Wy-Erläbnis mit wunder Tsssunge

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Wy-Erlaebnis_2013_web10Homeboys auf Klassenfahrt: Was gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit den Bandkollegen einen feuchtfröhlichen Spaziergang zu machen? Essen, saufen, laufen. Bei der zehnten Ausgabe des Wy-Erläbnis führte die Weinwanderung am letzten Samstag im August von Buus nach Maisprach. 2700 Nasen haben sich durch die malerischen Rebberge rund um die schmucken Winzerdörfer gepflügt – darunter wir drei Brandhärd-Jungs plus SimonAyEm, der nach abstinenten Monaten den Pfad der Tugend ausnahmsweise verlassen hat, um sich mit uns dem bacchantischen Genuss hinzugeben.

Wy-Erlaebnis_2013_web18Er war auf dem richtigen Weg. Schliesslich ging es um die Huldigung der lokalen Winzerkunst. Von Aspra über Kerner bis hin zu Riesling-Sylvaner gabs alles in den Kelch, was die Baselbieter Rebberge hergeben. Und natürlich Pinot Noir, die rote Königin der Region. Leider begeisterten mich die Blauburgunder dieses Jahr irgendwie nicht. Leichtfüssige, fruchtige Tropfen sind zwar eine tolle Sache für eine Spätsommerwanderung, aber irgendwie hätte ich mir mehr Substanz und Konzentriertheit im Glas erwünscht – diese gibt es nämlich durchaus (und immer öfter) auch in der Region zu finden.

Aber ebä: Das Wy-Erläbnis ist ein Kultevent, bei dem der Rebensaft zwar eine tragende, aber nicht die einzige Rolle innehat. Wirklich überzeugt hat mich eigentlich nur der spritzig-exotische Bacchus von Lokalmatador Fredy Löw – dem unterhaltsamsten Winzer, dem ich bis jetzt begegnet bin.

Dennoch: Das Wy-Erläbnis war auch dieses Jahr eine Wucht! Gutgelaunte Menschen, Dorf-Idylle, Bilderbuch-Landschaften, vielvielviel Wein und Häppchen für den gut geölten Gaumen – rustikal, einfach, gut. Besonders gut gemundet hat das «Trochäfleisch» beim Syydebändel/Bacchus-Halt. Zumindest bis zu dem Moment als ich gieriger Geck gegen eine Wespe den Kürzeren zog. Sie wollte partout nicht teilen und stach mich mitten auf die Zungenspitze. Nicht so angenehm. Aber auch nicht so schlimm wie zunächst erwartet. Sollte man schon einmal erlebt haben.

Das war jetzt eine etwas lange Einleitung. Eigentlich wollte ich nur kurz die untenstehenden Fotos zum Wy-Erläbnis introducen. Hier sind sie also. Wer mehr über dieses wunderbare Volksfest wissen will, kann meinen letztjährigen Bericht lesen. Damals war ich für die BaZ mit Christoph Kokemoor, Sommelier des Grand Hotel Trois Rois, am Wy-Erläbnis.

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Wy-Erläbnis 2013, ein Album auf Flickr.

Fendant-Fiasko im wilden Wallis

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Walliser Weininsel: Varen, Heimat des Winzers Andy Varonier.

Walliser Weininsel: Varen, Heimat des Winzers Andy Varonier.

In meinem bisherigen Leben hatte ich noch nie so viel Fendant getrunken wie an diesem Samstagabend. Andy Varonier, Winzer und Ex-Goalie des FC Sion, hat zur «Sommergenuss-Nacht» ins Oberwalliser Weindörflein Varen geladen und wir sind mit einer Viererdelegation angerückt – zwei Basler und zwei Bündner im Wallis, ein Gipfeltreffen der schönen Dialekte sozusagen.

Bisher habe ich Fendant stets links liegen lassen. «Da kann ich ebensogut Wasser trinken», so meine Meinung über Chasselas-Wein. Dass das dezente Rebenelixir aber doch mehr beinhaltet als H₂O, musste ich am Morgen danach feststellen – als es in meinem Schädel fast so fest rauschte wie am Rhone-Ufer einen Weinwurf entfernt. Da habe ich auf die harte Tour eine Lektion erteilt bekommen. Knapp am Knockout vorbeigeschrammt. Andererseits habe ich ein erstes Mal die Eleganz dieses tückischen Tropfens kennenlernen dürfen. Ein Weisswein, so leicht und filigran wie der Schmetterling – in Varen «Pfyfoltru» genannt – den das sympathische Winzerdorf zum Maskottchen erkoren hat.

Bonvinvant_Varen_Varonier7Zugegeben, der Fendant von C. Varonier & Söhne hat mich positiv überrascht. Insbesondere in der progressiv ausgebauten «Gold»-Variante, der mit seiner exotischen Note eher Fendant-Skeptiker wie mich bezirzt als seine «Silber»-Schwester, die der Walliser Chasselas-Tradition entsprechend erzogen wurde.

Wenn ich mich aber von einer weissen Walliserin verführen lassen will, dann am liebsten von der Petite Arvine, die wegen ihres mineralischen Abgangs auch liebevoll «salzige Prinzessin» genannt wird. Serviert mit Nüsslisalat, Wachtelspiegeleiern und Trüffelspäh sorgte die Gute für den ersten Höhepunkt dieser Sommergenuss-Nacht, die wegen des launischen Wetters statt unter Sternen im gemütlichen Holzstübli stattfinden musste. Auch gut.

Wine-Keeper: Andy Varonier.

Wine-Keeper: Andy Varonier.

Der (leider) einzige Rote des Abends war Varoniers Cabernet Franc Gold Barrique Non-Filtré 2011, serviert zu Eringer Rindsfilet an Syrahsauce. Ohne Stuhl währe ich mit weichen Knie zu Boden gesunken – nicht wegen des langsam einsetzenden Fendant-Hammers, sondern weil dieser Wein schlicht und einfach ein Gedicht ist. So dicht, so komplex – und vor allem endlich: so rot.

Dazu dieses Rindsfilet! Kiloweise hätte ich das verdrücken können. Der Amigne-Süsswein danach schmeichelte zwar wirklich dem Gaumen, doch meine Formkurve ist bereits dermassen in den Keller gesunken, dass ich beim abschliessenden Weinbrand passen musste. Mich hätts umgehauen. Das kommt davon, wenn man einmal einen Abend lang trinken kann, ohne sich um Kinder oder Konzert zu kümmern. Umwerfend wars auch ohne den goldenen Schnaps-Schuss zum Schluss.

Bonvinvant_Varen_Varonier2Die Gastfreundschaft dieses Völkchens, allen voran der mit drei Generationen vertretenen Familie Varonier, ist noch herzerwärmender als die Weinperlen der Region. Das zeigte sich auch am Tag danach als uns Andy nach einem ausgedehnten Spaziergang (hier die Flicker-Galerie dazu) durch die Reben spontan in seinen Weinkeller entführte – im Schlepptau einer Fricktaler Männerriege.

Im kalten Gemäuer neben dem Schulhausplatz kam es zum önologischen Höhepunkt dieses Wein-Weekends: Die Fassprobe eines Diolinoir 2012, kurz vor dessen Abfüllung. Trotz juveniler Wildheit präsentierte sich der Tropfen bereits mit einer betörenden Dichte und Aromen, die weit über die übliche Fruchtigkeit eines solchen Jungsgpunds hinausgehen.

Andy Varonier bei der Fassprobe.

Andy Varonier bei der Fassprobe.

Und dann der alles überstrahlende Star des Tages: Varoniers Avarone 2012. Ebenfalls ein Diolinoir, aber ausgebaut im Stil eines Amarone. Sprich: Ein noch dichteterer Wein, vinifiziert aus angetrockneten Trauben.

Das pure Gegenteil eines Fendant, eine Wucht! Spätestens da hätte ich mich wieder ins Wein-Nirvana schlürfen können. Der Avarone ist so beliebt, dass der Jahrgang 2012 bereits ausverkauft ist, bevor das rote Gold in der Flasche landet.

Bonvinvant_Varen_Varonier6Die Vernunft siegte. So landeten wir klaren Kopfes – wie es sich für Degustationsprofis gehört – in einem wunderbaren historischen Gewölbe wo fleissig Raclette gehobelt wurde. Wieder eine spontane Einladung. Wie haben wir das bloss verdient?!

Andy nutzte die Gelegenheit, um mir in einem zweiten Anlauf seinen Weinbrand unterzujubeln. Mit Erfolg: Als ich ihm das Schnapsglas mit einem gequälten «sorry…(muss fahren)» retournieren wollte, schmetterte mir der Winzer ein «santé!» engegen. Klimper, klimper, gluck, gluck. Die gute Seele meinte, ich will anstossen. Seis drum: Diesem Teufelskerl von einem Winzer kann man nicht genug oft zuprosten: Früher beim FC Sion die Bälle von der Kiste ferngehalten, Rücktritt, Betriebswirtschaft in Dänemark studiert, dann Oberchecker im Autobusiness und jetzt der Don am Weinberg mit dem jungen Schotten Jamie McCulloch als Kellermeister. Was für ein Zweigespann!

Danke für alles – wir werden nicht das letzte Mal in Varen gewesen sein!

Hier die Flicker-Bildgalerien aus Varen und Salgesch, wo wir an diesem himmlischen Wochenende den Schlaf der gerechten fanden.

Waren in Varen: Zwei Swiss-Avanger-Rapper inklusive Weinköniginnen – und Hund (gut versteckt).

Waren in Varen: Zwei Swiss-Avanger-Rapper inklusive Weinköniginnen – und Hund (gut versteckt).

Das gute alte WB-Tal: Zu Gast bei den Dielenberger Himmellüpfern

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Himmelluepfer_Dielenberg_Oberdorf_BL_10Seit ich mit Brandhärd kurz nach der Jahrtausendwende bei MC Poets WB-Tal Records untergekommen bin, hat das Waldenburgertal eine ganz besondere Bedeutung für mich. Die Furche hinter Liestal markiert einen Meilenstein meiner Rapkarriere: Im sagenumwobenen Bandraum in Niederdorf habe ich vor über zehn Jahren meinen damaligen Rapgöttern Shape, Poet und Zucker beim Freestylen zugehört – starr vor Ehrfurcht. Es folgten die enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit Poets rechter Hand Roman «Stofi» Stofer und unzählige Freestyle-Sessions mit den jüngeren Mcees des Tals. Nicht zu vergessen die legendären Burg-Jams, bei denen ein Eingeborener einst meinem Kumpel übers Gipsbein gekotzt hat. Oder die Sturmfreiparty bei MC Poet, bei der Rokator noch Rookie hiess und auch ich meine Magensäfte nicht unter Kontrolle hatte. Die heute unter Vinyl-Sammlern gesuchte «Universum»-EP von DJ Dimos war damals frisch in den Startlöchern, die TAFS der Geheimtipp der Rapschweiz. Das waren noch Zeiten!

Himmelluepfer_Dielenberg_Oberdorf_BL_1Vergangene Woche hat sich meine neue Leidenschaft – Wein – quasi mit meiner ewigen Liebe – Rap – vereinigt. Und zwar im Rebhang Dielenberg bei Oberdorf. Nur wenige Steinwürfe entfernt von den damaligen Schauplätzen, die Burg in Sichtweite. Anlass war der Rebbaukurs des Landwirtschaftszentrums Ebenrain in Sissach, bei dem uns der Baselbieter Rebbaukommissär Andreas Buser während eines Rebjahres durch die regionalen Weinberge hetzt. Ein toller Anlass! Insbesondere, wenn nach getaner Arbeit der Grill im Rebberg aufgestellt wird und die hier wachsenden Weine im Glas landen.

Himmelluepfer_Dielenberg_Oberdorf_BL_5Gastgeber war der lokale Rebbauverein: Die Dielenberger Himmellüpfer zelebrieren 2013 ihren 75. Geburtstag und sind dementsprechend in Feierlaune. Der Rebhang ist frisch herausgeputzt und mit neuen Infotafeln versehen – schliesslich ist der idyllische Steilhang auch bei Wandervögeln sehr beliebt. Der Dielenberg ist in vielerlei Hinsicht einzigartig: Die 2,7 Hektar Reben wachsen an einer der steilsten Lagen der Region. 60% Hangneigung – dä könnte man ohne weiteres auch eine Skispungschanze aufstellen. Stattdessen gedeihen hier seit Jahrhunderten Reben. Früher mehr, zur Kriegszeit weniger, seither wieder mehr. Bei den Himmellüpfern wird ausschliesslich die rote Sorte Regent sowie der weisse Riesling-Sylvaner angebaut und im eigenen Räbhüsli gekeltert.

Himmelluepfer_Dielenberg_Oberdorf_BL_7Letztgenannter Riesling-Sylvaner landete auch in meinem Glas und wusste zu gefallen – wobei mich insbesondere der Dielenberger Bacchus 2012 von Andreas Buser beeindruckte. Spannend auch, wie man hier auf engstem Raum auf völlig unterschiedliche Weingärten trifft: Kommt der eine piekfein herausgeputzt wie ein englischer Garten daher, sieht das Ganze beim Nachbarn eher nach wild wucherndem Dornengestrüpp aus. Da werden offensichtlich die Prioritäten unterschiedlich gesetzt. Dies gilt nicht für die Lagen der Himmellüfer, hier sorgt Hanspeter Hauri dafür, dass alle Reben gleich gut gepflegt werden – weil der Rebchef aber auch für die Trauben am übrigen Hang mitverantwortlich ist, klopft er gelegentlich auch den Nachbarn auf die Finger. Schliesslich wird ein Grossteil der Dielenberger Trauben im Herbst gemeinsam geerntet und gekeltert. Da muss jeder seinen Teil zu einem gelungenen Jahrgang beisteuern.

Himmelluepfer_Dielenberg_Oberdorf_BL_2Am 17. und 18. August laden die Dielenberger «Räbbuuren» in ihren offenen «Räbhüsli» zur Degustation. Mehr dazu gibts hier.

PS: Mehr Rebberg-Fotos gibts auf meinem Flickr-Account.

Ivo Adam schwingt in Basel den Kochlöffel fürs SRF

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IvoAdam+JoelGernetAb heute kocht einer der coolsten Hunde hinter Schweizer Kochherden fürs Fernsehen in der Region. Oder korrekter gesagt: Ab heute werden die Koch-Orgien ausgestrahlt.

Die «Basler Woche» von «Schwiizer Chuchi mit Ivo Adam» läuft ab Montag, 17. Juni, jeweils um 18.15 Uhr auf SRF 1. Ich war am Drehtag mit Galegnfischer Roland Frank mit dabei. Hier mein Artikel dazu, der erstmals am 31. Mai 2013 auf bazonline.ch erschienen ist. Weiterlesen

Eine rote Diva in all ihren Facetten

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Das haarsträubende Frühlingswetter lässt die Baselbieter Winzer bis jetzt kalt. Da kann man sich getrost um die Lancierung der frisch abgefüllten Jungweine kümmern. Eine Traubensorte präsentiert sich dabei besonders vielseitig.

Setzen sich ein für Baselbieter Wein (v.l.): Barbara Koellreuter (Klushof, Aesch), Nicolas Neuhaus (Siebe Dupf, Liestal), Bernard Raemy (Restaurant Schloss Binningen), Cécile Bühlmann (Schlossberg, Arlesheim), Koch Janis Jeitziner, Fredi Löw (Buus), Franziska Keller Raemy, Andreas Buser (Rebbaukommissär BL), Urs Jauslin (Hohle Gasse, Muttenz), Paul Leisi (Präsident Weinproduzentenverband BL), Ueli Bänningen (Tschäpperli, Aesch).

Setzen sich ein für Baselbieter Wein (v.l.): Barbara Koellreuter (Klushof, Aesch), Nicolas Neuhaus (Siebe Dupf, Liestal), Bernard Raemy (Restaurant Schloss Binningen), Cécile Bühlmann (Schlossberg, Arlesheim), Koch Janis Jeitziner, Fredi Löw (Buus), Franziska Keller Raemy, Andreas Buser (Rebbaukommissär BL), Urs Jauslin (Hohle Gasse, Muttenz), Paul Leisi (Präsident Weinproduzentenverband BL), Ueli Bänningen (Tschäpperli, Aesch).

Die Pinot-Noir-Traube ist eine Diva, sie benötigt besonders viel Pflege im Rebberg. Und wie es sich für eine Diva gehört, gibt die Gute in verschiedensten Gewändern eine blendende Figur ab. Das stellte der Weinproduzentenverband Baselland am Mittwoch im Restaurant Schlosshotel Binningen unter Beweis: Ob als Schaumwein, Weisswein, Rosé oder Rotwein – stets präsentiert die Pinot-Traube eine andere Facette. Weiterlesen

Sonne, Fussball, Pizza und Ampelio

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2013-05-25 17.25.17Das ist Balsam für die regengeplagte Seele nahe der Winterdepression. Sonne, Fussball, Pizza und Ampelio – so die Kurzversion meines Kurztrips nach Ascona. Anlass war ein Konzert meines brandneuen Projekts, den Swiss Avengers (Gimma, Nega, Sisma, PDDP und ich), im Vanilla Club in Riazzino. Die Show war super. Ansonsten das übliche Theater einer Grossraumdisco: stylisches Design, Elektromusik, dekadente Champagner-Preise und sexy Ladies, vermischt mit vielen Provinzaffen.

Endlich bietet sich mir also wieder einmal die Gelegenheit, eineinhalb Tage in Ascona Texte zu schreiben (die Avenger-Parts müssen schliesslich irgendwann geschrieben werden) – und, natürlich, Wein zu trinken! Pünktlich zum Anpfiff des Champions-League-Finals zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (auf der Reaktion habe ich auf einen 3:0-Sieg des BVB getippt) wurde ein Tessiner Merlot entkorkt. Die Take-Away-Pizza von der Piazza war nicht der Rede wert (gummiger Käse, pampiger Teig), dafür aber der Wein, den mir Tessin-Kenner Urs Mäder von der Weinhandlung Cantina dell’Orso in Ascona ans Herz gelegt hat – nachdem ich sagte, dass ich Merlots mag, die nach Tabak, Erde und Leder riechen. Und Urs hatte ein goldenes Händchen.

2013-05-25 22.28.55Der Ampelio Ticino DOC Merlot 2007, den er mir unterjubelte, hielt alle Versprechen. Meine Dugustationsnotizen: Sattes Rubinrot mit Ziegelreflexen am Rand; in der Nase dominieren Tabak, Leder, Waldboden und Holz, aber auch die Frucht ist erhalten geblieben in Form reifer schwarzer Kirschen, Waldbeeren und Pflaume. Zudem weist die Ampel mit Nancen von schwarzem Pfeffer und Vanille eine interessante Würzigkeit auf. Im Gaumen gibt sich der Gute schön ausgewogen: Dem eher vollen Körper (13 Vol.) stellt sich eine angenehm ausgeprägte Säure entgegen. Ebenso ausgeprägt und angenehm sind die Tannine. Im Gegensatz zum Bukett haben im Mund die würzigen Elemente das Sagen, hier gesellt sich sogar noch eine Note Lakritz dazu. Der Abang ist fast so lang wie die Durststrecke des FC Bayern vor ihrem erneuten Triumph in der Champions League – also zwölf Jahre, wenns mir recht ist.

Mit dem Ampelio habe ich einen weiteren Lieblingstessiner gefunden. Angebaut wird der Tropfen in den alten Weinbergen Ronchi del Bellinzonese. Zubereitet nach klassischer Bordeaux-Art inkusiv Barrique-Lagerung. Verantwortlich für den Wein ist das Familienunternehmen Carlevaro aus Bellinzona, das sich 2009 mit Chiodi aus Ascona zusammengeschlossen hat. Ein tolles Weinerlebnis für rund 30 Franken – da kann man nichts sagen. Ausser danke.

Jung, ambitioniert, Chefkoch

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Von Bangkok nach Bad Bubendorf: Flavio Fermi, neuer Küchenchef des Gourmetrestaurants Osteria Tre, hat für seinen Job ein verlockendes Angebot ausgeschlagen. Es hat sich gelohnt, wie ein Besuch in seiner Küche zeigt.

Flavio Fermi (2. v.l.) mit seinem Küchenteam: Gennaro Luongo (Lehrling), Tarik Lange (Garde Manger) und Claudio Spaar (Chef Patisserie).

Flavio Fermi (2. v.l.) mit seinem Küchenteam: Gennaro Luongo (Lehrling), Tarik Lange (Garde Manger) und Claudio Spaar (Chef Patisserie).

Um ein Haar wäre Flavio Fermi als Chefkoch in Oman gelandet. Er sass schon auf gepackten Koffern, als er dem Luxushotel Shangri-La eine Absage erteilte – wenige Stunden vor Abflug. Das war Mitte 2012. «Ich war ehrgeizig, habe nur noch gearbeitet und auf meine Karriere geguckt», sagt der 28-Jährige, der sich in Gourmetlokalen in Sylt, Hamburg, Berlin und Bangkok nach ganz oben kochte. Die Rückkehr sei ein «Herzensentscheid» gewesen. Damit nicht nur in Fermis Gerichten, sondern auch in seinem Leben die Balance stimmt.

Jetzt steht Fermi in der Küche der Osteria Tre und nippt an einem Löffel mit Sauce – er ist noch nicht zufrieden mit der Aromatik. Der Ehrgeiz hat ihn auch im Gourmetrestaurant Bad Bubendorf, wo er seit Anfang Jahr wirkt, nicht verlassen. Die 15 Gault-Millau-Punkte und den Michelin-Stern seines Vorgängers Gianluca Garigliano will der Italo-Schweizer halten – mindestens. Der Start in der Osteria Tre ist dem jungen Spitzenkoch jedenfalls geglückt. «Es ist wunderbar angelaufen», sagt Fermi über die vergangenen vier Monate und beisst in ein Stück Focaccia, das mit einer dicken Käseschicht überzogen ist. «Viele Köche haben ein gestörtes Essverhalten», sagt er fast schon entschuldigend und lacht. Weiterlesen

Ein Basler Brunello in Liestal

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Pilot, Weltenbummler, Paradiesvogel – und einer der führenden Brunello-Produzenten. Der Basler Mario Bollag hat viel zu erzählen.

Mario Bollag vom Weingut Terralsole.

Mario Bollag vom Weingut Terralsole.

Mario Bollag strahlt, als hätte er die Sonne aus der Toskana mit nach Liestal gebracht. Man könnte sie gut gebrauchen an diesem launischen April-Wochenende. Nun scheint die Sonne halt unter dem wetterfesten Zelt am Siebe Dupf Weinfestival unweit der Kaserne. Sie scheint aus dem Glas und wärmt von Innen. «Terralsole», Sonne und Terroir, heisst Bollags Weingut in den Hügeln der Toskana. Genauer: In Montalcino, Heimat des Brunello, Mythos und Stolz der Italiener.

Der 61-Jährige Winzer und Weltenbummler hat Basel in den 70er Jahren den Rücken gekehrt. Man hört ihm die Abstinenz nicht an: «Ich war immer ein Paradiesvogel», sagt Bollag in astreinem Baseldeutsch. Wieder dieses Strahlen. In der Tat hat der Basler eine schillernde Vita vorzuweisen: Zuerst Jura studiert, dann Fotografie – beides abgebrochen, Reiseleiter in Asien, Buschpilot in Haiti, Maler und Gründer einer Reiseagentur sowie einer Galerie in San Francisco. Die Früchte seines Geschäftssinns erntet Bollag nun auf seinem Weingut in Montalcino. Weiterlesen

Die Reben erwachen aus dem Winterschlaf

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Da tut sich was im Garten. Momentan ist zwar wieder graue Tristesse angesagt, aber drei sommerliche Apriltage vergangene Woche reichten, um die Knospen meiner 18 Rebstöcklein aus dem Winterschlaf zu holen.

Knapp ein Jahr nach der Pflanzung nehmen die Kleinen nun also ihren zweiten Sommer in Angriff. Wegen des nasskühlen «Frühlings» habe die Reben in der Region heuer zwei bis drei Wochen Rückstand, verglichen mit 2012. Für meine gilt das nicht, weil sie vor einem Jahr noch gar keine Erde unter dem Arsch hatten.

So präsentieren sich die Knospen des Muscat Bleu…

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Meine_Reben_130421_web_2 Etwas weiter sind die Cabernet-Jura-Knospen entlang der Hausmauer… Meine_Reben_130421_web_5 Meine_Reben_130421_web_4

Dieser kleine Teufel hier kam im vergangenen Jahr nicht über das Krüppel-Stadium hinaus (wurde auch etwas später gesetzt, vielleicht etwas zu nah bei der Hausmauer). Nun gibt er aber Vollgas und legt einen Blitzstart hin.

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Zum Schluss der Leimentaler Muskat, der einst eine Pergola bestücken soll…

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Der Spitzen-Sommelier in der Kleider-Boutique

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Vergangene Woche machte Pascal Leonetti, Frankreichs bester Sommelier des Jahres 2006, Halt in Basel. Bei seiner önologischen Tour de France präsentierte er fünf bezahlbare Perlen aus Frankreich.

Gastspiel in Basel: Pascal Leonetti, Sommelier der Auberge de l'Ill.

Gastspiel in Basel: Pascal Leonetti, Sommelier der Auberge de l’Ill.

Mit einem schwungvollen Handgriff öffnet Sommelier Pascal Leonetti die dunkelgrüne Flasche und riecht am Korken. Rubinroter Wein benetzt das Glas, dann die Lippen des 35-Jährigen. Zufrieden stellt er den Syrah zur Seite, ein Saint-Joseph von den Côtes du Rhône. Es ist angerichtet für eine kleine Tour de France. Normalerweise bewirtet Leonetti seine Gäste in der «Auberge de l’Ill» bei Colmar. Das Drei-Sterne-Haus ist einer der bekanntesten Gourmettempel Frankreichs und eine beliebte Adresse bei Basler Weinfreunden.

Diese müssen nun ausnahmsweise nicht ins Elsass fahren – Leonetti empfängt sie in der Basler Kleiderboutique Wicky zur Feierabenddegustation. Im Gepäck: Fünf Tropfen aus namhaften Weinregionen seines Heimatlandes. «Ich habe Weine mit viel Finesse und Eleganz ausgewählt – schliesslich kommen viele Gäste direkt von der Arbeit», erklärt der Sommelier. Die drei Weissweine betören mit frischer Fruchtigkeit und mineralischen Noten. Ganz so wie es die Schweizer in der Auberge de l’Ill mögen. Bei helvetischen Gästen komme ihm immer der Begriff «spritzig» in Sinn, sagt Leonetti mit einem verschmitzen Lächeln. Aus dem Mund eines Franzosen klingt das besonders charmant. Weiterlesen