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Wusstet Ihr, dass im tiefsten Kleinbasler Rotlichtmilieu erstklassige Baselbieter Weine wachsen? Irgendwo zwischen Ochsen- und Rebgasse. Dies suggeriert jedenfalls die neue App «Vinea Schweizer Weine» auf ihrer Winzer-Karte.

Dort wurde das Aescher Weingut Tschäpperli kurzerhand von der Klus ins Kleinbasel verlegt. Das ist natürlich ein Fehler, auch wenn Rotlicht und Rotwein grundsätzlich zusammenpassen – noch besser wäre hier aber ein Tschäpperli Schaumwein.

Das Aescher Vorzeige-Weingut ist einer von lediglich drei regionalen Winzerbetrieben, die in diesem digitalen Schweizer Weinführer aufgelistet sind. Die App umfasst insgesamt 450 Schweizer Winzer. Diese wurden aufgrund ­ihres Abschneidens bei den grössten Degustationswettbewerben oder wegen ihrer Bekanntheit ausgewählt.Da darf der frischgebackene Muttenzer Pinot-noir-Weltmeister Urs Jauslin natürlich nicht fehlen. Sein Weingut am Fuss des Wartenbergs ist korrekt auf der Weinkarte vermerkt. Ebenso die Siebe Dupf Kellerei im Zentrum von Liestal. Ein blinder Fleck ist hingegen Sissach und Umgebung, wo das beliebte «Wy-­Erläbnis» jährlich Tausende Weinfreunde in die Reben lockt und wo viele Baselbieter Winzer ihre Weine keltern.

Die Geolokalisierung der Winzer ist eine von zwei zentralen Funktionen dieser einfach und übersichtlich gestalteten Wein-App. Schade ist allerdings, dass die vielfältige Schweizer Weinwelt in lediglich vier Regionen aufgegliedert wurde. Das zweite Herzstück der App ist die Auflistung und der Detailbeschrieb der 450 Schweizer Spitzenwinzer. Auf diese gelangt man konsequenterweise auch von der Weinkarte aus.

Zwei Clicks auf den Winzerstand-­ort und wir erhalten die wichtigsten ­Informationen auf einen Blick. So sieht man zum Beispiel, welche Gutsweine am letzten Grand Prix du Vin Suisse, dem grössten Schweizer Weinwettbewerb, eine Gold- oder Silbermedaille erhalten haben.

Um zu erfahren, aus welcher Traube der Tschäpperli AOC Basellandschaft 2011 gekeltert wurde, muss man sich allerdings unter der Rubrik «Infos» auf die Homepage des Produzenten weiterhangeln. Dort heissen alle Weine Tschäpperli. Also dauert es ein Weilchen, bis man herausgefunden hat, dass es sich bei dem Winner-Wein um einen Riesling-Sylvaner handelt. Bei einer App, die sich an Neulinge und Profis richtet, dürfte man genauere Angaben erwarten. Allerdings wird bei vielen Medaillen-Weinen die Traubensorte genannt.

Abgesehen von ihren Kinderkrankheiten ist «Vinea Schweizer Weine» eine hervorragende App, um die helvetische Weinszene kennenzulernen. Und mit Sicherheit wird das Angebot künftig ausgeweitet. Schliesslich handelt es sich hier um die Neuauflage des bisher ziemlich ausgefeilten Schweizer Weinführers. Dieser erscheint neu ausschliesslich als Gratis-App. Die Druckversion kostete immerhin noch 40 Franken. Geld, das wir nun in einen Ausflug ins Basler Rotweinviertel – die Klus in Aesch – investieren können.

Dieser Artikel erschein am 28. Oktober 2012 unter dem Teitel «Wo die Schweizer Winzer wirken» in der Basler Zeitung.