WWA #4: Manoir de la Tête Rouge – l’Enchentoir AC Saumur Puy Notre Dame 2010

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Tete Rouge - Enchentoir Rouge 2010
«Tête Rouge» – kein Wunder, kann ich mich als notorische Rothaut mit den Crus dieses Loire-Weinguts so gut identifizieren. Dieser Cabernet Franc ist für mich der Inbegriff eines balsamischen Weines. Herrlich frische Aromen nach Zedernholz und Tannennadeln, ja fast schon Harz. Auch erdige Noten sind auszumachen. Die Frucht ist dunkel und dezent. Im Gaumen saftig und mit einer animierenden Würzigkeit. Tolle Struktur, mineralisch und elegant mit nur 13,5 Vol.-%. Der Wein gewinnt extrem an der Luft.
Der «Enchentoir» stammt aus der gleichnamigen Lage, welche auch einen hervorragenden Chenin Blanc hervorbringt (einer meiner allerliebsten Weissen). Der rote Vertreter stammtvon 60-jährigen, biodynamisch kultivierten Rebstöcken. Den Wein gibt’s in einer Kleinauflage von 2400 Flaschen pro Jahr.
Cabernet Franc von der Loire – so macht das definitiv Lust auf mehr.

 

Trink Allein! Geständnis eines Egoisten

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«Ich trinke nur in Gesellschaft» – höre ich immer wieder. Klingt super, so vernünftig…und unglaublich spiessig. Ein Riesenquatsch! Sowas sagen Leute, die «Eve» trinken und von ihrem Prosecco schwärmen, obwohl sie Champagner im Glas haben. Leute, mit denen ich nicht unbedingt eine gute Flasche Wein teilen möchte. Leute, die das Zeug in sich hineinkippen und vor lauter Gesellschaft vergessen, welch himmlische Kreszenz sie sich da unter Umständen gerade hinter die Binde kippen.

Das mag jetzt unglaublich versnobt klingen. Ist es auch. Aber ich trinke lieber alleine als unter Banausen. Zumindest wenn guter Wein im Spiel ist und insbesondere, wenn er aus meinem Keller stammt und ich nur eine Flasche davon vorrätig habe. Wenn ihr mich also mit einem Bier seht, ist entweder die Weinauswahl unter aller Sau – oder ihr könnt es persönlich nehmen.

Die harten Momente im Leben eines Wein-Snobs

Mein Albtraum? Als Gastgeber einen Cru entkorken, den ich selber noch nicht kenne! Erstens verbieten es Situation und Anstand, dem Wein die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, geschweige denn eine anständige Verkostungsnotiz zu schreiben. Zweitens besteht das latente Risiko, dass ich den Wein kacke finde, dies den Gästen aber so nicht sagen kann.

Oder, noch schlimmer, drittens: ich bekomme feuchte Augen ob dieser önologischen Erleuchtung – während die restliche Runde die Nase rümpft. Das kommt immer wieder vor im harten Leben eines Weinsnobs. In diesem Fall landet die angebrochene Flasche rasch wieder im Kühlschrank und ich öffne für die Gäste irgendwas mit P (Prosecco oder Primitivo) und für mich ein Bier.

Der Luxus eines schlechten Gewissens

Also weine ich alleine. Manchmal verkoste ich nur…mit Spucken und so. Und manchmal ist das ein fliessender Übergang. Zweisame Nächte mit einer Flasche Wein (ein Tête-à-Tête unter Flaschen sozusagen…hohoho, Flachwitz). Tatsächlich bescheren mir diese Momente oft denkwürdigere Wein-Erlebnisse als eine feuchtfröhliche Runde (ausser die Runde besteht aus Trauben-Trotteln wie mir). Nur ich, der Wein und unser Dialog, der eher ein Monolog des Weins und ein rapportieren des Säufers ist. Dazu wahlweise noch etwas Musik oder Graffiti-Gekritzel und gut ist.

Das schlechtes Gewissen am Tag danach, auch das gehört dazu. Sowas leiste ich mir. In diesen Momenten rede ich mir halt ein, dass der Ego-Trip am Vorabend ein privates Vorkosten im allerengsten Kreis war – damit der Wein zu einem späteren Zeitpunkt in grosser Runde wieder entkorkt werden kann. Vielleicht.

PS: Dieser Text ist ohne Einfluss jeglicher Trauben-Substanzen entstanden. Kann passieren.

Weingut Karl Haidle Lemberger Berge Grosses Gewächs 2015 & Ziereisen Spätburgunder Schulen 2013

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Wenn diese beiden Granaten etwas verbindet, ist es weniger das schöne Bild im Hintergrund – sondern die straffe Säure. Dass Ziereisens Spätburgunder Schulen 2013 aus Efringen-Kirchen (Markgräflerland, Baden) dabei die schlankere Figur abgibt als der Württemberger Lemberger – aka Blaufränkisch – aus Stetten bei Stuttgart, ist kein Wunder: mit 12,5 Vol.-% hat der Pinot zwei Umdrehungen weniger als der Haidles Top-Lemberger, der auch sonst ziemlich viel Power mitbringt…von der Frucht bis zum Würze.

Ziereisens Spätburgunder Schulen 2013 (rechts) hat mich in den letzten Wochen gleich zweimal hingerissen mit seiner saftig-eleganten Art – einmal davon in einer Blinddegu, in der er zahlreiche Artgenossen aus dem Dreiland ausgestochen hat. In der Nase ist der Cru zunächst blumig-fruchtig mit Anklängen von dunkler Kirsche, Veilchen, zartbitterer Mandelschokolade, Unterholz, aber auch reife dunkle Beeren und einem dezenten Schuss Pfeffer. Im Gaumen rund und saftig, zunächst wird die schöne Frucht bestätigt, dann sorgen die straffe Säure und balsamische Noten für Stringenz, auf der Zunge zarte Gerbstoffe, zartbitter im Abgang. Wunderbare Balance – leichtfüssig und elegant.

Der Lemberger Berge Grosses Gewächs 2015 des Weinguts Karl Haidle (links) gibt sofort Vollgas – wuchtige dunkle Beerenfrucht, Sauerkirsche, schwarze Johannisbeere, Lorbeer, Gewürznelke, erdige Noten im Hintergrund, dunkle Schokolade, Liebstöckel. Im Gaumen rund und vollmundig, zunächst würzig und mit toller Säure, dann mit markanten aber bereits gut eingebundenen Gerbstoff. Die vielen Umdrehungen sind deutlich spürbar hinten raus – aber gut abgefedert in einem Tannin- und Aromagerüst, gute Balance zwischen Frucht und Struktur. Sehr lang anhaltend.

Was ich an beiden Crus mag ist ihre Frische und die wunderbare Balance aus saftiger Frucht, balsamischer Frische und feiner Würze. Trotzt unterschiedlicher Gewichtsklasse in Sachen Alk-Hubraum wirken beide Weine irgendwie artverwandt…insofern ergänzen sich die beiden Crus perfekt.

Das dreckige Dutzend – 12 Landweins With Attitude

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Verkostungen sind ja oft der reinste Gangbang. Es lässt sich nicht vermeiden. Zu viele Weine, zu wenig Zeit. Deshalb nutze ich derartige Speed-Datings vor allem, um im Affekt Affären zu notieren, denen ich mich später in aller Ruhe die Zeit widme, die sie verdienen.

Ende April war wieder so ein Gangbang am 2. Badischen Landweinmarkt im Landhotel Alte Post Müllheim (auf halbem Weg von Basel nach Freiburg i. Br.). 16 Badische Landwein-Winzer präsentierten rund 100 Weine. Viele davon (v.a. rot) hatte ich im Gaumen – oft nur kurz, deshalb die kargen Verkostungsnotizen. Die folgenden Gewächse, das dreckige Dutzend des Landweinmarkts, landeten auf meiner Watchlist für ein späteres Rendez-Vous (zufällige Reihenfolge).

Rotweine

Weingut Brenneisen – Doktorgarten Spätburgunder 2015
Laktisch, rote Frucht, würzig – elegant und komplex.
Restzucker: 0,7 / Säure: 5,2 / Alkohol: 13 % / Preis: 34 €

Weingut Achim Dürr – Keuper Pinot Noir 2016
Elegant, floral; saftig und mit wunderbarer Säure.
RZ: 0,9 / S: 7 / A: 12 %

Weingut Forgeurac – Riegelberg Pinot Noir 2016 (Fassprobe)
Feinwürzig, floral, elegante Frucht, schöne Struktur.
RZ: ?? / S: ?? / A: 13 % / 22 €

Weingut Ruser – Spätburgunder Rotwein Handlese RK 2014
Pure rote Frucht, wirkt schön gereift, elegant, animierende Kräuterwürze.
RZ: 0,8 / S: 5,5 / A: 13,3 % / 10,80 €

Wasenhaus – Spätburgunder Vulkan 2016
Karg, zurückhaltend, floral, dicht – Struktur und Eleganz.
RZ: ?? / S: ?? / A: ?? / 28 €

Weingut Ziereisen – Jaspis Pinot Noir unfiltriert handgelesen 2015
Tiefgründig, feine Würze, floral, schöne Säure, sehr elegant.
RZ: 1,0 / S: 5,3 / A: 12,5 % / 45 €

Winzerhof Linder – Cabernet Sauvignon_51 2015
Frisch, floral, dunkle Beerenfrucht, sehr dicht, hat Grip. Überraschung!
RZ: 0,3 / S: 4,3 / A: 12,5 % / 13,70 €

Weissweine

Weingut Brenneisen – Gutedel 2016 ohne Filter
Stachelbeere, wirkt zunächst wie ein Sauvignon Blanc. Knackig.
RZ: 0,7 / S: 6,2 / A: 11,5 % / 7 €

Weingut Max Geitlinger – Gut&Edel 2016 unfiltriert, handgelesen, sponti
Crèmig, dennoch mit Grip und schöner Frische.
RZ: 1,6 / S: 5,4 / A: 12 % / 8.50 €

Weingut Scherer – Gutedel Spontan 2016
Buttrig, Feuerstein, Frische. Herrlich!
RZ: 1,7 / S: 5,0 / A: 11,5 % / 12 €

Enderle & Moll – Müller-Thurgau «Pur» 2017 (Fassprobe)
Typischer Orange-Wein, würzig, frisch und von toller Struktur.
RZ: ?? / S: ?? / A: ?? / 9,90 €

Weingut Sven Nieger – Riesling Unbestechlich 2016
Mineralisch, frischfruchtig, straff.
RZ: 3,5 / S: 6,3 / A: 12,5 % / 20 €

Zum Badischen Landweinmarkt

Initiiert von Winzer Hanspeter-Ziereisen aus Efringen-Kirchen werden hier die Freiheiten des Landweinlebens zelebriert. Diese Weine müssen nämlich nicht die sensorischen Prüfungen der Behörden durchlaufen, die in Baden für Qualitäts- und Prädikatsweine obligatorisch sind und – wie viele Landweinwinzer finden – auch veraltet und nicht mehr zeitgemässen sensorischen Kriterien folgend.

So kam und kommt es immer wieder vor, dass Weine, deren analytischen Werte nicht beanstandet wurden, an der sogenannten Sinnenprüfung scheiterten und als «nicht verkehrsfähig« eingestuft wurden – abgestempelt als Landwein. «In Baden wird alles unterdrückt, was anders ist», sagt Hanspeter Ziereisen dazu. Dabei zählen heute viele der sogenannten Landweine zu den Top-Gewächsen in Baden. Aus der Not haben die Landwein-Winzer nun eine Tugend gemacht, die Qualitätspyramide steht Kopf.

Der Termin Ende April wurde bewusst gewählt und ist ein Statement. Die Verkostung findet am selben Tag statt wie der Müllheimer Weinmarkt, der älteste noch existierende Weinmarkt Badens. Bei seiner Premiere 1872 gab es kein Weingesetz im heutigen Sinne. Allein der Geschmack der Besucher entschied über die Qualität der präsentierten Weine – so wie es heute bei den Landweinen der Fall ist.

PS: Axel Biesler zum Thema einen wunderschönen (und preisgekrönten) Beitrag auf seinem Weinblog veröffentlicht. Der Titel: «Von der Sprache des Landweins».

Der beste Schweizer PiWi-Rotwein kommt aus Arlesheim

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Arlesheim. Steinbruch. Ich sehe diesen Rebberg jeden Tag. Morgens beim Zähneputzen aus der Ferne, abends beim Streifzug mit Luna aus der Nähe. Der Blick ist atemberaubend, schweift über das Dorf. Über das Birstal und das Goetheanum. Über Basel bis zu den Hügeln von Schwarzwald und Vogesen.

Hier, auf dem höher gelegenen der beiden Quergut-Rebberge, hat 2015 meine erste grosse VINUM-Reportage über das Dreiländereck begonnen. Hier krüppelt ein Winzer, der seit Jahren dabei ist an den Schweizer Weintagen, die ich mitorganisieren darf. Hier wächst der Wein, den wir im Mamma Mia Arlesheim seit Tag eins als Hauswein anbieten (mein Myggeli führt das Lokal). Cabernet Jura – straight outta Hausberg. Dem Steinbruch. Arlesheim.

Und jetzt hat der neuste Jahrgang dieses Crus beim Schweizer Bioweinpreis gewonnen, vergeben durch das Weinmagazin VINUM und Bio Suisse. Der Cabernet Jura im Steinbruch 2016 wurde von der Fachjury zum besten Rotwein in der Kategorie PiWi (pilzwiderstandsfähige Sorten) erkoren. Fuckyeah! Da darf man schon etwas pathetisch werden.

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Natur statt Rampenlicht

Wie ich diesen Erfolg Thomas Löliger, dem Macher dieses Weines, gönne! Gerade auch, weil er ihn nicht gesucht hat. Damals, bei meinem ersten Besuch, als der zurückhaltende Winzer kaum ein Jahr im Steinbruch aktiv war, die Reben frisch auf Bio umgestellt. Damals ging es Löliger nicht darum, Preise abzuräumen. Vielmehr ging – und geht – es ihm um den Rebberg als Biotop für Pflanzen und Tiere. «Ich möchte mit einer Biodiversitäts-Insel das Maximum an Lebensraum zu schaffen», sagte er damals. Und was wird aus den Trauben? «Ein lokaler Wein, der verhebt.»

Nun. Das tut er! 2016 wäre Löliger übrigens um ein Haar zum Schweizer Biowinzer des Jahres gekürt worden – dem Sieger der Sieger. Damals schafften es sein Johanniter 2015 sowie sein Cabernet Jura 2014 unter die besten Zehn. Damals war ich bei VINUM zuständig für den Bioweinpreis…als ich Löliger von seinem Beinahe-Triumph erzählte, schien er fast erleichtert, dass er den Thron knapp verpasst hat. Wenn er so weitermacht, muss er eines Tages vielleicht dennoch mit dem Titel vorliebnehmen.

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Cabernet Jura – Rebsorte aus dem Birstal

Dass Löliger nun ausgerechnet mit seinem Cabernet Jura gross auftrumpft, ist eine schöne Pointe: Die PiWi-Sorte wurde nämlich im Birstal gezüchtet, knapp 30 Kilometer birsaufwärts im jurassischen Soyhières zwischen Laufen und Delémont. In einem feuchten Talabschnitt, eigentlich ungeeignet für Weinbau. Ausser, man züchtet eine pilzwiderstandsfähige Sorte. Cabernet Jura zum Beispiel. Erschaffen von Valentin Blattner, einer Koryphäe auf diesem Gebiet. Er hat Cabernet Sauvignon mit einer unbekannten, pilzwiderstandsfähigen Rebsorte gekreuzt.

Dass Blattner die Sorte Cabernet Jura genannt hat, zeugt auch von Marketing-Geschick…zumal viele Winzer das «Jura» gerne auch verschämt wegnuscheln. Nicht so Thomas Löliger, der mit seinen Weinen beste Werbung macht für neu gezüchtete PiWi- bzw. Hybrid-Sorten, denen in Fachkreisen immer noch häufig mit Skepsis begegnet wird.

Tatsächlich offenbaren Weine aus diesem Segment immer wieder geschmackliche Herausforderungen, manchmal auch Defizite. Andererseits kommen immer mehr Winzer immer besser mit diesen vergleichsweise jungen Rebsorten zurecht. Und bald könnte eine neuePiWi-Generation folgen, deren Geschmacksspektrum weitaus ausgeprägter ist, als bei ihren Vorgängern, bei denen es ja in erster Linie auch darum gegangen ist, Rebsorten zu züchten, die ohne Einsatz von Chemie – Herbizide und Pestizide – kultiviert werden können. Oder zumindest mit wesentlich weniger. Cabernet Jura ist also sozusagen eine autochthone Sorte aus dem Birstal.

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Vom Frost gebeutelt

So. Exkurs zu Ende. Zurück zu Thomas Löliger, der die steilen und widerspenstigen 1,25 Hektar am Steinbruch erst vor vier Jahren übernommen und auf Bio getrimmt hat. Keine einfache Sache, sondern Knochen- und Nervenarbeit. Hagel und Frost können eine ganze Ernte in wenigen Minuten oder Stunden vernichten. Und wenn ein gefrässiges Reh ein Schlupfloch im Zaun findet, sind in Kürze Trauben weggeputzt, deren Wein man für vierstellige Beträge hätte verkaufen können.

2017 war ein schlechtes Jahr. Vor allem wegen des Frosts, der Löliger lediglich rund 8 Prozent einer normalen Ernte übrig liess. Der ganze Jahrgang hat in einem kleinen Stahltank platz. 2018 könnte besser werden. Nicht nur wegen des Triumphs am Schweizer Bioweinpreis. Die Frostgefahr ist gebannt, Hagelschäden gab’s (zumindest in Arlesheim) bisher keine. Gegen gefrässige Rehe hilft ein nagelneuer Elektrozaun. Und die von Erosion bedrohten Terrassen wurden mit dem Bagger in Form gebracht (eine gefährliche Arbeit) und mit Jungreben bepflanzt – die meisten davon PiWi-Sorten.

Ausserdem führt der brandneue «Gempen Nord Trail» die Mountainbiker nun direkt am Rebhäuschen von Thomas Löliger vorbei. Dort könnten sie sich am kommenden Sonntag, 3. Juni, preisgekröntes Kurvenwasser besorgen. Löliger lädt dann zum ersten Mal in diesem Jahr in seine Besenbeiz.

Der Cabernet Jura 2016, frisch gekürter Bioweinpreis-Sieger, wird dann ein erstes Mal im öffentlichen Rahmen entkorkt. Ab Juli gibt’s den Cru dann auch im Mamma Mia, dessen Crew – das soll hier nicht unerwähnt bleiben – bei der Ernte 2016 die Hände mit ihm Spiel hatte. Hat zwar keinen Einfluss auf die Weinqualität, ist aber eine gute Schlusspointe. Prost!

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Das schreibt VINUM roten PiWi-Kategoriensieger
Quergut – Basel-Landschaft AOC Cabernet Jura im Steinbruch 2016
Erst seit 2014 bewirtschaftet Quereinsteiger Thomas Löliger den Gemeinderebberg Steinbruch in Arlesheim, der vorwiegend mit PiWi bestockt ist. Nach mehreren Jahren als Hobbywinzer und einem Praktikum bei Ueli Bänninger (Weingut Tschäpperli, Aesch) wagte er den Schritt zum eigenen Weingut. Sein prupurfarbener Cabernet Jura überzeugt mit seiner Klarheit. Dunkle Schokolade, Pfeffer, Lorbeer, auch Noten von Zimt und dunklen Früchten. Tannine und Säure in wunderbarem Einklang. Guter Trinkfluss. Mittellanger Abgang. Benotung: 17.4 Punkte. Preis: 17 Franken.

Hier gibt’s das VINUM-Sonderheft zum Schweizer Bioweinpreis 2018 als PDF.

Über das Quergut Arlesheim
Cécile Bühlmann, Michael Huber und Thomas Löliger – diese drei Quereinsteiger bilden das Quergut mit zwei Reblagen in Arlesheim. Drei Köpfe, zwei Lagen – ein Name. Cécile Bühlmann und Michael Huber bewirtschaften die familieneigenen Reben im Schlossberg nach Richtlinien der integrierten Produktion IP. Thomas Löliger kultiviert seine Reben nach Bio-Richtlinien auf dem steilen Gemeinderebberg im Steinbruch. Alle drei arbeiten Teilzeit neben ihrer Aufgabe im Weinberg – sie als Hobbywinzer zu bezeichnen, wäre aber viel zu kurz gegriffen. Das Trio hat entsprechende Ausbildungen genossen und investiert viel in die Bewirtschaftung der teilweise steilen Lagen auf insgesamt 2,5 Hektar Rebfläche. In die Flaschen kommt ein interessantes Sortenspektrum vom klassischen Blauburgunder bis zu pilzwiderstandsfähigen Trauben wie Johanniter und Cabernet Jura. www.quergut.ch

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Ghetto Gourmet mit Moritz Haidle (Fotos)

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Wine & Dine mit Moritz Haidle, Weingut Karl Haidle, Stetten (D)
26. Mai 2018, Mamma Mia, Arlesheim

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Riesling Brut Jahrgangs-Sekt 2014
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Erbsen-Minz-Wasabi-Püree, Erbsen-Espuma mit Ingwer und Kafirblatt, frische Erbsen, rassige Kichererbsen-Bällchen, Spargel-Erbsen-Sprossen (unten)

2017 Stetten Riesling Kabinett «Pfeffer» VDP.ORTSWEIN
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Weisse badische Spargeln und grüne Spargeln in einem Kerbel-Sauerampfer-Sud mit Onsen-Ei und geräuchertem Kaviar vom Stör (unten)

2016 Stettener Pulvermächer Riesling Grosses Gewächs VDP.GROSSE LAGE
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Offenes Ravioli vom geschmorten Entenschenkel der Appenzeller Ente in leichter Zitronenthymian-Honig-Jus, überzogen mit Salbeibutter und konfierten Cherry-Tomaten (kein Foto)

2016 Stettener Häder Lemberger
VDP.ERSTE LAGE
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Malans Vol. 2: Giani Boner – oxidierte Meisterwerke aus der Completer-Kellerei

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Completer, die Malanserrebe – nicht jedes Winzerdorf kann von sich behaupten, eine eigene Traubensorte beherbergen. Malans schon! Ein Weingut trägt den Namen dieser Rarität im Namen: die Completer-Kellerei von Giani Boner. Der Winzer hat sich einer ganz eigenen Spielart des Completer verschrieben, diese wird – ähnlich einem Vin Jaune aus dem französischen Jura – über viele Jahre oxidativ ausgebaut. Das Ergebnis ist einzigartig.

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Gleich neben der Dorfkirche führt Giani Boner mit seinem oxidativ ausgebauten Completer die Familientradition fort. Sein Grossvater hat die Malanserrebe bereits im ehemaligen Klostergewölbe so gekeltert – und die Mönche damals auch. Wie bei Martin Donatsch aus Teil 1 der Malans-Repo werden Augenmass und Bauchgefühl höher gewichtet als technischer Schnickschnack. Im Winter lässt Boner den Keller im Gleichschritt mit der Natur abkühlen. Den biologischen Säureabbau vollziehen die Weine erst im Frühling. Der jahrelange oxidative Ausbau in Barriques verleiht dem Completer nussige Noten, wie man sie vom Vin Jaune aus dem französischen Jura kennt.

Geschwefelt wird erst vor der Abfüllung – über ein Jahrzehnt nach der Ernte. Die Weine sind so stabil, dass die Säure als Konservierungsmittel ausreicht. Im vergangenen Jahr hat Boner den 2005er abgefüllt, verkauft wird aktuell der Jahrgang 2003. «Eigentlich ist dieser Wein noch ziemlich jung», findet Boner, dem zurzeit die Exemplare aus den 80er Jahren besonders gefallen. Ihm ist klar, dass nur ein kleiner Teil seiner Kunden die Weine so lange lagert.

Ebenso ist sich Boner bewusst, dass sich das Konsumverhalten der Weintrinker verändert. «Doch die Jungen verdienen Geld und sie geben es auch aus», zeigt sich der Winzer zuversichtlich. Bei einer Completer-Produktion von rund 2000 Flaschen pro Jahr wird er kaum Probleme haben, seine Rarität zu verkaufen. Ihn beschäftigen andere Herausforderungen. Etwa die veränderten Reife- und Erntezeitpunkte im Kontext der stetig steigenden Temperaturen und Öchsle-Werte. Ebenso beschäftigen Boner die Bedrohung durch die Kirschessigfliege, die steigenden Boden- und Mietpreise sowie die Überbauung von Rebflächen. Grosses Gesprächsthema im Dorf war beim Besuch Anfang 2016 ein Bauprojekt an der Jeninserstrasse, bei dem 6000 Quadratmeter Reben 60 Wohnungen weichen müssen.

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Hier wachst eine Spezialität: Die Completerhalde südöstlich von Malans.

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Weintipp: Completer-Kellerei – Malanser Completer 2003

Goldgelb im Glas und opulent in
der Nase offenbart dieser oxidativ ausgebaute Completer ein wahres Aromenfeuerwerk. Da trifft reifes Kernobst auf Aprikosengelee, dunklen Honig und Crème brulée, dazu getrocknete exotische Früchte, gemahlene Nüsse und eine Prise Zimt; frisch im Gaumen vom sanften Auftakt bis zum rassig-würzigen Finish, jodig-salzige Sherry-Noten sowie eine dezente Restsüsse.

Winzerdorf-Reportage
Malans Vol. 1: Donatsch – Vom Barrique-Pionier zum Pinot-König
Malans Vol. 2: Giani Boner – Oxidierte Completer-Meisterwerke

Demnächst
Malans Vol. 3: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern
Malans Vol. 4: Anjan Boner – Alter Name, neues Weingut

Die Reportage zum «Winzerdorf Malans» ist erstmals in der Ausgabe 03/2016 der Weinzeitschrift VINUM erschienen. Alle Zitate und Fotos entstanden im Januar 2016.

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WWA #3: Marie-Thérèse Chappaz – Grain Noir 2015

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So schnell wird man von der Aktualität überrollt: Letzte Woche versuchte ich in den Bergen meinen Beitrag zur legendären Walliser Winzerin Marie-Thérèse Chappaz zu beenden. Dann kam die Basler Fasnacht dazwischen. Inzwischen wurden zwei von Chappaz’ Weinen im Robert Parker Wine Advocate mit 99 von 100 Punkten beurteilt – nahe der Perfektion. Das gab’s noch nie für Schweizer Crus. Chapeau Chappaz!

Ausgezeichnet vom Parker-Punkter Stephan Reinhardt wurde die Grande Dame des Schweizer Weins für die Süssweine «Petite Arvine Grain par Grain 2014» und den «Ermitage Octobre 240° Oe 2006». Hier geht’s nun aber um eine rote Cuvée aus den Bordeaux-Sorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc – auch das gibt’s in der Schweiz nicht alle Tage. Vor allem nicht dermassen gut.

Viele Weine, so sagt man, sind wie ihre Macher. Klingt zunächst gut, dann ausgelutscht…und irgendwann dann halt doch wieder gut. Zumindest in gewissen Fällen, in denen diese Feststellung einfach passt.

Nun, ich weiss nicht, ob Marie-Thérèse Chappaz, nach Cassis, Zedernholz, Paprika und Pfeffer duftet wie ihr «Grain Noir 2015». Ich weiss aber, dass die Walliser Winzerin auf eine ganz subtile Weise Kraft und Eleganz ausstrahlt… so wie dies auch ihr Grain Noir tut.

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Marie-Thérese Chappaz am «Villa d’Este Wine Symposium» 2015.

Gewiss, die Grain-Noir-Assemblage aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ist fast noch zu jung, um jetzt schon geköpft zu werden. Kopflos ist es dennoch nicht: Das tiefdunkle Elixier verströmt einen feien, ätherisch-fruchtigen Duft von dunklen Beeren (neben Cassis auch Lakritz, Schwarze Johannisbeeren, Holundergelee), Eukalyptus sowie Pfeffer und Muskatnuss, auch florale Noten deuten sich an.

Im Gaumen gibt sich der Grain Noir zunächst rund und von voller frischer, dunkler Frucht, rasch flankiert von einem strammen Rückgrat aus Säure und Tannin. Der Gerbstoff gibt sich noch jung und wild, fühlt sich aber dennoch bereits angenehm und geschmeidig an.

Trotz lediglich 13 Vol.-% präsentiert die Assemblage viel Power und eine schöne Balance zwischen dichter runder Frucht und straffer Struktur. Diesen Cru würde ich gerne in ein paar Jahren, bzw. Jahrzehnten, nochmals verkosten! Er macht mich aber jetzt schon glücklich… Ein Wein mit Attitüde, gemacht von einer Winzerin mit Attitüde.

Der Grain Noir 2015 ist kein lauter Wein, kein Effekthascher, kein King Kong. Eher ein verdeckter Superheld. Eine elegante Dame, die ihre definierte Kraft und ihren komplexen Charme mit feiner Klinge und seiltänzerischer Balance auf den Punkt bringt. Genauso habe ich Marie-Thérèse Chappaz jedenfalls erlebt, als sie Ende 2015 am «Villa d’Este Wine Symposium» am Comersee in Italien mit dem «Prix d’excellence» ausgezeichnet wurde – ihr Legendenstatus reicht nämlich nicht erst seit gestern weit über die Landesgrenze hinaus.

Eine internationale Botschafterin für Schweizer Wein

 

«Ich wusste nicht einmal, dass heute ein Preis verliehen wird», sagte die damals 55-Jährige in der für sie so typischen bescheidenen und natürlichen Art. «Wir haben so viel Potenzial und Diversität in der Schweiz. Doch um wahrgenommen zu werden, brauchen wir Feedback, Kritik und Zuneigung – ihr seid unser Spiegel.»

Mit der Auszeichnung wurde die Biodynamie-Pionierin aus Fully vor versammelter internationaler Weinprominenz für ihre Verdienste im Schweizer Weinbau geehrt.

«Marie-Thérèse Chappaz repräsentiert genau das, was Schweizer Wein darstellen soll: Ein Juwel der Alpen im Herzen Europas – sie ist eine Lokomotive, ein Leuchtturm für die Schweizer Weinwelt», erklärte Gilles Besse, Präsident von Swiss Wine Promotion.

Und José Vouillamoz, der Wallis wohnhafte Rebsorten-Spezialist, ergänzte: «Ich habe nie jemanden etwas Negatives über Marie-Thérèse Chappaz oder ihre Weine sagen hören. Über sie herrscht ein breiter Konsens in der Weinwelt. Sogar wenn man gut mit ihr befreundet ist, ist es schwierig, an ihren Wein zu kommen – jeder will ihre fantastischen Weine probieren. Chappaz gehört nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch zu den glaubwürdigsten Winzern der Schweiz.»

Dies hat sie nun einmal mehr unter Beweis gestellt.

10 Fakten zu Marie-Thérèse Chappaz

  1. Hat 1987 die ersten 1,5 Hektar Reben übernommen – im Alter von 17 Jahren
  2. Ursprünglich wollte Chappaz Hebamme werden
  3. Zunächst musste Chappaz ihre Trauben verkaufen, weil der Keller noch nicht ready war
  4. Erster eigner Jahrgang 1988 – ein Jahr vor der Eröffnung des Kellers über Fully im Lieu-dit La Liaudisaz
  5. Heute bewirtschaftet Chappaz 10 Hektar in Fully, Charrat, Leytron und Chamoson
  6. Die Weine wachsen in einer Höhe von 450 bis 800 Meter über Meer
  7. Internationale Bekanntheit hat Chappaz vor allem dank ihren Süssweinen erlangt
  8. 1997 Entschluss zur Biodynamie, ab 2002 biodynamisch, seit 2004 mit dem Demeter-Zertifikat
  9. In der legendären kesselförmigen Steillage Combe d’Enfer wird es im Sommer bis zu 40 Grad heiss
  10. Auszeichnungen: Winzerin des Jahres (Gault Millau 1996), Prix d’excellence (Villa d’Este Wine Symposium 2015), Schweizer Weinikone (Gault Millau 2016), zwei Mal 99/100 Parker-Punkte (2018)