• About

Bonvinvant

~ Wein mit Attitüde

Bonvinvant

Kategorien-Archiv: Region

Domaine Philippe Gilbert, Menetou-Salon AC Les Renardières 2012

07 Samstag Jan 2017

Posted by Bonvinvant in Degustiert, Loire, Pinot Noir

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

2012, Appellation Menetou-Salon Controlée, Degunotiz, Domaine Philippe Gilbert, Frankreich, Les Renardières, Loire, Menetou-Salon AC, Pinot Noir, Schnee, verkostet, Winter

philippe_gilbert_menetou-salon_ac_les_renardieres_2012_web_quer_logo_insta

Ein schöner, biodynamischer Pinot Noir von der Loire: Vor dem weissen Schneetepich hebt sich das mittlere Rubinrot des Renardières 2012 noch schöner ab; würzig-fruchtige Pinot-Nase mit Aromen von Sauerkirsche, Kirschstein, weissem Pfeffer und frischen Kräutern (nach einem Tag offen bereits wesentlich zugänglicher, kurz nach dem Öffnen war er fast muffig); prägnante Säure, frische dunkle Frucht, deutliche Barriquewürze und straffe Tannine, leicht bitterlich – und etwas harsch – im lange anhaltenden Abgang. Ein schön saftiger Pinot, der am Tag nach dem Öffnen in der Nase besser und im Gaumen etwas ruppiger daherkommt. Dass die Trauben mit den Rappen vergoren wurden, und im Barrique ausgebaut wurden, ist deutlich erkennbar und gibt dem Wein einen frischgrünen Unterton.

Gambero Rosso 2017: Schwalben-Drama mit zwei Volltreffern

30 Mittwoch Nov 2016

Posted by Bonvinvant in Degustiert, Italien

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

Bardolino, Gambero Rosso, Italien, Lacrima di Morro, Lacrima di Morro d’Alba Superiore Orgiolo, Le Vigne di San Pietro, Marken, Marotti Campi, Tenuta di Tavignano, Venetien, Veneto, Verdicchio, Verdicchio die Castelli di Jesi Classico Superiore Misco

Der Prosecco zu fade, der sardische Vermentino zu klebrig, der Soave zu kurz, der Aosta-Cornalin zu bitter, die rote Etna-Cuvée zu verkocht…wer nach Schätzen sucht, muss zuerst im Dreck wühlen. So geschehen bei der Präsentation des italienischen Weinführers Gambero Rosso 2017 diese Woche in Zürich. Natürlich schmeckten die eben deklinierten Drecksweine nicht ganz so dramatisch wie geschildert. Das war eine Inzhagi-mässige Schwalbe meinerseits. Ein dramaturgisches Calcio-Drama – mit Wein statt Fussball. Eine Steilvorlage für die beiden Volltreffer, die voll eingeschlagen haben bei mir. Allora…

bardolino_2015

Le Vigne di San Pietro (Venetien)
Bardolino 2015
Ein unkomplizierter Spasswein mit nur 12 Volumen! Und ganz viel Frucht. Dezent Pfeffer vom kurzen Ausbau im grossen Holzfass. Trinkig wie ein Weisswein, opulent nach Erdbeeren, Kirschen und Himbeeren duftend (aber nicht kitschig!). Ein «Vinello», ein Weinchen, im positivsten Sinn, assembliert aus den Veneto-Topshots Corvina und Rondinella sowie Merlot. Leicht gekühlt servieren! Muss ich mir für den nächsten Sommer merken.

misco_selezione

Tenuta di Tavignano (Marken)
Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore Misco 2015
Unaufdringliches und elegantes Bouquet mit grünlich-frischer Frucht (Limette, Zitronengras) und einer feinen Würze; im Gaumen ebenfalls grün und frisch – jetzt gesellt sich Granny Smith dazu – mit schönem Säurenerv, animierender Amertume und floralen Nuancen. Der Gambero Rosso gibt ihm drei Gläser – ich würde auch mehr davon trinken.

Als Nachtrag ein fruchtig-floraler Geheimtipp: Der Lacrima di Morro d’Alba Superiore Orgiolo 2014 von Marotti Campi (Marken) ist ein unfassbar blumiger Rotwein mit einem Bouquet von Veilchen, Rose, Sauerkirsche und einem Körnchen Teer. Dunkel, würzig, frisch, mit saftiger Säure und griffigem Tannin. Gekeltert aus der autochthonen Rarität Lacrima di Morro.

Mirto-Vertikale 1999-2011: Eine Zeitreise in die Zukunft des Rioja

18 Freitag Nov 2016

Posted by Bonvinvant in Degustiert, Rioja (ESP)

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

Degu, Degustation, Haro, Mirto, Ramón Bilbao, Rioja, Rioja Alta, Tempranillo, Verkostung, Vertikale

161116_mirto-vertikale_ramon_bilbao_2_web

Zurück in die Zukunft: Das ist nicht Ramon Bilbao, sondern Matthew Bywater, Markenbotschafter und Pilot beim Mirto-Flight in der Modissa Rooftopbar Zürich.

Der Mirto ist ein Lagenwein – aber nicht immer aus derselben Lage. Er wird ausgebaut in Barriques – aber nicht immer in den selben Barriques. Gekeltert wird nur in den besten Jahren. Und der Mirto lässt sich, anders als die meisten Riojas, nicht in die Ausbau-Schubladen «Crianza» (mind. 2 Jahre gereift, davon 1 J. im Fass), «Reserva» (mind. 3 J., davon 1 J. Fass) oder «Grand Reserva» (mind. 5 J., davon 2 J. Fass) stecken.

Warum nicht? Der Mirto will über seine Lage und nicht über seine Lagerzeit definiert werden. Ein Terroirwein sozusagen. Deshalb möchten die Bodegas Ramón Bilbao aus Haro in Rioja Alta ihr Flagschiff auch unter Namensnennung der jeweiligen Einzellage (sie kann je nach Jahrgang variieren) abfüllen. Aktuell ist dies gemäss Weingesetzgebung der DO noch nicht erlaubt.

Gut möglich aber, dass sich dies bald ändert. Eine entsprechende Anpassung wird diskutiert – angestossen vom Engagement jener Winzer, die ihre Weine über Qualität und Terroir definieren möchten und nicht über das bisherige Dreiklassen-System, deren Kategorien zum Teil ein markantes internes Qualitätsgefälle aufweisen (weil sie sich, wie gesagt, v.a. über die Ausbauzeit definieren).

Die Verkostung durch die Mirto-Jahrgänge 1999, 2004, 2006, 2009 und 2011 ist also nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Sondern auch ein Ausblick in die Zukunft. Die Vertikale zeigt nämlich, in welche Richtung rote Rioja-Weine gehen können, wenn sie als Einzellage vinifiziert werden. Eine schöne Perspektive!

Ramón Bilbao, Mirto 1999
Der allererste Mirto. Siebzehn Jahre jung – dieser Teenager-Tempranillo aus der Sandstein-Lage «Villalba» hat sich sehr gut gehalten: Die Fruchtaromen im Bouquet sind reif, präsent und erinnern an Cassis, Zwetschge und (nicht zu süsse) Brombeermarmelade, daneben eine sanft-süsse Würze nach Zimt und Weihnachtsgebäck aber auch Lakritz und Minze, Noten von Tabak und dunkler Schokolade. Gedanken an einen schön gereiften Merlot werden wach. Im Gaumen gibt sich der Teenie frisch mit lebendiger Säure und griffigem Gerbstoff, die Frucht ist dunkel, das Finish lang, ätherisch und mineralisch. Die folgenden Jahrgänge werden zeigen, dass sich der 1999er besser gehalten hat als einige seiner jüngeren Brüder. Mit der Zeit wirkt der Wein in der Nase allerdings etwas staubig – aber bevor ich prüfen konnte, ob die Zeit den Staub wieder wegbläst, war das Glas leer.

Ramón Bilbao, Mirto 2004
Rubinrot mit Granatreflexen – farblich wirkt dieser Mirto älter als sein 5 Jahre jüngerer Bruder (sofern ich das im Halbdunkel der Modessa-Rooftopbar in der Zürcher Langstrasse erkennen kann). Und auch in der Nase gibt sich der Dude ganz anders. Reifer. Fast schon leicht eingekocht. Pflaume und Zwetschge sind da, Pfeffer, Tabak wieder, und statt schwarz ist die Schokolade jetzt milchig. Ganz anders also. Kein Wunder, dieser Mirto stammt (ausnahmsweise) aus der Lage «Abalos» mit einem etwas schwereren Boden aus Sandstein, Lehm und Sand. Im Gaumen wesentlich frischer als in der Nase mit toller Säure, einer gewissen Mineralik und frischer Kräuterwürze, leichte Amertume im Abgang. Hier wirkt die Schokolade nicht mehr milchig, sondern dunkel und mit einem Schuss Salz.

Ramón Bilbao, Mirto 2006
Ein saftiger und sehr fruchtiger Mirto. Neben Cassis und Brombeere auch erdige Aromen, Zedernholz und – wieder – Milchschokolade; im Gaumen frisch, von animierender Würzigkeit, mineralisch. Im Mund mit Noten von Lakritz und grünem Unterholz. Elegant und straight, aber (noch) etwas weniger ausgewogen als seine Vorgänger aus den Jahren 1999 und 2004. Dafür frischer.

Ramón Bilbao, Mirto 2009
Je länger die Degu, desto kürzer die Notizen. Das liegt aber auch daran, dass die Mirto-Weine mit ihrer lebendigen Säure und einer animierenden Mineralik im Gaumen einen klaren roten Faden erkennen lassen. Und dass der 09er zwar frischer, aber dem 06er doch recht ähnlich ist. Brothers from another mother, beziehungsweise Jahrgang. Zurückhaltend und elegant zeigt der Mirto hier ein Bouquet von frischen roten und schwarzen Beeren (Sauerkirsche, Johannisbeere) sowie würzige Nuancen von Lakritz und Zedernholz. Im Gaumen mit Grip und ausgeprägter Mineralik, viel Säure und schön eingebundenen Tanninen. Nach einiger Zeit auch mit Anklängen reiferer Fruchtaromen und einer süsslicheren Würzigkeit.

Ramón Bilbao, Mirto 2011
Nach fünfjähriger Reife ist der aktuelle Mirto Jahrgang 2011 das Nesthäkchen dieser Vertikalverkostung. Und so gibt sich dieser Wein auch: Mit quietschlebendiger, opulenter, fast schon kitschig wirkender Frucht, schwarze Holunder- und Johannisbeeren etwa, daneben auch florale Veilchennoten, ein Hauch von Teer sowie frisches Unterholz und Kräuter. Im Mund mit sehr lebendiger, fast schon prickelnder Mineralität, einer frischen Würze und dunkler, animierender Frucht. Die Säure ist vif, die Tannine haben Grip – ein saftige-frischer Mirto, der förmlich aus dem Glas jauchzt.

161116_mirto-vertikale_ramon_bilbao_1_web

Château d’Arlay Côte du Jura Vin Jaune 2007

06 Sonntag Nov 2016

Posted by Bonvinvant in Degustiert, Jura

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

2007, Château d'Arlay, Degu, Degunotiz, Florhefe, Frankreich, Jura, oxidativ, Verkostung, Vin Jaune

chateau_d_arlay_vin_jaune_2007_web

Eine weisse Wucht. Der opulente Duft dieses Vin Jaune strömt einem schon von Weitem in die Nase. Heu, Dörrobst, Nüsse, feuchte Tabakblätter, und Rancio-Noten, aber auch gelber Apfel, Birnensirup und überreife Mirabelle. Im Gaumen frisch, mit süssherben Gewürznoten, die im Abgang mineralisch wirken. Auch nach knapp einer Woche offen noch straff wie eine Eins und mit toller Struktur. Kein Wunder: Nach über sechsjährigem, oxidativem Ausbau in Eichenfässern, in denen sich mit der Zeit ein – wie bei Fino Sherry – ein Hefeflor bildet, ist dieser reinsortige Savagnin (auch Heida/Païen/Traminer) sozusagen unkaputtbar. Ein aussergewöhnlicher Wein, der polarisiert – die Liebste und die Schwiegermutter kriegen «das schnapsige Zeug» nicht runter. Noch vernichtender das Verdikt meines schottischen Bier-Kumpels: «Wie die Unterhose eines Obdachlosen – schmeckt nach Gefahr.» Nun, mir solls recht sein – so habe ich die 620ml-Clavelin-Flasche alleine leeren dürfen.

chateau_d_arlay_vin_jaune_2007_web-2

 

Spitzenwein aus dem Riehener Rebberg

08 Montag Sept 2014

Posted by Bonvinvant in Baselland, Im Rebberg, Meine Zeitungsartikel, Pinot Noir

≈ 2 Kommentare

Schlagwörter

Basel, Basel-Stadt, Blauburgunder, Chardonnay, Jost & Ziereisen, Pacht, Pinot Noir, Riehen, Schlipf, Stadtwein, Thomas Jost, Winzer

Jung und ambitioniert – der Thomas Jost hat im Schlipf Grosses vor. Der Bonvinvant hat den Fricktaler Winzer in den Reben über Riehen besucht.

Winzer im eigenen Rebberg: Thomas Jost übernahm Anfang 2014 die Pacht des Schlipf von Rebmeister Köbi Kurz.

Winzer im eigenen Rebberg: Thomas Jost übernahm Anfang 2014 die Pacht des Schlipf von Rebmeister Köbi Kurz.

Irgendwie erinnern diese Reben an die zusammengeflickten Zombies von Frankenstein: eine weisse und eine rote Sorte, gewaltsam vereint am selben Stock. Oben die frischen Chardonnay-Triebe, unten der zurückgestutzte Strunk 13-jähriger Merlot-Stämme. Die jungen Ruten wurden mit einem Schnitt in das Altholz implantiert und saugen nun Nährstoffe aus dem ausgedehnten Wurzelwerk der ehemaligen Rotwein-Rebe.

Die Frankenstein-Stöcke am Fuss des Riehener Weinbergs Schlipf symbolisieren die Wachablösung, die hier Anfang Jahr vollzogen wurde: Der 26-jährige Winzer Thomas Jost hat die insgesamt 3,2 Hektar umfassenden Weinberge von Rebmeister Köbi Kurz übernommen. Dieser hatte sich seit 1979 um die Gemeindereben im Schlipf gekümmert und ging Ende 2013 in Pension. Mit Jost hat ein ebenso junger wie ambitionierter Winzer die grösste Reblage in Basel-Stadt übernommen – und ein leidenschaftlicher Anhänger der grossen Burgunder Weine aus roten Pinot-Noir- und weissen Chardonnay-Trauben. Womit auch die Frankenstein-Aktion erklärt wäre. «Merlot gibt es nicht im Burgund», erklärt Jost den Sortenwechsel. Also gedeiht nun im Schlipf erstmals Chardonnay.

«Es gibt viel zu tun», sagt Jost. Ein Steinwurf entfernt dümpelt das Riehener Naturbad am Wieseufer vor sich hin. Auf der Weilstrasse davor wurde im Januar 1977 ein Riehener Grenzwächter von den RAF-Terroristen Christian Klar und Günter Sonnenberg niedergeschossen. Sie hatten die Rebberge im Schlipf genutzt, um in der Schweiz unterzutauchen. Gut möglich, dass sie jenen Schlagbaum etwas weiter oben am Hang passieren mussten, neben dem Jost ebenfalls jungen Chardonnay gepflanzt hat – hier ohne Frankenstein-Geschnippel.

Schlipf-Winzer_Thomas_Jost_Selection_Web1Inzwischen steht der Winzer im hintersten Zipfel des Schlipf und blickt über die Jungreben ins Tal. Ein Schritt zurück und er steht in Deutschland. Jost kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. «Diese Aussicht ist schon genial.» Von den Dächern Riehens über den St.-Chrischona-Hügel weiter nach Süden, wo neben der Silhouette von Basel der St.-Jakob-Park zu erkennen ist. Noch breiter wird das Grinsen von Jost, als sein Blick nach unten wandert. Auf die Reben, für die er nun verantwortlich ist. «Kleinbeerig, locker und gesund – so ideale Trauben habe ich während meiner Lehrjahre in der Schweiz noch nie gesehen», sagt der Winzer über die bereits in einem satten blauviolett leuchtenden Pinot-Noir-Beeren. Mit ihnen hat Jost Grosses vor. In zwei Jahren soll der aus ihnen gekelterte Blauburgunder – so heisst die Sorte auf Deutsch – unter dem Namen «Le Grand» für Furore sorgen.

«Ich will zeigen, dass auch in Basel hervorragender Pinot Noir wächst – wir sind nicht nur geografisch näher am Burgund als die Bündner Herrschaft», sagt Jost mit Blick auf die helvetische Pinot-Hochburg in der Südostschweiz. Er schwärmt von den kalkreichen Böden im Schlipf, der Burgunder Pforte, die für ein einzigartig mildes Klima sorgt, und vom kühlen Nachtwind aus dem Wiesental, der die Reben trocknet, die Aromenbildung vorantreibt. «Im Burgund behaupten sie gerne, dass die Jurakalk-Böden bei ihnen beginnen und hier enden – ich sehe das umgekehrt», sagt Jost mit einem Augenzwinkern.

Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Trotz seiner erst 26 Jahre kann Jost auf knapp eine Dekade Winzererfahrung zurückgreifen. Nach den Lehrjahren im Aargau, in Graubünden und im Zürcher Unterland arbeitete er auf Top-Betrieben im deutschen Riesling-Paradies an der Mosel (Weingut Vollenweider) und in Österreich (Weingut Gerhard Markowitsch). Und bei Hanspeter Ziereisen im süddeutschen Efringen-Kirchen, wenige Fahrminuten vom Schlipf entfernt. Beim Markgräfler Winzer amtete Jost bis Ende 2013 während vier Jahren als Kellermeister – und mit ihm hat sich der Fricktaler um die Pacht des Riehener Weinbergs beworben.

Neu wird der Betrieb nämlich nicht mehr von einem Gemeinde-Rebwärter sondern von einem externen Betrieb bewirtschaftet. Überzeugt haben Jost und Ziereisen das Auswahlgremium und den Gemeinderat damit, dass sie neu die Trauben selber zu Wein verarbeiten – mitten in Riehen. Zuvor wurde die Ernte jeweils in der Coop-Kellerei vinifiziert. Für ihr Gemeinschaftsprojekt haben Jost und Ziereisen die Weingut Riehen AG gegründet.Während Jost den Laden schmeisst, führt Ziereisen sein Weingut in Efringen-Kirchen weiter und steht seinem Ex-Kellermeister mit Rat, Tat oder Infrastruktur zur Seite. «Er ist quasi mein Götti», erklärt Jost, inzwischen Winzermeister. Da der Götti auf Weinreise am anderen Ende der Welt weilt, kümmert sich der Fricktaler aktuell auch um dessen Reben.

Langeweile kommt bei Thomas Jost also keine auf – zumal die Ernte mit jedem Tag näherrückt. «Es darf noch einmal schön regnen und dann soll es einen goldenen Herbst geben.» Voraussichtlich Ende September können mit dem Weissburgunder und dem Sauvignon Blanc die ersten Trauben gelesen werden. Damit dürfte Jost einer der ersten Winzer in der Nordwestschweiz sein – die tiefe Lage und das milde Mikroklima im Schlipf machen es möglich.

Schlipf-Winzer_Thomas_Jost_Selection_Web9Gekeltert werden die Weine neu in einem Nebentrakt der Mosterei im Zentrum von Riehen, gleich neben dem Sarasinpark. Seine Weine lässt Jost ohne Beigabe von Reinzuchthefen spontan vergären, danach landen sie unfiltriert in der Flasche. So sollen authentische, möglichst naturnahe Weine mit hohem Wiedererkennungswert entstehen – bis zu 25’000 Flaschen pro Jahr. «Das ist wenig bei dieser Fläche», erklärt Jost. Wie bei allen grossen Gewächsen steht hier Qualität über Quantität. Das gilt auch für die schlanke Produktpalette: Die Weine heissen schlicht «Le Grand» und «Le Petit». Die vom Basler Kalligrafen Andreas Schenk gestalteten Etiketten sind ebenfalls schlicht, klassisch – und orientieren sich am zeitlosen Design grosser Burgunder.

Als erster Wein von Jost & Ziereisen kommt der Le Petit Sauvignon Blanc 2013 in den Verkauf. Wer wissen will, ob Josts Pinot-Noir-Flaggschiff den Bündnern die Herrschaft streitig machen kann, muss bis Ende 2015 warten. Noch mehr Geduld braucht es, bis der erste Chardonnay geköpft werden kann – diesen gibt es voraussichtlich 2017. «Als Junger will man immer alles auf einmal», gibt Jost zu. «Doch gerade beim Wein benötigt es halt Zeit.»

Schlipf-Winzer_Thomas_Jost_Selection_Web11Zusatzinfo: Weinbau im Riehener Schlipf

Basel-Stadt verfügt über knapp 4,8 Hektaren Rebland, dass allermeiste davon im Riehener Schlipf. Dort bewirtschaftet Thomas Jost alleine 3,2 Hektaren. Neben Jost ist Urs Rinklin der einzige professionelle Winzer auf Stadtboden; daneben agieren knapp eine handvoll Hobbywinzer im Schlipf.

Angebaut werden in Riehen die Sorten Blauburgunder (Pinot Noir), Chardonnay, Gutedel, Weissburgunder (Pinot Blanc), Riesling-Sylvaner und Sauvignon Blanc.

Wie der Gemeindehompage zu erfahren ist, blickt der Rebbau in Riehen auf eine Tradition von über 1200 Jahren zurück. Für reiche Basler des 16. bis 18. Jahrhunderts war der hier gepflegte Rebbau ein wichtiger Grund, sich in Riehen ein Landgut zu halten. 1770 betrug die Rebfläche rund 70 Hektaren; sie diente vor allem der Versorgung der Stadt Basel mit dem damals wichtigen Lebensmittel Wein.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Basler Zeitung vom 06. September 2014.$

Schlipf-Winzer_Thomas_Jost_Selection_Web3

Wetterglück am Wy-Erläbnis 2014

31 Sonntag Aug 2014

Posted by Bonvinvant in Baselland, Im Rebberg

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

Baselland, Buus, Das Wy-Erläbnis, Maisprach, Wy-Erläbnis

Wy-Erlaebnis_2014_Web-Selection_1Da waren uns die Wein- und Wettergötter aber wohlgesonnen: Das diesjährige Wy-Erläbnis fiel nämlich just auf den einzigen Sommertag dieser ansonsten gottvergessenen Jahreszeit! Dementsprechend durstig ging es zu und her.

Ein Riesenanlass einmal mehr, diese Weinwanderung von Buus nach Maisprach – eigentlich wie 2013. Da kann man getrost auf den letztjährigen Bericht verweisen. Den Rest lassen wir die Bilder erzählen…

Wy-Erlaebnis_2014_Web-Selection_6 Weiterlesen →

Der Wein-Engel ist endlich gelandet

29 Freitag Aug 2014

Posted by Bonvinvant in Baselland, Meine Zeitungsartikel

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

2013, Internationalen Weinprämierung Zürich, IWPZ, Kellerei, Kirschessigfliege, Liestal, Maisprach, Martin Burmec, Nicolas Neuhaus, Riesling-Sylvaner, Siebe Dupf, Syydebändel, Thomas Engel

«Siebe Dupf»-Kellermeister Thomas Engel besteht seine Feuertaufe beim grössten Baselbieter Weinproduzenten. Nach einem schwierigen 2013 wird bald der neue Jahrgang geerntet.

Gold für den Maispracher Riesling-Sylvaner: Thomas Engel hat beim schwierigen 2013er-­Wein gute Arbeit geleistet.

Gold für den Maispracher Riesling-Sylvaner: Thomas Engel hat beim schwierigen 2013er-­Wein gute Arbeit geleistet.

Als Thomas Engel, Kellermeister beim grössten Baselbieter Weinproduzenten Siebe Dupf, vor einem Jahr das Zepter von Martin Brumec übernahm, hätte die Herausforderung kaum grösser sein können. Das lag nicht nur an den grossen Fussstapfen des fast drei Dekaden amtierenden Vorgängers, sondern vor allem auch an der bevorstehenden Ernte. «Ein schwierigeres Jahr als 2013 war schwer vorstellbar», erinnert sich Engel. Die Trauben seien eher faul als reif geworden.

Inzwischen hat der 39-Jährige einen Grossteil jener Problemernte abgefüllt. Trotz des schwierigen Jahres zeigt sich Engel nun zufrieden mit den frischfruchtigen 2013er-Weinen. «Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.» Dass es sich um mehr handelt, als das Marketinggeschwätz eines Weinproduzenten, zeigt sich etwa bei der Degustation des Maispracher Riesling-Sylvaners: Fruchtig und blumig in der Nase mit Noten von grünem Apfel, Holunder und etwas Muskat; im Gaumen gesellt sich eine herbe Säure dazu.

Grund zur Feier

Der Tropfen wurde an der Internationalen Weinprämierung Zürich (IWPZ) soeben mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Daneben wurden bisher in der frisch angebrochenen Wein-Wettbewerbs-Saison vier weitere 2013er aus dem Hause Siebe Dupf mit Silbermedaillen prämiert.

Da scheint der neue Kellermeister gute Arbeit geleistet zu haben. Feuertaufe bestanden. «Ich habe immer gesagt: Wenn ich mein erstes Jahr alleine absolviert habe, bin ich angekommen bei Siebe Dupf», sagt Engel. Zuvor hat er die Kellerei mit Brumec während eines Übergangsjahrs gemeinsam betrieben. Aus jener Zeit stammt der Siebe Dupf Barrique Pinot Noir 2011, der soeben an der «Mondial des Pinots» in Sierre Gold gewonnen hat. Eine Art verspätetes Abschiedsgeschenk für Brumec.

Auch sonst hat man bei Siebe Dupf allen Grund zu feiern: Das Kleinunternehmen, das nicht nur Weinproduzent, sondern auch Importeur und Händler ist, feiert dieses Jahr sein 140-jähriges Bestehen. «Das ist eine grosse Sache – mit dieser Vergangenheit tragen wir viel Verantwortung», sagt Nicolas Neuhaus, seit Anfang Jahr Geschäftsführer. «Wir versuchen, eine neue Ära einzuläuten.» Vor Kurzem hat Siebe Dupf seine Basler Niederlassung vom Spalenberg in die Enothek an der Grenzacherstrasse gezügelt und die Homepage erneuert.

Neuer Schädling bereitet Sorgen

Im Rebberg bereitet Thomas Engel, der vom Koch zum Winzer wurde, vor allem die neu auftretende Kirschessigfliege Sorgen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fruchtfliegen vergeht sich der aus Asien eingeschleppte Schädling auch an gesunden Früchten. Noch ist ungewiss, in welchem Ausmass die auf Kirschen und Zwetschgen spezialisierte Fliege auch den Winzern zu schaffen machen wird. «Ohne diese Fliege könnte es uns ja fast schon langweilig werden», meint Engel lachend.

Ebenfalls eine grosse Herausforderung für ihn ist die Zusammenarbeit mit den über 100 Winzern, die Siebe Dupf mit rund 250 Tonnen Trauben pro Jahr beliefern (das ergibt etwa eine Viertelmillion Flaschen). Um künftig noch bessere Weine zu keltern, übt Engel bei Bedarf auch einmal sanften Druck aus auf nachlässige Winzer.

Guter Wein entsteht nämlich vor allem im Rebberg, der Kellermeister verleiht ihm dann im besten Fall nur noch den letzten Schliff. Oder er rettet, was zu retten ist – so wie 2013. Dass er diesen Jahrgang bändigen konnte, stimmt Engel zuversichtlich. «Es macht Freude, daran zu denken, was in einem normalen Jahr möglich ist.»

Noch liegt 2014 alles drin

Trotz nasskaltem Sommer – um den Weinjahrgang 2014 steht es nicht so schlecht, wie man meinen könnte. Dank dem heissen Frühling haben die Reben früh ausgetrieben und geblüht. Zeitlich sind sie im Vergleich zum Vorjahr immer noch im Vorsprung. «Wasser haben wir genug – jetzt wäre es super, wenn es bis zur Ernte nicht mehr regnet», findet Engel, wohlwissend, dass ihm die strengsten Wochen des Jahres bevorstehen. Wenn das Wetter mitspielt könnte man in der letzten Septemberwoche mit der Ernte des Muttenzer Riesling-Sylvaners beginnen. Zuletzt eingeholt würden Ende Oktober die Pinot-Noir-Trauben für den neu dazugestossenen Syydebändel-Wein.

Welche Weine sich aus diesen Trauben dann machen lassen, hängt vom Wetter der kommenden Wochen ab. Das Ziel von Engel ist aber klar: «Ich will der restlichen Schweiz zeigen, dass wir im Baselbiet nicht nur gute Chirsi, sondern auch hervorragende Weine hervorbringen können.»

Dieser Artikel erschien erstmals in der Basler Zeitung vom 28. August 2014.

Guter Wein trotz schlechtem Wetter

24 Dienstag Jun 2014

Posted by Bonvinvant in Baselland, Jahrgänge

≈ Hinterlasse einen Kommentar

Schlagwörter

2013, Aesch, Ambros Thüring, Basel-Stadt, Baselbieter Wein, Baselland, Buus, Buusner Bacchus, Flüh, Fredy Löw, Jauslin Weine, Kellerei Siebe Dupf, Klus, Landskrönler Pinot Gris, Liestal, Maispracher Kerner AOC, Muttenz, Peter Nussbaumer, Räbesunntig, Riehen, Sauvignon Blanc Muttenz, Schlipfer Schuumwyy, Solothurn, Tschäpperli, Tschäpperli Federweiss, Ueli Bänninger, Urs Rinklin, Verband der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn, Weinberg, Wetter

Die ersten Regio-Weine aus dem Rebjahr 2013 sind trinkreif – zuvor haben sie den Winzern aber viel abverlangt. Bei der Jahrgangspräsentation erklärten sie, warum das Wetter ihrem Wein nicht wesentlich geschadet hat.

Zufriedene Winzer: Peter Nussbaumer, Ambros Thüring, Freddy Löw, Urs Rinklin, Thomas Engel, Ueli Bänninger und Urs Jauslin (von links).

Zufriedene Winzer: Peter Nussbaumer, Ambros Thüring, Freddy Löw, Urs Rinklin, Thomas Engel, Ueli Bänninger und Urs Jauslin (von links).

Beim bisherigen Prachtsommer können wir darüber lachen. Aber vor einem Jahr steckte die Bevölkerung um diese Zeit noch in einer Winterdepres­sion. Insbesondere die Winzer, denen der nasskalte Frühling 2013 zu schaffen machte. Für sie bedeutet schlechtes Wetter vor allem viel Arbeit im Weinberg. Die Reben sind krankheitsanfälliger und benötigen eine besonders sorgfältige Pflege.

Dass ein durchzogenes Rebenjahr nicht zwangsläufig zu schlechtem Wein führt, bewies der Verband der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn am Montag bei der Jahrgangspräsentation im Basler Restaurant Schlüsselzunft. Die frisch abgefüllten 2013er kommen aromatisch und knackig daher – und schlanker als auch schon. Vom Schaumwein aus dem Riehener Schlipf über den Landskrönler Pinot Gris bis hin zum Sauvignon Blanc aus Muttenz, die Weissweine haben stets eine feine Frucht und ein ausgewogenes Säuregerüst.

Klasse statt Masse

Guter Wein trotz schlechtem Wetter  – dafür gibt es drei wesentliche Erklärungsansätze: Viele Winzer verfügen heute über eine wesentlich bessere Ausbildung, bei der Technik zur Verarbeitung der Trauben gab es ebenfalls grosse Fortschritte – vor allem aber setzen die Weinproduzenten immer konsequenter auf Klasse statt Masse. «Bei uns gibt es nie so schlechtes Wetter, dass der Wein nicht mehr zu retten ist», erklärt Andreas Buser vom Landwirtschaftszentrum Ebenrain, «ausser die Reben erfrieren in einem besonders kalten Winter – aber dann gibt es gar keinen Wein.»

Was für Buser immer noch besser ist als schlechter Wein. Als Rebbaukommissär wacht er mit Argusaugen über die Qualität des regionalen Weins. «2013 gibt es keinen schlechten Wein – allenfalls etwas weniger», sagt Buser. Dass dennoch rund ein Viertel mehr als im Vorjahr produziert wurde, liege an den Frostschäden, die die Erträge 2012 schrumpfen liessen. Im Zehnjahresvergleich liegt man mengenmässig fünf Prozent unter dem Schnitt.

Geduld und Handarbeit

Wie man auch in einem schwierigen Jahr zu einem guten Wein kommt, zeigen Winzer Urs Jauslin aus Muttenz und «Siebe Dupf»-Kellermeister Thomas Engel aus Liestal. Die Ausgangslage der beiden Winzer ist dabei ziemlich gegensätzlich. Jauslin bemuttert seine Reben in minutiöser Detailarbeit, reduziert die Erträge konsequent und wartet geduldig auf den richtigen Erntezeitpunkt – anders als andere. «Am Ende haben viele nicht die Nerven, um abzuwarten – schliesslich sind die Trauben der Lohn des ganzen Jahres», sagt Jauslin. Sein Blauburgunder «Hohle Gasse» gehört zu den absoluten Aushängeschildern des Baselbieter Weins.

Während der Muttenzer seine Reben stets im Auge hat, kann Thomas Engel die Qualität der Trauben, die er für «Siebe Dupf» in der grössten Kellerei der Region zu Wein verarbeitet, nur indirekt beeinflussen: Der grösste Teil der Ernte stammt nämlich nicht aus eigenen Lagen, sondern kommt von diversen regionalen Winzern, die alle unterschiedlich arbeiten. «Umso grösser ist die Herausforderung für mich im ­Keller», sagt Engel. Zunächst habe er gedacht, 2013 werde ein schlechtes Jahr – letztlich ist Engel aber positiv überrascht worden von einer deutlich wahrnehmbaren Aromatik. «Dass wir in einem schwierigen Jahr solche Weine hinbekommen, stimmt mich zuversichtlich», sagt Engel, «so zeichnet sich ab, welch grosse Tropfen wir dann in einem wirklich guten Jahr keltern können.»

Das Rebjahr 2014 hat gut begonnen

Ein solches Jahr könnte uns nun bevorstehen. Die Sommerwochen und der milde Frühling haben den Reben einen optimalen Start in die Vegetationsperiode ermöglicht. «Es sieht gut aus – aber es dürfte gerne wieder einmal regnen», erklärt Rebbaukommissär Andreas Buser. Aktuell haben die Reben bis zu vier Wochen Vorsprung im Vergleich zum Vorjahr.

Gut möglich also, dass den Winzern ein entspannterer Herbst mit grösserem Handlungsspielraum bevorsteht als 2013. Damals mussten einige Weinbauern ihre Traubenernte bis in den November hinauszögern. Ein Warten, das sich gelohnt hat, wie die frisch abgefüllten Weine aus der Region zeigen.

Wer die regionalen Weine vor Ort im Weinberg degustieren will, kann das am 29. Juni 2014 im Rahmen des «Räbesunntigs» machen. Offene Weinkeller gibts in Aesch, Riehen, Sissach, Therwil und Wintersingen.
www.baselbieterwein.ch

Ein neuer Verbandsname
Neu organisieren sich die lokalen Winzer im Verband der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn. Damit wurde nun der Vereinsname den Strukturen angepasst. Bisher agierte man als Weinproduzentenverband Baselland – dies, obwohl schon lange auch Winzer aus Basel-Stadt und Solothurn mit im Boot sind. Die Aargauer Winzer sind nicht dabei, da diese bereits im Branchenverband Aargauer Wein gut organisiert sind.

6_Regio-Weine_2013Sechs Weine aus drei Kantonen: Die ausgewählten 2013er-Weinspezialitäten aus den beiden Basel und Solothurn (v.l.).

  • Tschäpperli Federweiss (B. und U. Bänninger, Tschäpperli, Aesch)
  • Landskrönler Pinot Gris (Peter Nussbaumer und Ambros Thüring, Flüh)
  • Schlipfer Schuumwyy (Urs Rinklin, Riehen)
  • Buusner Bacchus (Fredy Löw, Buus)
  • Maispracher Kerner AOC (Kellerei Siebe Dupf, Liestal)
  • Sauvignon Blanc Muttenz (Jauslin Weine Muttenz)

Dieser Beitrag erschien erstmals am 24. Juni in der Basler Zeitung.

Ein wunderbares Merlot-Massaker in Lugano

07 Samstag Sept 2013

Posted by Bonvinvant in Degustiert, Merlot, Tessin

≈ 2 Kommentare

Schlagwörter

2011, Adriano Kaufmann, Agra Riserva, Agriloro SA, Ampelio, Ascona, Azienda Agricola Avra-Caspiera Sagl, Azienda Vitivinicola Pelossi & Co., Balerna, Belcantonissimo, Beride, Biasca, Cademario, Cantina Monti, Carmagnola, Cassina d'Agno, Castel San Pietro, Castello di Morcote, Chiodi, Claudio Tamborini, Colle d'Avra, Comano, Costera Riserva, Cresperino, Daniel Huber, E+F Klausener, F.lli Meroni Sagl, Fattoria Moncucchetto, Fratelli Corti SA, Fratelli Meroni, Fustoquattro, Gemma dell'Est, Genestrerio, Granato, Il Rubino, Il Viso del Vino, L'Arco, Lamone, Lamone Tenuta Colle S. Zeno Riserva, Leneo, Lugano, Malcantone – Rosso dei Ronchi, Meinrad Perler, Merlot, Moncucchetto, Montagna Magica, Monti – Il Canto della Terra, Murata, Pazzallo, Pio della Rocca, Purasca, Raggio di Sole, Riserva Ernesto, Riserva Tenimento La Prella, Rompidée, Rosso di Sera, Rovere, Salorino, SanZeno Costamagna, SanZeno Riserva, Sauvignon Blanc, Sottobosco, Sottoceneri, Stabio, Tamborini Carlo Eredi SA, Tenimento de'll Ör, Tenuta Agricola Luigina SA, Tenuta Bally & von Teufenstein SA, Tenuta Castello di Morcote, Tenuta San Giorgio, Termine, Tessin, Ticino, Ticinowine, Topazio, Tramonto Rosso, Tre Api, Ultima Goccia, Vallombrosa, Vezia, Vico Morcote, Vinicola Carlevaro

Bonvinvant_Viso-del-Vino_2013_1Zugegeben, am Ende des dreistündigen Degustationsmarathons hat sich meine frisch von einem Wespenstich genesene Zunge doch ein wenig pelzig angefühlt. Und auch die Zahnhälse zeigten langsam, dass mein Weinfimmel ihnen langsam auf den Nerv geht – der Tribut der Tannine. Aber es hat sich gelohnt! «Il Viso del Vino» heisst das vom Fachverband Ticinowine organisierte Stelldichein, das am 2. September im Kongresszentrum Lugano zelebriert wurde.

Über 60 Tessiner Winzer präsentierten ihre Jahrgänge 2011, darunter grosse Namen wie Claudio Tamborini, (noch) amtierender Schweizer Winzer des Jahres oder Meinrad Perler, Winzer des Jahres 2010. Einige Tropfen waren so frisch abgefüllt, dass die Flaschen von Hand beschriftet werden mussten. Die verkosteten Rotweine – hauptsächlich Merlots – lassen sich grob gesagt in drei Kategorien einteilen: a) die fruchtig-frischen, im Stahltank ausgebauten Tropfen mit eher roter Frucht; b) die würzig-weichen, im Barrique gereiften Tropfen mit intensiven Noten von Waldboden, Leder, Pflaume und Lakritz und dezenten schwarzen Früchten sowie c) opulente Granaten mit überreifer schwarzer Frucht und vollem Körper. Mein Weinherz schlägt eindeutig für die mittlere Kategorie. Jetzt aber zu meinen chronologisch aufgeführten Degu-Notizen. Wir beginnen am Stand der Agriloro SA von Meinrad Perler.

Bonvinvant_Viso-del-Vino_2013_2Agriloro SA, Genestrerio
Riserva Tenimento La Prella (Ticino DOC Merlot 2011): Kirsche und frische Himbeere in der Nase; fruchtig frisch auch im Gaumen: Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, leichte Cassis-Noten. Angenehm, frisch und mit mittlerem Körper.
Agriloro SA, Riserva Tenimento de’ll Ör (Ticino DOC Merlot): Hui! Intensive schwarzfruchtige Nase. Auch hier: Brom- und Johannisbeeren und Cassis – aber dichter und ausgeprägter. Dazu Pflaumen, Tabak, Waldboden und Unterlaub. Dennoch frisch und fruchtig um Gaumen. Toll. Und rar.
Agriloro SA, Riserva Sottobosco (Rosso del Ticino DOC): Eine Assemblage aus Merlot (75%), Cabernet Sauvignon (12%), Gamaret (7%) und Cabernet Franc (6%). Der Wein präsentiert sich zurückhaltender, zunächst eher auf der roten Seite, dann gesellen sich auch Cassis- und Brombeer-Nuancen dazu. Anklänge von Tabak und Leder. Wunderbar rund und trinkig im Gaumen: Zuerst macht sich die Frucht breit, dann die Säure und zum Schluss folgen die noch etwas kernigen Tannine. Dennoch schon sehr angenem zu trinken.

Tenuta Bally & von Teufenstein SA, Vezia
Cresperino (Ticino DOC Merlot): Bukett von schwarzer Kirsche, Brombeere, dezente Holznoten. Angenehm im Gaumen: Knackige Säure, präsenter Alkohol, frische Frucht.
Tre Api (Ticino DOC Merlot Riserva): Wow! Sehr ledrig in Bukett, dazu Tabak, Holz und Pflaume, die Frucht hält sich eher im Hintergrund. Nice! Im Gaumen dann Cassis und Pflaumen, danach angenehme Tannine und ein laaanger Abgang. Vollmundig, gut.
Riserva Ernesto (Rosso del Ticino DOC): Man merkt: Hier ist eine Assemblage im Glas. Sie riecht anders als ihre Merlot-Halbbrüder, was an den 25 % Cabernet Sauvignon liegt. Die Frucht ist frischer und duftet nach Him- und Brombeere. Sehr knackig im Mund, präsente Säure.
Topazio (Rosso del Ticino DOC): Ist mit 75% Cabernet Sauvignon und 25% Merlot quasi die Umkehrung des Ernesto. Zurückhaltende Nase, Kirsche und Cassis im Gaumen. Noch etwas grün und ungestüm. Ein junger Wilder, der mir in ein paar Jahren gerne noch einmal begegnen darf. Weiterlesen →

Wy-Erläbnis mit wunder Tsssunge

02 Montag Sept 2013

Posted by Bonvinvant in Baselland, Im Rebberg

≈ 2 Kommentare

Schlagwörter

Aspra, Bacchus, Baselland, Buus, Kerner, Maisprach, Pinot Noir, Riesling-Sylvaner, Weinwanderung, Wintersingen, Wy-Erläbnis

Wy-Erlaebnis_2013_web10Homeboys auf Klassenfahrt: Was gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit den Bandkollegen einen feuchtfröhlichen Spaziergang zu machen? Essen, saufen, laufen. Bei der zehnten Ausgabe des Wy-Erläbnis führte die Weinwanderung am letzten Samstag im August von Buus nach Maisprach. 2700 Nasen haben sich durch die malerischen Rebberge rund um die schmucken Winzerdörfer gepflügt – darunter wir drei Brandhärd-Jungs plus SimonAyEm, der nach abstinenten Monaten den Pfad der Tugend ausnahmsweise verlassen hat, um sich mit uns dem bacchantischen Genuss hinzugeben.

Wy-Erlaebnis_2013_web18Er war auf dem richtigen Weg. Schliesslich ging es um die Huldigung der lokalen Winzerkunst. Von Aspra über Kerner bis hin zu Riesling-Sylvaner gabs alles in den Kelch, was die Baselbieter Rebberge hergeben. Und natürlich Pinot Noir, die rote Königin der Region. Leider begeisterten mich die Blauburgunder dieses Jahr irgendwie nicht. Leichtfüssige, fruchtige Tropfen sind zwar eine tolle Sache für eine Spätsommerwanderung, aber irgendwie hätte ich mir mehr Substanz und Konzentriertheit im Glas erwünscht – diese gibt es nämlich durchaus (und immer öfter) auch in der Region zu finden.

Aber ebä: Das Wy-Erläbnis ist ein Kultevent, bei dem der Rebensaft zwar eine tragende, aber nicht die einzige Rolle innehat. Wirklich überzeugt hat mich eigentlich nur der spritzig-exotische Bacchus von Lokalmatador Fredy Löw – dem unterhaltsamsten Winzer, dem ich bis jetzt begegnet bin.

Dennoch: Das Wy-Erläbnis war auch dieses Jahr eine Wucht! Gutgelaunte Menschen, Dorf-Idylle, Bilderbuch-Landschaften, vielvielviel Wein und Häppchen für den gut geölten Gaumen – rustikal, einfach, gut. Besonders gut gemundet hat das «Trochäfleisch» beim Syydebändel/Bacchus-Halt. Zumindest bis zu dem Moment als ich gieriger Geck gegen eine Wespe den Kürzeren zog. Sie wollte partout nicht teilen und stach mich mitten auf die Zungenspitze. Nicht so angenehm. Aber auch nicht so schlimm wie zunächst erwartet. Sollte man schon einmal erlebt haben.

Das war jetzt eine etwas lange Einleitung. Eigentlich wollte ich nur kurz die untenstehenden Fotos zum Wy-Erläbnis introducen. Hier sind sie also. Wer mehr über dieses wunderbare Volksfest wissen will, kann meinen letztjährigen Bericht lesen. Damals war ich für die BaZ mit Christoph Kokemoor, Sommelier des Grand Hotel Trois Rois, am Wy-Erläbnis.

Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013
Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013
Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013
Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013Wy-Erläbnis 2013

Wy-Erläbnis 2013, ein Album auf Flickr.

← Ältere Beiträge
Neuere Beiträge →

Aktuelle Beiträge

  • Podcast #8 – Martin Schrader – Knak & Badischer Weinbahnhof, Büchsenwein
  • Podcast #7 – Scherer + Zimmer mit Gutedel, Spargel und heiklem Hanf
  • Podcast #6 – Sandra Knecht und Fredy Löw – bringt die kritische Künstlerin den skeptischen Winzer zum Naturwein?
  • Podcast #5 – Stadtbasler Wein mit Silas Weiss vom Weingut Riehen
  • Podcast #4 – Tom Litwan – Reduktion aufs Wesentliche

Instagram

Es wurden keine Instagram-Bilder gefunden.

Bonvinvant bei Twitter

Tweets von Bonvinvant

Bonvinvant

Bonvinvant

Kategorien

  • Anderes Weinzeug (1)
  • Degustiert (30)
  • Essen (18)
    • Gastronomie (16)
      • Hotel (2)
      • Restaurant (4)
        • Guide Michelin (1)
    • Käse (1)
    • Rezept (1)
  • Events (5)
  • Im Rebberg (10)
  • Jahrgänge (2)
  • Kolumne (35)
  • Mein Weinexperiment (17)
    • Im Garten (12)
    • Im Keller (2)
  • Meine Zeitungsartikel (20)
  • Podcast (8)
  • Region (80)
    • Bordeaux (2)
    • Deutschland (12)
      • Baden (10)
      • Mosel (1)
      • Württemberg (1)
    • Dreiland (5)
    • Frankreich (9)
      • Burgund (2)
      • Elsass (1)
      • Jura (2)
      • Korsika (2)
      • Rhone (1)
    • Italien (6)
    • Loire (2)
    • Neue Welt (1)
    • Penedès (1)
    • Rioja (ESP) (1)
    • Schweiz (38)
      • Aarau (3)
      • Basel-Stadt (3)
      • Baselland (18)
      • Graubünden (5)
      • Schaffhausen (2)
      • St. Gallen (1)
      • Waadt (1)
    • Tessin (4)
    • Wallis (6)
  • Spanien (3)
  • Traubensorte (10)
    • Assemblage (2)
    • Chasselas (2)
    • Merlot (2)
    • Pinot Noir (5)
  • Uncategorized (8)
  • Web & Social Media (1)
  • Weingüter (9)
Follow Bonvinvant on WordPress.com

Archiv

  • November 2021
  • Mai 2021
  • April 2021
  • März 2021
  • Februar 2021
  • Januar 2021
  • Dezember 2020
  • Oktober 2020
  • September 2020
  • Juni 2020
  • Mai 2020
  • April 2020
  • März 2020
  • Januar 2020
  • Dezember 2019
  • November 2019
  • Oktober 2019
  • September 2019
  • August 2019
  • Juli 2019
  • Juni 2019
  • Mai 2019
  • April 2019
  • März 2019
  • Februar 2019
  • Januar 2019
  • Dezember 2018
  • November 2018
  • September 2018
  • Juni 2018
  • Mai 2018
  • März 2018
  • Februar 2018
  • Januar 2018
  • November 2017
  • September 2017
  • Juni 2017
  • Mai 2017
  • April 2017
  • März 2017
  • Februar 2017
  • Januar 2017
  • November 2016
  • Oktober 2016
  • April 2016
  • August 2015
  • April 2015
  • März 2015
  • Februar 2015
  • November 2014
  • Oktober 2014
  • September 2014
  • August 2014
  • Juni 2014
  • April 2014
  • März 2014
  • Februar 2014
  • Januar 2014
  • Dezember 2013
  • November 2013
  • Oktober 2013
  • September 2013
  • August 2013
  • Juni 2013
  • Mai 2013
  • April 2013
  • März 2013
  • Februar 2013
  • Januar 2013
  • Dezember 2012
  • November 2012
  • Oktober 2012

Meta

  • Konto erstellen
  • Anmelden
  • Feed der Einträge
  • Kommentare-Feed
  • WordPress.com

Social Media

  • Profil von Bonvinvant auf Facebook anzeigen
  • Profil von Bonvinvant auf Twitter anzeigen
  • Profil von fetchonfire_bonvinvant auf Instagram anzeigen
  • Profil von Bonvinvant auf Pinterest anzeigen
  • Profil von joël-gernet-a6931181/ auf LinkedIn anzeigen

Bloggen auf WordPress.com.

  • Abonnieren Abonniert
    • Bonvinvant
    • Schließe dich 29 anderen Abonnenten an
    • Du hast bereits ein WordPress.com-Konto? Melde dich jetzt an.
    • Bonvinvant
    • Abonnieren Abonniert
    • Registrieren
    • Anmelden
    • Melde diesen Inhalt
    • Website im Reader anzeigen
    • Abonnements verwalten
    • Diese Leiste einklappen
 

Kommentare werden geladen …