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Nach Besuchen bei Martin Donatsch und Giani Boners Completer-Kellerei Mitten in Malans bewegen wir uns den Hang hinauf in Richtung Dorfrand zu Peter Wegelins Scadenagut. Dort hat nicht nur der Winzer einen wunderbaren Panoramablick…

«Gutes Rebland ergibt halt schöne Wohnlagen», stellt Peter Wegelin fest. Wie Giani Boner beobachtet auch er mit wachem Blick den Wandel des Dorfes, dessen Bevölkerung sich in den letzten Dekaden beinahe verdoppelt hat auf rund 2300 Einwohner (Stand 2016). In seinen Augen sollte Malans Sorge tragen zu den Rebflächen im Dorf.

Die Parzellen zwischen den historischen Häusern verleihen der Gemeinde Grünfläche und Charme – umgeben von Trockensteinmauern unterstreichen sie auch den gern zitierten Vergleich als «Burgund der Schweiz». Das geflügelte Wort ist hier definitiv mehr als ein gut ausgedachter Marketingslogan.

Vor allem natürlich dank der Malanser Topwinzer und ihrer burgundisch-elegant anmutenden Pinots, zu deren Vorreitern Wegelin gehört. Die moderne Kellerei seines Scadenaguts thront über dem Dorf, unterhalb von Schloss Bothmar. In diesem historischen Herrschaftshaus begann 1974 die Familie Wegelin mit der Kelterung eigener Weine. Zuvor bildete Vater Wegelin mit den Malanser Winzern Godi Clavadetscher, Georg Fromm und Jakob Liesch eine legendäre Torkelgemeinschaft.

Auf dem Scadenagut von Peter Wegelin überwintern die Jungweine draussen auf der Terrasse – im Sommer dürfen die Besucher den Ausblick über Malans geniessen.

Es war ein wichtiger Schritt vom Traubenproduzenten zum Selbstkelterer, sinnbildlich für eine ganze Generation von Winzern, die seit den 70er Jahren für den Aufschwung des Malanser Weinbaus sorgen und deren Weg heute von ihren Nachfolgern weiterbeschritten wird. 2014 hat Peter Wegelin seinen Weinbaubetrieb auf Bio umgestellt. Neue Herausforderungen, aber auch die Sorge um Natur und Umwelt waren seine Motivation. Draussen auf der Terrasse des Scadenaguts stehen Stahltanks und Barriques.

Wie Boner nutzt Wegelin die winterlichen Temperaturen zur nachhaltig-natürlichen Kühlung. Mit der Umstellung auf Bio verspricht er sich kleinere, aromatischere Trauben und qualitativ bessere Weine, die Sortencharakter und Terroir vertieft widerspiegeln. Wegelin ist in bester Gesellschaft – Malans gilt als Vorreiter im biologischen Weinbau. Für ausgezeichneten Biowein stehen heute unter anderem Winzer wie Roman Clavadetscher, Luzi Boner oder Louis Liesch, der «VINUM-Biowinzer des Jahres 2014».

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Wein-Tipp
Peter Wegelin – Weissburgunder 2014
Zunächst zurückhaltend im Bouquet trumpft Wegelins Weissburgunder nach dem ersten Schwenker auf mit einem zitrischen Aromenspiel, grünem Apfel und frischem Kernobst – und mit einem Hauch von Feuerstein. Animiert mit feinem Prickeln, frischer Frucht und strammer Säure. Anklänge von Zitronensalz, Limette und Brennnessel. Im Abgang mit herber Frucht und feiner Kräuterwürze.

Winzerdorf-Reportage: Bisher erschienen
Malans Vol. 1/4: Donatsch – Vom Barrique-Pionier zum Pinot-König
Malans Vol. 2/4: Giani Boner – Oxidierte Completer-Meisterwerke
Malans Vol. 3/4: Peter Wegelin – Wo Weine auf der Terrasse überwintern

Demnächst
Malans Vol. 4/4: Anjan Boner – Alter Name, neues Weingut

Die Reportage zum «Winzerdorf Malans» ist erstmals in der Ausgabe 03/2016 der Weinzeitschrift VINUM erschienen. Alle Zitate und Fotos entstanden im Januar 2016.

Der historische Torkelbaum im Schloss Bothmar misst 11,8 Meter und wiegt 9,5 Tonnen.

Malans – Facts & Figures

Im südlichsten und wärmsten Winzerdorf der Bündner Herrschaft werden 97.1 Hektar Rebland durch insgesamt 89 Parteien kultiviert. Die verbreitetsten Sorten sind Blauburgunder (67.87 ha), Riesling-Silvaner (7.69 ha), Chardonnay (4.45 ha), Grauburgunder (3.68 ha) und Completer (2,76 ha). Die Malanser Böden sind mittelschwer, kalkreich und bestehen aus Ton, Lehm und Sand.

Mit einem Produktionsanteil von 23 Prozent ist Malans der zweitgrösste Weinproduzent in Graubünden hinter Maienfeld (26.3%) und vor Jenins (18.5%) und Fläsch (15.5 %). Die vier grossen Winzerdörfer der Bündner Herrschaft bewirtschaften auf 351,8 Hektar insgesamt 83,3 Prozent des Bündner Weinbaus. Im ganzen Kanton wurde 2015 Wein für 2,8 Millionen Flaschen geerntet.


Empfehlungen in Malans 

Raus zur Completerhalde
Wer sanft abfallende Weinberge dem Hochgebirge vorzieht, wähnt sich in der Bündner Herrschaft im Paradies. Umgeben von malerischen Bergen und mit Blick über das Rheintal oder den Eingang ins Prättigau, durch den die Rhätische Bahn in Richtung Klosters und Davos rattert, führt der Bündner Weinwanderweg etwa zur legendären Completerhalde südöstlich von Malans. Der Bündner Weinwanderweg führt auf über 40 ausgeschilderten Kilometern von Chur durch die gesamte Bündner Herrschaft. www.graubuendenwein.ch

Restaurant & Hotel Weiss Kreuz 
Im Sommer ist die Dachterrasse des Weiss Kreuz der ideale Ort, um ein Glas Malanser Weisswein zu geniessen. Daneben laden vier traditionelle Stuben, eine mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küche und Gastgeberin Iris Petermann zum Verweilen ein. Ein Spitzenrestaurant mit dem Charme einer Dorfbeiz und einem frisch erweiterten Weinkeller, bestückt von Hans Rhyner.
www.weisskreuzmalans.ch

Gasthaus Krone
Mit der «Chrona» hat Malans mitten im Dorf ein zweites Restaurant mit traditionellem Charme und toller Küche zu bieten. Das Essen ist regional, frisch und gutbürgerlich, das Capuns ist ein Gedicht und die Weinkarte umfasst eine grosse Auswahl an Malanser Gewächsen. Umgeben von Winzer-Torkeln und historischen Gebäuden bietet das Haus auch Gästezimmer. Im Dezember wird zum Treberwurstessen mit mobilem Brennkessel geladen.
www.krone-malans.ch

Winzerstube Ochsen
Wo könnte man die Donatsch-Weine besser geniessen, als in der hauseigenen Winzerstube von Thomas und Heidi Donatsch bewirtet zu werden? Im Winter lockt der mit Rebholz befeuerte Kachelofen im Arvenstübli, im Sommer die Terrasse. Neben den Eigengewächsen werden auch externe Weine ausgeschenkt. Dazu die berühmte Gerstensuppe oder eine Bündnerblatte. Es braucht nicht viel, um Glücklich zu sein.
www.donatsch.info

Vinotiv-Verkostung
Ein Merkmal der Herrschäftler Winzer ist die enge Zusammenarbeit. Bestes Beispiel dafür ist die Winzervereinigung Vinotiv Graubünden. Drei von zwölf Mitgliedern kommen aus Malans –  Peter Wegelin, Martin Donatsch und Georg Fromm. Am 5. Mai 2018 präsentieren die Vinotiv-Winzer ihre Weine an der grossen Jahresdegustation im Weingut Davaz (Fläsch). Anfang September folgt dann die beliebte Vinotiv-Rebwanderung.
www.vinotiv.ch

Älplibahn
Wer Malans und die Herrschaft von Oben betrachten möchte, dem sei die Älplibahn am Fusse des Vilan empfohlen. Im Zweiten Weltkrieg zu militärischen Zwecken erbaut, befördert sie heute jedermann von Malans hinauf zum Bergrestaurant auf 1801 Meter. Betrieben von der Älplibahngemeinschaft ist die erste konzessionierte Luftseilbahn Graubündens mit einer Fahrbahnlänge von 3,5 km bis heute die Bahn, die am meisten Höhenmeter ohne Zwischenstation überwindet. Saison ist von Mai bis Anfang November, eine Reservation wird empfohlen. Wer wissen will, ob das Wetter passt, kann live über die Webcam nachgucken.
www.aelplibahn.ch

Der Berg ruft
Wo ein Vilan ist, ist auch ein Weg. Malans ist der ideale Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Zum Beispiel jene auf den 2376 Meter hohen Vilan am Eingang des Prättigaus. Die aussichtsreiche Route führt über den Fadärastein bis nach Seewis im Prättigau bis auf den Vilan. Wer es schnell und bequem mag, verkürzt die Wanderung mit der Älplibahn. Auf dem Gipfel bietet sich ein Panoramablick auf das Rheintal, die Churfirsten, zum Piz Bernina, zu Piz Kesch, Piz Linard und Ringelspitz. Wer es gemächlich mag, kann im Sommer im Gausthaus Fadära Halt machen.
www.gasthausfadaera.ch