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Basel, Markthalle, Messe, Schweizer Wein, Schweizer Weintage, Weinmesse
12 Dienstag Jun 2018
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Basel, Markthalle, Messe, Schweizer Wein, Schweizer Weintage, Weinmesse
01 Freitag Jun 2018
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AOC Basel-Landschaft, Arlesheim, Basellland, bio, Bio Suisse, biologisch, Cabernet Jura, Quergut, Schweizer Bioweinpreis, Steinbruch, Thomas Löliger, Vinum

Arlesheim. Steinbruch. Ich sehe diesen Rebberg jeden Tag. Morgens beim Zähneputzen aus der Ferne, abends beim Streifzug mit Luna aus der Nähe. Der Blick ist atemberaubend, schweift über das Dorf. Über das Birstal und das Goetheanum. Über Basel bis zu den Hügeln von Schwarzwald und Vogesen.
Hier, auf dem höher gelegenen der beiden Quergut-Rebberge, hat 2015 meine erste grosse VINUM-Reportage über das Dreiländereck begonnen. Hier krüppelt ein Winzer, der seit Jahren dabei ist an den Schweizer Weintagen, die ich mitorganisieren darf. Hier wächst der Wein, den wir im Mamma Mia Arlesheim seit Tag eins als Hauswein anbieten (mein Myggeli führt das Lokal). Cabernet Jura – straight outta Hausberg. Dem Steinbruch. Arlesheim.
Und jetzt hat der neuste Jahrgang dieses Crus beim Schweizer Bioweinpreis gewonnen, vergeben durch das Weinmagazin VINUM und Bio Suisse. Der Cabernet Jura im Steinbruch 2016 wurde von der Fachjury zum besten Rotwein in der Kategorie PiWi (pilzwiderstandsfähige Sorten) erkoren. Fuckyeah! Da darf man schon etwas pathetisch werden.

Natur statt Rampenlicht
Wie ich diesen Erfolg Thomas Löliger, dem Macher dieses Weines, gönne! Gerade auch, weil er ihn nicht gesucht hat. Damals, bei meinem ersten Besuch, als der zurückhaltende Winzer kaum ein Jahr im Steinbruch aktiv war, die Reben frisch auf Bio umgestellt. Damals ging es Löliger nicht darum, Preise abzuräumen. Vielmehr ging – und geht – es ihm um den Rebberg als Biotop für Pflanzen und Tiere. «Ich möchte mit einer Biodiversitäts-Insel das Maximum an Lebensraum zu schaffen», sagte er damals. Und was wird aus den Trauben? «Ein lokaler Wein, der verhebt.»
Nun. Das tut er! 2016 wäre Löliger übrigens um ein Haar zum Schweizer Biowinzer des Jahres gekürt worden – dem Sieger der Sieger. Damals schafften es sein Johanniter 2015 sowie sein Cabernet Jura 2014 unter die besten Zehn. Damals war ich bei VINUM zuständig für den Bioweinpreis…als ich Löliger von seinem Beinahe-Triumph erzählte, schien er fast erleichtert, dass er den Thron knapp verpasst hat. Wenn er so weitermacht, muss er eines Tages vielleicht dennoch mit dem Titel vorliebnehmen.

Cabernet Jura – Rebsorte aus dem Birstal
Dass Löliger nun ausgerechnet mit seinem Cabernet Jura gross auftrumpft, ist eine schöne Pointe: Die PiWi-Sorte wurde nämlich im Birstal gezüchtet, knapp 30 Kilometer birsaufwärts im jurassischen Soyhières zwischen Laufen und Delémont. In einem feuchten Talabschnitt, eigentlich ungeeignet für Weinbau. Ausser, man züchtet eine pilzwiderstandsfähige Sorte. Cabernet Jura zum Beispiel. Erschaffen von Valentin Blattner, einer Koryphäe auf diesem Gebiet. Er hat Cabernet Sauvignon mit einer unbekannten, pilzwiderstandsfähigen Rebsorte gekreuzt.
Dass Blattner die Sorte Cabernet Jura genannt hat, zeugt auch von Marketing-Geschick…zumal viele Winzer das «Jura» gerne auch verschämt wegnuscheln. Nicht so Thomas Löliger, der mit seinen Weinen beste Werbung macht für neu gezüchtete PiWi- bzw. Hybrid-Sorten, denen in Fachkreisen immer noch häufig mit Skepsis begegnet wird.
Tatsächlich offenbaren Weine aus diesem Segment immer wieder geschmackliche Herausforderungen, manchmal auch Defizite. Andererseits kommen immer mehr Winzer immer besser mit diesen vergleichsweise jungen Rebsorten zurecht. Und bald könnte eine neuePiWi-Generation folgen, deren Geschmacksspektrum weitaus ausgeprägter ist, als bei ihren Vorgängern, bei denen es ja in erster Linie auch darum gegangen ist, Rebsorten zu züchten, die ohne Einsatz von Chemie – Herbizide und Pestizide – kultiviert werden können. Oder zumindest mit wesentlich weniger. Cabernet Jura ist also sozusagen eine autochthone Sorte aus dem Birstal.

Vom Frost gebeutelt
So. Exkurs zu Ende. Zurück zu Thomas Löliger, der die steilen und widerspenstigen 1,25 Hektar am Steinbruch erst vor vier Jahren übernommen und auf Bio getrimmt hat. Keine einfache Sache, sondern Knochen- und Nervenarbeit. Hagel und Frost können eine ganze Ernte in wenigen Minuten oder Stunden vernichten. Und wenn ein gefrässiges Reh ein Schlupfloch im Zaun findet, sind in Kürze Trauben weggeputzt, deren Wein man für vierstellige Beträge hätte verkaufen können.
2017 war ein schlechtes Jahr. Vor allem wegen des Frosts, der Löliger lediglich rund 8 Prozent einer normalen Ernte übrig liess. Der ganze Jahrgang hat in einem kleinen Stahltank platz. 2018 könnte besser werden. Nicht nur wegen des Triumphs am Schweizer Bioweinpreis. Die Frostgefahr ist gebannt, Hagelschäden gab’s (zumindest in Arlesheim) bisher keine. Gegen gefrässige Rehe hilft ein nagelneuer Elektrozaun. Und die von Erosion bedrohten Terrassen wurden mit dem Bagger in Form gebracht (eine gefährliche Arbeit) und mit Jungreben bepflanzt – die meisten davon PiWi-Sorten.
Ausserdem führt der brandneue «Gempen Nord Trail» die Mountainbiker nun direkt am Rebhäuschen von Thomas Löliger vorbei. Dort könnten sie sich am kommenden Sonntag, 3. Juni, preisgekröntes Kurvenwasser besorgen. Löliger lädt dann zum ersten Mal in diesem Jahr in seine Besenbeiz.
Der Cabernet Jura 2016, frisch gekürter Bioweinpreis-Sieger, wird dann ein erstes Mal im öffentlichen Rahmen entkorkt. Ab Juli gibt’s den Cru dann auch im Mamma Mia, dessen Crew – das soll hier nicht unerwähnt bleiben – bei der Ernte 2016 die Hände mit ihm Spiel hatte. Hat zwar keinen Einfluss auf die Weinqualität, ist aber eine gute Schlusspointe. Prost!

Das schreibt VINUM roten PiWi-Kategoriensieger
Quergut – Basel-Landschaft AOC Cabernet Jura im Steinbruch 2016
Erst seit 2014 bewirtschaftet Quereinsteiger Thomas Löliger den Gemeinderebberg Steinbruch in Arlesheim, der vorwiegend mit PiWi bestockt ist. Nach mehreren Jahren als Hobbywinzer und einem Praktikum bei Ueli Bänninger (Weingut Tschäpperli, Aesch) wagte er den Schritt zum eigenen Weingut. Sein prupurfarbener Cabernet Jura überzeugt mit seiner Klarheit. Dunkle Schokolade, Pfeffer, Lorbeer, auch Noten von Zimt und dunklen Früchten. Tannine und Säure in wunderbarem Einklang. Guter Trinkfluss. Mittellanger Abgang. Benotung: 17.4 Punkte. Preis: 17 Franken.
Hier gibt’s das VINUM-Sonderheft zum Schweizer Bioweinpreis 2018 als PDF.
Über das Quergut Arlesheim
Cécile Bühlmann, Michael Huber und Thomas Löliger – diese drei Quereinsteiger bilden das Quergut mit zwei Reblagen in Arlesheim. Drei Köpfe, zwei Lagen – ein Name. Cécile Bühlmann und Michael Huber bewirtschaften die familieneigenen Reben im Schlossberg nach Richtlinien der integrierten Produktion IP. Thomas Löliger kultiviert seine Reben nach Bio-Richtlinien auf dem steilen Gemeinderebberg im Steinbruch. Alle drei arbeiten Teilzeit neben ihrer Aufgabe im Weinberg – sie als Hobbywinzer zu bezeichnen, wäre aber viel zu kurz gegriffen. Das Trio hat entsprechende Ausbildungen genossen und investiert viel in die Bewirtschaftung der teilweise steilen Lagen auf insgesamt 2,5 Hektar Rebfläche. In die Flaschen kommt ein interessantes Sortenspektrum vom klassischen Blauburgunder bis zu pilzwiderstandsfähigen Trauben wie Johanniter und Cabernet Jura. www.quergut.ch






08 Donnerstag Mär 2018
Posted in Graubünden
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Bündner Herrschaft, Completer, Completer-Kellerei, Giani Boner, Graubünden, Malans, Malanserrebe

Completer, die Malanserrebe – nicht jedes Winzerdorf kann von sich behaupten, eine eigene Traubensorte beherbergen. Malans schon! Ein Weingut trägt den Namen dieser Rarität im Namen: die Completer-Kellerei von Giani Boner. Der Winzer hat sich einer ganz eigenen Spielart des Completer verschrieben, diese wird – ähnlich einem Vin Jaune aus dem französischen Jura – über viele Jahre oxidativ ausgebaut. Das Ergebnis ist einzigartig.

Gleich neben der Dorfkirche führt Giani Boner mit seinem oxidativ ausgebauten Completer die Familientradition fort. Sein Grossvater hat die Malanserrebe bereits im ehemaligen Klostergewölbe so gekeltert – und die Mönche damals auch. Wie bei Martin Donatsch aus Teil 1 der Malans-Repo werden Augenmass und Bauchgefühl höher gewichtet als technischer Schnickschnack. Im Winter lässt Boner den Keller im Gleichschritt mit der Natur abkühlen. Den biologischen Säureabbau vollziehen die Weine erst im Frühling. Der jahrelange oxidative Ausbau in Barriques verleiht dem Completer nussige Noten, wie man sie vom Vin Jaune aus dem französischen Jura kennt.
Geschwefelt wird erst vor der Abfüllung – über ein Jahrzehnt nach der Ernte. Die Weine sind so stabil, dass die Säure als Konservierungsmittel ausreicht. Im vergangenen Jahr hat Boner den 2005er abgefüllt, verkauft wird aktuell der Jahrgang 2003. «Eigentlich ist dieser Wein noch ziemlich jung», findet Boner, dem zurzeit die Exemplare aus den 80er Jahren besonders gefallen. Ihm ist klar, dass nur ein kleiner Teil seiner Kunden die Weine so lange lagert.
Ebenso ist sich Boner bewusst, dass sich das Konsumverhalten der Weintrinker verändert. «Doch die Jungen verdienen Geld und sie geben es auch aus», zeigt sich der Winzer zuversichtlich. Bei einer Completer-Produktion von rund 2000 Flaschen pro Jahr wird er kaum Probleme haben, seine Rarität zu verkaufen. Ihn beschäftigen andere Herausforderungen. Etwa die veränderten Reife- und Erntezeitpunkte im Kontext der stetig steigenden Temperaturen und Öchsle-Werte. Ebenso beschäftigen Boner die Bedrohung durch die Kirschessigfliege, die steigenden Boden- und Mietpreise sowie die Überbauung von Rebflächen. Grosses Gesprächsthema im Dorf war beim Besuch Anfang 2016 ein Bauprojekt an der Jeninserstrasse, bei dem 6000 Quadratmeter Reben 60 Wohnungen weichen müssen.

Hier wachst eine Spezialität: Die Completerhalde südöstlich von Malans.

Weintipp: Completer-Kellerei – Malanser Completer 2003
Goldgelb im Glas und opulent in der Nase offenbart dieser oxidativ ausgebaute Completer ein wahres Aromenfeuerwerk. Da trifft reifes Kernobst auf Aprikosengelee, dunklen Honig und Crème brulée, dazu getrocknete exotische Früchte, gemahlene Nüsse und eine Prise Zimt; frisch im Gaumen vom sanften Auftakt bis zum rassig-würzigen Finish, jodig-salzige Sherry-Noten sowie eine dezente Restsüsse.
Winzerdorf-Reportage
Malans Vol. 1: Donatsch – Vom Barrique-Pionier zum Pinot-König
Malans Vol. 2: Giani Boner – Oxidierte Completer-Meisterwerke
Demnächst
Malans Vol. 3: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern
Malans Vol. 4: Anjan Boner – Alter Name, neues Weingut
Die Reportage zum «Winzerdorf Malans» ist erstmals in der Ausgabe 03/2016 der Weinzeitschrift VINUM erschienen. Alle Zitate und Fotos entstanden im Januar 2016.
08 Donnerstag Feb 2018
Posted in Graubünden
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Älplibahn, Bündner Herrschaft, Completer, Completerhalde, Donatsch, Gasthaus Krone, Gausthaus Fadära, Graubünden, Hans Rhyner, Iris Petermann, Malans, Malanserrebe, Martin Donatsch, Pinot Noir Unique, Reportage, Thomas Donatsch, Vinotiv, Weiss Kreuz, Winzerstube Ochsen

Vom Marktplatz zum Weinmekka. Wer im südlichsten Weinbaudorf der Bündner Herrschaft einkehrt, findet alles, was das Geniesserherz begehrt – von der autochthonen Rarität über Weltklasse-Pinot bis zur Spitzenküche in historischen Gemäuern. Im Teil 1/4 der «Winzerdorf Malans»-Reportage geht’s um die Familie Donatsch – und ihre berüchtigten Weine.

Der Platzbrunnen mit seiner Steinbockskulptur ist einer von diversen historischen Dorfbrunnen. 2011 wurde Malans mit dem Brunnenpreis ausgezeichnet.
Der Steinbock auf dem Dorfbrunnen trägt Weiss. Eingebettet in eine Schneedecke, scheint Malans an diesem Januarmorgen im Winterschlaf zu stecken. Vorbei am Dorfladen geht es die Sterngasse entlang zum Weingut Donatsch. Von hier aus hat Thomas Donatsch seit den 70er-Jahren die Weinwelt erobert – erster Bündner Pinot Noir aus der Barrique, gereift in Romanée-Conti-Fässern, die gesetzeswidrige Ansiedlung des Chardonnays, dessen anschliessender Triumphzug… die Geschichten sind so bekannt wie legendär.
Jetzt sitzt Thomas Donatsch vor dem blauen Kachelofen in seiner Winzerstube «Zum Ochsen» und philosophiert mit Sohn Martin über Fluch und Segen als Winzer in Malans, über Weine von Weltformat, deren Auflage so klein ist, dass man Anfragen von Gourmetrestaurants aus aller Welt normalerweise abblitzen lässt. «Mit 35’000 Flaschen pro Jahr hat unser Weingut die perfekte Grösse», findet Martin Donatsch, «ich kenne jeden Rebstock und jeden Kunden. Jede Flasche hatte ich mindestens einmal in der Hand.»

Der Barrique-Pionier und der Pinot-König: Thomas und Martin Donatsch in ihrer Winzerstube «Zum Ochsen».
Gelegentlich fragt sich Martin Donatsch dennoch, wie es wäre, international bekannter zu sein – wenn er aber sieht, wie Topwinzer auf Grossbetrieben zu Managern mutieren, ist Donatsch mehr als zufrieden. «Wir haben regelmässig Besuch von weltbekannten Winzern, die gerne mit uns tauschen würden.»
Completer – einst fast ausgestorben, jetzt Shootingstar
Wichtiger als internationale Präsenz und Auszeichnungen ist Martin Donatsch die Konstanz seiner Arbeit. Für eine noch konsequentere Weinqualität würde er sich am liebsten nur noch auf Pinot Noir, und Chardonnay beschränken. Und auf natürlich auf die lokale Rarität Completer!
Der Weisswein aus der autochthonen «Malanserrebe» hat sich neben den Unique-Weinen zu einem Flaggschiff des Hauses gemausert. Nach Jahren in der Versenkung hat Thomas Donatsch Anfang der 90er-Jahre mit der Zucht eigener Completer-Selektionen begonnen. Statt einheitlich getrimmte Klone einzukaufen, wird bei Donatsch bis heute nur das Beste aus den eigenen Reihen vermehrt.
Strategisch ideal gelegener Handelsplatz
Auf der Sterngasse ist Leben eingekehrt. Schulkinder jagen über die schneebedeckte Strasse, auf der früher Pferdekarren verkehrten, unterwegs auf der bedeutenden Nord-Süd-Transportachse zwischen Deutschland und Italien. Malans, strategisch gut gelegen im Süden der Bündner Herrschaft an der Abzweigung ins Prättigau, hatte einst das Recht auf einen Wochenmarkt – vom Privileg als Handelsplatz zeugen die stolzen Patrizierhäuser rund um den Dorfplatz.

Gute Laune und gute Weine im Gepäck: Martin, Heidi und Thomas Donatsch (v.l.) landen nicht mit leeren Händen im Restaurant «Weiss Kreuz».
Über diesen Dorfplatz schlendern Heidi und Thomas Donatsch mit Sohn Martin in Richtung Restaurant «Weiss Kreuz», im Gepäck ein Pinot Noir Unique und eine Flasche Completer. Diese macht über Mittag im Lokal die Runde. Von Gastgeberin Iris Petermann bis zu Weinkeller-König Hans Rhyner erhält jeder eine Ration der Rarität, die sich hervorragend als Essensbegleiterin eignet. «Damit kannst du jeden Master of Wine aufs Glatteis führen», sagt Martin Donatsch lächelnd.
Er interpretiert die Malanser Urrebe – mit 2,76 Hektar gedeiht hier fast der gesamte Bündner Bestand der Sorte – von ihrer frischen Seite. Mit der Zitrusfrucht und Mineralität eines frischen Chardonnays, kultiviert wie eine Riesling-Beerenauslese. Genügend Fruchtzucker ist essenziell für den Completer mit seiner prägnanten Säure. Diese hat so viel Zug, dass der Wein vor der Abfüllung traditionellerweise jahrelang gelagert wird. Nicht so bei Donatsch, wo im Januar bereits der vorletzte Jahrgang erhältlich ist.
Weintipp: Weingut Donatsch – Pinot Noir Unique 2013
So klein die Ernte 2013 ausgefallen ist, so konzentriert präsentiert sich dieser Pinot. Für Martin Donatsch beim Besuch Anfang 2016 einer der besten Weine, die er bis dahin gekeltert hatte – man merkt warum: bereits im jugendlichen Stadium dicht, elegant und mit Aromen von dunklen Waldbeeren, etwas Lakritze und einer frischen Kräuterwürze. Seidene Tannine und eine tolle Säure prophezeien eine wunderbare Entwicklung.

Winzerdorf-Reportage
Malans Vol. 1: Donatsch – Vom Barrique-Pionier zum Pinot-König
Malans Vol. 2: Giani Boner – Oxidierte Completer-Meisterwerke
Demnächst
Malans Vol. 3: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern
Malans Vol. 4: Anjan Boner – Alter Name, neues Weingut
Die Reportage zum «Winzerdorf Malans» ist erstmals in der Ausgabe 03/2016 der Weinzeitschrift VINUM erschienen. Alle Zitate und Fotos entstanden im Januar 2016.
Malans – Facts & Figures
Im südlichsten und wärmsten Winzerdorf der Bündner Herrschaft werden 97.1 Hektar Rebland durch insgesamt 89 Parteien kultiviert. Die verbreitetsten Sorten sind Blauburgunder (67.87 ha), Riesling-Silvaner (7.69 ha), Chardonnay (4.45 ha), Grauburgunder (3.68 ha) und Completer (2,76 ha). Die Malanser Böden sind mittelschwer, kalkreich und bestehen aus Ton, Lehm und Sand.
Mit einem Produktionsanteil von 23 Prozent ist Malans der zweitgrösste Weinproduzent in Graubünden hinter Maienfeld (26.3%) und vor Jenins (18.5%) und Fläsch (15.5 %). Die vier grossen Winzerdörfer der Bündner Herrschaft bewirtschaften auf 351,8 Hektar insgesamt 83,3 Prozent des Bündner Weinbaus. Im ganzen Kanton wurde 2015 Wein für 2,8 Millionen Flaschen geerntet.
Empfehlungen in Malans
Restaurant & Hotel Weiss Kreuz
Im Sommer ist die Dachterrasse des Weiss Kreuz der ideale Ort, um ein Glas Malanser Weisswein zu geniessen. Daneben laden vier traditionelle Stuben, eine mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küche und Gastgeberin Iris Petermann zum Verweilen ein. Ein Spitzenrestaurant mit dem Charme einer Dorfbeiz und einem frisch erweiterten Weinkeller, bestückt von Hans Rhyner.
www.weisskreuzmalans.ch
Gasthaus Krone
Mit der «Chrona» hat Malans mitten im Dorf ein zweites Restaurant mit traditionellem Charme und toller Küche zu bieten. Das Essen ist regional, frisch und gutbürgerlich, das Capuns ist ein Gedicht und die Weinkarte umfasst eine grosse Auswahl an Malanser Gewächsen. Umgeben von Winzer-Torkeln und historischen Gebäuden bietet das Haus auch Gästezimmer. Im Dezember wird zum Treberwurstessen mit mobilem Brennkessel geladen.
www.krone-malans.ch
Winzerstube Ochsen
Wo könnte man die Donatsch-Weine besser geniessen, als in der hauseigenen Winzerstube von Thomas und Heidi Donatsch bewirtet zu werden? Im Winter lockt der mit Rebholz befeuerte Kachelofen im Arvenstübli, im Sommer die Terrasse. Neben den Eigengewächsen werden auch externe Weine ausgeschenkt. Dazu die berühmte Gerstensuppe oder eine Bündnerblatte. Es braucht nicht viel, um Glücklich zu sein.
www.donatsch.info
Vinotiv-Verkostung
Ein Merkmal der Herrschäftler Winzer ist die enge Zusammenarbeit. Bestes Beispiel dafür ist die Winzervereinigung Vinotiv Graubünden. Drei von zwölf Mitgliedern kommen aus Malans – Peter Wegelin, Martin Donatsch und Georg Fromm. Am 5. Mai 2018 präsentieren die Vinotiv-Winzer ihre Weine an der grossen Jahresdegustation im Weingut Davaz (Fläsch). Anfang September folgt dann die beliebte Vinotiv-Rebwanderung.
www.vinotiv.ch
Älplibahn
Wer Malans und die Herrschaft von Oben betrachten möchte, dem sei die Älplibahn am Fusse des Vilan empfohlen. Im Zweiten Weltkrieg zu militärischen Zwecken erbaut, befördert sie heute jedermann von Malans hinauf zum Bergrestaurant auf 1801 Meter. Betrieben von der Älplibahngemeinschaft ist die erste konzessionierte Luftseilbahn Graubündens mit einer Fahrbahnlänge von 3,5 km bis heute die Bahn, die am meisten Höhenmeter ohne Zwischenstation überwindet. Saison ist von Mai bis Anfang November, eine Reservation wird empfohlen. Wer wissen will, ob das Wetter passt, kann live über die Webcam nachgucken.
www.aelplibahn.ch
Der Berg ruft
Wo ein Vilan ist, ist auch ein Weg. Malans ist der ideale Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Zum Beispiel jene auf den 2376 Meter hohen Vilan am Eingang des Prättigaus. Die aussichtsreiche Route führt über den Fadärastein bis nach Seewis im Prättigau bis auf den Vilan. Wer es schnell und bequem mag, verkürzt die Wanderung mit der Älplibahn. Auf dem Gipfel bietet sich ein Panoramablick auf das Rheintal, die Churfirsten, zum Piz Bernina, zu Piz Kesch, Piz Linard und Ringelspitz. Wer es gemächlich mag, kann im Sommer im Gausthaus Fadära Halt machen.
www.gasthausfadaera.ch
Raus zur Completerhalde
Wer sanft abfallende Weinberge dem Hochgebirge vorzieht, wähnt sich in der Bündner Herrschaft im Paradies. Umgeben von malerischen Bergen und mit Blick über das Rheintal oder den Eingang ins Prättigau, durch den die Rhätische Bahn in Richtung Klosters und Davos rattert, führt der Bündner Weinwanderweg etwa zur legendären Completerhalde südöstlich von Malans. Der Bündner Weinwanderweg führt auf über 40 ausgeschilderten Kilometern von Chur durch die gesamte Bündner Herrschaft. www.graubuendenwein.ch


Legendär: Die Completerhalde südlich von Malans.

Im «Weiss Kreuz» werden Feinschmecker glücklich. Hier zu sehen: der Bankettsaal.
03 Sonntag Sept 2017
Posted in Baselland
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André Roth, Baselbiet, Baselland, Edith + Christian Jäggi, Jäggi Wein, Oberwil, Pinot Noir, Sauvignon Blanc, Trinkspass, Wintersingen

Frischfruchtig, fröhlich und unkompliziert. Diese Wochenend-Entdeckungen machen einfach nur Spass und bedürfen keinerlei hochtrabender Erklärungen. Beide absolut sortentypisch, beide aus dem Baselbiet – und beide mit unverschämt gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Rede ist vom Pinot Noir Wintersingen 2015 von André Roth und vom Oberwiler Sauvignon Blanc 2016 von Edith + Christian Jäggi aus Biel-Benken.
11 Donnerstag Mai 2017
Posted in Graubünden, St. Gallen, Weingüter
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100 Days, Biodynamie, CasaNova Wein Pur, Crowdfunding, Demeter, Frost, Graubünden, Hagel, Interview, Marco Casanova, Schweizer Weintage, St. Gallen, Walenstadt, Winzer, Zizers

Marco Casanova an den Schweizer Weintagen, kurz vor seinem Crowdfunding-Endspurt. 6 Tage vor dem Ende steht seine Aktion bei 84,6 Prozent. Also looos…hier unterstützen!
Update vom 19. Mai 2017: Vier Tage vor der Deadline hat Marco Casanova den angestrebten Betrag von 60’000 Franken beisammen. Herzliche Gratulation!
Mit Crowdfunding aus der Not: Nach 20 Jahren Weinbau hat sich Marco Casanova 2013 selbstständig gemacht. Seither kultiviert er seine Reben in Zizers (GR) und Walenstadt (SG) nach biodynamischer Philosophie. Das schwierige Jahr 2016 war Casanovas bisher «intensivstes Rebenjahr» mit hohen Ertragsausfällen durch Frost, Hagel, Mehltau und Kirschessigfliege. Damit sein junges Unternehmen CasaNova Wein Pur weiterhin bestehen kann, sucht Casanova über die Crowdfunding-Plattform «100 Days» noch bis nach finanzieller Unterstützung – nach dem schlimmen Spätfrost im April 2017 wird diese sogar noch dringender gebraucht. Die
Die Crowdfunding-Aktion, bei deren Angebot man vom Weinpaket bis zur Kellerführung mit Verkostung und Übernachtung geht, steht aktuell (Stand 11. Mai 2017) bei 72,8 Prozent und dauert noch 13 Tage. Bevor ihr Marco Casanova grosszügig unterstützt, könnt ihr seine Weine heute und morgen (11. und 12. Mai) an den Schweizer Weintagen verkosten – und sein Interview lesen zum Struggle im Rebberg, biodynamischem Weinbau und den Schweizer Weintagen.
Marco Casanova, über die Crowdfunding-Plattform «100 Days» suchst Du nach einem wettertechnisch und finanziell schwierigen Jahrgang 2016 nach «Boostern», die Dein junges Unternehmen unterstützen. Wie ist die Resonanz auf dieses ehrliche und (noch) ungewöhnliche Vorgehen?
Sehr gut. Ich erhalte viel Resonanz, auch ausserhalb der Crowdfunding-Aktion mit Hilfe und Angeboten in verschiedenster Form.
Hast Du das Gefühl, dass die Aktion gewissen Weintrinkern ein besseres Verständnis für den Aufwand und die Risiken eines Winzers vermittelt?
Das kann ich so nicht sagen. Aber sicher ist, es sind Leute, die ein Verständnis dafür haben, dass man für den Aufbau eines jungen Unternehmens nicht alle Risiken vorsehen oder gar budgetieren kann. Es sei denn, man ist mehrfacher Millionär. In meinem Fall, habe ich weder Immobilien noch Land als Sicherheiten – das würde eine Bank natürlich gerne sehen bei Investitionen.
Hattest Du in Bezug auf das Crowdfunding spezielle Erlebnisse, die Dich überrascht, berührt oder sonst irgendwie bewegt haben?
Ich stosse auf viel Verständnis und Zuspruch mit meiner vorwärts gerichteten Aktion. All die Kontakte, die guten und motivierenden Gespräche haben mich sehr bewegt und Mut gemacht. Auch in Bezug auf die jetzige Situation nach diesem schwierigen Start ins Jahr.
Wie geht es den Reben in Zizers und Walenstadt?
Es sieht schlecht aus.
Was waren Deine ersten Gedanken nach den Frostnächten im April?
Sch***** nicht schon wieder!
Hast Du die Rebstöcke mit speziellen Massnahmen gegen den Spätfrost geschützt? Mit Erfolg?
Wir konnten die Reben in Zizers beide Nächte einigermassen schützen mit Pellets-Säcken, die wir anzündeten. Walenstadt war organisatorisch ein Spagat. Wir zündeten in der zweiten Nacht Feuer an in den Lagen Fürscht und Fürschtberg. Der Hof – meine höchste Lage mit 1,5 Hektar Riesling-Silvaner und Bauburgunder – wurde bereits in der ersten Nacht schwer getroffen. Das Thermometer fiel in der ersten Nacht noch weniger tief, jedoch vermute ich, dass die enorme Nässe ausschlaggebend war für das erfrieren der Schosse. In der Seemühle (Kaliforni) ging ich auf Risiko, machte nichts, und hoffte auf die mildernde Wirkung des Sees. Die Taktik ging auf: auf 1,7 Hektar gab’s nur etwa 20% Frostschäden. Ein kleiner Trost.
Wie gross ist die Chance, dass sich die Reben jetzt noch erholen?
Im Hof habe ich 100 Prozent Frostschäden, kein einzig grüner Trieb war mehr am Stock. Hier rechne ich mit etwa 10 bis 15 Prozent fruchtbarer Seitenschosse, die noch austreiben werden. Über die Qualität kann noch nicht gesprochen werden, das Rebjahr hat ja erst begonnen…
Kommt es den Pflanzen nun zugute, dass sie biodynamisch kultiviert werden? Etwa indem sie robuster und vitaler sind und bessere Energiereserven haben?
Nein, das ist eine höhere Gewalt der Natur. Wenn eine Rebe früh austreibt und Frost unter -2°C kommt ist, es aus. Basta.
Ich hoffe, das ist nicht Dein Szenario, aber: Was für Arbeiten fallen in der restlichen Vegetationsperiode an, wenn sämtliche Triebe verfroren sind und kein Ertrag mehr in Aussicht ist?
Es geht unverändert weiter – einzig das Erlesen beginnt später. Aber alle Schosse, die jetzt noch Austreiben, muss man genauso mit Pflanzenschutz schützen – auch wenn sie keine Trauben tragen. Es geht um den Stockaufbau im kommenden Jahr. Dafür brauchen wir wieder gesundes Holz zum anbinden. Auch die Bodenbearbeitung, sprich mähen, läuft weiter.
Wie wirkt sich der biodynamische Anbau auf die Reben und den Wein aus?
Bei den Reben ist das Ziel, dass sie sich mehr eigene Abwehrstoffe aufbauen und der Pflanzenschutz mit natürlichen Mitteln zu 100 Prozent hält. Im Wein soll der Boden und die Mineralität voll erlebbar sein.
Du betreibst den einzigen Weinbaubetrieb mit eigener Kellerei in Walenstadt. Was ist das besondere an diesem Ort, seinen Böden, seiner Exposition?
Walenstadts Weinbaugeschichte geht 2000 Jahren zurück. Das Gestein ist tiefgründig, mineralisch, sehr kalkhaltig und in Südlage. Der See spielt natürlich auch eine wichtige Rolle: Tagsüber werden die Trauben durch die Spiegelung des Walensees und der intensiven Sonneneinstrahlung stark erhitzt, abends werden sie vom Fallwind, der über die hohen, steilen Felswände der Churfirsten herunterweht, abgekühlt.
Wer braucht schon das kalifornische Napa Valley – bei Dir gibt’s den Weingarten «Kaliforni». Was hat’s damit auf sich? Woher der Name?
«Kali» kommt von Kalk, «forni» von Four (Ofen), also Kalkofen. Dort wurde vor 150 Jahren Kalk abgebaut. Es war der erste Untertagbau der Schweiz.
Welche Traube gedeiht hier deiner Meinung nach am besten – und wieso?
Chardonnay und Pinot Noir. Beides sind Sorten, die den Kalk lieben.
Vergangenes Jahr kamen mit Frost, Hagel, Mehltau und der Kirschessigfliege fast alle Übel auf einmal zusammen. Wie happig ist es da, im Folgejahr gleich nochmals Frostschäden zu haben, die das Ausmass des Vorjahres sogar noch übersteigen?
Bitter. Aber ich sehe mich ja nicht alleine mit dieser Situation konfrontiert. Dieses Jahr traf es viele Winzer auf beiden Beinen.
Trotz aller Naturgewalten – die Weinqualität muss darunter ja nicht zwingend leiden. Was erwartest Du vom Jahrgang 2016?
Der ist Ausgezeichnet.
Wie präsentieren sich die Weine, die Du heute an den Schweizer Weintagen in der Markthalle ausschenken wirst?
Die Weissweine zeigen sich von einer sehr schönen Fruchtigkeit, Frische und Komplexität und angenehm im Gaumen. Sehr sortentypisch. Meine Favoriten sind der Seemühle Chardonnay 2015 und der Fürscht Pinot 2015.
Wie hast Du die Schweizer Weintage bisher erlebt?
Als sehr angenehme, kleine und übersichtliche Weinmesse an einem wunderbaren Ort in dieser Markhalle.
Was sind Deine wichtigsten Erkenntnisse nach über 20 Jahren Weinbau?
Die Natur! Wir leben mitten in ihr – und sind ihr fremd. Sie spricht unaufhörlich mit uns – und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie – und haben doch keine Gewalt über sie.
Im Rebberg
Lagen: Walenstadt; Seemühle (Kaliforni), Fürscht und Hof, Zizers; Bovel
Rebfläche: 5ha
Traubensorten: Riesling-Silvaner, Chardonnay, Sauvignon blanc, Riesling, Pinot Noir, Cabernet Jura, Gamaret
Erziehungssystem der Reben: Einfacher Strecker
Mittlerer Ertrag: 600g/m2
Ernte: Manuell, im Rebberg gesöndert
Zertifizierung: Demeter (in Umstellung)
Im Keller
Filtration: Nur wenn nötig, je nach Jahrgang mit Papierschichtenfilter
Schönung: keine, oder wenn nötig mit Kartoffelstärke (Vegan)
Ausbau: Stahltank, Barriques, und 600-Liter-Pieces
Durchschnittliche SO2-Zugabe: 60-90mg/l
Weine pro Jahrgang: In einem normalen Jahr, ca. 25’000 Flaschen mit 12 verschiedenen Weintypen.
Marco Casanova bei »100 Days» unterstützen
www.casanova-weinpur.ch
CasaNova Wein Pur bei Facebook

«Nicht schon wieder!» Marco Casanovas Start als selbstständiger Winzer wird durch die Wetterkapriolen der letzten Monate erschwert – das nimmt er nicht tatenlos hin.

10 Mittwoch Mai 2017
Posted in Schweiz
Schlagwörter
20 Minuten, Brandhärd, Interview, Presse, Rapper, Schweizer Wein, Schweizer Weintage, Zeitung
Dieses Interview zu den Schweizer Weintagen ist erstmals am 9. Mai 2017 auf 20minuten.ch publiziert worden. Ausser das Teaser-Video am Textende – das ist neu. Und von mir.
Fetch kennt man als Rapper von Brandhärd. Bürgerlich ist Joël Gernet profilierter Weinkenner und Mitorganisator der Schweizer Weintage, die am Donnerstag in der Markthalle beginnen.

«Wein Verkosten ist mindestens so aufregend wie das durchhören des neusten Kendrick Lamar-Albums», sagt Traubensaft-Aficionado Joël Gernet. (Foto: Eleni Kougionis)
Joël, die Weintage werden von jungen Winzern und Enthusiasten wie dir organisiert. Ist der vergorene Rebensaft das neue Craft Beer?
Das wäre schön! Schliesslich geht es wie beim Craft Beer um die Leidenschaft zu einem handwerklich gefertigten Genussmittel mit Charakter abseits der Massenproduktion. Winzer sowie Konsumenten interessieren sich zunehmend dafür, wie das Gebräu in ihrem Glas entstanden ist. Ein schöner Trend! Die Bärte einiger Winzer stehen jenen der hippen Craft-Beer-Brauer übrigens in nichts nach.
Weinmessen gelten als elitäre Versammlungen, wo jeder mit seinem Fachwissen prahlt. Darf Wein auch einfach fresh sein?
Unbedingt. Fresh ist gut – und Teil meines Wein-Wortschatzes. Fachwörter sind vor allem für die eigenen Memoiren wichtig. Dank ihnen weiss ich auch in zwanzig Jahren noch, was ich beim Trinken empfunden habe. Und ich sehe, wie sich dieser Wein entwickelt hat. Vom öffentlichen Fresse-Aufreissen halte ich – anders als beim Rap – wenig. Die Weintage sollen eben gerade nicht elitär sein. Oft schmecken Neulinge sowieso schon instinktiv erstaunlich viel aus dem Glas raus. Aber seien wir ehrlich: heimlich finden wir die elitäre Aura des Weins doch auch ein bisschen geil.
Du bist als Rapper bekannt geworden, heute schreibst du professionell über Wein. Wie wichtig ist bei einem Wein ein gute Punchline?
Ein Überraschungs-Punch ist immer gut. Eine Wein-Punchline ist für mich etwa, wenn mir ein Cru beim Abgang, also je nach Vorliebe beim Spucken oder Schlucken, nochmals eine völlig neue Seite offenbart. Etwa ein frisch-ätherisches Finish nachdem der Auftakt rund und fruchtig war. Als Punchline empfinde ich auch, wenn sich ein Wein über Stunden und Tage verändert in Geruch und Geschmack. So wird Verkosten mindestens so aufregend wie das durchhören des neusten Kendrick Lamar-Albums.
Du nimmst als Kritiker kein Weinblatt vor den Mund: Wein-Schönsprech schade der Credibility, hast du unlängst geschrieben. Ist Authentizität und Attitude für Winzer genauso wichtig wie für Rapper?
Ich finde schon. Aber im Gegensatz zu Rappern, die mit Lügen und unflätigem Verhalten zum Millionär werden können, ist der Winzer auf gutes Handwerk angewiesen. Da er mit der Natur arbeitet, muss er sich und seinen Rebberg jedes Jahr neu interpretieren – und entsprechend verkaufen. Da ist es natürlich verständlich, dass einer von seinem 2016er-Jahrgang nicht sagt: ‹Dieser Wein ist voll whack, der krasse Hagelschlag in seiner Hood hat ihn komplett zerschossen und verfaulen lassen und die Kirschessigfliege, diese Bitch, gab ihm dann den Rest.»
Wie bist Du eigentlich auf den Wein gekommen? Rapper lassen sonst ja lieber teuren Champagner sprudeln.
Als preiswerte Alternative zu Champagner empfehle ich Cava. Zum Wein gefunden habe ich, als ich mich als Familienvater anderen Themen widmen musste als dem Rock’n’Roll. Es ist zum ersten Mal seit der Entdeckung der HipHop-Kultur in den 90ern, dass ich mich wieder freiwillig so krass in ein Thema vertiefe. Ausserdem bin ich lieber ein junger Weinkenner als ein alter Rapper.
Was zeichnet für dich einen guten Wein aus?
Charakter, Balance und Komplexität. Das klingt ausgelutscht, ist aber so. Ein guter Wein ist interessant und lebendig, weil er jedem, der sich auf ihn einlässt, etwas zu entdecken gibt. Es geht um das perfekte Zusammenspiel von Komponenten wie Frucht, Säure, Würze und Mineralität. Dafür muss man nicht zwingend tief ins Portemonnaie greifen.
Schweizer Weintage
Die Schweizer Weintage finden am 11. und 12. Mai zum vierten Mal in der Basler Martkhalle statt. 25 Schweizer Winzer stellen dort ihre Weine persönlich vor. Mit von der Partie sind auch Jost&Ziereisen und Valentin Schiess Vinigma aus Basel sowie die jungen Arlesheimer Winzer von Quergut. Junge Winzer stehen speziell im Fokus. Die Gruppe «Junge Schweiz Neue Winzer» hat erstmals einen eigenen Stand.
08 Montag Mai 2017
Posted in Kolumne, Meine Zeitungsartikel, Schweiz
Schlagwörter
Amphore, Anne-Claire Schott, Bielersee, Kvevri, Kvevri Riesling-Sylvaner, Michele Bono, Riehen, Schweizer Wein, Schweizer Weintage, Strickhof, Thomas Jost, Twann, Wülflinger Trotte, Zürich

Michele Bono (Wülflinger Trotte ZH), Thomas Jost (Jost & Ziereisen BS) und Anne-Claire Schott aus Twann ZH (v.l.) – alle sind sie mit dabei an den Schweizer Weintagen.
Vergesst für einmal die gehypten Craft-Beer-Brauer – hier geht es um Craft-Winzer! Auch diese stellen ihr Elixier in detailversessener Handwerksarbeit her. Auch hier wird mit Können und Kreativität neuer Schwung in eine traditionelle Zunft gebracht. Im Gegensatz zu Bierbrauern haben Winzer jedoch nur eine Chance pro Jahr. Und sie sind der Natur ausgeliefert: Wenn Frost, Pilzbefall und Hagel zusammenkommen, gibt es im Extremfall gar keine Ernte. Wie in der Bierbranche ist auch im Weinbau ein Trend in Richtung handwerklicher Arbeit und naturnaher Weinbau erkennbar, vor allem bei der jungen Generation. Dieser Trend geht Hand in Hand mit neuen – oder viel eher: wieder entdeckten – Ideen. Individualität und Charakter statt Masse sind angesagt, klingt abgedroschen, ist aber so.
Beispiel gefällig? Der Kvevri Riesling-Sylvaner 2013 des Strickhof-Weinguts Wülflinger Trotte bei Winterthur. Ein Weisswein, der über Monate auf der Maische vergoren wurde, inklusive Traubenhäuten und -stielen. Bei Weisswein führt diese Vinifizierung zu einer Vielschichtigkeit und einem Tanningerüst, wie man es nur von roten Crus kennt, gepaart mit dem frischen Charakter eines Weissweins. Die Weinfarbe ist goldgelb bis orange, deshalb ist oft von Orange Wine die Rede. Michele Bono von der Trotte Wülflingen hat seinen Riesling-Sylvaner in einer georgischen Tonamphore vergären lassen – unter freiem Himmel, in der Erde eingegraben, der Natur ausgeliefert. Danach wurde der Wein ohne jegliche Zusatzstoffe ausgebaut und abgefüllt. Ein purer Craft-Wein.
Auch Anne-Claire Schott aus Twann beschreitet gerne neue Wege. Nach dem Studium in Kunstgeschichte und Soziologie hat sie 2016 das elterliche Weingut am Bielersee übernommen. Ihr Elan und Enthusiasmus manifestiert sich in der Weinserie «Aroma der Landschaft», deren weisse Version, der Blanc 2015, ist eine Cuvée aus den sechs Traubensorten Gutedel, Pinot Noir, Pinot Gris, Chardonnay, Sylvaner und Sauvignon Blanc. Alle wachsen sie im milden Mikroklima entlang von Steinmauern. Der Ausbau erfolgt im Beton-Ei, wo der Wein durch dezente Sauerstoffzufuhr und Zirkulation weicher und tiefgründiger werden soll. Anne-Claire Schott ist Teil der Jungwinzervereinigung Junge Schweiz – Neue Winzer. Einige Mitglieder dieses Talentpools haben sich innert kürzester Zeit einen hervorragenden Ruf erarbeitet, andere sind auf dem besten Weg dazu.
Schotts Blanc 2015 ist ebenso ein Statement wie der Le Grand des Weinguts Jost & Ziereisen. Ein purer Pinot Noir, der im Riehener Schlipf auf Basler Boden wächst – mit bestem Panoramablick über die Stadt. Noch spektakulärer ist jedoch, was Thomas Jost innert kürzester Zeit herausgekitzelt hat aus den Reben, die er Anfang 2014 offiziell übernommen hat. Bereits mit seiner ersten Ernte aus dem Übergangsjahr 2013 hat der junge Fricktaler über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt – unter anderem bei den Verkostern des US-Weinkritikers Robert Parker (siehe hier). Jost ist ein gutes Sinnbild einer neuen Winzergeneration mit bester Ausbildung, Auslanderfahrung, akribischer und naturnaher Arbeitsweise sowie einer guten Mischung aus Bescheidenheit und berechtigtem Selbstbewusstsein. Wie Michele Bono und Anne-Claire Schott entkorkt auch Thomas Jost seine Crus an den Schweizer Weintagen, wo über 32 Winzerinnen und Winzer während zwei Tagen ihre Weine persönlich vorstellen.
Und nach dem Verkostungs-Marathon in der Basler Markthalle löscht man als Weinfreund seinen Durst am besten mit einem frisch-aromatischen Craft Beer.
Schweizer Weintage 2017
Der Autor dieses Artikels ist Mitorganisator der Schweizer Weintage. Diese finden am Do, 11., und Fr, 12. Mai, zum 4. Mal in der Markthalle Basel statt. Jeweils 17 Uhr bis 21 Uhr. Eintritt: Fr. 10.–. www.schweizerweintage.ch
Weintipps
– Weingut Jost & Ziereisen, Pinot Noir Le Grand 2014, Basel Stadt, Fr. 69.–, www.ullrich.ch
– Anne-Claire Schott, Blanc 2015, Bielersee, Fr. 45.–, www.aromaderlandschaft.ch
– Wülflinger Trotte, Kvevri Riesling-Sylvaner 2013, Zürich, Fr. 28.–, www.strickhof.ch
PS: Der grässliche Begriff «Craft-Wein» findet hier Verwendung wegen des Vergleichs mit Craft-Beer-Brauern…und nicht, weil ich dieses Wort künftig in mein Vokabular aufnehmen möchte (im Gegenteil).
Diese Kolumne wurde erstmals am 6. Mai 2017 in der «Schweiz am Wochenende» publiziert.

03 Freitag Mär 2017
Posted in Graubünden, Schweiz, Weingüter
Schlagwörter
Alpen, Bregl da Heida, Candrian, Cantrio, Graubünden, Mas Cantrio, Piwi, Razzmatazz, Resvegl, Rhein, Sagogn, Solaris, Winzer
Sie kommen aus Graubünden. Ihr Weingut steht in Katalonien. Doch nun haben sie eine uralte Reblage in ihrer Heimat wiederbelebt – in einem Klima, dass im krassen Kontrast steht zu ihrem Spanien-Projekt. Grund genug für einen Besuch bei Hannes, Martin und Aron Candrian in Sagogn. Das Trio bewirtschaftet seit Kurzem den allerersten Rebberg am Rhein, der bis zu seiner Mündung unzählige weltbekannte Weinregionen wie Elsass, Baden oder das Rheingau durchfliesst.

Sonne, Schnee und neu auch ein Weinberg – Panoramablick über Sagogn (GR).
Im Herbst 2016 wurde im kleinen Bündner Bergdorf Sagogn der erste Wein am Rhein geerntet. Geografisch betrachtet, versteht sich. Hier, rund 50 Kilometer unterhalb der Rheinquelle(n), nur einen Spaziergang entfernt vom Skigebiet Flims/Laax, wachsen 300 pilzwiderstandsfähige Solaris-Rebstöcke. Sie wurzeln im kargen Kalkboden eines uralten Schuttkegels, in den der Rhein imposante Schluchten hineingefressen hat.
«Wir spielten schon länger mit dem Gedanken, in Sagogn wieder Wein anzubauen», erklärt Aron Candrian. Der Forstwart und Marketingfachmann steht inmitten der Jungreben, die er 2012 in seinem Heimatdorf gepflanzt hat – zusammen mit Vater Hannes und Bruder Martin. «Je mehr ich die Geschichte erforschte, desto spannender wurde es», erklärt Aron Candrian und berichtet von einem Testament von Bischof Tello aus dem Jahr 765. Es ist der erste von mehreren Nachweisen zur Weinbaugeschichte in Sagogn. Jetzt, über 1250 Jahre später und nach langer Durststrecke, wächst hier wieder Wein am Rhein.
Er trägt den rätoromanischen Namen Resvegl – Wiedererweckung. Mitschuld an der Erweckung hat auch das katalonische Weingebiet Priorat. Und Bruder Martin. Dieser betreibt eine Weinhandlung in Chur. Infiziert vom Weinvirus hat Martin 2005 mit Bruder Aron und Vater Hannes im Nordosten Spaniens ein Weingut aus dem Dornröschenschlaf geweckt. «Ein Bauchentscheid», erinnert sich Martin Candrian. So kam das weinverrückte Candrian-Trio zu Mas Cantrio, dessen Razzmatazz sich in der Schweiz grosser Beliebtheit erfreut. Kein Wunder, lagern viele Flaschen der Priorat-Cuvée in Sagogns Dorfkern im Keller des Elternhauses.

Das Candrian-Trio: Hannes, Martin und Aron im Resvegl-Rebberg im Osten von Sagogn.
Im Gegensatz zum Razzmatazz ist der Resvegl-Wein nicht im Handel erhältlich. Mit rund 120 Flaschen ist die Produktion viel zu gering. Vor allem aber sind die 400 Quadratmeter Piwi-Reben nicht im offiziellen Rebbaukataster aufgeführt. Der erste Wein am Rhein darf nur zum Eigengebrauch gekeltert werden. Eines Tages soll aber vielleicht auf der wiedererweckten Lage Bregl da Heida offiziell wieder Weinbau betrieben werden dürfen. «Wir nehmen uns Zeit und wollen nichts erzwingen», sagt Aron Candrian. «Zuerst müssen wir aber dafür sorgen, dass unser Wein gut wird.» Der Resvegl-Solaris schlummert 50 Flusskilometer unterhalb Sagogns in der Kellerei von Roman Hermann (mit ihm vinifiziert Candrian seinen Weisswein) in der Bündner Herrschaft, dem bekanntesten Weinbaugebiet der Deutschschweiz – zu dessen Terroirs ja vielleicht irgendwann wieder Sagogn gehört.
Dieser Artikel ist erstmals in der VINUM-Ausgabe 01-02/2017 erschienen.
13 Freitag Jan 2017
Posted in Basel-Stadt
Schlagwörter
Basel, Basel-Stadt, Le Grand, Le Petit, Parker-Paradox, Pinot Noir, Riehen, Robert Parker, Schlipf, Stephan Reinhardt, Thomas Jost, Wine Advocate

Pinot-Perfektionist: Thomas Jost während der Ernte 2015 im Riehener Schlipf.
Drei Jahre nachdem Thomas Jost den Gemeinderebberg im Riehener Schlipf übernommen hat, erhält das Weingut Jost & Ziereisen seine ersten Spitzen-Bewertungen im amerikanischen «Wine Advocate» des weltweit berüchtigten Weinkritikers Robert Parker (Ausgabe 228):
92 Punkte für den Le Grand 2013
91 Punkte für den Le Grand 2014
90 Punkte für den Le Petit Rouge 2014
90 bis 95 Punkte bedeutet auf Parkers 100er-Skala: «An outstanding wine of exceptional complexity and character. In short, these are terrific wines.»
Damit hat Thomas Jost drei Crus – alles Pinot Noir – unter den 90 bestbewerteten Schweizer Weinen. Alle wurden vom «Wine Advocate» mit 90 und mehr Punkten bewertet. Das Spitzenresultat von 96-97 Punkten erzielt die legendäre Walliser Winzerin Marie-Thérèse Chappaz mit ihrem Grain per Grain Petite Arvine 2014. Die Übersicht der bestbewerteten Schweizer gibt’s hier.
Mit Blick die Winzerlaufbahn von Thomas Jost (u.a. Weingut Vollenweider, Mosel / Weingut Markowitsch, Niederösterreich / Weingut Ziereisen, Baden), sind seine positiven Resultate keine Überraschung, sondern eine Bestätigung seines Könnens – und seiner Ambitionen.
«Im Burgund behaupten sie gerne, dass die Jurakalk-Böden bei ihnen beginnen und hier enden – ich sehe das umgekehrt», sagte Jost bereits 2014 mit einem Augenzwinkern. Kurz zuvor hatte der damals 26-Jährige – zusammen mit Hanspeter Ziereisen aus Efringen-Kirchen (D) – den 3,2 Hektar grossen Gemeinderebberg von Riehen übernommen. Ich war damals für die Basler Zeitung unterwegs. Als ich Jost im Herbst 2015 für meine VINUM-Dreiländereck-Reportage erneut im Schlipf besuchte, meinte er mit Blick auf die Schweizer Pinot-Hochburg: «Wir sind näher am Burgund als die Bündner Herrschaft, nicht nur geografisch.» Und zu seinem stolzen Einstandspreis von 69 Franken für den Le Grand: «Wir wollen an Gantenbein ran und uns mit ihm messen – dazu stehe ich.»
Dabei hat Jost seine selbstbewussten Worte stets mit Respekt für die Mitbewerber ausgesprochen – sie dienten nicht der Kritik, sondern der Manifestation der eigenen Ziele. Und diesen ist der junge Fricktaler schon nach drei Jahren wesentlich näher, als das manche erwartet hätten. «Als Saucenwein ist der Schlipfer noch ganz gut gebrauchbar», schnödete ein Kommentarschreiber nach dem BaZ-Artikel 2014. Ein anderer Online-Troll redete von «jugendlichem Übermut» und «Selbstüberschätzung».
Nun, (nicht nur) Parker sieht das anders. In seinem Ranking ist der Le Grand 2013 von Jost & Ziereisen sogar knapp vor den besten Gewächsen des Weinguts Gantenbein aus Fläsch platziert – mit dem drittbesten Deutschschweizer Resultat. Wobei es mit solchen Rankings ja immer so eine Sache ist… Aussagekräftiger als die detaillierte Reihenfolge ist viel eher die Zusammensetzung der Topweine. Dass Jost gleich mit drei Weinen vertreten ist, zeigt, dass seine Crus bereits jetzt zu den besten ihrer Gattung gehören.
Auf den Süsswasserkalk- und Lehmböden im Schlipf wächst also Vielversprechendes heran. Vor allem wenn man sich nun vor Augen hält, dass der Le Grand 2013, mit dem Jost bei Parker abräumt, sein allererster Schlipf-Jahrgang ist – aus einem Übergangsjahr, durch das er die Reben seines Vorgängers Köbi Kurz hat begleiten dürfen. Den besagten Le Grand habe ich 2015 für VINUM so beschrieben:
Le Grand Pinot Noir 2013 | 18 Punkte | 2016 bis 2025
Bouquet von intensiver Kirschfrucht, reifer Johannisbeere und Brombeergelee, dazu dezent Pfeffer, Tabak und Vanille. Im Gaumen vielschichtig, mit konzentrierter Frucht und einer frischen Würze. Trotz ausgeprägten Tanninen im langen Abgang wirkt dieser saftige Pinot Noir sehr sanft und elegant.
Charakter, Raffinesse und Tiefe erhält der Le Grand unter anderem durch kleinbeerige, lockere Trauben, tiefe Erträge und die manuelle Lese in mehreren Durchgängen. «Es macht einen Unterschied, ob du die 500 Gramm Ertrag in grossen oder in kleinen Beeren hast», erklärt Jost. Auch im Keller ist Handarbeit angesagt: Damit die entrappten Beeren möglichst unversehrt im 2000-Liter-Holzgärständer landen, werden sie mit einem Gabelstapler hochgehoben statt gepumpt. So kommt es auch innerhalb der Beeren zu einer (Mini-)Vergärung und die Weine werden aromatischer, frischer, fruchtiger und saftiger. Vergoren wird spontan. Die Maischestandzeit dauert bis zu 6 Wochen. Gepresst wird während bis zu sechs Stunden in einer alten Korbpresse – natürlich von Hand. Nach 18 Monaten in der Barrique wird der Wein ungeschönt und unfiltriert abgefüllt.

Dieses Jahr stösst ein zweiter «Grosser» zum Sortiment, ein weisser Le Grand: Im April oder August wird der erste Chardonnay in Flaschen abgefüllt – Jahrgang 2015. Burgund-Fan Jost hat die Sorte nach seiner Übernahme auf 13-jährige Merlot-Stämme aufgepfropft und im Folgejahr bereits den Ersten Chardonnay mit 99 Oechsle geerntet.
Es würde also nicht überraschen, wenn Thomas Jost beim nächsten Schweiz-Ranking des «Wine Advocate» auch mit einer weissen Burgundersorte vertreten wäre. Straight aus Basel-Stadt.
Anmerkung: Die Schweizer Weine für Robert Parkers «Wine Advocate» wurden von Stephan Reinhardt bewertet. Der deutsche Weinkritiker hat rund 200 ausgewählte helvetische Tropfen verkostet.
Ein Teil der bestbewerteten Schweizer Parker-Weine gibt es (zusammen mit vielen weiteren Weinen mit 90 und mehr Parker-Punkten) am 4. und 5. Februar im Zürcher Hotel Dolder Grand zu verkosten. Dies im Rahmen der internationalen Parker-Verkostungsreihe «A Matter of Taste – The Ultimate Wine Experience». Jost & Ziereisen werden nicht vertreten sein – ihre Weine gibt’s beim Basler Händler Paul Ullrich zu beziehen. Oder natürlich im Restaurant Mamma Mia Arlesheim.

Aussicht vom Riehener Schlipf in Richtung Basel.