Petrus – eine Weinlegende macht die Runde

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Dieser Artikel erschien erstmals am 1. März auf bazonline.

Am Donnerstag wurde im WeinHotel auf dem Erlenmatt-Areal der vermutlich berühmteste Wein der Welt öffentlich ausgeschenkt. Anlass war der Besuch des britischen Weinautors Neal Martin und dessen Pomerol-Buch.

Botschafter des Pomerol: Die legendären Bordeaux-Weine Petrus und Le Pin sowie Buchautor Neal Martin, der auf Einladung des White Club den Weg ins Basler WeinHotel fand.

Botschafter des Pomerol: Die legendären Bordeaux-Weine Petrus und Le Pin sowie Buchautor Neal Martin, der auf Einladung des White Club den Weg ins Basler WeinHotel fand.

Da steht er also, Neal Martin, einer der namhaftesten Weinautoren und Vertrauter des US-Weingurus Robert Parker. Hornbrille, abgewetzte Turnschuhe, hellbrauner Sakko und Bluejeans. Mit ausladenden Gesten erzählt der Engländer den rund 30 Anwesenden im WeinHotel von der kleinen aber feinen Bordeaux-Appellation Pomerol. «In zehn Minuten hat man das Gebiet mit dem Velo durchquert», sagt der 42-Jährige. Die überschaubare Dimension hat ihn vermutlich auch denken lassen, dass er sein Buch über das noch wenig beschriebene Pomerol innerhalb von sechs Monaten schreiben kann. Vier Jahre Arbeit und knapp sechshundert Seiten wurden es schliesslich.

«Ein ziemlich dickes Buch für ein so winziges Weinbaugebiet», findet Martin lachend. Mit seinen vielen kleinen Reblagen in Familienbesitz erinnere ihn Pomerol eher an das Burgund denn an die restlichen Regionen des Bordelais. Während die Geschichte der legendären Weingüter in Pauillac und Saint-Émilion bereits ganze Bibliotheken füllt, wüssten die Leute in Pomerol selber vergleichsweise wenig über ihre Geschichte. Ihnen, den Bewohner dieser kleinen Appellation, widmet sich Martins Buch. Und ihren Weinen natürlich. «Pomerol ist mehr als nur die grossen Namen», sagt Martin.

Ein Mythos von einem Wein

«Es ist ein besonderes Buch», sagt Neal Martin. Wenn man den Prolog liest, scheint er recht zu haben: «Is Motörhead an appropriate to begin a book on pomerol?», heisst es da. Das Buch enthält diverse Referenzen an Musik und Kultur. «Pomerol soll sich wie ein Read-Trip mit Musik im Autoradio lesen», erklärt Martin.

«Es ist ein besonderes Buch», sagt Neal Martin. Wenn man den Prolog liest, scheint er recht zu haben: «Is Motörhead an appropriate to begin a book on pomerol?», heisst es da. Das Buch enthält diverse Referenzen an Musik und Kultur. «Pomerol soll sich wie ein Read-Trip mit Musik im Autoradio lesen», erklärt Martin.

Da steht er also, direkt neben Neal Martin. Petrus, der vermutlich legendärste Wein auf Erden. Mythos, Objekt der Begierde und Spekulationsprodukt. Jahrgang 2001 – eine der Lieblingsernten des Winzers, wie Martin erklärt. Daneben ein Le Pin, der etwa in der gleichen vierstelligen Preisklasse wie der Petrus spielt, sich aber seinen hervorragenden Ruf innerhalb von «nur» drei Jahrzehnten erarbeitet hat. Wegen diesen beiden exklusiven Tropfen sind wohl die meisten Anwesenden hier.

Zuerst wird aber anderen Roten aus dem Pomerol gehuldigt. Schliesslich gehört eine gute Dramaturgie zu jeder gelungenen Verkostung. Die Tropfen heissen Gazin, Chantalouette, Criox Bellevue, Plince, Moulinet-Lasserre oder Certan Marzelle – Vorname Château, versteht sich. Während die einen Pomerols mit dörrfruchtigen Reifenoten und samtiger Textur zeigen, wie würdevoll sie gealtert sind, beweisen andere mit frischer Säure, roten Früchten und grünen Noten, dass ein Bordeaux durchaus auch in seinen jungen wilden Jahren genossen werden kann. Es dominiert die Merlot-Traube, Königin des Pomerol, mit dem Geschmack von dunklen Beeren, Tabak, Leder und Unterholz. Die gelegentlich durchschimmernden Noten von grüner Paprika kommen – so rede ich mir ein – vom Cabernet Franc, sozusagen dem Prinzen des Pomerol.

Ein zurückhaltender Aristokrat

Dann, nach knapp zwei Stunden ist es soweit: Der Petrus macht die Runde, wird zuerst andächtig im Glas hin und her geschwenkt bevor er den Gaumen benetzen darf. In der Nase präsentiert sich die Legende ziemlich dezent, für einen Superstar fast schon scheu. Auch im Mund hält sich der Petrus zuerst vornehm zurück. Fast schon will sich Enttäuschung breit machen, doch dann werden alle Register gezogen, und ich mache Geschmacksnuancen aus, die ich bisher so bei Weinen noch nicht identifiziert habe. Dieser Wein ist unendlich dicht, mit einer samtenen Textur und Anflügen schwarzer Früchte. Raffinesse pur. Mein Weinvokabular ist eindeutig limitierter als dieser Tropfen, der sich mit einem endlos langen Abgang verabschiedet.

 Neal Martin wurde durch Zufall zum Weinprofi. Nachdem ihm in den 90er-Jahren sein Versicherungsjob in Japan zu langweilig wurde, ergriff er die Chance und übernahm in einer japanischen Exportfirma die Verantwortung für den Bereich Wein. In jungen Jahren versuchte er sich als DJ – noch heute kann man sich mit ihm über Rap- und House-Musik unterhalten. Von welchem Weinautor dieses Kalibers kann man das sonst noch behaupten?

Neal Martin wurde durch Zufall zum Weinprofi. Nachdem ihm in den 90er-Jahren sein Versicherungsjob in Japan zu langweilig wurde, ergriff er die Chance und übernahm in einer japanischen Exportfirma die Verantwortung für den Bereich Wein. In jungen Jahren versuchte er sich als DJ – noch heute kann man sich mit ihm über Rap- und House-Musik unterhalten. Von welchem Weinautor dieses Kalibers kann man das sonst noch behaupten?

Wesentlich offensiver, fruchtiger und kräftiger kommt danach der Le Pin 1998 daher. Auch gefälliger. Ein bombastischer Wein, neben dem der Petrus wie ein vornehmer Adeliger wirkt, der sich in aristokratischer Zurückhaltung übt. Neal Martin jedenfalls kann heute mit dem Le Pin mehr anfangen.

Ähnlich sieht das Michel Seeliger, Gast und WeinHotel-Kunde: «Der Le Pin hat mich mehr überzeugt», sagt er zufrieden. Aber auch der Petrus hat ihm gefallen: «Dieser Wein steht schon lange auf meiner Wunschliste», sagt Seeliger, «nun hatte ich die perfekte Gelegenheit, einen Petrus zu einem vernünftigen Preis zu trinken».

Dafür hat der weinbegeisterte Basler Velohändler 190 Franken hingeblättert – so, wie die anderen Anwesenden. Ausser Murat Yakin. Der Trainer des FC Basel wurde von WeinHotel-Betreiber Rolf Lang eingeladen. Als «Amateur» trinke er gerne einmal ein gutes Glas Wein. Als Trainer dürfe man das. Ob Yakin Petrus und Le Pin auch probiert hat? Als die beiden Top-Stürmer aus dem Pomerol in den Gläsern kursierten, war der 38-Jährige jedenfalls bereits wieder über alle Berge.

Buchinfo: Neal Martin – Pomerol (2012)
592 Seiten; Wine Journal Publishing.
ISBN-10: 0957430205.
ISBN-13: 978-0957430204.
www.pomerolbook.com

Die Liga der aussergewöhnlichen Weintrinker

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Dieser Artikel erschien erstmals in der Basler Zeitung vom 25. Februar 2013.

Malene Meisner hat in Basel einen der exklusivsten Weinclubs der Welt gegründet. Am Donnerstag lädt sie zu einem ersten öffentlichen Weinanlass – natürlich nicht, ohne dabei einen der legendärsten Rotweine auszuschenken.

Malene_Meisner_TheWhiteClub

Weinkönigin: Malene Meisner sucht und degustiert Weine für ein erlesenes Publikum.

Echte Weinliebhaber dürfen das nicht verpassen: Die dänische Weinspezialistin Malene Meisner lädt am 28. Februar zu einem exklusiven Weinanlass in die WeinHotel-Boutique auf dem Erlenmatt-Areal. Damit öffnet sie ihren weltweit exklusiven Weinclub erstmals für die Öffentlichkeit.

Fast schon unscheinbar wohnt Malene Meisner am Villenhügel unweit des Bottminger Dorfzentrums. Von aussen betrachtet würde man kaum vermuten, dass hier regelmässig hochkarätige Weinzeremonien stattfinden. Getrunken werden dabei die rarsten und teuersten Tropfen wie Château Mouton Rothschild 1945, Château d’Yquem 1921 oder Romanée Conti 1923. An so einem Abend können schon einmal Tropfen im Gesamtwert von 200’000 Franken und mehr verköstigt werden. Zwischen die Weinschätze aus aller Welt mischt Meisner punktuell auch gerne Perlen aus der Schweiz. Sehr zum Wohlwollen der Clubmitglieder.

Ein exklusiver Zirkel

Im vergangenen Herbst hat Meisner ihren Wohnsitz vom Basler Rheinbord nach Bottmingen verlegt. Hier hat die Dänin mehr Platz für ihre Gäste. The White Club nennt sich der 2011 gegründete Zirkel, dem weltweit rund 55 Weinfreunde angehören. Die Mitgliedschaft ist limitiert und erfolgt auf Einladung. Der Name ist eine Hommage an einen der ältesten und renommiertesten britischen Gentleman Clubs.

Malene_Meisner_TheWhiteClub_web_2Meisner ist ausgebildete Sommelière und lebt seit drei Jahren in der Region. «Basel ist wunderbar», findet sie, «hier gibt es alles, was man braucht.» Da die Dänin rund 200 Tage pro Jahr unterwegs ist und ihre Gäste aus aller Welt anreisen, schätzt sie die Nähe zum Flughafen besonders.

Im Treppenhaus ihres Bottminger Hauses hängen eingerahmte Titelblätter historischer «X-Men»-Comics. Die wahren Superhelden aber zieren die Wände des grosszügigen Esszimmers im ersten Stock: Eine Ahnengalerie mit Portraits von Weinflaschen, die vom White Club verkostet und vergöttert wurden.

Der Club trifft sich weltweit

«Ready for a glass of wine?», fragt die Dänin lächelnd und bittet an den Tisch, auf dem zwei grosse Burgunder-Gläser stehen. Sie verströmen betörende Noten von schwarzer Kirsche, Holz und Waldboden. An dieser Tafel treffen sich einmal monatlich rund zwölf Clubmitglieder. Neben den Verkostungen in Bottmingen organisiert Meisner jährlich zehn bis zwölf White-Club-Anlässe an den exklusivsten Orten dieser Welt. Auch hier ist nur das Beste gut genug. Etwa eine extra umgestaltete Präsidenten-Suite in Kapstadt oder ein Château in Bordeaux. Dieser Tage trifft sich der White Club in Mumbai und Delhi. Rund 2000 Franken berappt ein Clubmitglied pro Essen, dazu kommen 15 000 Franken Startkapital plus 2500 Franken Jahresbeitrag. Es gibt günstigere Leidenschaften.

«Die Mitglieder investieren in den Club, weil sie wissen, dass sie damit die Weine finanzieren», erklärt Meisner, «sonst wären die Essen noch teurer.» Das Teilen sei der Eckpfeiler des White Club. «Viele Mitglieder könnten sich diese Weine auch alleine leisten, aber sie wollen diese speziellen Momente mit Gleichgesinnten teilen.» Zudem ­haben die Clubmitglieder – vorwiegend Geschäftsmänner – vermutlich weder Lust noch Zeit, die rarsten Weine der Welt bei Auktionen oder in Weinkellern zusammenzusuchen.

Andächtige Stille für den Château Margaux 1900

Diesen Job erledigt Meisner. Sie investiert rund 40 Prozent ihrer Zeit in die Suche nach neuen alten Weinen und deren nicht immer einfachen Transport. «Alter Wein ist wie ein lebendiger Organismus, der eine Geschichte erzählt», schwärmt sie, «das macht die Sache so interessant.» Jede Flasche sei einzigartig, jede Verkostung unvorhersehbar. «Es ist immer sehr aufregend, einen alten Wein zu öffnen – man trinkt ein Stück Geschichte.» Als der White Club kürzlich einen Château Margaux aus dem Jahr 1900 öffnete, seien alle Anwesenden ganz ruhig und andächtig gewesen. Die Dänin pflegt in solchen Momenten Anekdoten zum Erntejahr vorzutragen. «Wir versuchen, die Geschichte des Weins zu würdigen», erklärt Meisner, die sich auch gerne im Rebberg die Hände schmutzig zu macht.

Malene_Meisner_TheWhiteClub_web_1Jetzt aber sitzt die Weinkönigin am Tisch im Herzen ihres Hauses. Um den Hals ein Hermès-Carré. Vor dem Fenster tanzen dicke Schneeflocken dem Boden entgegen. Meisner legt ein Holzscheit in den Ofen und kehrt mit einer Weinflasche zurück. Mit sichtbarer Freude lüftet sie das Geheimnis um den Rotwein in unseren Gläsern: Yumhill Cuvée 2008 – ein Pinot Noir aus Oregon, der sich durchaus mit den Stars aus dem Burgund messen kann. Mit einem Preis von rund 40 Franken quasi ein Schnäppchen.

Verglichen mit seinem jetzigen Glanz ist die Entstehung des White Club ziemlich unspektakulär. Die Leidenschaft für Wein bekam Meisner von ihrem Vater in die Wiege gelegt. Nachdem die Sommelière jahrelang in Schweizer Luxushotels gearbeitet hatte, gründete sie die Weinhandlung Vino Visitas und begann in Basel Weinkurse abzuhalten. Dabei wurde sie immer wieder angefragt, ob sie diesen oder jenen exklusiven Tropfen besorgen könnte. «Es entwickelte sich langsam, aber stetig», erklärt Meisner und fügt lachend an: «Es eskalierte innerhalb eines halben Jahres.»

Prominenter Weinkritiker in Basel

In Basel kümmert sich das WeinHotel von Rolf Lang um Lagerung und Transport der wertvollen Weinschätze. Den ersten öffentlichen Anlass mit White-Club-Beteiligung organisieren sie auch zusammen. Dann wird Langs WeinHotel-Boutique auf dem Erlenmatt-Areal zum Schauplatz einer nicht alltäglichen Buchvernissage: Neal Martin, einer der bekanntesten Weinkritiker im englischsprachigen Raum, präsentiert sein neues Buch «Pomerol». Passend dazu werden zwei der legendärsten Rotweine aus der weltberühmten Bordeaux-Region ausgeschenkt: Chateau Pétrus und Le Pin.

Mit 190 Franken ist die Teilnahme an der Buchpräsentation nicht ganz billig – aber wann hat man schon Gelegenheit, flüssiges Gold zu degustieren, ohne dafür das Ferienkonto plündern zu müssen? Wesentlich teurer ist allerdings das White-Club-Dinner mit Neal Martin. Dafür erhält man einen Einblick in den gemäss Eigenaussage «weltweit exklusivsten Wein-, Champagner- und Eventclub». Ob Meisner dieses Etikett der Superlative wichtig ist? «Nein!», sagt sie bestimmt und ergänzt sofort lachend: «Aber es ist so.»

Über die Buchpräsentation mit Neal Martin
Der White Club und das WeinHotel laden am Donnerstag, 28. Februar, von 16 bis 19 Uhr zur Buchpräsentation mit dem britischen Weinkritiker Neal Martin. Dessen 592 Seiten umfassendes Werk «Pomerol» ist gemäss Veranstalter «das definitive Buch über eines der am wenigsten bekannten Appellationen im Bordeaux». Zur Präsentation werden an der Signalstrasse 101 auf dem Erlenmatt-Quartier sieben Top-Weine aus dem Pomerol glasweise serviert – u.a. Château Petrus und Le Pin. Es gibt noch freie Plätze. Mehr Infos.

Louis Jadot Gevrey-Chambertin 1999

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Und wieder ein Pinot Noir: Dieser Burgunder ist das Gegenteil eines Nasenblenders. In der Nase duftet der Louis Jadot Gevrey-Chambertin 1999 nämlich eher nach Karton und Keller – also abweisend. Im Gaumen dann aber die Offenbarung: animalisch, vegetabil mit Noten von Waldboden, Unterholz und Leder; dazu eine prickelnde Säure, samtige Tannine, vollmundig und ein seeehr langer Abgang. Das hätte ich nicht erwartet, nachdem der Korken beim Öffnen zu Staub zerbröselt ist. Angenehme Überraschung.

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Rutschen und Reben schneiden im Tschäpperli

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Wenn ich am Wochenende früher aufstehe als unter der Woche, spinnen entweder die Kleinen – oder etwas Spezielles steht an. Diesmal trifft Letzteres zu: Rebbaukurs Teil zwei, heute (das heisst vor zwei Wochen, dazwischen: Skiferien in Zermatt und Fasnacht;) auf dem Weingut Tschäpperli in der Hinteren Klus bei Aesch.

Die Nacht hat frischen Schnee gebracht und die Rebberge der Klus sehen aus wie die Kulisse eines Wintermärchens – noch schöner, als vor zwei Wochen im winterlichen Wintersingen. Die Idylle hat allerdings ihren Preis: Die Autofahrt in die Hintere Klus ist ein Eiertanz. Gewisse Kursteilnehmer bewältigen die letzten Meter nur dank fremder Hilfe. Rutschen in den Reben.

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Nach einer kurzen Lektion von Gutsherr Ueli Bänninger, von dem wir unter anderem erfahren, dass nicht wenig Boden in der Klus der Novartis gehört, gehts in den Rebhang. Der frische Schnee knirscht unter den Schuhsohlen und glitzert in der Morgensonne.

Die heutige Erkenntnis: Der Cordon-Schnitt ist noch simpler als der einfache Strecker, den wir letztes Mal kennen gelernt haben. Die sechs bis acht Fruchtruten werden auf drei bis vier Zapfen pro Rebe zurückgeschnitten. Fertig. Da gibts weniger zu denken als beim einfachen Strecker, wo neben dem Strecker vor allem die (Augen)-Position des Zapfens für das Folgejahr entscheidend ist – schliesslich stellt man beim Winterschnitt die Weichen für die Reberziehung der folgenden zwei Jahre.

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Ein eleganter Pinot Noir aus Oregon

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Endlich bekomme ich einmal einen Pinot Noir aus Oregon ins Glas! Bei der Blind-Degustation habe ich den Tropfen anfänglich im Burgund verortet. Sehr zum Triumph der Gastgeberin Malene Meisner, Gründerin von The White Club – gemäss Eigenaussage dem weltweit exklusivsten Weinclub, spezialisiert auf rare Weine der allerobersten Preisklasse. Ich habe die sympathische Dänin und Wahlbaslerin für einen BaZ-Bericht in Bottmingen besucht.

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Nachdem sich der noch kühle Pinot anfänglich von seiner verschlossenen Seite zeigte, offenbarte er nach einigen Minuten im grossen Burgunderglas betörende Noten von schwarzer Kirsche, Waldboden und – wie ich meinte – auch eine Nuance Speck. Nach und nach machte sich zudem auch das Barrique bemerkbar. Kommt wirklich wie ein Burgunder daher! Im Gaumen dominierte die fruchtige Seite und, vor allem, die knackige Säure und ein ziemlich langer Abgang. Mit 13,8 Volumenprozent ist der Yamhill Cuvée 2008 der Domaine Serene alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Als ich zwei Tage später die letzten Tropfen aus der Flasche nuckelte (Meisner hat sie mir netterweise überlassen), haben die Wald- und Specknuancen in der Nase deutlich abgenommen. Dafür zeigte sich das Bukett mit Grasnoten nun von seiner grünen Seite. Auch gut.

PS: Eigentlich wollte Meisner mir einen Vilafonté Series C aus Stellenbosch, Südafrika, vorsetzten. Da sie dies aber vorab via Twitter verkündet hatte und ich die entsprechende Nachricht umgehend favorisierte, wechselte die Gute den Wein kurzerhand aus. Schliesslich wollte sie mich ja überraschen. Das ist ihr sehr gut gelungen.

Winteridylle in Wintersingen

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Dieser Beitrag wurde mit zehn Fingern verfasst. Das ist nicht selbstverständlich: Am Samstag durfte ich nämlich zum ersten Mal im grösseren Rahmen mit der Rebschere hantieren. Anlass war der Rebbaukurs, den ich beim Baselbieter Rebbaukommissär Andreas Bucher vom Landwirtschaftszentrum Ebenrain in Sissach absolviere – zwölf Lektionen, verteilt über sämtliche Vegetationsperioden dieses Jahres.130126_Rebenschneidkurs_Wintersingen3 Nach dem morgentlichen Theorieblock wurde nicht lange gefackelt. Mit Rebschere und Klappsäge ausgestattet ging es in die weiss gezuckerten Weinberge von Wintersingen – eine wahre Winteridylle. Ich kennen diese wunderbare Gegend bereits vom letztjährigen Wy-Erläbnis, an dem ich mit Trois-Rois-Sommelier Christoph Kokemoor unterwegs war. Beim Kursstart vor einem Jahr soll es beim gleichen Anlass zehn Grad kälter gewesen sein. Wir schnippelten munter drauflos…und vom Ranken-Gestrüpp blieb nichts übrig ausser einem Strecker für die diesjährigen Fruchtruten sowie einem Zapfen für nächstes Jahr. Und einem Haufen toter Äste. Weiterlesen

Château Ferrière 2009

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Chateau_Ferriere_2009Der erste Bordeaux-Wein, den ich per Subskription vorbestellt habe, ist eine wunderbare Steilvorlage für die erste Degu-Notiz an dieser Stelle. Naja, eigentlich ist Herr Papa schuld daran: Während ich mit meiner Liebsten im Restaurant ONO mit einem wunderbaren Barbera das Staatsexamen der Schwägerin feierte, öffnete der Gute nämlich meine erste Flasche Château Ferrière. Ungefragt, versteht sich. Die Flasche habe ich ursprünglich für Weihnachten aus dem Keller geholt – meine Familie trank aber so wenig, dass die Pulle ungetrunken auf der Küchenablage stehen blieb. Und da mein Vater die Angewohnheit hat, bei Durst die nächstbeste Flasche zu köpfen, wurde halt mein Château Ferrière 2009 entjungfert. Ein 3ème Grand Cru Classé aus dem Margaux, bestehend aus Cabernet Sauvignon (65%), Merlot (30%) und Cabernet Franc (5%). Und eigentlich bin ich ja ganz froh, dass ich den Tropfen endlich einmal verkosten kann – schliesslich gibts ja noch Reserve im Keller. Na dann…

Dunkles, dichtes Rubinrot. In der Nase eher noch dezent mit deutlichen Noten von frischen Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, dazu Nuancen von Cassis, Vanille und reifen schwarzen Früchten; der Merlot macht sich mit subtilen Tabak- und Waldboden-Noten bemerkbar. Im Mund dominieren eine noch sehr spitze Säure sowie die frischen Tannine; weniger Frucht als im Bouquet; der Körper ist mittel bis voll, der Abgang schon schön lang. Ein Zungenwärmer.

Ich freu mich jetzt schon darauf, in zwei Jahren zu gucken, wie sich der Wein entwickelt hat.

Fiasko beim Abstechen von der Hefe

IMG_0149Ich bezweifle, dass das noch etwas wird mit meinem ersten geniessbaren Selfmade-Wein. Als ich von etwas über einer Woche den im Keller schlummernden Rebensaft kostete, präsentierte sich dieser im Glas zwar schön klar und mit hellen, zartroten Farbtönen, in Nase und Gaumen aber war kaum etwas auszumachen ausser beissende Säure, Hefegeruch und diese typische «Chatzeseicherli»-Note.

Maurizio, zuversichtlich und ruhig wie immer, meinte darauf hin, ich solle den Wein doch einmal abstechen um ihn so von den abgestorbenen Hefezellen zu trennen, die sich am Boden der Bauchflasche gesammelt haben. Diese können sich nämlich auf den Geschmack des Weines auswirken (als ob das noch einen Unterschied machen würde). Zudem könnte die Luftzufuhr beim Umpumpen dem Tropfen gut tun. Es mussten allerdings zuerst einige Tage ins Land ziehen, bevor ich dem Rat von Master Maurizio folgte – bin busy und so.

Heute, zwei Monate nach der Ernte und sieben Wochen nach dem Abpressen, habe ich meinen Möchtegern-Rotwein von der Hefe genommen. Oder besser gesagt: Ich habe es versucht. Kann ja nicht so schwer sein, habe ich mir gedacht, den Abpump-Schlauch in die 17-Liter-Flasche gesteckt und daran genuckelt bis der rote Saft sprudelnd und schäumend in die bereitstehende leere Bauchflasche plätscherte. Aus Angst, die Hefe mit abzustechen, habe ich den Vorgang unterbrochen als noch rund ein Viertel der Brühe in der ursprünglichen Flasche war. Dumm nur, dass ich es danach nicht mehr fertig brachte, den restlichen Wein auch noch zu transferieren. Der Schlauch war zu kurz, der Höhenunterschied und die Sogwirkung zu gering – was für ein Anfängerfehler.

IMG_0155So kam es, dass ich etwas Wein mit der Hefe ausschütten musste. Und dass der kugelrunde Weinbehälter nicht spundvoll, also bis zuoberst im Flaschenhals gefüllt, wurde. Doch zum Glück habe ich für solche Fälle noch eine zweite, kleine Flasche mit Jungwein zur Hand. Doch ich brachte es tatsächlich fertig, den selben Fehler noch einmal zu begehen. Die Folge: Die Bauchflasche war immer noch nicht spundvoll. Sapperlott! Nun blieb mir nichts mehr anderes übrig, als diese Wissenslücke mit einer Flasche 14-prozentigem, chilenischem Carmenère aufzufüllen – der einzig taugliche Tropfen, den ich zur Hand hatte und der mir nicht zu schade war für diesen Verschnitt. Danach versteckte ich das Ganze wieder weit hinten im Keller. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn.

PS: Natürlich habe ich das Abstechen auch zur Degustation genutzt. Der Geschmack des Jungweins haftet jetzt noch in meinem Gaumen. Er ist leider immer noch gleich sauer und übelriechend wie vor ein paar Tagen. Es kann nur noch besser werden. Wo bleibt dieser biologische Säureabbau wenn man ihn braucht?

Der nimmermüde Käsediener – Interview mit Bernard Antony

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Der weltbekannte Käsemeister Bernard Antony hat viel zu erzählen – auch bei seinem Besuch in Basel. Wir haben den Elsässer im Teufelhof zum Gespräch über Rotwein, Blaublüter und Schweizer Käse getroffen.

Weit gereist und tief verwurzelt: Der Elsässer Käseveredler Bernard Antony vor dem Teufelhof Basel.

Wenn Maître Bernard Anthony lächelt, sehen seine Augen aus wie zwei waagrecht stehende Halbmonde. Und der Käsemeister aus dem Elsass lächelt fast immer. Auch an diesem Oktoberabend im Restaurant Bel Etage des Teufelhof Basel. «Lassen sie sich Platz für den Käse», rät er den zahlreich anwesenden Gästen während er mit Charme und Leidenschaft von sich und seinen Kreationen erzählt.

Natürlich stehen dabei seine weltbekannten Rohmilchkäse im Zentrum. Das hält den 69-Jährigen aber nicht davon ab, auch über berühmte Kunden wie Otto von Habsburg oder Prinz Albert von Monaco zu plaudern. Und über die Orte, an denen er Buffets abhalten durfte. Kürzlich begleite er einen kulinarischen «Kreuzflug» nach Indien, Oman und auf die Malediven. Weiterlesen

König und Prinzessin des Tessiner Weins

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Der Schweizer Winzer des Jahres und eine junge Önologin reden an der Basler Weinmesse über die Tugenden, Tendenzen und Herausforderungen des Tessiner Merlot.

König und Prinzessin: Starwinzer Claudio Tamborini arbeitet seit 44 Jahren im Familienbetrieb in Lamone, Cristina ­Monico ist eine der wenigen Tessiner Önologinnen und keltert in der Fattoria Moncucchetto bei Lugano bemerkenswerte Merlots.

Am Montag gastierten zwei Botschafter der Tessiner Weinwelt im ­Rahmen des Ticinowine Festival an der Basler Weinmesse. Claudio Tamborini (64) aus Lamone ist frisch gekürter Schweizer Winzer des Jahres, zudem hat er mit dem SanZeno Costamagna 2009 den besten helvetischen Merlot des Jahres gekeltert. 2011 belegte die 33-jährige Erfolgsönologin Cristina ­Monico mit dem Moncucchetto Merlot 2009 für die gleichnamige Fattoria aus Lugano diesen Platz.

Laut Monico haben Tessiner Weinproduzenten zurzeit keinen Grund zur Klage: Ihre Merlots geniessen einen hervorragenden Ruf und der Absatz liegt über dem Schweizer Durchschnitt. Zudem verspricht die frisch eingefahrene Ernte einen qualitativ guten Jahrgang, wie alle befragten Winzer im Kongresszentrum versicherten. Weiterlesen