol (und Kohlenstoffdioxid) verstoffwechselt.

Einen Blick auf die blubbernde Maische konnte allerdings nur mit etwas Glück erhascht werden – ähnlich wie bei der Fütterung im Zolli. Wegen der Fruchtfliegen musste die gärende Maische (also der Mix aus Most, Beerenhäuten und Kernen) mit einem Deckel geschützt werden. Und das Alu-Zelt darüber sorgte für ein kühles und energie-effizientes Mikroklima. Das orange Licht sorgt für die Show – zusammen mit dem Trauben-Wärter, der die Beeren mit hemdsärmligem Tatendrang zweimal pro Tag vermischt und im eigenen Saft ersäuft hat. Dabei pflügten zwei Arme mit sanften Schwimmbewegungen durch die Maische. Mit dem dritten Arm wurde per Handy fleissig für die Insta-Story dokumentiert – zu sehen drüben bei den Schweizer Weintagen.

Dieses Durcheinander ist wichtig, damit die Gärung smooth und gleichmässig verläuft. Durch das CO2, ein Nebenprodukt der Gärung, werden die Beeren an die Oberfläche geschwemmt und drohen dort auszutrocknen. Das wäre ungünstig und eine unnötige Angriffsfläche für unerwünschte Mikroorganismen. Ausserdem ist die Temperatur im Kern des Bottichs viel Wärmer. Auch deshalb ist ein Ausgleich wichtig – sonst gibt’s ein Donnerwetter. Das ist wie beim Klima.

Surreal sieht er aus, dieser pink-orange Teppich aus kleinen, schrumpeligen Beeren. Samtweich und kompakt. Wenn man die Schrumpeldinger runterdrückt, schäumt es gewaltig. Nachdem die alkoholische Gärung durch ist (und nun die zweite Gärung, der biologische Säureabbau, erfolgt), muss der Kuchen nur noch alle zwei Tage umgewälzt werden. Sonst werden zu viele Gerbstoffe aus den Traubenhäuten extrahiert und unser Baby verbittert.

Ja, die Häute sind noch drin. Wir haben es mit einer Maischegärung zu tun. Und mit der weissen Traubensorte Souvignier Gris. In Kombination ergibt das – einen Orange Wine! Also Weisswein, der wie Rotwein zubereitet wird und durch den Kontakt mit den Häuten eine orange Farbe erhält.

Geerntet wurde am Freitag, 11. September in den Rebbergen der Klus 177 in Aesch. Innerhalb von zwei Stunden haben die Helfer des Markthalle-Teams und der Schweizer Weintage rund 400 Kilo zusammengetragen. Das sollte etwa 300 Flaschen geben. Die biodynamisch kultivierten Trauben sahen nicht nur modellmässig gut aus, sondern waren auch kerngesund. Souvignier Gris ist eine PiWi-Sorte, also eine pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung, der keine Traubenkrankheit so schnell auf die Pelle rückt. Deshalb ist sie besonders pflegeleicht und nachhaltig zu bewirtschaften. Und das Wichtigste: Souvignier Gris ergibt richtig guten Wein.

Das zeigt der Orange 2019, mit dem die Macher der Klus 177 sich erstmals auf oranges Terrain begaben. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Kleinauflage von 777 Flaschen war im Nu vergriffen und versoffen. Die Ausbeute 2020 wird garantiert grösser ausfallen. Und mit dem Action Orange wird der Klus-Orange zudem noch einen Zwillingsbruder zu Seite haben. Der Unterschied? Der Action Orange wurde nach dem Abbeeren – aka Entrappen – straight in die Markthalle gefahren und dort vergoren.

Und den fertigen Action Orange? Den wird es an den Schweizer Weintagen am 6. und 7. Mai 2021 zu verkosten geben!

Schrein für den Wein: Hier entsteht der Action Orange.
Fast schon kitschig: Souvignier Gris-Trauben in der Klus.
In Action: Kat Fischer (Schweizer Weintage), Christoph Schön (Markthalle) und Lukas Vögele (Klus 177).
Entrappen hat nix mit rappen zu tun…
…sondern dass die Beeren von den Rappen getrennt werden.
Jeder Rappen zählt (jaja…Flachwitz).
Jedes Oechsle° auch – 92 an der Zahl, gemessen von Klus 177-Boss Antoine Kaufmann.
Bei der Klus 177 herrscht Impfpflicht: Sprich, die Maische wird mit bereits gärendem Most «geimpft», damit die Gärung mit den natürlichen Hefen (Spontangärung) in Gang kommt.
Gruppenfettli zum Abschluss.

Sali Saumur – Chenin zämme

Schlagwörter

, , , ,

Dreimal Chenin Blanc: Der Jardins Esméraldins Genèse Blanc von Xavier Caillard, flankiert von den beiden Tête Rouge-Crus.

Gewisse Weine mag man auf Anhieb. Sie haben eine magische Anziehungskraft – so wie manche Menschen. Chenin Blanc zum Beispiel. Das ist eine Rebsorte, kein Mensch, aber fast so vielseitig. Mal intellektuell und fordernd, mal unkompliziert und zugänglich. Mal schlank und karg, dann wieder üppig und aromatisch. Von sehr trocken bis sehr süss.

Die aromatische Bandbreite und die vielen Spielformen zwischen straffer Säure und einer Süsse in all ihren Schattierungen – das erinnert an Riesling. Nur hat Chenin meist mehr Körper und Gewürznoten.

Vielleicht spielen nicht nur Nase und Gaumen eine Rolle, sondern auch das Ohr. Chenin, das klingt schon schön – wie «scheene» im Baseldytsch. Als Hedonist empfängt man sämtliche Signale des Schönen. Die Sirene des Schönen – beim Chenin Blanc ist sie in Saumur besonders laut. Sali Saumur! Im Herzen der Weinregion Loire auf halben Weg zwischen Orléans und Atlantik, wo die Loire – längster Fluss Frankreichs – ins Meer mündet. Auf einem ähnlichen Breitengrad wie Basel.

Die Weinberge der Loire erstrecken sich über mehrere hundert Kilometer. Am Anfang und am Ende (bei Sancerre und Nantes) wachsen leichte, mineralische Weine aus Sauvignon Blanc und Muscadet. Dazwischen, bei Saumur, wird die Sache deftiger. Hier ist Chenin Blanc der Boss. Die Böden aus Kalk und Tuffstein sind der ideale Nährboden für geschmeidige Weine mit straffer Säure und vollerem Körper.

Die Säure sorgt ausserdem dafür, dass die bekannten restsüssen Chenin der Loire wunderbar balanciert sind. Meinetwegen muss der straffe Nerv dieser Sorte gar nicht durch süssliche Rundungen gepuffert werden. Deshalb flashen mich die Weissen von Manoir de la Tête Rouge: Sie sind knochentrocken, eher karg und von feiner Würzigkeit. Der einfachere Tête d’Ange 2017 hat Anklänge von Honigmelone, hellen Blüten und gelbem Steinobst sowie ein salziges Finish.

Beim anspruchsvolleren l’Enchentoir 2013 wirken die gelben Früchte angetrocknet, begleitet von jodigen Nuancen und einem Hauch Feuerstein. Für komplette Entzückung sorgt der Jardins Esméraldins Genèse Blanc 2004 von Xavier Caillard, einem weiteren Kleinbetrieb südlich der Stadt Saumur. Dieser Chenin vereint alle bisher genannten Nuancen, ist aber komplexer und eleganter – und hat eine Etikette, die man sich am liebsten als Tattoo stechen lassen würde.

Diese drei Saumur-Chenin sind Styler aus einer der vielseitigsten und interessantesten Weinregionen Frankreichs. Eine Hood, die trotz ihrer Grösse und ihres Standings noch viel Unterbewertetes zu bieten hat. Auch Cabernet Franc beim Rotwein. Darauf kommen wir noch zurück. Scheene zämme, Chenin zämme!

Dieser Text wurde erstmals in der bz Basel veröffentlicht.