Podcast #7 – Scherer + Zimmer mit Gutedel, Spargel und heiklem Hanf

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Ein Berliner Bär, ein Badischer Greif und ein kotzendes Einhorn haben vor zehn Jahren ihr eigenes kleines Weingut Scherer & Zimmer gegründet. In einem alten Schweinestall bei Bad Krozingen. Seither keltern die drei im Markgräflerland Weine, die jedes Jahr noch ein Tick nicer werden.

Landweine, die möglichst naturbelassen und ohne Schnickschnack in der Flasche landen. Seit Kurzem werden sämtliche Crus spontan vergoren. Bio ist Standard und mit dem neu lancierten Pétillant Naturel aus Gutedel und Müller-Thurgau kann sich bereits der erste Wein von Scherer & Zimmer das Biodyn-Label Demeter aufs Label klatschen. Die anderen werden folgen.

Felix Scherer, der badische Greif, ist der Boss im Rebberg. Micha Zimmer, der Berliner Bär, hat im Keller den Durchblick. Und das kotzende Einhorn? Macht seinen Signature-Move auf dem Weinetikett, dezent versteckt neben dem doppelköpfigen Logo mit Greif und Bären.

Neben den rund zweieinhalb Hektar Reben (v.a. Gutedel, Spätburgunder, Grau- und Weissburgunder sowie Sauvignon Blanc) an den Hängen am Rand der Rheinebene südlich von Freiburg kultivieren die beiden auch eine kleine, uralte Parzelle Elbling auf dem Vulkankegel Kaiserstuhl.

Es könnte die älteste Elbling-Anlage in Baden sein. Die säurebetonte Sorte hätte nämlich vor Jahrzehnten schon ausgerissen werden müssen. So wollte es das Weingesetz (ein immer wiederkehrendes Thema). Zum Glück hat man die Dinger damals aber stehen lassen…denn heute sind diese Elblinge eine Rarität. Und sie bilden den idealen Grundwein für den Sekt von Scherer & Zimmer.

Was gibt’s sonst noch zu sagen? Neben Wein gibt’s auf dem Schererhof – sozusagen das Mutterschiff des Weinguts, immerhin 46 Hektar stark – auch vorzüglichen Spargel. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, um auch über Spargel zu fachsimpeln…wie wachsen die? Warum? Ist Spargel auch so divenhaft wie manche Rebsorte? Wir erfahren es im Podcast…

Daneben gibt’s zu hören, warum es Stadtindianer Micha von Berlin ins Land seiner Ahnen – Baden – zurückzog. Und warum der Anbau von Hand heikel sein kann. Nicht in der Handhabung, ganz im Gegenteil…aber beim Handling mit dem Amtsschimmel braucht’s Fingerspitzengefühl.

Aber natürlich steht bei Felix und Micha der Wein im Zentrum. Zum Beispiel auch Sauvignon Blanc, den die beiden zu einem Wahnsinnsgeschoss ausbauen…mit der richtigen Balance aus expressiver Frucht, grasigen Untertönen und der etwas ungezähmten Wildheit, welche die Weine des Hauses auszeichnet. Da lacht das Einhorn!

Podcast #6 – Sandra Knecht und Fredy Löw – bringt die kritische Künstlerin den skeptischen Winzer zum Naturwein?

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Bei der Sonnenbrand-Session im Ochsen Oltingen geht’s u.a. um Schnaps, Flugabwehr-Kanonen und die Vorzüge von Dachsfleisch.

Diese Folge ist eine Schnapsidee: Im Ochsen Oltingen, am östlichsten Zipfel des Oberbaselbiets, wird ein sagenumwobener Schnaps ausgeschenkt. Ein Burgermeister mit der Aura eines Absinth. Die grüne Fee dahinter heisst Sandra Knecht. Und weil im Ochsen jetzt Saisonstart ist, habe ich sie in Oltingen zum Gespräch getroffen. Zusammen mit Winzer Fredy Löw, der wie Sandra Knecht im nahegelegenen Dorf Buus wohnt und mit dem sie eine ganz besondere Freundschaft pflegt. Gerade auch wegen ihrer Gegensätze.

Sie ist Künstlerin, Köchin und progressive Provokateurin. Er ist Winzer und betreibt eine Rebschule – wie schon sein Vater. Sandra Knecht mag Wein eher mittelmässig. Und wenn, dann am liebsten Naturwein. Sie findet, dass Fredy Löw seine Reben zu viel spritzt. Fredy hingegen betrachtet den chemischen Pflanzenschutz seiner Reben als Notwenigkeit – und die Naturwein-Welle als Hype.

Die gebürtige Zürcher Oberländerin wurde vor acht Jahren im 1000-Seelen-Dorf Buus sesshaft. Fredy Löw immerhin schon vor 44 Jahren (aus Biel-Benken herkommend). Zusammen haben die «Auswärtigen» schon so manche Dorfposse erlebt.

Das aktuellste Theater dreht sich um Sandras Perlhühner, die manchen ein Dorn im Ohr sind. Deshalb möchte Sandra für das Gefieder ein Stück Land ausserhalb des Dorfes kaufen. Ironischerweise ein Rebberg. Vielleicht wird Knecht also sogar noch zur Winzerin – unter Mithilfe von Fredy Löw. Dieser kommt so quasi durchs Hintertürchen doch noch dazu, einen Naturwein zu keltern. Sache git’s!

Mehr zu Sandra Knecht gibt’s hier: Kompromissloses Handwerk mit Herkunft – egal ob Dachs oder Schnaps

Podcast #5 – Stadtbasler Wein mit Silas Weiss vom Weingut Riehen

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Wein aus Basel-Stadt? Sicher doch! Mit rund 3,5 Hektar Reben ist das Weingut Riehen der grösste – und in dieser Form auch einzige – Produzent auf Basler Stadtboden.

Seit 2019 leitet Silas Weiss (25) das Weingut im äussersten Nordwesten der Schweiz. Geboren in Hawaii, ausgebildet in Zürich und der Westschweiz hat der junge Winzer über den Handel den Weg nach Riehen gefunden. Wie genau – das gibt’s im Podcast zu hören.

Die Reben im Riehener Schlipf sind umgeben von deutschen Weinbergen, am Fuss des Tüllinger Hügels liegt die weltberühmte Fondation Beyeler. Einzigartig ist auch die jüngere Geschichte des Weinguts Riehen: Nachdem der Gemeinderebberg 2014 neu verpachtet wurde, haben sich die Weine aus dem Schlipf in kurzer Zeit schweizweit einen Namen gemacht. Zuerst dank Winzer Thomas Jost und seinem badischen Partner Hanspeter Ziereisen, seit 2018 unter der Leitung von Ziereisen und dem Weinhändler Paul Ullrich – mit Silas Weiss als Winzer. Ein grenzübergreifendes Projekt sozusagen.

Diese Weine haben wir getrunken:

– Le Petit Pinot Blanc & Chardonnay 2017
– Le Grand Sauvignon Blanc 2017
– Le Petit Rouge 2016

Weitere Bonvinvant-Beiträge zum Weingut Riehen

Neuanfang im Schlipf – Silas Weiss im Weingut Riehen (2019)
Thomas Jost holt 92 Parker-Punkte nach Basel (2017)
Spitzenwein aus dem Riehener Rebberg (2014)

Podcast #4 – Tom Litwan – Reduktion aufs Wesentliche

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Zu Besuch im Aargauer Freaktal bei Tom Litwan, einem Meister des Schweizer Pinot Noir. Dabei erklärt der Burgund- und Champagner-Aficionado unter anderem:

…warum er zögerte, als er seine Rebfläche verdoppeln konnte
…warum Schwefel nicht des Teufels ist
…und warum er seinen Weinen (zum Glück) ein schlechter Helikopter-Vater ist

Und wir haben Erstaunliches gelernt – zum Beispiel, dass der Aargau früher mehr Rebfläche hatte als das Wallis.

Diese Schaumweine haben wir getrunken:
– Litwan Wein – Petite Meslier 2016
– Litwan Wein – Blanc de Noir Extra brut 2016

Verkostet: Litwan Wein – Thalheim Chalofe 2019

Dieser Pinot ist viel zu jung. Eigentlich… Die Younguns von Tom Litwan sind oft zurückhaltend und reduktiv. Viele blühen erst nach mehreren Jahren so richtig auf. Das findet auch Tom. Nicht aber dieses Ding hier. Der Thalheim Chalofe 2019 brettert straight drauf los, wie es sich für einen Jugendlichen gehört. Aber nicht wild, sondern voller Finesse.

Ein perfekter Pinot Noir. Die Frucht ist dunkel, die Würze ätherisch, die Struktur straff und elegant, das Finish voller Mineralik und die Gerbstoffe schon bestens gebändigt. Ein Wein, der in die Tiefe geht statt in die Breite. Von wegen verschlossen… ganz grrrrosses Kino! Kaum auszumalen, wie dieser Wein ist, wenn er in zwei, drei Jahren so richtig aufblüht.

Alles andere als zurückhaltend haben sich beim Besuch in Tom Litwans Keller übrigens auch die Pinot-Fassproben des Jahrgangs 2020 präsentiert. Vermutlich kommt deren Trotzphase erst noch. Aktuell sind das saubere, elegante Weine, manche etwas würziger und blumiger (fast an Gamay erinnernd), andere von feiner Fruchtigkeit und Mineralik wie der 19er Chalofe. So oder so vielversprechend, was da kommt!

Podcast #3 – Kat Fischer (Schweizer Weintage) und Lukas Vögele (Klus 177)

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Darf ich vorstellen, mein Tasting-Tag-Team: Kat Fischer, Gründerin der Schweizer Weintage in der Markthalle Basel, und Lukas Vögele vom Baselbieter Weingut Klus 177 in Aesch. Egal ob bei Verkostungen, Winzer-Besuchen oder an Weinmessen…in der Regel sind sie dabei, meine liebsten Wein-Buddies.

Deshalb werden die beiden auch regelmässig in diesem Podcast als Sidekicks mitplaudern. Grund genug, um die Wein-Vita von Kat, Lukas und meiner Wenigkeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Es geht um Biodynamie, (un)trinkbare Naturweine – und um den ganz persönlichen Werdegang von drei Wein-Nerds.

Diese Weine haben wir getrunken:

  • Olivier Pithon – Cuvée Laïs blanc 2014 Côtes Catalanes IGT
  • Anne-Claire Schott – Blanc Orange 2019 Bielersee AOC
  • Domaine de Beudon – Petite Arvine 2017 Valais AOC

Podcast #2 – Badischer Landwein mit Max Geitlinger

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Pow, pow, Podcast – straight outta Markgräflerland! Zu Besuch bei Max Geitlinger im Hirschen Egerten. Wir reden u.a. über die Landwein-Revolution, Sauvignon Blanc als trojanisches Pferd und Corona-Schnapsideen.

Max führt das Gasthaus zum Hirschen in Egerten – «einem klitzekleinen Ort am Arsch der Welt, zum Glück» – seit einer Dekade und in 9. Generation. Seit 2010 betreibt er sein Landweingut Max Geitlinger. Zunächst wurde der Wein nur für den Eigengebrauch gekeltert. Inzwischen sind seine Weine – zum Glück – auch sonst erhältlich.

Die Weine aus dem Podcast:
– Pinot Noir Sekt 2017
– Sauvignon Blanc 2018
– Maximal Spätburgunder 2017

Weitere Bonvinvant-Beiträge zum Thema Badischer Landwein
Dann halt Landwein! Vom sanften Aufstand der Outlaws
Das dreckige Dutzend – 12 Landweins With Attitude

Podcast #1 – Wein aus der Hood mit Thomas Löliger vom Quergut Arlesheim

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Die erste Folge des Bonvinvant-Weinpodcasts ist online! Als ersten Gast gibt’s den Lieblingswinzer aus meiner Hood: Thomas Löliger vom Quergut Arlesheim, Baselland.

Mit dem Steinbruch bearbeitet er einen der steilsten Rebberge weit und breit. Und mit dem Cabernet Jura u.a. auch eine Sorte, die nur wenige Kilometer entfernt gezüchtet würde…der Boy in der Hood.

Wir reden u.a. über rutschende Hänge, ehrliche Kunden, die Launen der Natur – und natürlich über handgemachte, naturbelassene Weine.

Mehr zum Quergut und zu Thomas Löliger gibt’s in diesem Blog-Beitrag:
Der beste Schweizer PiWi-Rotwein kommt aus Arlesheim

Sandra Knecht: kompromissloses Handwerk mit Herkunft – egal ob Dachs oder Schnaps

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Die Koch-Kreationen von Sandra Knecht sind meist kompromisslos und haben immer einen tieferen Sinn. Beim Mittagessen im Basler Restaurant Stucki von Tanja Grandits kann sich die Künstlerin aber ganz ihrer kulinarischen Neugier hingeben.

Sandra Knecht isst wenig Fleisch, macht aber selber Würste. Sie trinkt wenig Alkohol, brennt aber ihren eigenen Schnaps. Sie kann nicht gut malen, hat es mit ihrer Kunst aber bis an die Biennale in Venedig oder ans Filmfestival Locarno geschafft. Und sie ist bekannt für ihre kompromisslosen Koch-Kompositionen – bezeichnet sich aber nicht als Köchin im gastronomischen Sinn.

Ihre Kreationen bereitet Sandra Knecht am liebsten über dem Feuer zu. Immer mit einem Leitmotiv: Entweder die Machart, das Konzept oder das Produkt. Das kann auch mal ein Dachs sein. Oder Roadkill – Fleisch von überfahrenen Tieren.

Dabei geht es Knecht weniger um Show, sondern um die respektvolle Auseinandersetzung mit der Natur und ihren Ressourcen. Um Nachhaltigkeit, Biodiversität und die Würde der Tiere. Es geht auch um Handwerk, Philosophie, Ethik und Kunst. Knecht kocht für das Gehirn und den Gaumen.

Das Konzept ist Königin

Der Hype um Punkte und Sterne interessiert Knecht nicht – die Kreationen der Spitzengastronomie aber sehr wohl. Zum Geniessertreffen möchte sie zu Tanja Grandits ins Basler Restaurant Stucki. Sie erscheint in robusten Schuhen, Wollpullover – und mit ausgeprägter kulinarischer Neugier.

Schon der erste Gang verzückt. «Der Espuma schmeckt geil!», schwärmt Knecht. Das Auge isst mit und liest auf der Karte: Jakobsmuscheln Tataki, Cashew Granola, Blumenkohl, Lammfilet Sternanis Lack, Süsskartoffeln, Mandarinen Gel. Im Glas glänzt ein gelbfruchtiger, würziger Paien 2018 der Walliser Winzerin Valentina Andrei. Später folgt ein Bündner Completer von Donatsch. Beide offenbaren sich als beste Botschafter für Schweizer Wein. Und für ihre ureigene Herkunft.

Wie ein Winzer beim Wein, sucht Knecht bei ihren Gerichten die Auseinandersetzung mit der Herkunft. «Das Terroir eines Ortes trifft auf mich. Dieses Verhältnis versuche ich, in Essen zu übersetzen – in eine Sprache, die jeder verstehen kann.»

Heimat und Identität sind seit über zehn Jahren zentrale Motive in Knechts Schaffen. Zuerst als Künstlerin, dann als Köchin. «Durch die philosophische Beschäftigung mit diesen Begriffen kam ich zurück zum Kochen.» Vom Kopf in den Topf. Ein zu Essen übersetztes Kunstwerk, das die Leute verzücken, aber auch schockieren kann.

Essen als intellektuelle und geschmackliche Herausforderung

2017 etwa hat Knecht im Zürcher Kaufleuten die kulinarische Vernissage «Boeuf Sous Vide» präsentiert. Für den Anlass hat sie ein Galloway-Rind von der Weide bis in den Teller begleitet. Ein Grossteil des Tieres wurde sanft mit der Sous Vide-Methode zubereitet. Vor dem Verzehr wurden die gigantischen Vakuumbeutel, zusammen mit den separat am Fleischhaken drapierten Eingeweiden, in kunstvoller – aber auch schauriger – Ästhetik in Szene gesetzt. Essen, Kunst – und bewusste Provokation.

«Mein Essen darf auch eine geschmackliche Herausforderung sein», erklärt Knecht. Gekocht wird an Events oder auf Einladung – immer aber mit einer Carte Blanche. Manchmal weiss sie erst wenige Stunden vorher, was sie präsentieren will. Rezepte werden nicht wiederholt. Kochen ist auch Performance.

Um ihre einzigartige Arbeitsweise besser zu verstehen, hilft ein Blick auf Knechts Lebenslauf: Geboren 1968, aufgewachsen auf einem Bauernhof im Zürcher Oberland, als Teenager ging die Steiner-Schülerin dem Dorfmetzger zur Hand, mit 20 war sie Küchenchefin bei McDonald’s, es folgten die Ausbildung zur Sozialpädagogin sowie das Studium in Theaterregie und, zuletzt, in Kunst.

Brennender Einsatz gegen Foodwaste

Dem ästhetisch geschulten Auge von Sandra Knecht entgehen natürlich auch nicht die kunstvollen, geschmacklich und farblich perfekt angestimmten Gerichte von Tanja Grandits. Diese werden während ihren Schilderungen aufgetischt, aufmerksam begutachtet und genussvoll gegessen. Die Stucki-Küche ist mit zwei Michelin-Sternen und 19 Gault Millau-Punkten ausgezeichnet. Obwohl Knechts kulinarischer Ansatz sich in vielen Punkten komplett von der Gourmet-Gastronomie unterscheidet – es verbindet sie eine verspielte Neugier, die Begeisterung für Neues und der Respekt vor dem Produkt.

Seit mehreren Jahren wohnt Knecht mit ihrer Partnerin sowie unzähligen Hunden, Hühnern, Katzen, Schafen und Ziegen im Oberbaselbieter Dorf Buus. Würde das Geniessertreffen bei ihr stattfinden, käme das Gemüse aus ihrem eigenen Garten. Dazu gäbe es vielleicht selbstgemachte Blutwurst. Und zwar von älteren Kühen. Es ist ihr wichtig, dass so wenig wie möglich weggeworfen wird. Vor allem bei Tieren, aber auch bei Obst. Deshalb verarbeitet sie die Früchte von verlassenen Baselbieter Hochstamm-Obstbäumen zu Schnaps. Über das Brenn-Brevet (und das Wirtepatent) verfügt sie nämlich ebenfalls. Ihre Spezialität: ein Burgermeister mit eigener Kräuter-Rezeptur.

Als nächstes lädt Knecht von Ende August bis Mitte Oktober 2020 zur Ausstellung «my land is your land» in der Zürcher Galerie Stephan Witschi – natürlich begleitet von drei speziellen «Chnächtässe».

Dieser Artikel wurde erstmals im August 2020 auf der Website Swisse Wine Gourmet publiziert.

Kommt Zeit, kommt Ratte

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Kommt Zeit, kommt Rat. Oder Ratte. Oder Maus. So ein spannendes Rennen habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Der eine Wein hat den Start verkackt, der andere das Finish.

Der Klettgau Pinot Noir von Markus Ruch – einem meiner liebsten Schweizer Winzer – gab sich zunächst widerspenstig und stand unter akutem Korkverdacht, während der Côtes du Jura – ein Trousseau von Etienne Thiebaud – mit Vollgas den Gaumen eroberte. Straffe Frucht, dicht gewoben und stoffige Struktur.

Damit war der Thiebaud sowas wie die Turboversion des Arbois – ein Poulsard von La Pinte – der leichtfüssiger und säurebetonter daherkam und das Rennen mit strammer, gleichmässiger Pace souverän durchzog. Rustikal und funky.

Aber ebä: Kommt Zeit, kommt Rat. Nach einer Strafrunde in der Karaffe rollte der Ruch das Feld von hinten auf. Und präsentierte sich so, wie man Ruchs Pinots kennt: elegant und ätherisch.

Beim Spitzenreiter, dem Poulsard, gings in die andere Richtung: Auf den Spass im Glas folgte auf der Ziellinie das Grauen im Gaumen. Ein unangenehmer, pampiger und modriger Pelz nahm die Zunge in den Würgegriff – Maus! Ein Weinfehler, der vorkommen kann bei solchen Crus. Einmal im Mund, kriegt man das nassgraue Fell kaum mehr aus dem Gaumen. Schade. Hätte der Wein keine Konkurrenz gehabt, wär er in einem Zug leergesoffen worden…bevor dessen ruppige Rückseite in den Vordergrund rückt.

Nun denn. Die Letzten werden die ersten Sein. Aus die Maus.

Ô fâya – eine Farm wird zum Weingut

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Young Ilona has a farm… und die soll jetzt endlich zum richtigen Weingut werden. Denn gute Weine macht sie schon, Ilona Thétaz aus Saxon – bisher aber ohne fixe Bleibe oder eigene Reben. Deshalb sucht die junge Walliser Winzerin via Crowdfunding nach Unterstützung.

Wie die Spindel eines Korkenziehers schraubt sich die steile Strasse dem Himmel entgegen. Der Endspurt auf dem Schotterweg führt vorbei an Weinbergen, Aprikosen-Hainen und einem Piratenschiff. Es könnte auch die Arche Noah sein. Auf der Ô fâya Farm leben nämlich unter anderem auch Schafe, Hühner, Pferde, Esel, Katzen und Hunde. Und Piratin Emma – Ilonas Tochter mit dem coolsten Sandkasten weit und breit.

Aber etwas fehlt noch in diesem Garten Eden: Ein Ort, an dem Ilona ihre Trauben verarbeiten kann. Und Platz für die Lagerung von Fässern und Flaschen, aber auch von Aprikosen, Heu und Getreide. Bisher hat die junge Winzerin ihre Weine auswärts bei Freunden gekeltert. Die Bio-Trauben wurden meistens bei Freunden zugekauft – dieses Jahr etwa bei Winzerin Sandrine Caloz.

Der nächste Jahrgang wächst im eigenen Rebberg

Jetzt soll das Improvisieren ein Ende nehmen: Ilona möchte die alte Scheune neben dem Wohnhaus entern wie ihre Tochter das Piratenschiff im Garten. Der rustikale Holzbau soll gekauft und aufgemöbelt werden. Der Platz zwischen Scheune und Wohnhaus wird dabei zum überdachten Trauben-Umschlagplatz.

Nachdem Ilona in den letzten drei Jahren – neben der Winzer-Ausbildung und dem Betriebsleiterkurs Önologie in Changins – viel Zeit und Geld in den Aufbau ihrer kleinen Farm investiert hat, möchte sie den Ausbau jetzt dank einer Crowdfunding-Aktion auf der Plattform «Yes We Farm» realisieren. Insgesamt sollen 35’000 Franken zusammenkommen – als Gegenleistung gibt’s u.a. Aprikosen, Gemüse, Wein oder ein Wein-Erlebnis auf der Farm.

Ab 2021 kommt dieser Wein endlich auch von Ilonas eigenen Reben. Die Ô fâya Farm wird diesen Winter um einen Hektar Reben erweitert. Höchste Zeit also, dass nun die Infrastruktur entstehen kann, um die erste eigene Ernte straight outta Farm zu keltern.

Trinkfreude ohne «chichi»

Dann kann sich Ilona noch besser um ihre Weine kümmern. Weine, die schon jetzt – wo sie noch ein Vagabundendasein frönen – viel Trinkfreude bereiten. Naturweine «sans chichi dedans», wie Ilona sagt.

Die Crus sind frisch und unkompliziert. Zum Beispiel der «Orage» – ein maischevergorener Wein aus weissen PiWi-Sorten wie Divona, Sauvignac und Souvignier Gris. Je nach Machart kann Orange Wein rustikal und gerbstoffbetont rüberkommen – nicht bei Ilona. Ihre Interpretation kickt mit feiner Frucht – und ist ziemlich schnell weggezischt. Noch mehr Trinkfluss hat der «tinpéta», ein frischfruchtiger Gamay.

Die farbenfrohen Etiketten stammen – ja von wem wohl – von Ilona. Auf den Schaumwein-Labels tummeln sich die Schafe. Etwa auf dem «louise : pas à deux» – einem funky pétillant aus Fendant-Trauben. Kommt gut, die Kombination der typischen feinen Bitternote des Fendant mit den prickelnd-frischen Bulles.

Sprung über den Röstigraben

Mit der eigenen Infrastruktur soll nun das Weinmachen aufs nächste Level gehoben werden. Ursprünglich kommt Ilona aus Altishofen im Kanton Luzern. Seit 12 Jahren ist sie im Wallis zuhause…seit dreien im Combe arrangée über Saxon mit atemberaubendem Panoramablick über das Rhônetal und die Unterwalliser Weinberge.

Was macht man hier oben eigentlich im Winter? Lockdown wegen eingeschneit? «Eigentlich geht das ohne Problem», meint Ilona. «Hat nicht so viel Schnee meistens. Und ich bin ja nicht so hoch oben. Und falls doch, dann rufe ich einen befreundeten Landwirt an und er kommt mit dem Traktor. Und manchmal halt von Hand Schaufeln!»