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Im Landgasthof Talhaus in Bubendorf wird wieder gekocht – und zwar vom Ex-Küchenchef der benachbarten Osteria Tre. Wir haben Gianluca Garigliano kurz nach der Neueröffnung getroffen und mit ihm über den bewegten Neustart geredet.

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Bekannte Gesichter in Bubendorf: Das Pächterpaar Gianluca und Illijana Garigliano führt neu den Landgasthof Talhaus.

Gianluca Garigliano strahlt. «Mit dem eigenen Restaurant geht ein Traum in Erfüllung.» Der Spitzenkoch sitzt im rustikalen Teil des frisch eröffneten Landgasthofs Talhaus. Im lichtdurchfluteten, gediegen gestalteten Wintergarten nebenan geniessen die letzten Mittagsgäste ihren Kaffee. Die siebenjährige Tochter des Spitzenkochs wirbelt spielend durch das Restaurant.

«Ich habe nicht erwartet, dass es gleich so gut läuft», sagt Garigliano. Über vierzig Gäste habe er an diesem Nachmittag bewirten können, eben so viele am Vorabend – darunter viele Spontanbesucher. Zum Eröffnungsapéro vor einer Woche kamen 150 geladene Gäste, «darunter auch der Bürgermeister», freut sich der 36-Jährige. «Es heisst Gemeindepräsident», korrigiert Gariglianos Frau Illijana im Vorbeigehen. Die beiden scheinen sich gut zu ergänzen. Er kümmert sich um die Küche, sie schmeisst den Service. Während acht Jahren tourten sie gemeinsam durch Top-Restaurants in ganz Europa. Im Talhaus tritt das Paar nun erstmals als Pächter auf. «Das ist anstrengend, aber schön», findet Garigliano.

Von der Osteria ins benachbarte Talhaus

Landgasthof_Talhaus_Guargliano_web4Der Traum vom eigenen Restaurant war denn auch mit der Grund, dass er Ende 2012 der Osteria Tre im nur einen Kilometer entfernten Bad Bubendorf den Rücken gekehrt hat. Dort erkochte der quirlige Italiener in sechs Jahren einen Michelin-Stern und 15 Gault-Millau-Punkte. Jetzt beginnt der 36-Jährige noch einmal bei Null – dafür aber als Pächter. Dass sein neues Restaurant quasi in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner alten Wirkungsstätte liegt, birgt viel Gesprächsstoff.

Das weiss auch Garigliano: «Wir haben uns viele Gedanken gemacht wegen der Osteria Tre und mit vielen Leuten darüber geredet.» Die Frage, ob Bubendorf einen weiteren Edelitaliener braucht, sei durchaus berechtigt. Die «Stube Ida», in der man der ländlichen Küche Italiens huldigt, biete den Gästen aber ein neues Angebot. «Ein reines Gourmetlokal hätte es nicht gebraucht», findet der in Deutschland aufgewachsene Italiener. Feinschmecker kommen bei Garigliano trotzdem nicht zu kurz: Die rustikale Gaststube wird ergänzt durch das angrenzende «Puro» im Wintergarten. Dort wird abends italienische Spitzenküche aufgetischt.

Eine folgenreiche Spontan-Aktion

Landgasthof_Talhaus_Guargliano_web3Dass Garigliano bei seiner Restaurant-Suche ausgerechnet in Bubendorf fündig wurde, hat viel mit Esther Maag zu tun. Die ehemalige Landrätin hat den Gasthof im November 2012 mit Andreas Spuler und Heinrich Holinger in einer ziemlich spontanen Aktion ersteigert. Die drei Investoren haben sich erst bei der Gant zusammengeschlossen. «Es lief wirklich so unkompliziert und gut ab, wie es sich anhört», erinnert sich Maag. Fast schwieriger gestaltete sich danach die Suche nach einem geeigneten Pächter. Hier, man erahnt es, kommt die Gariglianos ins Spiel. Nachdem das Ehepaar bereits Lokale in der ganzen Schweiz besichtigt hatte, meldete sich Illijana im Februar 2013 auf ein Inserat der neuen Talhaus-Besitzer.

Zunächst sah es schlecht aus für eine gemeinsame Gastro-Zukunft. «Sie kamen und haben abgesagt», erinnert sich Maag an das erste Treffen. «Danach machte ich etwas, das ich sonst nie mache: Ich rief sie persönlich an.» Wieder bekam Maag einen Korb. Dass man sich diesen Juli doch noch gefunden hat, liegt auch daran, dass die neuen Talhaus-Besitzer bereit waren, mehr als vorgesehen in die Restaurant-Infrastruktur zu investieren. Und dass das Pächterpaar bei der Umsetzung seiner Visionen freie Hand hatte, wie Maag mehrmals betont. «Wir fanden das Talhaus immer schön, hätten aber nie gedacht, hier einmal unsere Pläne zu realisieren», sagt Garigliano.

Der Griff nach den Sternen

Seit einer Woche wird im Landgasthof Talhaus nun wieder gekocht. Die frischgebackene Gastro-Unternehmerin Esther Maag ist begeistert: «Ich habe völlig neue Geschmäcker und Gerüche entdeckt.» Geeister Rucola zum Beispiel. Oder Kichererbsen-Schaum. «Zudem haben Gianluca und seine Frau das Lokal absolut geschmackvoll eingerichtet – schlicht und nicht überladen», findet Maag und bereut, dass es kein Vorher-Nachher-Foto gibt. Vor der Auffrischung habe das Lokal einen muffigen 70er-Jahre-Flair ausgestrahlt – mit Plastikblumen und verdorrten Pflanzen.

Mit ihrem Engagement haben die neuen Betreiber die ehemalige «Lastwagenbeiz» nun aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Und Gianluca Garigliano wäre kein Spitzenkoch, wenn er nicht auch im Talhaus wieder nach Gault-Millau-Punkten und Michelin-Sternen greifen würde. So oder so sind die Feinschmecker der 4400-Seelen-Gemeinde sicher nicht unterversorgt: Bubendorf hat zwei Bahnstationen – und bei jeder steht ein Gourmet-Restaurant.

Dieser Artikel erschien zum ersten Mal am 23. September 2013 auf dem Onlineportal der Basler Zeitung.