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Pilot, Weltenbummler, Paradiesvogel – und einer der führenden Brunello-Produzenten. Der Basler Mario Bollag hat viel zu erzählen.

Mario Bollag vom Weingut Terralsole.

Mario Bollag vom Weingut Terralsole.

Mario Bollag strahlt, als hätte er die Sonne aus der Toskana mit nach Liestal gebracht. Man könnte sie gut gebrauchen an diesem launischen April-Wochenende. Nun scheint die Sonne halt unter dem wetterfesten Zelt am Siebe Dupf Weinfestival unweit der Kaserne. Sie scheint aus dem Glas und wärmt von Innen. «Terralsole», Sonne und Terroir, heisst Bollags Weingut in den Hügeln der Toskana. Genauer: In Montalcino, Heimat des Brunello, Mythos und Stolz der Italiener.

Der 61-Jährige Winzer und Weltenbummler hat Basel in den 70er Jahren den Rücken gekehrt. Man hört ihm die Abstinenz nicht an: «Ich war immer ein Paradiesvogel», sagt Bollag in astreinem Baseldeutsch. Wieder dieses Strahlen. In der Tat hat der Basler eine schillernde Vita vorzuweisen: Zuerst Jura studiert, dann Fotografie – beides abgebrochen, Reiseleiter in Asien, Buschpilot in Haiti, Maler und Gründer einer Reiseagentur sowie einer Galerie in San Francisco. Die Früchte seines Geschäftssinns erntet Bollag nun auf seinem Weingut in Montalcino.

Ein progressiver Purist

«Ich bin ein Weinbauer, kein Weinmacher», erklärt Bollag. Mit «Fantasieweinen», von Alchemisten im Keller einem Cocktail gleich zusammen getüftelt, kann er nichts anfangen als Verfechter Terrior-betonter, ausgewogener Weine mit Raffinesse. «Der Boden ist entscheidend für den Wein, nicht Kellerarbeit oder Traubensorte – da bin ich ein Purist.» Allerdings ist Bollag ein progressiver Purist: Dass der Basler in Montalcino neben der einheimischen Sangiovese-Traube des Brunello auch Bordeaux-Bomber wie Merlot und – als einziger – sogar Cabernet Franc anbaut, stösst bei gewissen italienischen Weinjournalisten auf Unverständnis. Was ihn nicht im geringsten stört. Bollag, der Paradiesvogel – ein erfolgreicher obendrauf. Vor bald zweieinhalb Jahren hievte die einflussreiche Fachzeitschrift «Wine Spectator» den Terralsole Brunello Riserva 2004 auf Platz 31 der 100 besten Weine weltweit – als einzigen Brunello und sehr zum Erstaunen von Mario Bollag.

539448_533697189980585_1799115115_nWer nun aber meint, dass der Basler in Montalcino ein Shootingstar ist, der erst kürzlich einem verlumpten italienischen Bauern sein Land weggekauft hat, täuscht sich. Bollag hat Mitte der 70er Jahre in der Toskana Fuss gefasst. Als er 1990 seinen ersten Wein kelterte, gehörte er zu den 50 ersten Brunello-Produzenten überhaupt. Heute sind es über 260. «Der Berg ist ausverkauft», sagt Bollag über das Wein-Juwel der Toskana – eine simple Feststellung ohne verbitterten oder triumphierenden Unterton.

«Bis in die 60er Jahre war Montalcino eine der ärmsten Gegenden der Toskana», erklärt der Winzer. Dann kam der Brunello. Heute sei sie, im Gegensatz zu den krisengebeutelten Regionen, eine Isola Felice. Eine Insel des Glücks. Das hat Montalcino nicht zuletzt seinen einzigartigen Böden zu verdanken. Und der Sonne. Terralsole sozusagen, personifiziert von diesem 61-Jährigen Abenteurer, der vor bald 40 Jahren das Rheinknie hinter sich liess, um sein Glück zu finden.

Mario Bollag weilte vom 18. bis 20. April – zumindest für ein Wochenende – zurück in der Region. Gemeinsam mit über einem Dutzend Winzer aus ganz Europa präsentierte er seine Tropfen am Siebe Dupf Weinfestival in Liestal. Er hatte viel zu erzählen.

(c) Dieser Artikel erschien erstmals am 19. April 2013 auf bazonline.ch.