Der geschickte Weisse vom Kaefferkopf

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Keine Kakerlake: Madame «Kaefferkopf» sorgt trotz Rundungen für ordentlich Erfrischung.

Geschickt. Ein elegantes Wortspiel mit dem Namen des Weinguts würde sich sicher gut machen hier. Doch ich gebe mich lieber dem Gaumenspiel des Weins hin. Im Glas glänzt strohgelb, fast goldig, der Kaefferkopf Alsace Grand Cru 2015 ebendieser Domaine Geschickt. Eine Assemblage aus Gewürztraminer, Riesling und Pinot Gris.

Es kitzelt. Der Auftakt ist prickelnd, wild und würzig. Dann wuchtig, fruchtig und cremig. Währenddessen wird dieser Birnen- und Aprikosenkuchen durchschnitten von einer vibrierenden Säure. Viele Eindrücke in wenig Zeit – und ein Abschied mit langem Nachhall, wuchtig wie das Donnergrollen einer Kanone. Ein Wein mit Wumms. Das Label sagt: 14,5 Volumen. Der Gaumen entgegnet: «Was? Der Cru ist doch so frisch!» Und der Streber frohlockt: «Willkommen im Elsass, wo die Weine wuchtig sind und trotzdem noch Säure haben. Im besten Fall zumindest. So wie bei diesem balancierten Biest.

Fertig Poesie. Fakten statt Floskeln. Die weisse Assemblage stammt vom Kaefferkopf bei Colmar. Obwohl der Weinberg bereits im 14. Jahrhundert im Grundbuch in Ammerschwihr festgehalten wurde, handelt es sich um die jüngste der 51 Elsässer Grand Cru-Lagen. Diese umfassen die besten Rebberge der Region. Seinen Namen hat der «Kakerlakenkopf» wegen der Form der Hügelspitze (war da etwa Alkohol im Spiel?). Ihren Charakter verdankt die Kakerlake vor allem aber diesem Terroir. Mit über einem Dutzend verschiedener Bodentypen gleicht das Elsass einem Mosaik, das seinesgleichen sucht.

Am Kaefferkopf sind das vor allem Granit, Kalk, Ton und dieser rot schimmernde Sandstein, aus dem die nahegelegene Hochkönigsburg gebaut wurde. Prägend ist auch die sonnige Hanglage im Osten der Vogesen. Die Bergkette sorgt dafür, dass sich die vom Atlantik kommenden Regenwolken auf der anderen Seite dieser natürlichen Barriere ausweinen. Dank dieser trockenen Lage arbeiten im Elsass besonders viele Winzer biologisch oder – wie bei der Domaine Geschickt – biodynamisch.

Assemblage als Ausnahme

Die Trauben vom Kaefferkopf dürfen sich ausnahmsweise auch als Assemblage mit dem Grand Cru-Siegel schmücken. Normalerweise werden die Elsässer Spitzenweine sortenrein abgefüllt. Das Exemplar aus dem Hause Geschickt – es duftet nach gelbem Steinobst, Honig und hellen Gewürzen – spiegelt ziemlich genau die Machtverhältnisse der gesamten Kaefferkopf-Lage wieder: 10 Prozent Pinot Gris, 30 Prozent Riesling und 60 Prozent Gewürztraminer. Gewürztraminer! Diese typische Elsässer Sorte, die oft so süss-säuselnd daher gestöckelt kommt wie eine Dragqueen mit kitschigem Rosen-Parfüm.

Hier nicht! Hier gibt’s einen schönen Mix aus Power, Würze, Frische und Frucht. Eine Wucht, diese Kakerlake. Ich genehmige mir einen Schluck und summe dabei «La Cucaracha» zu Ehren der Macher dieses Grand Crus. Geschickt gemacht!

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Der Müller mit dem Baseballschläger

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Klatsche statt Kitsch: Der Blanc Nature 2017 von Adrian Hartmann hat Swag, Schwung und Struktur.

Ein Müller aus dem Aargau. Klingt bieder? Dann stelle man sich vor, wie einem dieser Müller voll in die Fresse gibt! Nix bieder, eher Baseballschläger. Schöner Schock. Man ist verblüfft von der Energie dieser Klatsche. Von der Energie, die freigesetzt wird, wenn ein Klischee zersplittert und einem eiskalt ins Gesicht geklatscht wird wie der Bodensatz einer Champagnerschale.

Als möchte man eine Schublade öffnen und es fällt einem ein Schrank auf den Kopf. Ein Kühlschrank voller Weisswein mit ungewöhnlich kupferner Farbe. Das ist der Müller. Auch bekannt als Müller-Thurgau oder Riesling-Sylvaner. Dieses Exemplar müsste allerdings eher Müller-Aargau heissen – die Reben wachsen im Schenkenbergertal bei Aarau – oder Müller-Radau. Denn der Blanc Naturel 2017 von Adrians Weingut wirkt neben seinen Artgenossen wie ein Rowdy – einer mit Baseballschläger.

Unkomplizierte Frucht? Vergiss es! Anspruchsloses Sommer-Weinchen? Denkste! Easy drinking? …wir kommen der Sache schon näher. Dieser Müller ist leicht zu trinken, aber schwer zu verstehen. Seine Leichtigkeit hat der kantige Kerl vor allem seiner Frische zu verdanken, dieser Kräuterwürzigkeit, die an Grüntee oder Brennnessel erinnert. Die angenehm herbe Note zieht sich durch vom ersten Schnuppern bis zum letzten Schluck. Schuld daran ist der Gerbstoff. Bei Rotwein würde man von Tannin sprechen. Aber der Dude hier ist ja weiss. Wo kommen da die Gerbstoffe her?

Die Kupferfarbe lässt es erahnen: wir haben es mit einem Orange Wine zu tun. Ein Weisswein, der wie ein Rotwein gekeltert wurde. Maischevergoren ist das Zauberwort. Der Most wurde nach der Ernte nicht sofort abgepresst, sondern zusammen mit den Traubenhäuten und Kernen, vermutlich auch mit den Stielen, vergoren. In dieser Zeit werden, wie beim Rotwein, Gerbstoffe extrahiert. Deshalb auch die satte Farbe.

Winzer unter sich: Adrian Hartmann (r.) und Andrin Schifferli an den Schweizer Weintagen.

Wer gerne einen Fruchtsalat im Glas hat, duckt sich besser, wenn der Baseballschläger angeflogen kommt. Dezente Anklänge von Mandarine und Orangenschale sind dennoch auszumachen. Das Geile an diesen orangen Dingern: Sie haben die Struktur eines Rotweins. Das macht sie zum guten Essensbegleiter – funktioniert wunderbar zu Spargel-Erdbeer-Risotto. Ausserdem entwickeln sich die Weine mit zunehmender Belüftung, Temperatur und Zeit – meist locker über mehrere Tage. So hat man mehrere Weine in einem: Zunächst ein feingliedriger Jüngling, gekühlt und frisch entkorkt. Später ein stramm strukturierter, kräftiger Kerl mit immer intensiver werdender Aromatik und Farbe.

Zu verdanken haben wir diesen Wein Adrians Weingut. Der Adrian heisst nicht Müller sondern Hartmann. Adrian Hartmann. Er führt das vom Grossvater gegründete Gut seit 2016. Ab der kommenden Ernte tragen seine Crus das Biodynamie-Label Demeter. Die elegante Frische, die Adrians Blanc Naturel hier offenbart, zieht sich übrigens durch sein ganzes Sortiment – schwungvoll wie ein Baseballschläger vor dem Homerun.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Der Apfel fällt nicht weit vom Rebstock

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Sag Riiiesling: Der Rheinriesling von Markus Ruch kann sich auch ennet der Grenze sehen lassen. Im Hintergrund grünt ein Cidre-Baum.

Dieser Riesling! Frisch und vibrierend wie ein Bergsee. Man würde sich am liebsten reinlegen. Der See müsste irgendwo in Deutschland oder Österreich liegen – bei den Königen des Rieslings. Aber der hier stammt aus der Schweiz! Seine Hood heisst Klettgau bei Schaffhausen. Und der See ist ein Bergbach – der Rhein.

Eingeklemmt zwischen dem Rheinfall und der deutschen Grenze wachsen die Reben von Markus Ruch. Einen Namen gemacht hat sich der Winzer vor allem mit seinen unverschämt guten Pinot Noir. Das Potenzial dieser Rebsorte, im Zusammenspiel mit den kalkhaltigen Lehmböden des Klettgau, hat Ruch 2007 dazu bewogen, sich nach seinen Wanderjahren im «Blauburgunderland» niederzulassen.

Scharf wie Rasierklingen

Ruch ist einer der wenigen Schweizer Riesling-Winzer. Und mit diesem Exemplar kann er den Königen jenseits der Grenze durchaus die Krone streitig machen. Weil in der Schweiz bei der Sorte aber viele immer noch an Riesling-Silvaner denken, betitelt Ruch seinen Cru wohlweislich als Rheinriesling. Riesling-Silvaner hat nämlich nix mit Riesling zu tun. Darum nennt man dieses Irrwesen heute oft Müller-Thurgau.

Einen solchen hat Ruch ebenfalls im Sortiment – ausgebaut in der Ton-Amphore. Vorerst beschäftigen wir uns aber mit seinem Riesling. Dieser zeigt sich von einer frischen, zitrusfruchtigen Seite. Plus Kräuterwürze und Mineralik. Die Säure schneidet besser als meine Rasierklingen. Vitales Kerlchen. Und knackig: Auch etwas Granny Smith ist auszumachen. Die Apfel-Assoziation ist oft typisch für Riesling. Ich verwende sie hier aber vor allem als perfekte Überleitung zu Ruchs neustem Projekt – der Mosterei Oswald + Ruch.

Look at the Lineup: Links die Pinots, rechts die Cidres – und dazwischen der Riesling.

Zusammen mit seinem Freund Benjamin Oswald hat Ruch vor zwei Jahren damit begonnen, aus den Früchten vernachlässigter Apfel- und Birnenbäume prickelnde Obstweine mit wenig Alkohol zu keltern. Cidre! Als Winzer in «Mostindien» liegt das auf der Hand. Mit ihrem Engagement unterstützt das Duo nicht nur das Überleben rarer alter Hochstamm-Sorten – sie engagieren sich auch für die Biodiversität. Denn Monokultur ist Gift für die Artenvielfalt. Ein Aspekt, der beim Weinbau viel zu oft ignoriert wird. Nicht aber bei Oswald und Ruch. Dank erfolgreicher Crowdfunding-Aktion können sie ihr Start-up nun vorantreiben. Mit seiner Diversifizierung verringert Ruch auch das Klumpenrisiko, das man als Winzer mit sich trägt – etwa bei Spätfrost oder Hagel, die innert Stunden einen ganzen Jahrgang killen können.

Ob Riesling, Cidre oder Amphore – für Ruchs Pinots habe ich am meisten Amore. Es sind die Blauburgunder, die mich regelmässig niederknien lassen. Mein Erweckungserlebnis hat mir ein 2014er aus der Hallauer Haalde beschert. Nachdem ich den geöffneten Pinot Noir vier Monate im Kühlschrank vergessen hatte, präsentierte sich dieser danach im Glas immer noch mit einer sagenhaften Strahlkraft. Das hat mich mindestens so verblüfft wie die Fliege, die mit ins Glas geflutscht ist – so ist das mit der Biodiversität.

Neuanfang im Schlipf – Silas Weiss im Weingut Riehen

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Noch sind sie nackt, die Flaschen, die im Weingut Riehen auf dem Kellerboden stehen. Aufgereiht wie Mini-Soldaten. «Wir sind bisher nicht zum Etikettieren gekommen.» Silas Weiss nimmt es gelassen. Denn das Wichtigste ist: Die Trauben sind schon lange im Trockenen. Sie schlummern im Fass und erinnern gelegentlich mit einem blubbernden Geräusch daran, dass hier Wein entsteht – als würden sie durch den Gärfilter rülpsen. Draussen, auf den 3,5 Hektar umfassenden Rebbergen im Schlipf oberhalb des Riehener Naturbads, recken die Trauben ihre jungen Triebe dem Himmel entgegen.

Im vergangenen Herbst war es auf dem Weingut hektischer. Nicht nur wegen der stets sehr lebhaften Erntezeit, sondern auch wegen des überraschenden Weggangs von Thomas Jost. Der junge Winzer hatte das Weingut Riehen Anfang 2014 als 26-Jähriger übernommen und es zusammen mit Hanspeter Ziereisen innerhalb weniger Jahre in die Topliga der Schweizer Weinproduzenten katapultiert. Im Mai 2018 entschied sich Jost, das Weingut, zu dessen Erfolg er massgeblich beigetragen hatte, zwecks Neuorientierung zu verlassen.

Vorne: Reben im Riehener Schlipf. Hinten: Häuser in Deutschland.

Bis Silas Weiss ins Spiel kommt, vergehen noch einige Monate. Während der Ernte konnte sich der 23-Jährige kurz als Helfer warmlaufen – eingewechselt als neuer Betriebsleiter wurde er aber erst Anfang 2019. Davor hat Hanspeter Ziereisen – einer der bekanntesten Winzer Deutschlands – mit seinem Team für die Reben und die Verarbeitung der Ernte gesorgt.

Notabene während sich der Markgräfler gleichzeitig um sein eigenes, wesentlich grösseres Weingut im nahen Efringen-Kirchen (D) kümmert. Kein Wunder, blieben da alle nicht so drängenden Arbeiten liegen. Zum Beispiel das Anbringen von Etiketten. Auf diesen wird nun «Weingut Riehen» stehen – anstatt wie bisher «Jost & Ziereisen».

Gern im Grünen: Silas Kawika Weiss – der mittlere Name bedeutet «David» – und ist eine Referenz an Davids Geburtsort Hawaii.

«Während der Ernte hat Hanspeter bis um vier Uhr nachts Trauben verarbeitet», erinnert sich Weiss an seine ersten Tage auf dem Weingut. Zu diesem Zeitpunkt war er noch in der Weinhandlung von Jacqueline und Urs Ullrich tätig. Die beiden sind im Sommer 2018 neben Ziereisen als Co-Investoren beim Weingut Riehen eingestiegen. So wurde aus einem der grössten Schweizer Weinhändler plötzlich auch ein Weinproduzent. Und Silas Weiss konnte nach zwei Jahren im Verkauf wieder in seinen erlernten und ersehnten Beruf als Winzer zurückkehren.

«Ich hatte auch andere Möglichkeiten», sagt Weiss, «aber ich wollte in Basel bleiben – hier habe ich viele Freunde.» So wurde er zu einem der ganz wenigen Winzer auf stadtbasler Boden. Aufgewachsen am Neuenburgersee, absolvierte Weiss seine Winzerausbildung in der Westschweiz und auf dem Zürcher Höngg. Danach folgte ein halbes Jahr auf einem Weingut im kalifornischen Napa Valley.

Erfrorene Triebe: Der Frost führte auch in Riehen zu Schäden – zum Glück nur zu kleineren.

Und nun pendelt Silas Weiss zwischen Riehen und Efringen-Kirchen. «Bei Ziereisens fühlt es sich an wie in einer grossen Familie», findet der 23-Jährige. Er ist dankbar um sein grenzüberschreitendes Engagement – das kleine Weingut in Riehen und der Familienbetrieb im Markgräflerland ergänzen sich gut. Ausserdem gibt es beim erfahrenen Ziereisen viel zu lernen. «Ich ticke ähnlich wie Hanspeter – wir packen gerne an, anstatt lange zu lamentieren», sagt der junge Winzer. Und da bei der Weinwerdung im Keller nur so wenig wie möglich eingegriffen wird, bleibt mehr Zeit für die Arbeit in der Natur.

Teil der Philosophie

Bis Silas Weiss die Früchte seiner Arbeit kredenzen kann, dauert es allerdings noch etwas – die Crus des Weinguts Riehen kommen jeweils nach rund zwei Jahren in den Verkauf. So haben die Weine genug Zeit, um sich zu entwickeln und zu harmonisieren. Auch das ist Teil der Philosophie. Aktuell kümmert sich Weiss sozusagen um seine Stiefkinder. Er ist glücklich mit ihnen – das merkt man beim gemeinsamen Verkosten.

Als nächstes kommt der Jahrgang 2016 in Umlauf. Ein erstes Mal probiert werden können die Gewächse morgen Donnerstag und am Freitag an den Schweizer Weintagen in der Markthalle Basel. Vielleicht wurden die Flaschen bis dahin ja mit ihren Etiketten eingekleidet.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

It’s Jauslin – Weisse Wellen und Memoiren aus Muttenz

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Urs und Adrian Jauslin (v.l.): Ihr Pinot «Hohle Gasse» wurde neu in die Schatzkammer des Schweizer Weins (MDVS) aufgenommen.

Plötzlich schwappt eine Welle Sauvignon Blanc über den Tisch. Surfen kann man sie leider nicht. Saufen schon. Der Wellenmacher heisst Urs Jauslin. Er ist eigentlich Winzer. Neben ihm sitzt Sohn Adrian. Zusammen reiten sie mit ihrem Muttenzer Weingut auf der Erfolgswelle. Der ausgekippte Weisswein symbolisiert sozusagen ihren Tatendrang.

Vieles hat Urs Jauslin angerissen, wie ein Versessener an Weinen getüftelt und mit Adrian die fünfte Generation in den Familienbetrieb involviert. Der frisch abgefüllte Sauvignon Blanc 2018, mit dem das Duo nun eine grosse Welle macht, gehört zu ihren Lieblingen. Die Sorte ergibt in fast allen Rebgebieten dieser Welt frische Weissweine. Bekannt sind die knackig-grasigen Exemplare aus Neuseeland und die mineralischen Crus aus dem französischen Loire-Tal.

Vater und Sohn als Tag-Team

«Der Sauvignon Blanc ist so etwas wie unser Baby», erklärt Jauslin Junior, der auf Winzer-Erfahrungen in ebendiesem Neuseeland zurückblicken kann. Vater Urs hat die Sorte 1998 angepflanzt. Er schwärmt von der Vielseitigkeit der Sorte. Im Rebberg gibt Sauvignon Blanc nicht so viel zu tun, findet der Patron. Adrian sieht das etwas anders: «Wir investieren schon sehr viel Zeit in die Arbeit im Rebberg.» Die beiden scheinen sich gut zu ergänzen: Urs als König im Keller, Adrian als Zauberer in den Reben. Zusammen bringen sie einen extrem expressiven Sauvignon Blanc in die Flasche: Knackig, grasig und mit Aromen von Stachelbeere bis hin zu Grapefruit. Dazu eine schöne Balance zwischen Frische und Power.

Hoppla! Nun hat uns die Strömung etwas weggetragen. Eigentlich heisst der surfende Sonnyboy auf der Erfolgswelle nämlich «Hohle Gasse» – die Muttenzer Variante einer Tube-Röhrenwelle. Der Pinot Noir markiert die Spitze im Weinsortiment Jauslin. Ein dichter Rotwein mit deutlichem Holzeinfluss und ordentlich Stoff am Gaumen. Ein Wellen-Brecher, der allen, die gerne über Schweizer Rotwein schnöden, das Maul stopft.

Ritterschlag für das Flaggschiff

Der «Hohle Gasse» wurde kürzlich in die «Mémoire des Vins Suisses» (MDVS) aufgenommen, der Schatzkammer des Schweizer Weins. Der Vereinigung gehören die Schweizer Winzer-Elite sowie Journalisten und Fachleute an. Das Weingut Jauslin ist der erste Produzent der Region Basel, dem diese Ehre zukommt. «Mir war es wichtig, dass wir unser Flaggschiff präsentieren können – so sehen auch die Leute von ausserhalb, was für Spitzenwein wir hier machen können», sagt Urs Jauslin.

Der MDVS-Ritterschlag ist nicht das einzige memorable Ereignis dieser Tage: Auf dem Weingut wird fleissig gebaut – es entsteht ein neuer Barriquekeller. Noch stehen die Holzfässer so dicht, dass dem Besucher nur nach gröberen Verrenkungen eine Fassprobe kredenzt werden kann. Das ändert sich bald. Dann haben Vater und Sohn viel Platz für Experimente. Ideen scheinen sie jedenfalls schon zu haben. Ob sie dabei auch eine surfbare Weinwelle im Kopf haben?

Das Weingut Jauslin ist am Do. 16. und Fr. 17. Mai 2019 zum ersten Mal mit dabei an den Schweizer Weintagen in der Markthalle Basel. See ya!

Inmitten ihrer Barriques: Nach der Fertigstellung des neuen Fasskellers haben Adrian und Urs Jauslin (v.l.) mehr Platz für Gäste – und für Weinexperimente. (Foto: Weingut Jauslin)

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Dann halt Landwein! Vom sanften Aufstand der Outlaws

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Vorreiter und Kultwinzer: Hanspeter Ziereisen hat die Badische Weinwelt mit seinen Landweinen wachgerüttelt.

Am 26. April 2019 trifft sich am Badischen Landweinmarkt im Markgräfler Weinbaudorf Müllheim zum dritten Mal eine Gruppe widerspenstiger Winzer zum Showdown. Es wird ein Schaulaufen der Outlaws, denen das Weingesetz weniger wichtig ist als ein eigenständiger Wein. Das Weingesetz bestimmt in Deutschland, ob ein Cru als Qualitätswein klassifiziert wird oder nicht. Das Urteil sprechen die Sheriffs der staatlichen Prüfstelle – und zwar, das ist der springende Punkt, nach einer sensorischen Prüfung.

So kam und kommt es vor, dass Weine, an denen es analytisch nichts auszusetzen gibt, an der sogenannten Sinnenprüfung als «nicht verkehrsfähig» eingestuft werden. Immer wieder. Bei immer mehr Weinen. Die abgekanzelten, zunehmend rebellisch werdenden Winzer erklären sich das Verdikt ungefähr so: Das veraltete Weingesetz von 1971 dient dazu, das Geschmacksprofil der stets gleich schmeckenden Massenweine von damals zu reproduzieren. Stagnation durch angebliche Qualitätssicherung. Die konservative Haltung kastriert die Weine.

Die Umkehrung der Qualitätspyramide

Früher konnte ein Nein der Sheriffs existenzielle Folgen haben. Heute ist das halb so wild. Denn wilde Winzer haben den Spiess umgedreht und aus der Not eine Tugend gemacht – indem sie ihre Weine freiwillig als Landwein deklarieren und feiern. Das ist die zweitunterste Stufe im deutschen Weingesetz. Dort unten loten die Landweinwinzer ihre Freiheiten aus und keltern Weine, die zu den Interessantesten ihrer Region gehören. Und die immer öfter über die Landesgrenzen hinaus gefragt sind.

Müsste man dafür einen Hauptschuldigen suchen, würde auf dem «Wanted»-Plakat das grinsende Gesicht von Hanspeter Ziereisen abgebildet werden. Das ist jener Winzer aus Efringen-Kirchen, der auch beim Weingut Riehen seine Finger im Spiel hat. Der Mann ist eine Legende. Seine Weine sind Kult. Die Landweinwelle, die er in Baden losgetreten hat, wird von immer mehr Winzern gesurft.

Steckt den Kopf ins Fass, aber nicht in den Sand: Hanspeter Ziereisen in seinem historischen Gewölbekeller in Efringen-Kirchen. Hier entstehen einige der interessanten und besten Weine Deutschlands.

Diese Umkehrung der Qualitätspyramide durch die freiwillige Selbstdeklassierung von Spitzenwinzern, ist in vielen Regionen zu beobachten. In Baden, wo es gleich viel Rebfläche gibt wie in der ganzen Schweiz, manifestiert sich dieser sanfte Aufstand der Outlaws am Badischen Landweinmarkt.

Als Schirmherrin des von Ziereisen initiierten Salons reist Jancis Robinson ins Markgräflerland. Der Besuch der weltweit wohl mächtigsten Weinjournalistin setzt ein fettes Ausrufezeichen hinter den früheren Schmähbegriff Landwein. Insgesamt präsentieren am 26. April rund 20 Winzer ihre Weine im Landhotel Alte Post.

Der Showdown findet am selben Tag statt wie der Müllheimer Weinmarkt, der älteste seiner Art in Deutschland. Bei dessen Premiere 1872 gab es kein Weingesetz. Allein der Geschmack der Besucher entschied über die Qualität der präsentierten Weine – so wie das heute bei den Landweinen der Fall ist.

Den Beitrag mit Wein-Tipps zum Badischen Landweinmarkt 2018 gibt’s hier nachzulesen: 12 Landweins With Attitude.

From Zero to Hero: Die Landweine des Weinguts Wasenhaus aus Staufen begeistern mit burgundischer Eleganz und Finesse. Das jungen Winzerduo Christoph Wolber und Alexander Götze hat 2016 seinen ersten Jahrgang gekeltert. Seither geht es so steil bergauf wie in ihren Rebbergen.
Supplement zum Schluss: Ziereisen, der Denker. Dahinter ein abgefackelter Mähdrescher. Daneben ein Kreuz. Dieses Foto ist einfach zu geil, um nicht gezeigt zu werden. Entstanden 2016 bei meiner VINUM-Reportage zum Dreiländereck.

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Susucaru! Dieser Vulkan hat in Action Bronson den Weinfreak geweckt

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Nicht nur wegen seiner Farbe ein Knaller: Der Susucaru Rosato von Frank Cornelissen hat in Action Bronson den Weinfreak geweckt.

Sie sind heiss wie Lava! Der eine kommt vom Vulkan. Der andere ist ein Vulkan. Der eine wächst an der Nordflanke des Ätna. Der andere hat einen Bart, leuchtend wie Lava. Der eine heisst Susucaru und ist ein Wein. Der andere heisst Action Bronson und ist Rapper. Ich liebe sie heiss. Den Susucaru, weil er zeigt, dass auch ein Rosé richtig Biss haben kann. Und Action Bronson – massig, langer roter Bart, Tattoos – für seine verspielten Raps, die markante Stimme und sein breites Grinsen. Ein Riesenbaby!

Was haben der US-Rapper und der sizilianische Vulkanwein miteinander zu tun? Viel! Sie stehen für die perfekte Mariage zwischen Rap und Wein. Sie sind schuld an einer für Feinschmecker und Rap-Fans einzigartigen Video-Serie. Genau genommen ist Clovis Ochin schuld. Der Pariser Naturwein-Dealer hat das Duo verkuppelt. Backstage bei einem Action Bronson-Konzert. Mit seinem Überfall hat der französische Freak sozusagen die Mentos-Pille in die Cola gepoppt – und beim Rapper einen Vulkanausbruch ausgelöst.

Asterix und Obelix: Clovis Ochin und Bronsolino in Action…

«Clovis hat mein Leben verändert, als er mir die Welt des Naturweins eröffnet hat», erinnert sich Action Bronson später an diese Eruption. Davor hat er nur Ginger Ale gemocht. Plötzlich will der New Yorker mit albanischen Wurzeln nur noch Naturwein nippen. Handgemachter Wein, entstanden mit möglichst wenigen Eingriffen – für viele den Gegenentwurf zu glattgebügelten Massenweinen.

Also trinken sich der massige Rapper und der schlaksige Hipster Clovis Ochin durch die Pariser Naturwein-Bars – umgeben von dicken Rauchschwaden. Ob man da seriös verkosten kann? Aus diesem Freudenrausch ist die Doku «From Paris with Love» entstanden. Im Gegensatz zu «One Night in Paris» geht’s hier zur Sache: Korken poppen im Minutentakt, es werden Witze geklopft und Berge verschlungen. Mit Essen kennt sich Action Bronson aus – bevor er zur rappenden Kultfigur wurde, hat er als Koch Karriere gemacht. Die Doku könnte auch «Zwei Freaks bei der Völlerei» heissen. Hedonismus pur. Das kongeniale Duo erinnert an Bud Spencer und Terence Hill. Oder an Asterix und Obelix. Oder an Redman und Method Man.

Form Paris With Love: Action Bronson säuft sich durch die Pariser Naturweinbars…

Seit dem Vulkanausbruch ist Bronsons Lavastrom nie ins Stocken geraten. Auf YouTube ist ein Beitrag zu finden, in dem er dem Macher des Susucaru einen Besuch abstattet – Frank Cornelissen, ein Belgier, der vom Weinsammler zu einem der wichtigsten Winzer am Ätna wurde. Sein Susucaru Rosato ist eine Assemblage aus verschiedenen, meist typisch sizilianischen Rebsorten – roten sowie weissen (Malvasia, Moscadella, Cattaratto, Nerello Mascalese). Um Rosé machen ja einige einen Bogen als wäre er heisses Magma. Aber dieses Exemplar ist eine Wucht!

Genau wie Action Bronson, auf den die Merkmale dieses Ätna-Crus ebenso zutreffen: sattes Orangerot, frisch und quietschfidel, dennoch mit genug Fleisch am Knochen sowie Ecken und Kanten – der dezente Kräuterduft lässt sich genau so wenig leugnen wie der lang anhaltende Nachhall. Die Vulkane…sie brodeln.

Action Bronson zu Besuch bei Frank Cornelissen.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Verkostungsnotiz

Azienda Agricola Frank Cornelissen – Terre Siciliane Rosato IGT Susucaru 2016

Leuchtendes, leicht trübes Himbeerrot; in der Nase laktisch und mit viel roter Frucht, etwa Erdbeere, Johannisbeere und Brombeere, auch etwas Stachelbeere und Rhabarber, dazu eine pfeffrig anmutende Würze; im Gaumen leicht spritzig mit viel Grip, sehr viel Grip, frisch und kräutrig (Brennnessel) bis in den Abgang. Von schöner Struktur. Da geht viel ab am Gaumen – ein Vulkanausbruch!

Die Domaine Nussbaumer heisst jetzt Klus 177 – und wird biodynamisch

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Biodynamisches Winzerduo: Antoine Kaufmann (r.) und Lukas Vögele (l.) haben bereits in der Provence zusammen Wein gemacht.

Riders heisst jetzt Twix – und die Aescher Domaine Nussbaumer heisst neu Klus 177. Neu sind zudem auch Eigentümer und Etiketten. Die frisch abgefüllten Weine lassen Schönes erahnen.

Auf dem Aescher Weingut Klus 177 wird viel gemeckert. Dabei hat niemand einen Grund, sich zu beschweren. Lilly, Bubbele und Freddy ist das egal. Die Ziegen ziehen meckernd zwischen den Rebstöcken umher. Mit dem Frühling kommt nicht nur neues Leben in die Reben – auch die Früchte des vergangenen Herbsts feiern ihre Auferstehung. Die meisten Weine des Jahrgangs 2018 wurden soeben abgefüllt. Die Flaschen kommen im neuen Kleid daher. Neues Etikett, vor allem aber: neuer Name und neue Philosophie.

Es ist so etwas wie der letzte Schritt in der Metamorphose der Domaine Nussbaumer zum Weingut Klus 177, benannt nach dem Domizil an der Klusstrasse 177. Anfang 2017 haben Antoine und Irene Kaufmann die Domaine übernommen. Zuvor wirkte das Paar 18 Jahre lang auf dem Delinat-Bioweingut Château Duvivier in der Provence

Elegant: Die schraffierten Flächen auf den neuen Etiketten zeigen, auf welchen Parzellen die Trauben des Weins gewachsen sind.

Rebschnitt in der Unterhose

«Es war ein gutes Gefühl zurückzukommen», sagt Antoine Kaufmann. «Ein solches Weingut in Stadtnähe zu finden, ist nicht selbstverständlich.» In der Provence hatte der Winzer ein ganzes Tal für sich allein. «Dort hättest du in Unterhosen die Reben schneiden können», sagt er mit einem Augenzwinkern.

In der Klus wäre das nicht so einfach. Oder zumindest nicht so diskret. Die Rebhänge an der Südflanke des Klusbergs markieren nicht nur den Übergang vom Faltenjura in Richtung Rheintalgraben – sie sind auch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Mitverantwortlich dafür sind Kurt und Josy Nussbaumer, die das Weingut inklusive Restaurant ab den 1970er-Jahren weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekanntgemacht haben.

«Kurt Nussbaumer hat vor Kurzem vorbeigeguckt und sich gefreut, dass es vorwärts geht», schildert Antoine Kaufmann. Das Restaurant vis-à-vis gehört nicht mehr zum Weingut, sondern wird als «Locanda Klus» von Nicolas und Rita Dolder betrieben – sie wirkten vorher auf der Domaine. Alles in Bewegung im Karussell namens Klus.

Erstes Demeter-Weingut der Region

Die wichtigste Veränderung hat Kaufmann dort vollzogen, wo es am wichtigsten ist. Nämlich im Rebberg. Die Klus 177 ist das erste Weingut der Region, das nach einer Übergangsphase mit dem Biodynamie-Gütesiegel Demeter zertifiziert sein wird. Dieses geht noch weiter als beim Bioweinbau. Es umfasst neben der Verwendung biodynamischer Präparate auch – verglichen mit dem herkömmlichen Weinbau – den totalen Verzicht auf Herbizide und Insektizide. Dazu kommt der zurückhaltende Einsatz von Schwefeldioxid aka Sulfit – bis zu zehnmal weniger als bei manchen herkömmlichen Weinen.

Nun ist Sulfit nicht das Teufelszeug, als das es manchmal dargestellt wird. Es dient zur mikrobiologischen Stabilisierung des Weins. Winzer, die gesunde Trauben in den Keller bringen und damit umzugehen wissen, können den Einsatz von Schwefel auf ein Minimum beschränken. Oder darauf verzichten. Das ist manchmal auch eine Stilfrage.

Von Freaks und vernachlässigten Schulbüchern

Wer den Weg der Biodynamie einschlägt, weiss, was er macht. Er muss es wissen. Denn man verabschiedet sich von den meisten Tricks, mit denen ein nicht so gelungener Wein doch noch zurechtgebogen werden kann. «In den letzten 15 Jahren hat sich der Weinbau massiv verändert», stellt Kaufmann fest. «Früher waren Biowinzer Freaks, die ihre Weine nicht immer unter Kontrolle hatten. Das ist schon lange nicht mehr so.»

Lukas Vögele, Kaufmanns rechte Hand, erklärt: «Durch das sanfte Pressen der Trauben haben wir sehr wenig Trub im Most – die ideale Voraussetzung, um den Saft spontan zu vergären und den Jungwein auf der Hefe auszubauen – gemäss früheren Schulbüchern wäre sowas gar nicht möglich.» Kaufmann schmunzelt und redet von einem «kalkulierten Risiko».

Mit der Umstellung auf Rudolf Steiners biologisch-dynamische Landwirtschafts-Philosophie ist die Klus 177 vermutlich das biodynamische Weingut, das dem Goetheanum am allernächsten liegt. Der Dornacher Anthroposophen-Hotspot an der gegenüberliegenden Seite des Birstals ist manchmal sogar in Sichtweite – je nach Position im Rebberg. Für das Leben zwischen den Reben bringt die neue Arbeitsweise eine grössere Biodiversität. Die Monokultur wird durch Büsche und Einsaaten aufgelockert. Es entsteht neuer Lebensraum für weitere Vogel- und Insektenarten.

Arbeitsplatz mit Aussicht: Von gewissen Stellen aus, ist sogar das Goetheanum in Dornach zu sehen (von hier aus allerdings nicht).

Ungeschminkte Weine

Aufgewachsen in Biel-Benken, hat Kaufmann nach der Önologie-Ausbildung in Changins (VD) im Veneto, Australien, Kalifornien und Bordeaux Erfahrungen gesammelt. Seine Erkenntnisse sind simpel, aber nicht unbedingt einfach umzusetzen: deutliche Reduktion der Erträge, schonende Verarbeitung und eine langsame, sanfte Pressung der Trauben. Gefiltert wird erst kurz vor der Abfüllung. So entstehen ungeschminkte Weine aus gesunden Trauben. Diese wurden im Hitzesommer 2018 besonders früh geerntet, damit die Frische nicht flöten geht.

Nun stehen sie da, die neuen Weine. Feingliedrig und elegant – das gilt für die Etiketten, aber auch für die Weine. Der Riesling-Sylvaner und der Le Blanc präsentieren sich mit knackiger Frucht und Eleganz. Der Pinot Gris kommt cremiger und vollmundiger daher. Der Rosé ist der ideale Begleiter für kommende Erdbeer-Orgien. Auf der roten Seite zeigt der Pinot Noir, dass ein heisser Sommer 2018 nicht zwingend einen wuchtigen Wein ergeben muss – der Cru oszilliert zwischen feiner Kirschenfrucht und animierender Würzigkeit. Seine grossen Brüder, der Pinot Noir Réserve und die Assemblage Le Rouge, sind ab Herbst erhältlich.

Ran an die Flaschen!

Durstig? Wer die neuen Weine der Klus 177 verkosten möchte, hat bald die Möglichkeit dazu in der Markthalle Basel: Zuerst am Basler Wymärt (11. bis 13. April), danach an den Schweizer Weintagen (16. und 17. Mai). Natürlich kann man die Weine auch direkt auf dem Weingut saufen und kaufen. Zum Beispiel am 1. Mai am Tag der offenen Weinkeller.

Dann gibt’s in «Aesch bigott» auch weitere Produzenten zu entdecken – das beginnt bei Monika Fanti in der Vorderen Klus, geht weiter mit dem Klushof und endet hinten im Talkessel auf dem Weingut Tschäpperli, das bereits eine Auszeichnung zum Baselbieter Staatswein erhalten hat. Die Winzerinnen und Winzer der Weinbaugenossenschaft Aesch können übrigens in absehbarer Zeit auf ihr 100-jähriges Bestehen anstossen.

Es gibt also keinen Grund, zu meckern. Auch nicht für das Ziegen-Trio Lilly, Bubbele und Freddy.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Nach der Fasnacht ist die Stimmung im Keller

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Der Ueli trinkt Tiki: Dass Wein und Larven in einer Keller-WG leben, zeigt vor allem etwas – dieser Weinkeller ist nicht genug feucht.

Schon wieder vorbei, die Fasnacht. Die letzten Räppli weggewischt oder vom Winde verweht. Neben vielen schönen Erinnerungen bleibt von den «drey scheenschte Dääg» diese spezielle Spezies von Kater, die man so nur einmal im Jahr mit sich herumschleppt. Eine kuriose Mischung aus Schlafmangel – dem Fasnachts-Jetlag – und Mangelernährung.

Ganz vom Wein lossagen möchte man sich auch während der Post-Fasnacht-Depression nicht. Ja was macht man da? Die Lösung fällt wie Räppli von den Augen, als ich die Larve wie allewyyl rituell im Keller begrabe: Ich bringe den Keller auf Vordermann! Dabei lassen sich die vielen Eindrücke der Fasnacht – ich höre immer noch Piccolopfeifen – wunderbar sortieren. Ordnung im Keller, Ordnung im Kopf. Aktuell herrscht noch ein Durcheinander. Vor dem grossen Aufräumen gibts deshalb eine Schnellbleiche:

1. Keep cool

1. Ein Weinkeller muss kühl sein. Am besten zwischen 8 und 12 Grad. So können die Crus in Ruhe reifen. Zu viel Wärme kann den Wein rasch und unvorteilhaft altern lassen. Ebenso wichtig ist eine konstante Temperatur. Schwankungen geben den Weinen schneller den Rest als ein etwas zu warmes Klima.

2. Ruhe und Dunkelheit

Unsere Kellerperlen brauchen für ihren Schönheitsschlaf Ruhe und Dunkelheit: Erschütterungen und UV-Strahlen schaden. Wer will schon Wein mit Augenringen?

3. Feucht sollte es sein.

Das verhindert, dass die Korken spröde werden und Leck schlagen. Ob die Flaschen stehend oder liegend gelagert werden, darüber scheiden sich die Geister. Auch im Stehen profitieren die Korken von der Feuchtigkeit im Flascheninnern. Beschädigt werden sie allenfalls von Kohlensäure oder zu viel Alkohol – deshalb werden Schaumweine und aufgespritete Weine wie Port oder Sherry besser aufrecht gelagert.

4. Trinkreife im Auge behalten!

Was nützt der beste Keller, wenn man das Trinkfenster verpasst? Traditionalisten führen ein Kellerbuch. Wer seine Kellerkinder gerne unter Kontrolle hat, erfasst diese elektronisch – zum Beispiel mit dem Gratis-Programm «CellarTracker». Die Etiketten können straight via Handycam gescannt werden. Der digitale Helfer weiss, wann bei welchem Wein der Korken knallen sollte. Natürlich lassen sich auch Verkostungsnotizen erfassen – oder solche von anderen Nutzern lesen.

Jetzt, wo in Keller und Kopf wieder Ordnung herrschen, wurde ich doch noch von einem fiesen Durst übermannt. Nach einer sündigen Fasnacht sollte es etwas Feingliedriges sein. Wie wärs mit einem Riesling Kabinett aus dem grossen Kanton? Oder einem steinfederleichten Grünen Veltliner aus der Wachau?

Ich entscheide mich für etwas Rotes – einen frischfröhlichen Beaujolais Nouveau aus dem Waggisland. Den «Tiki 2018» von Nathalie Banes gibt es praktischerweise gleich in der Literflasche. Man weiss ja nie.

Erstmals erschienen ist dieser Text am 16. März 2019 in der «Schweiz am Wochenende» (bz Basel). Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen.

Bitte spitte! Wer Wein liebt, spuckt ihn aus

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Flaschen leer: Wer verkostet leert den Wein mit Vorzug nicht in sich selber rein – sondern in den Spucknapf.

Die Aussage knallt rein, als ob man mir den Wein direkt ins Gesicht spucken würde. «Herr Gernet», stellt mein Gegenüber trocken fest, «wenn Sie Weinjournalist werden wollen, müssen Sie lernen, den Wein auszuspucken.» Peng! Mein Ego und mein glasiger Blick rasen in Richtung Kellerboden.

Das war 2012. Im Barrique-Keller eines altehrwürdigen Weinguts im Burgund. Aristokratischer geht’s kaum. Das Château war im Besitz eines Basler Quereinsteigers. Und diesem ist nicht entgangen, dass mir seine Weine sehr gut munden. Zu gut. Zumindest, wenn man sich, ohne zu spucken, durch das ganze Sortiment verkosten möchte. Typischer Anfängerfehler! Schliesslich weiss jeder, dass Alkohol die Sinne vernebelt.

Die Gangbangs der Weinwelt

So hat mir ein Basler im Burgund die Augen – und den Spucknapf – geöffnet. Seither bin ich passionierter Spitter. Je mehr man beim Verkosten lernen möchte, desto mehr muss man probieren. Mehr Wein heisst aber oft auch: mehr Mist. Vor allem, wenn man dank geschärfter Sinne kritischer geworden ist. Mein Bandkollege behauptet gerne, dass er lieber nicht zu viel über Wein wissen will. Weil ihm sonst fast keiner mehr schmeckt! Dafür ist es bei mir zu spät.

Also wähle ich die Flucht nach vorne und turne mich von Tasting zu Tasting. Verkostungen sind die Gangbangs der Weinwelt. In der Regel sind grosse Degustationen purer Stress: Die Auswahl ist so erdrückend wie der Andrang bei den interessanten Weinen. Überall Ellbogen, nirgends ein Spucknapf. So wird der Spiessrutenlauf zum Triathlon: Reinstechen in die Meute, Stoff holen an der Tränke, Sprint zum nächsten Napf. Währenddessen sollte man sich noch Gedanken zum Wein machen. Und Notizen – wenn nur nicht schon die Hände besetzt wären mit Glas und Broschüren.

Viele Verkostungen sind Mittel zum Zweck. Wie Speed-Datings: Rein, raus – und die schönste Trouvaille nimmt man mit nach Hause. Dort kann man den Wein in Ruhe verkosten. Vielleicht sogar ohne zu spucken. So wie man während einer Verkostung manchmal, aber nur manchmal, einen besonders guten Cru heimlich doch die Kehle runtersickern lässt.

Spucken oder untergehen

Um zu den Perlen im Wein-Ozean durchzudringen, muss man sich durchtrinken. Damit man nicht jedes Mal wieder bei Null lossegelt, hilft ein klarer Kopf, in dem die angetrunkenen und ausgespuckten Verkostungs-Erfahrungen abgespeichert sind. Sonst erleidet man Schiffbruch. So wie die angehende Wirtin, mit der ich mich einst durch eine Weinmesse verkostet habe. Sie fand es unweiblich, zu spucken. Und nach einer halben Stunde fand sie, dass alle Weine gleich schmecken. Tja.

Zum Glück war der Basler Kollege aus dem Burgund nicht dabei. In dessen Gewölbe hätte man den edlen Cru besonders lustvoll auf den Kiesboden spitten können. Ohne zu zielen. Das ideale Terroir für Anfänger. Ich habe schon Profis gesehen, die den Spucknapf aus gefühlten zwei Metern Entfernung zielgenau treffen. Soweit bin ich leider noch nicht. Ich bin aber zuversichtlich, dass es noch ein, zwei Gelegenheiten geben wird, um meine Spuck-Skills zu schärfen.

Erstmals erschienen ist dieser Text am 9. Februar 2019 in der «Schweiz am Wochenende» (bz Basel). Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen.