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Kategorien-Archiv: Schweiz

Wannaz, der Winzer-Wizzard aus dem Lavaux

10 Donnerstag Okt 2019

Posted by Bonvinvant in Chasselas, Kolumne, Waadt

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Biodyn, Biodynamie, biodynamisch, Genfersee, Gilles Wannaz, Lac Leman, Lavaux, Naturwein, vin naturel, Waadt, Wannaz

Wer im Glashaus sitzt: Aussicht vom Winter- in den Winzergarten der Domaine Wannaz.

Verwildert. Verwünscht. Verlassen. Feigen am Wegrand, Palmen an der Hauswand. Das Gemüsebeet umzingelt von wilden Kräutern und Blumen. Und Reben, natürlich. Der Blick über den Genfersee zu den Alpen ist atemberaubend. Weit und breit kein Winzer. Wie weggezaubert. In einem Verschlag, hängen, stehen und liegen Sägen und Siebe, Sicheln und Sensen. Ein Kupfertopf, in dem Asterix ein Wildschwein schmoren könnte. Allerlei Krimskrams. Stillleben einer Winzerwerkstatt, eines Zauberers.

Plötzlich steht er da, Gilles Wannaz. Zack, haben wir ihn im Glas, den Chasselas. Kurze Haare, weisser Dreitagebart, Hornbrille – der Winzer, nicht der Wein. Seit über 30 Jahren wirkt er im Herzen des Lavaux, seit 2003 nach biodynamischer Philosophie. Ein Pionier im Revier. Auch ein Philosoph und Poet. Die Etiketten seiner Weine sind gespickt mit Gedichten und Geschichten.

Gilles Wannaz, Winzer, Gastgeber und Multitalent.

Vor allem die Chasselas zeigen, warum nicht nur die UNESCO-zertifizierten Weinterrassen des Lavaux legendär sind, sondern auch die Crus, die darauf wachsen. Hier ist die heimische weisse Sorte Chasselas die Königin. Auch bei Wannaz, obwohl der Wahnsinnige auf seinen 4,5 Hektar nicht weniger als 26 Rebsorten kultiviert. Während sich die klassischen Grand Cru-Chasselas aus St. Saphorin und Epesses frischfruchtig, subtil und floral geben, zeigt die Landwein-Version «Vin en vérité» – ebenfalls aus dem heissen 2018 – mehr Muskeln und eine reifere Frucht. Die Würze ist süss, fast exotisch. Sortentypisch sind sie alle drei.

Ein verwinkeltes Bijou hoch über dem See

Die Chasselas sind untypisch typisch für Gilles Wannaz. Viele Weine des Wizzards sind es nämlich nicht. Merlot und Syrah würde man im Lavaux nicht unbedingt erwarten. Auch deshalb klassifiziert er seine erstklassigen Weine als vermeintlich einfache «Vin de Pays». Wannaz zelebriert auf der Etikette lieber seine poetische Ader, als sie mit der prominenten Herkunftsbezeichnung zu schmücken.

Die Domaine, ein verwinkeltes, altehrwürdiges Bijou hoch über dem See, gleicht einem Gesamtkunstwerk: Kritzeleien auf den Weintanks, kunstvolle Kronleuchter und Antiquitäten, stilsicher arrangiert und dennoch von wilder, chaotischer Schönheit. Das Pendant zum grünen Paradies vor der Haustüre. Als hätten hier Jean Tinguely, Harald Nägeli oder Andy Warhol persönlich Hand angelegt.

Hier tüftelt Wannaz nicht nur an seinen Weinen. Hier kocht er auch für Gruppen bis zu 80 Personen. Es muss ein Erlebnis sein. Denn hier möchte man Feste feiern, bis die Sonne über dem Genfersee wieder aufgeht.

Kupferkessel und Krimskrams: Stillleben aus der Küche eines Winzer-Wizzards.

Funfacts – was es sonst noch zu erzählen gibt

  • Früher hat Gilles Wannaz auch schon das Bühnenbild für Stephan Eicher gestaltet.
  • Seine Weine sind «voyages immobiles». Mit ihnen holt er die Welt an den Genfersee.
  • Wannaz etikettiert seine Crus meist als Vin de Pays. Nach AOC-Richtlinien wird nur der Chasselas abgefüllt – «Ich mag die Tradition, die Kultur, die muss man pflegen. Ein Syrah mit einem Epesses-Etikett interessiert jedoch niemanden.»
  • Das sagt Gilles über sich selber: «Ich koche wie meine Mutter und mache Wein wie mein Vater.»
  • Er mischt auch schon mal mit Tee aus Weinblättern mit Wein und raucht dazu getrocknete Weinblätter, liest man zumindest.
  • Wannaz arbeitet biodynamisch, ein verbissener Dogmatiker ist er aber nicht: «Sulfit ist ein natürlicher Bestandteil des Weins», sagt er und ergänzt lachend: «wenn man radikal gegen Sulfit ist, ist das auch eine Form von Rassismus. Schwefel kann auch für Spannung sorgen.» Er sucht die Einfachheit im Wein. Die Freiheit.
  • Wannaz ist ein Philosoph, auf der Etikette seines Muscat 2018 steht etwa: «De son île aux sovenirs éoliens bourrasque décoiffante sur un air lémanique.»

Die gekürzte Version dieses Artikels wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Das sind die Baselbieter Staatsweine 2019

20 Donnerstag Jun 2019

Posted by Bonvinvant in Baselland

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Baselland, Monika Fanti, Pinot Noir, Riesling-Sylvaner, Siebe Dupf, Staatswein, Weingut Jauslin

So sehen Sieger aus: Heute wurden im Schloss Ebenrain zum vierten Mal die Baselbieter Staatsweine gekürt. Mit diesen dürfen sich unsere Politiker also fortan die Lampe füllen. Sie werden ihre Freude haben – die Weine machen Spass.

Besonders gefallen haben mir der «Syydebändel Pinot Noir Barrique 2016» – ein Gemeinschaftswerk von 10 Oberbaselbieter Winzern – mit seiner schönen Balance zwischen eleganter Frucht, floralen Nuancen und einer frischen Würzigkeit; bei den Weissen war es der «Maispracher Riesling-Sylvaner 2018» der Siebe-Dupf Kellerei, ein perfekter Terrassenwein.

Ansonsten waren die Rotweine, vor allem die aus den heissen Jahren, etwas zu wuchtig und fruchtig für meinen Geschmack. Und von den Weissen haben irgendwie ganz viele ein Eisbonbon verschluckt.

Das sind die Sieger:
🍋 Maispracher Riesling-Sylvaner 2018, Siebe-Dupf Kellerei, Liestal (Riesling-Sylvaner)
🍑 Pinot Gris 2018, Weingut Jauslin, Muttenz (weisse Spezialitäten)
🍓 Kluser Blauburgunder 2018, Weinbau Monika Fanti, Aesch (Blauburgunder)
🍒 Syydebändel Pinot Noir Barrique 2016, Verein Syydebändel (rote Spezialitäten)

Gratulation den Siegern und Kompliment an die Organisatoren!

Der Müller mit dem Baseballschläger

26 Sonntag Mai 2019

Posted by Bonvinvant in Aarau

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Aarau, Adrians Weingut, Biodyn, Demeter, maischevergoren, orange, Orange Wine, Riesling-Sylvaner

Klatsche statt Kitsch: Der Blanc Nature 2017 von Adrian Hartmann hat Swag, Schwung und Struktur.

Ein Müller aus dem Aargau. Klingt bieder? Dann stelle man sich vor, wie einem dieser Müller voll in die Fresse gibt! Nix bieder, eher Baseballschläger. Schöner Schock. Man ist verblüfft von der Energie dieser Klatsche. Von der Energie, die freigesetzt wird, wenn ein Klischee zersplittert und einem eiskalt ins Gesicht geklatscht wird wie der Bodensatz einer Champagnerschale.

Als möchte man eine Schublade öffnen und es fällt einem ein Schrank auf den Kopf. Ein Kühlschrank voller Weisswein mit ungewöhnlich kupferner Farbe. Das ist der Müller. Auch bekannt als Müller-Thurgau oder Riesling-Sylvaner. Dieses Exemplar müsste allerdings eher Müller-Aargau heissen – die Reben wachsen im Schenkenbergertal bei Aarau – oder Müller-Radau. Denn der Blanc Naturel 2017 von Adrians Weingut wirkt neben seinen Artgenossen wie ein Rowdy – einer mit Baseballschläger.

Unkomplizierte Frucht? Vergiss es! Anspruchsloses Sommer-Weinchen? Denkste! Easy drinking? …wir kommen der Sache schon näher. Dieser Müller ist leicht zu trinken, aber schwer zu verstehen. Seine Leichtigkeit hat der kantige Kerl vor allem seiner Frische zu verdanken, dieser Kräuterwürzigkeit, die an Grüntee oder Brennnessel erinnert. Die angenehm herbe Note zieht sich durch vom ersten Schnuppern bis zum letzten Schluck. Schuld daran ist der Gerbstoff. Bei Rotwein würde man von Tannin sprechen. Aber der Dude hier ist ja weiss. Wo kommen da die Gerbstoffe her?

Die Kupferfarbe lässt es erahnen: wir haben es mit einem Orange Wine zu tun. Ein Weisswein, der wie ein Rotwein gekeltert wurde. Maischevergoren ist das Zauberwort. Der Most wurde nach der Ernte nicht sofort abgepresst, sondern zusammen mit den Traubenhäuten und Kernen, vermutlich auch mit den Stielen, vergoren. In dieser Zeit werden, wie beim Rotwein, Gerbstoffe extrahiert. Deshalb auch die satte Farbe.

Winzer unter sich: Adrian Hartmann (r.) und Andrin Schifferli an den Schweizer Weintagen.

Wer gerne einen Fruchtsalat im Glas hat, duckt sich besser, wenn der Baseballschläger angeflogen kommt. Dezente Anklänge von Mandarine und Orangenschale sind dennoch auszumachen. Das Geile an diesen orangen Dingern: Sie haben die Struktur eines Rotweins. Das macht sie zum guten Essensbegleiter – funktioniert wunderbar zu Spargel-Erdbeer-Risotto. Ausserdem entwickeln sich die Weine mit zunehmender Belüftung, Temperatur und Zeit – meist locker über mehrere Tage. So hat man mehrere Weine in einem: Zunächst ein feingliedriger Jüngling, gekühlt und frisch entkorkt. Später ein stramm strukturierter, kräftiger Kerl mit immer intensiver werdender Aromatik und Farbe.

Zu verdanken haben wir diesen Wein Adrians Weingut. Der Adrian heisst nicht Müller sondern Hartmann. Adrian Hartmann. Er führt das vom Grossvater gegründete Gut seit 2016. Ab der kommenden Ernte tragen seine Crus das Biodynamie-Label Demeter. Die elegante Frische, die Adrians Blanc Naturel hier offenbart, zieht sich übrigens durch sein ganzes Sortiment – schwungvoll wie ein Baseballschläger vor dem Homerun.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Der Apfel fällt nicht weit vom Rebstock

21 Dienstag Mai 2019

Posted by Bonvinvant in Kolumne, Schaffhausen

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Benjamin Oswald, Cidre, Klettgau, Markus Ruch, Oswald + Ruch, Pinot Noir, Rheinriesling, Riesling, Schaffhausen

Sag Riiiesling: Der Rheinriesling von Markus Ruch kann sich auch ennet der Grenze sehen lassen. Im Hintergrund grünt ein Cidre-Baum.

Dieser Riesling! Frisch und vibrierend wie ein Bergsee. Man würde sich am liebsten reinlegen. Der See müsste irgendwo in Deutschland oder Österreich liegen – bei den Königen des Rieslings. Aber der hier stammt aus der Schweiz! Seine Hood heisst Klettgau bei Schaffhausen. Und der See ist ein Bergbach – der Rhein.

Eingeklemmt zwischen dem Rheinfall und der deutschen Grenze wachsen die Reben von Markus Ruch. Einen Namen gemacht hat sich der Winzer vor allem mit seinen unverschämt guten Pinot Noir. Das Potenzial dieser Rebsorte, im Zusammenspiel mit den kalkhaltigen Lehmböden des Klettgau, hat Ruch 2007 dazu bewogen, sich nach seinen Wanderjahren im «Blauburgunderland» niederzulassen.

Scharf wie Rasierklingen

Ruch ist einer der wenigen Schweizer Riesling-Winzer. Und mit diesem Exemplar kann er den Königen jenseits der Grenze durchaus die Krone streitig machen. Weil in der Schweiz bei der Sorte aber viele immer noch an Riesling-Silvaner denken, betitelt Ruch seinen Cru wohlweislich als Rheinriesling. Riesling-Silvaner hat nämlich nix mit Riesling zu tun. Darum nennt man dieses Irrwesen heute oft Müller-Thurgau.

Einen solchen hat Ruch ebenfalls im Sortiment – ausgebaut in der Ton-Amphore. Vorerst beschäftigen wir uns aber mit seinem Riesling. Dieser zeigt sich von einer frischen, zitrusfruchtigen Seite. Plus Kräuterwürze und Mineralik. Die Säure schneidet besser als meine Rasierklingen. Vitales Kerlchen. Und knackig: Auch etwas Granny Smith ist auszumachen. Die Apfel-Assoziation ist oft typisch für Riesling. Ich verwende sie hier aber vor allem als perfekte Überleitung zu Ruchs neustem Projekt – der Mosterei Oswald + Ruch.

Look at the Lineup: Links die Pinots, rechts die Cidres – und dazwischen der Riesling.

Zusammen mit seinem Freund Benjamin Oswald hat Ruch vor zwei Jahren damit begonnen, aus den Früchten vernachlässigter Apfel- und Birnenbäume prickelnde Obstweine mit wenig Alkohol zu keltern. Cidre! Als Winzer in «Mostindien» liegt das auf der Hand. Mit ihrem Engagement unterstützt das Duo nicht nur das Überleben rarer alter Hochstamm-Sorten – sie engagieren sich auch für die Biodiversität. Denn Monokultur ist Gift für die Artenvielfalt. Ein Aspekt, der beim Weinbau viel zu oft ignoriert wird. Nicht aber bei Oswald und Ruch. Dank erfolgreicher Crowdfunding-Aktion können sie ihr Start-up nun vorantreiben. Mit seiner Diversifizierung verringert Ruch auch das Klumpenrisiko, das man als Winzer mit sich trägt – etwa bei Spätfrost oder Hagel, die innert Stunden einen ganzen Jahrgang killen können.

Ob Riesling, Cidre oder Amphore – für Ruchs Pinots habe ich am meisten Amore. Es sind die Blauburgunder, die mich regelmässig niederknien lassen. Mein Erweckungserlebnis hat mir ein 2014er aus der Hallauer Haalde beschert. Nachdem ich den geöffneten Pinot Noir vier Monate im Kühlschrank vergessen hatte, präsentierte sich dieser danach im Glas immer noch mit einer sagenhaften Strahlkraft. Das hat mich mindestens so verblüfft wie die Fliege, die mit ins Glas geflutscht ist – so ist das mit der Biodiversität.

Neuanfang im Schlipf – Silas Weiss im Weingut Riehen

15 Mittwoch Mai 2019

Posted by Bonvinvant in Basel-Stadt, Kolumne

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Hanspeter Ziereisen, Jost & Ziereisen, Riehen, Schlipf, Silas Weiss, Thomas Jost, Ullrich, Weingut Riehen, Ziereisen

Noch sind sie nackt, die Flaschen, die im Weingut Riehen auf dem Kellerboden stehen. Aufgereiht wie Mini-Soldaten. «Wir sind bisher nicht zum Etikettieren gekommen.» Silas Weiss nimmt es gelassen. Denn das Wichtigste ist: Die Trauben sind schon lange im Trockenen. Sie schlummern im Fass und erinnern gelegentlich mit einem blubbernden Geräusch daran, dass hier Wein entsteht – als würden sie durch den Gärfilter rülpsen. Draussen, auf den 3,5 Hektar umfassenden Rebbergen im Schlipf oberhalb des Riehener Naturbads, recken die Trauben ihre jungen Triebe dem Himmel entgegen.

Im vergangenen Herbst war es auf dem Weingut hektischer. Nicht nur wegen der stets sehr lebhaften Erntezeit, sondern auch wegen des überraschenden Weggangs von Thomas Jost. Der junge Winzer hatte das Weingut Riehen Anfang 2014 als 26-Jähriger übernommen und es zusammen mit Hanspeter Ziereisen innerhalb weniger Jahre in die Topliga der Schweizer Weinproduzenten katapultiert. Im Mai 2018 entschied sich Jost, das Weingut, zu dessen Erfolg er massgeblich beigetragen hatte, zwecks Neuorientierung zu verlassen.

Vorne: Reben im Riehener Schlipf. Hinten: Häuser in Deutschland.

Bis Silas Weiss ins Spiel kommt, vergehen noch einige Monate. Während der Ernte konnte sich der 23-Jährige kurz als Helfer warmlaufen – eingewechselt als neuer Betriebsleiter wurde er aber erst Anfang 2019. Davor hat Hanspeter Ziereisen – einer der bekanntesten Winzer Deutschlands – mit seinem Team für die Reben und die Verarbeitung der Ernte gesorgt.

Notabene während sich der Markgräfler gleichzeitig um sein eigenes, wesentlich grösseres Weingut im nahen Efringen-Kirchen (D) kümmert. Kein Wunder, blieben da alle nicht so drängenden Arbeiten liegen. Zum Beispiel das Anbringen von Etiketten. Auf diesen wird nun «Weingut Riehen» stehen – anstatt wie bisher «Jost & Ziereisen».

Gern im Grünen: Silas Kawika Weiss – der mittlere Name bedeutet «David» – und ist eine Referenz an Davids Geburtsort Hawaii.

«Während der Ernte hat Hanspeter bis um vier Uhr nachts Trauben verarbeitet», erinnert sich Weiss an seine ersten Tage auf dem Weingut. Zu diesem Zeitpunkt war er noch in der Weinhandlung von Jacqueline und Urs Ullrich tätig. Die beiden sind im Sommer 2018 neben Ziereisen als Co-Investoren beim Weingut Riehen eingestiegen. So wurde aus einem der grössten Schweizer Weinhändler plötzlich auch ein Weinproduzent. Und Silas Weiss konnte nach zwei Jahren im Verkauf wieder in seinen erlernten und ersehnten Beruf als Winzer zurückkehren.

«Ich hatte auch andere Möglichkeiten», sagt Weiss, «aber ich wollte in Basel bleiben – hier habe ich viele Freunde.» So wurde er zu einem der ganz wenigen Winzer auf stadtbasler Boden. Aufgewachsen am Neuenburgersee, absolvierte Weiss seine Winzerausbildung in der Westschweiz und auf dem Zürcher Höngg. Danach folgte ein halbes Jahr auf einem Weingut im kalifornischen Napa Valley.

Erfrorene Triebe: Der Frost führte auch in Riehen zu Schäden – zum Glück nur zu kleineren.

Und nun pendelt Silas Weiss zwischen Riehen und Efringen-Kirchen. «Bei Ziereisens fühlt es sich an wie in einer grossen Familie», findet der 23-Jährige. Er ist dankbar um sein grenzüberschreitendes Engagement – das kleine Weingut in Riehen und der Familienbetrieb im Markgräflerland ergänzen sich gut. Ausserdem gibt es beim erfahrenen Ziereisen viel zu lernen. «Ich ticke ähnlich wie Hanspeter – wir packen gerne an, anstatt lange zu lamentieren», sagt der junge Winzer. Und da bei der Weinwerdung im Keller nur so wenig wie möglich eingegriffen wird, bleibt mehr Zeit für die Arbeit in der Natur.

Teil der Philosophie

Bis Silas Weiss die Früchte seiner Arbeit kredenzen kann, dauert es allerdings noch etwas – die Crus des Weinguts Riehen kommen jeweils nach rund zwei Jahren in den Verkauf. So haben die Weine genug Zeit, um sich zu entwickeln und zu harmonisieren. Auch das ist Teil der Philosophie. Aktuell kümmert sich Weiss sozusagen um seine Stiefkinder. Er ist glücklich mit ihnen – das merkt man beim gemeinsamen Verkosten.

Als nächstes kommt der Jahrgang 2016 in Umlauf. Ein erstes Mal probiert werden können die Gewächse morgen Donnerstag und am Freitag an den Schweizer Weintagen in der Markthalle Basel. Vielleicht wurden die Flaschen bis dahin ja mit ihren Etiketten eingekleidet.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

It’s Jauslin – Weisse Wellen und Memoiren aus Muttenz

01 Mittwoch Mai 2019

Posted by Bonvinvant in Baselland, Dreiland, Kolumne

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Baselland, Hohle Gasse, Hohle Gasse Muttenz, Jauslin, Muttenz, Sauvignon Blanc, Sauvignon Blanc Muttenz, Urs Jauslin, Wartenberg, Weingut Jauslin

Urs und Adrian Jauslin (v.l.): Ihr Pinot «Hohle Gasse» wurde neu in die Schatzkammer des Schweizer Weins (MDVS) aufgenommen.

Plötzlich schwappt eine Welle Sauvignon Blanc über den Tisch. Surfen kann man sie leider nicht. Saufen schon. Der Wellenmacher heisst Urs Jauslin. Er ist eigentlich Winzer. Neben ihm sitzt Sohn Adrian. Zusammen reiten sie mit ihrem Muttenzer Weingut auf der Erfolgswelle. Der ausgekippte Weisswein symbolisiert sozusagen ihren Tatendrang.

Vieles hat Urs Jauslin angerissen, wie ein Versessener an Weinen getüftelt und mit Adrian die fünfte Generation in den Familienbetrieb involviert. Der frisch abgefüllte Sauvignon Blanc 2018, mit dem das Duo nun eine grosse Welle macht, gehört zu ihren Lieblingen. Die Sorte ergibt in fast allen Rebgebieten dieser Welt frische Weissweine. Bekannt sind die knackig-grasigen Exemplare aus Neuseeland und die mineralischen Crus aus dem französischen Loire-Tal.

Vater und Sohn als Tag-Team

«Der Sauvignon Blanc ist so etwas wie unser Baby», erklärt Jauslin Junior, der auf Winzer-Erfahrungen in ebendiesem Neuseeland zurückblicken kann. Vater Urs hat die Sorte 1998 angepflanzt. Er schwärmt von der Vielseitigkeit der Sorte. Im Rebberg gibt Sauvignon Blanc nicht so viel zu tun, findet der Patron. Adrian sieht das etwas anders: «Wir investieren schon sehr viel Zeit in die Arbeit im Rebberg.» Die beiden scheinen sich gut zu ergänzen: Urs als König im Keller, Adrian als Zauberer in den Reben. Zusammen bringen sie einen extrem expressiven Sauvignon Blanc in die Flasche: Knackig, grasig und mit Aromen von Stachelbeere bis hin zu Grapefruit. Dazu eine schöne Balance zwischen Frische und Power.

Hoppla! Nun hat uns die Strömung etwas weggetragen. Eigentlich heisst der surfende Sonnyboy auf der Erfolgswelle nämlich «Hohle Gasse» – die Muttenzer Variante einer Tube-Röhrenwelle. Der Pinot Noir markiert die Spitze im Weinsortiment Jauslin. Ein dichter Rotwein mit deutlichem Holzeinfluss und ordentlich Stoff am Gaumen. Ein Wellen-Brecher, der allen, die gerne über Schweizer Rotwein schnöden, das Maul stopft.

Ritterschlag für das Flaggschiff

Der «Hohle Gasse» wurde kürzlich in die «Mémoire des Vins Suisses» (MDVS) aufgenommen, der Schatzkammer des Schweizer Weins. Der Vereinigung gehören die Schweizer Winzer-Elite sowie Journalisten und Fachleute an. Das Weingut Jauslin ist der erste Produzent der Region Basel, dem diese Ehre zukommt. «Mir war es wichtig, dass wir unser Flaggschiff präsentieren können – so sehen auch die Leute von ausserhalb, was für Spitzenwein wir hier machen können», sagt Urs Jauslin.

Der MDVS-Ritterschlag ist nicht das einzige memorable Ereignis dieser Tage: Auf dem Weingut wird fleissig gebaut – es entsteht ein neuer Barriquekeller. Noch stehen die Holzfässer so dicht, dass dem Besucher nur nach gröberen Verrenkungen eine Fassprobe kredenzt werden kann. Das ändert sich bald. Dann haben Vater und Sohn viel Platz für Experimente. Ideen scheinen sie jedenfalls schon zu haben. Ob sie dabei auch eine surfbare Weinwelle im Kopf haben?

Das Weingut Jauslin ist am Do. 16. und Fr. 17. Mai 2019 zum ersten Mal mit dabei an den Schweizer Weintagen in der Markthalle Basel. See ya!

Inmitten ihrer Barriques: Nach der Fertigstellung des neuen Fasskellers haben Adrian und Urs Jauslin (v.l.) mehr Platz für Gäste – und für Weinexperimente. (Foto: Weingut Jauslin)

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Die Domaine Nussbaumer heisst jetzt Klus 177 – und wird biodynamisch

08 Montag Apr 2019

Posted by Bonvinvant in Baselland

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Aesch, Antoine Kaufmann, Baselbiet, Baselland, Biodyn, Biodynamie, Birstal, Demeter, Domaine Nussbaumer, Goetheanum, Klus, Klus 177, Locanda Klus, Lukas Vögele, Rudolf Steiner

Biodynamisches Winzerduo: Antoine Kaufmann (r.) und Lukas Vögele (l.) haben bereits in der Provence zusammen Wein gemacht.

Riders heisst jetzt Twix – und die Aescher Domaine Nussbaumer heisst neu Klus 177. Neu sind zudem auch Eigentümer und Etiketten. Die frisch abgefüllten Weine lassen Schönes erahnen.

Auf dem Aescher Weingut Klus 177 wird viel gemeckert. Dabei hat niemand einen Grund, sich zu beschweren. Lilly, Bubbele und Freddy ist das egal. Die Ziegen ziehen meckernd zwischen den Rebstöcken umher. Mit dem Frühling kommt nicht nur neues Leben in die Reben – auch die Früchte des vergangenen Herbsts feiern ihre Auferstehung. Die meisten Weine des Jahrgangs 2018 wurden soeben abgefüllt. Die Flaschen kommen im neuen Kleid daher. Neues Etikett, vor allem aber: neuer Name und neue Philosophie.

Es ist so etwas wie der letzte Schritt in der Metamorphose der Domaine Nussbaumer zum Weingut Klus 177, benannt nach dem Domizil an der Klusstrasse 177. Anfang 2017 haben Antoine und Irene Kaufmann die Domaine übernommen. Zuvor wirkte das Paar 18 Jahre lang auf dem Delinat-Bioweingut Château Duvivier in der Provence

Elegant: Die schraffierten Flächen auf den neuen Etiketten zeigen, auf welchen Parzellen die Trauben des Weins gewachsen sind.

Rebschnitt in der Unterhose

«Es war ein gutes Gefühl zurückzukommen», sagt Antoine Kaufmann. «Ein solches Weingut in Stadtnähe zu finden, ist nicht selbstverständlich.» In der Provence hatte der Winzer ein ganzes Tal für sich allein. «Dort hättest du in Unterhosen die Reben schneiden können», sagt er mit einem Augenzwinkern.

In der Klus wäre das nicht so einfach. Oder zumindest nicht so diskret. Die Rebhänge an der Südflanke des Klusbergs markieren nicht nur den Übergang vom Faltenjura in Richtung Rheintalgraben – sie sind auch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Mitverantwortlich dafür sind Kurt und Josy Nussbaumer, die das Weingut inklusive Restaurant ab den 1970er-Jahren weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekanntgemacht haben.

«Kurt Nussbaumer hat vor Kurzem vorbeigeguckt und sich gefreut, dass es vorwärts geht», schildert Antoine Kaufmann. Das Restaurant vis-à-vis gehört nicht mehr zum Weingut, sondern wird als «Locanda Klus» von Nicolas und Rita Dolder betrieben – sie wirkten vorher auf der Domaine. Alles in Bewegung im Karussell namens Klus.

Erstes Demeter-Weingut der Region

Die wichtigste Veränderung hat Kaufmann dort vollzogen, wo es am wichtigsten ist. Nämlich im Rebberg. Die Klus 177 ist das erste Weingut der Region, das nach einer Übergangsphase mit dem Biodynamie-Gütesiegel Demeter zertifiziert sein wird. Dieses geht noch weiter als beim Bioweinbau. Es umfasst neben der Verwendung biodynamischer Präparate auch – verglichen mit dem herkömmlichen Weinbau – den totalen Verzicht auf Herbizide und Insektizide. Dazu kommt der zurückhaltende Einsatz von Schwefeldioxid aka Sulfit – bis zu zehnmal weniger als bei manchen herkömmlichen Weinen.

Nun ist Sulfit nicht das Teufelszeug, als das es manchmal dargestellt wird. Es dient zur mikrobiologischen Stabilisierung des Weins. Winzer, die gesunde Trauben in den Keller bringen und damit umzugehen wissen, können den Einsatz von Schwefel auf ein Minimum beschränken. Oder darauf verzichten. Das ist manchmal auch eine Stilfrage.

Von Freaks und vernachlässigten Schulbüchern

Wer den Weg der Biodynamie einschlägt, weiss, was er macht. Er muss es wissen. Denn man verabschiedet sich von den meisten Tricks, mit denen ein nicht so gelungener Wein doch noch zurechtgebogen werden kann. «In den letzten 15 Jahren hat sich der Weinbau massiv verändert», stellt Kaufmann fest. «Früher waren Biowinzer Freaks, die ihre Weine nicht immer unter Kontrolle hatten. Das ist schon lange nicht mehr so.»

Lukas Vögele, Kaufmanns rechte Hand, erklärt: «Durch das sanfte Pressen der Trauben haben wir sehr wenig Trub im Most – die ideale Voraussetzung, um den Saft spontan zu vergären und den Jungwein auf der Hefe auszubauen – gemäss früheren Schulbüchern wäre sowas gar nicht möglich.» Kaufmann schmunzelt und redet von einem «kalkulierten Risiko».

Mit der Umstellung auf Rudolf Steiners biologisch-dynamische Landwirtschafts-Philosophie ist die Klus 177 vermutlich das biodynamische Weingut, das dem Goetheanum am allernächsten liegt. Der Dornacher Anthroposophen-Hotspot an der gegenüberliegenden Seite des Birstals ist manchmal sogar in Sichtweite – je nach Position im Rebberg. Für das Leben zwischen den Reben bringt die neue Arbeitsweise eine grössere Biodiversität. Die Monokultur wird durch Büsche und Einsaaten aufgelockert. Es entsteht neuer Lebensraum für weitere Vogel- und Insektenarten.

Arbeitsplatz mit Aussicht: Von gewissen Stellen aus, ist sogar das Goetheanum in Dornach zu sehen (von hier aus allerdings nicht).

Ungeschminkte Weine

Aufgewachsen in Biel-Benken, hat Kaufmann nach der Önologie-Ausbildung in Changins (VD) im Veneto, Australien, Kalifornien und Bordeaux Erfahrungen gesammelt. Seine Erkenntnisse sind simpel, aber nicht unbedingt einfach umzusetzen: deutliche Reduktion der Erträge, schonende Verarbeitung und eine langsame, sanfte Pressung der Trauben. Gefiltert wird erst kurz vor der Abfüllung. So entstehen ungeschminkte Weine aus gesunden Trauben. Diese wurden im Hitzesommer 2018 besonders früh geerntet, damit die Frische nicht flöten geht.

Nun stehen sie da, die neuen Weine. Feingliedrig und elegant – das gilt für die Etiketten, aber auch für die Weine. Der Riesling-Sylvaner und der Le Blanc präsentieren sich mit knackiger Frucht und Eleganz. Der Pinot Gris kommt cremiger und vollmundiger daher. Der Rosé ist der ideale Begleiter für kommende Erdbeer-Orgien. Auf der roten Seite zeigt der Pinot Noir, dass ein heisser Sommer 2018 nicht zwingend einen wuchtigen Wein ergeben muss – der Cru oszilliert zwischen feiner Kirschenfrucht und animierender Würzigkeit. Seine grossen Brüder, der Pinot Noir Réserve und die Assemblage Le Rouge, sind ab Herbst erhältlich.

Ran an die Flaschen!

Durstig? Wer die neuen Weine der Klus 177 verkosten möchte, hat bald die Möglichkeit dazu in der Markthalle Basel: Zuerst am Basler Wymärt (11. bis 13. April), danach an den Schweizer Weintagen (16. und 17. Mai). Natürlich kann man die Weine auch direkt auf dem Weingut saufen und kaufen. Zum Beispiel am 1. Mai am Tag der offenen Weinkeller.

Dann gibt’s in «Aesch bigott» auch weitere Produzenten zu entdecken – das beginnt bei Monika Fanti in der Vorderen Klus, geht weiter mit dem Klushof und endet hinten im Talkessel auf dem Weingut Tschäpperli, das bereits eine Auszeichnung zum Baselbieter Staatswein erhalten hat. Die Winzerinnen und Winzer der Weinbaugenossenschaft Aesch können übrigens in absehbarer Zeit auf ihr 100-jähriges Bestehen anstossen.

Es gibt also keinen Grund, zu meckern. Auch nicht für das Ziegen-Trio Lilly, Bubbele und Freddy.

Dieser Artikel wurde erstmals in der bz Basel publiziert.

Bitte schütteln: Die ersten Schweizer 2018er sind da!

01 Freitag Feb 2019

Posted by Bonvinvant in Kolumne, Schweiz

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Aran, Aran-Villette, Chasselas, Cortaillod, Domaine des Cèdres, Domaine Mermetus, Genfersee, Gutedel, Lac Leman, Lavaux, Martin Porret, Neuchâtel, Non Filtré, Sans filtre, Vincent Chollet, Vins Porret, Waadt

Das Depot durcheinander bringen: Winzer Martin Porret zeigt, wie man seinen Non Filtré vor dem Öffnen behandelt.

Trübe Aussichten können so schön sein! Traditionell am dritten Mittwoch im Januar haben kürzlich über 30 Winzer im Neuenburger Rathaus ihre frisch abgefüllte Spezialität lanciert – den Neuchâtel Non Filtré 2018. Ein trüber Kerl mit milchiger Farbe und sichtbaren Rückständen am Flaschenboden. Bei diesem Wein muss das so sein. Deshalb sollte die Flasche vor dem Genuss auch sanft umgedreht und geschaukelt werden. Wers härter mag, kann sie auch schütteln.

Was ist das für Zeug, das im Weisswein rumschwimmt? Es sind abgestorbene Hefen. Zu Lebzeiten haben sie den Fruchtzucker zu Alkohol vergoren. Jetzt sorgen sie für ein cremiges Mundgefühl und eine vielseitige Aromatik. Beim Non Filtré des jungen Winzers Martin Porret – er führt die Domaine des Cèdres in Cortaillod in sechster Generation – sind das zum Beispiel Noten von Brioche (typisch Hefe), Birne oder exotischen Früchten.

Der Wein gibt sich quietschfidel und äusserst vielseitig (siehe Verkostungsnotiz weiter unten). Nicht schlecht für einen Chasselas! Die wichtigste Schweizer Rebsorte ergibt oft eher neutrale Weine. Nicht so bei Porrets Non Filtré 2018, der im grossen, 90-jährigen Holzfass «Foudre N°1» ausgebaut wurde.

Santé: Martin Porret (r.) und der Autor verkosten den «ersten Wein» des Jahrgangs 2018.

Die Non Filtré-Weine aus Neuchâtel sind vor allem aus zwei Gründen bekannt: Erstens gelten sie als erste trinkfertigen Vorboten jedes neuen Schweizer Jahrgangs. Zweitens werden die Weine, der Name sagt’s, ungefiltert abgefüllt. Eine Methode, die heute wieder chic ist. Vor allem bei Winzern, die ihren Wein so naturbelassen wie möglich abfüllen. «Bei manchen Crus sollte man nach dem Filtrieren lieber den Filter trinken als den Wein», hat mir der französische Biodynamie-Pionier Nicolas Joly einmal schmunzelnd verraten.

Bei manchen Crus sollte man nach dem Filtrieren lieber den Filter trinken als den Wein.“

Nicolas Joly (Coulée de Serrant)

Erfunden wurde der Neuchâtel Non Filtré aus Versehen, Kommissar Zufall ist nämlich auch ein guter Winzer: Nach einem trockenen Jahr mit magerer Ernte sassen 1975 auch die Weintrinker auf dem Trockenen. Um den Engpass zu überbrücken, füllte Winzer Henri Alexandre Godet seinen noch nicht filtrierten Chasselas-Jungwein in die Flasche – und landete einen Volltreffer. Es war die Geburt jener Spezialität, die die Neuenburger Winzer nun als «ersten Schweizer Wein des Jahres» zelebrieren.

Das Frühchen vom Genfersee

Der erste Wein? Nein! In einer von weltbekannten Winzern bevölkerten Region am Genfersee lebt ein Meister, der seinen Wein sogar schon Ende November abfüllt. Wenige Wochen nach der Ernte. Natürlich ungefiltert. Es ist Vincent Chollet (Domaine Mermetus) aus den als UNESCO-Welterbe geadelten Rebbergen des Lavaux (VD) mit seinem Blanc sans filtre 2018. Ebenfalls ein naturtrüber Chasselas, der vor dem Ausschenken gerne geschüttelt werden darf.

Er lanciert seinen «Sans Filtre» noch vor den Kollegen aus Neuenburg: Vincent Chollet von der Domaine Mermetus im malerischen Lavaux (VD).

Anders als in Neuchâtel wird hier kein «fertiger» Cru abgefüllt: «Der Wein soll wie eine Fassprobe schmecken», erklärt Chollet. Es ist sozusagen die Erweiterung des Jungwein-Verkostung unter Winzerkollegen. Die Fassprobe duftet zunächst nach Cidre oder Apfelsaft – wegen der Apfelsäure, einem wichtigen Bestandteil im Traubenmost, die noch nicht zur milderen Milchsäure transformiert wurde. Der Sans Filtre ist ein frischer Wein mit leichter Kohlensäure und Zitrusaromen. Vincent Chollet bezeichnet seinen Sans Filtre gerne auch als «Beau Chollet Nouveau» in Anlehnung an die legendären «Beaujolais Nouveau»-Frühchen aus Frankreich.

Ob knackig wie der Sans Filtre vom Genfersee oder cremig wie der Non Filtré aus Neuchâtel – etwas haben die frühreifen Romands gemeinsam: Sie sind für weniger als 15 Franken zu haben. Gemessen an deren hohen Spassfaktor ist dieser faire Preis – ungefiltert gesagt – fast schon eine Frechheit.

Erstmals erschienen ist dieser Text am 26. Januar 2019 in der «Schweiz am Wochenende» (bz Basel). Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen.

Verkostungsnotizen

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Malans Vol. 3: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern

29 Donnerstag Nov 2018

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Schlagwörter

Bündner Herrschaft, Graubünden, Malans, Peter Wegelin, Scadenagut, Schloss Bothmar, Schweizer Wein, Torkel


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Nach Besuchen bei Martin Donatsch und Giani Boners Completer-Kellerei Mitten in Malans bewegen wir uns den Hang hinauf in Richtung Dorfrand zu Peter Wegelins Scadenagut. Dort hat nicht nur der Winzer einen wunderbaren Panoramablick…

«Gutes Rebland ergibt halt schöne Wohnlagen», stellt Peter Wegelin fest. Wie Giani Boner beobachtet auch er mit wachem Blick den Wandel des Dorfes, dessen Bevölkerung sich in den letzten Dekaden beinahe verdoppelt hat auf rund 2300 Einwohner (Stand 2016). In seinen Augen sollte Malans Sorge tragen zu den Rebflächen im Dorf.

Die Parzellen zwischen den historischen Häusern verleihen der Gemeinde Grünfläche und Charme – umgeben von Trockensteinmauern unterstreichen sie auch den gern zitierten Vergleich als «Burgund der Schweiz». Das geflügelte Wort ist hier definitiv mehr als ein gut ausgedachter Marketingslogan.

Vor allem natürlich dank der Malanser Topwinzer und ihrer burgundisch-elegant anmutenden Pinots, zu deren Vorreitern Wegelin gehört. Die moderne Kellerei seines Scadenaguts thront über dem Dorf, unterhalb von Schloss Bothmar. In diesem historischen Herrschaftshaus begann 1974 die Familie Wegelin mit der Kelterung eigener Weine. Zuvor bildete Vater Wegelin mit den Malanser Winzern Godi Clavadetscher, Georg Fromm und Jakob Liesch eine legendäre Torkelgemeinschaft.

Auf dem Scadenagut von Peter Wegelin überwintern die Jungweine draussen auf der Terrasse – im Sommer dürfen die Besucher den Ausblick über Malans geniessen.

Es war ein wichtiger Schritt vom Traubenproduzenten zum Selbstkelterer, sinnbildlich für eine ganze Generation von Winzern, die seit den 70er Jahren für den Aufschwung des Malanser Weinbaus sorgen und deren Weg heute von ihren Nachfolgern weiterbeschritten wird. 2014 hat Peter Wegelin seinen Weinbaubetrieb auf Bio umgestellt. Neue Herausforderungen, aber auch die Sorge um Natur und Umwelt waren seine Motivation. Draussen auf der Terrasse des Scadenaguts stehen Stahltanks und Barriques.

Wie Boner nutzt Wegelin die winterlichen Temperaturen zur nachhaltig-natürlichen Kühlung. Mit der Umstellung auf Bio verspricht er sich kleinere, aromatischere Trauben und qualitativ bessere Weine, die Sortencharakter und Terroir vertieft widerspiegeln. Wegelin ist in bester Gesellschaft – Malans gilt als Vorreiter im biologischen Weinbau. Für ausgezeichneten Biowein stehen heute unter anderem Winzer wie Roman Clavadetscher, Luzi Boner oder Louis Liesch, der «VINUM-Biowinzer des Jahres 2014».

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Wein-Tipp
Peter Wegelin – Weissburgunder 2014
Zunächst zurückhaltend im Bouquet trumpft Wegelins Weissburgunder nach dem ersten Schwenker auf mit einem zitrischen Aromenspiel, grünem Apfel und frischem Kernobst – und mit einem Hauch von Feuerstein. Animiert mit feinem Prickeln, frischer Frucht und strammer Säure. Anklänge von Zitronensalz, Limette und Brennnessel. Im Abgang mit herber Frucht und feiner Kräuterwürze.

Winzerdorf-Reportage: Bisher erschienen
Malans Vol. 1/4: Donatsch – Vom Barrique-Pionier zum Pinot-König
Malans Vol. 2/4: Giani Boner – Oxidierte Completer-Meisterwerke
Malans Vol. 3/4: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern

Demnächst
Malans Vol. 4/4: Anjan Boner – Alter Name, neues Weingut

Die Reportage zum «Winzerdorf Malans» ist erstmals in der Ausgabe 03/2016 der Weinzeitschrift VINUM erschienen. Alle Zitate und Fotos entstanden im Januar 2016.

Der historische Torkelbaum im Schloss Bothmar misst 11,8 Meter und wiegt 9,5 Tonnen.

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Klus & Tschäpperli Aesch vor der Ernte (Fotos)

06 Donnerstag Sept 2018

Posted by Bonvinvant in Baselland

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Schlagwörter

Aesch, Basel-Landschaft, Baselbiet, Baselland, Klus, Nordwestschweiz

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